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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Juni/Juli 2018

in Lektüreliste 19.06.2018 19:36
von Taxine • Admin | 5.953 Beiträge

Lese nun Franz Fühmann "Zweiundzwanzig Tage oder Die Hälfte des Lebens": (War eine Empfehlung.)




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 03.07.2018 22:11 | nach oben springen

#2

RE: Juni/Juli 2018

in Lektüreliste 21.06.2018 20:57
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Habe gerade nix da. Blätter in Vonnegut--Büchern rum und freue mich über Sachen wie diese:
„Wir sind hienieden, um herumzublödeln. Lassen Sie sich bloß nichts anderes erzählen.“

Bin auch eine Empfehlung empfänglich . . .


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 21.06.2018 20:58 | nach oben springen

#3

RE: Juni/Juli 2018

in Lektüreliste 21.06.2018 21:41
von Taxine • Admin | 5.953 Beiträge

Fümann lässt sich gut an. Ist unterhaltsam. Schöner Blick auf Ungarn und seine Reiseeindrücke als überzeugter "Preuße".
Auch einiges zum Lachen. Auszüge z. B. solche:

"In der Kossuthstraße fast nebeneinander: Auslagen eines Night-Clubs mit Photos der Varietédarbietungen und Auslage eines Ladens christlicher Bedarfsartikel, und auf dem Gesicht des huldigenden Tänzers und des huldigend knienden Heiligen der gleiche Ausdruck gestellter Verzückung, gleiche physische Dummheit bekundend..."

Und noch einmal zurückgeblättert:
"Ich versuche in einer Konditorei ungarisch zu bestellen und sage offenbar etwas höchst Anstößiges und weiß nicht was und bin vollkommen hilflos. In dieser Beziehung ist Ungarisch tückisch: Verwechslung von langen und kurzen Vokalen oder stimmhaften und stimmlosen Konsonanten führt oft zu phantastischen Mißverständnissen. Voriges Jahr, da ich in einem Dorfkonsum Grünzeug erwerben wollte und den dazu nötigen Fragesatz stundenlang vorher memorierte, habe ich schließlich die Verkäuferin gefragt, ob sie einen schönen grünen Arsch habe, und das nur, weil bei sonst gleichem Klang "Arsch" kurz und "Zeug" lang ausgesprochen wird. (...)"

Usw. usf.
Romane - schwierig als Empfehlung. Nichts Neues in Sicht oder Wert, gelobt zu werden. Daher auch so viele Reiselektüren. Jatman, wir werden immer anspruchsvoller. Irgendwann lesen wir lieber die Regentropfen auf unseren Fensterscheiben als die Seiten von Büchern.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 03.07.2018 22:12 | nach oben springen

#4

RE: Juni/Juli 2018

in Lektüreliste 21.06.2018 22:31
von Taxine • Admin | 5.953 Beiträge

Und noch ein Brüller aus "Zweiundzwanzig Tage":

„Paprikaskumpli“ sagt Elga, „hat auch der Grass Günter bei mir gegessen, der hat zwei große Teller gegessen, dann hat er sich einen dritten genommen, da haben wir aufgehört zu essen und haben nur noch dem Grass zugschaut, doch der hat auch den dritten Teller verschlungen, dann hat er sich einen vierten genommen, da hab‘ ich mir gedacht, das kannst du nicht dulden, der platzt auseinander, aber dann war ich doch neugierig und hab‘ ihn gelassen, und da hat er auch den vierten Teller hinunter gebracht!“ –
„Und dann?“ frage ich begierig, und Elga sagt strahlend:
„Und dann hat er Salami und Käse gegessen …“





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#5

RE: Juni/Juli 2018

in Lektüreliste 21.06.2018 22:38
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Ich versuche es mal mit der "Anregungsmethode". Gab in der DDR so eine Reihe Erkundungen. Die ist mir jetzt während des Vonnegut-Memorial-Anfalls in die Finger geraten. Thema: 30 irische Schriftsteller. Da finde ich vielleicht was. Flan O Brien ist übrigens nicht dabei, obwohl von dem drei oder vier Bücher zu Ostzeiten verlegt worden. Nun ja. Ich gebe Laut, wenn ich meine, es könne sich lohnen.


www.dostojewski.eu
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#6

RE: Juni/Juli 2018

in Lektüreliste 02.07.2018 10:28
von LX.C • 2.722 Beiträge

Trotz meiner momentanen Auslastung habe ich nun doch nicht länger warten können und Darius Amberger - Inflatio begonnen. Bisher zu sagen, das Werk beschäftigt sich auf literarischer Ebene mit dem wortwörtlich Inflatio gegenwärtiger/zeitgenössischer Wirtschaftsunternehmen, in denen zu häufig aus Scheiße Gold gemacht wird (Entschuldigung :). Die Unternehmer-Hauptfigur will hoch hinaus und über das Ziel hinausschießen, soviel ist mir nach derzeitigem Lesestand bereits klar geworden. Bin gespannt, wo das noch hinführt.
Ich mag den Wortwitz und die ironisch-sarkastische Attitüde Ambergers unheimlich gerne. Gepaart mit dem gesellschaftskritischen Impetus erinnert mich das immer wieder an Volker Braun. Ich kann auch nicht ganz glauben, dass das erst das zweite Werk des Autors sein soll. Für mich ein echter Könner, der mehr Beachtung verdient hätte.


--------------
Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 02.07.2018 10:31 | nach oben springen

#7

RE: Juni/Juli 2018

in Lektüreliste 04.07.2018 21:37
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Klingt gut, Der Hinweis auf Volker Braun hat mich neugierig gemacht. Hätt ich glattweg bestellt, ist aber augenscheinlich ganz neu raus. Da werde ich wohl etwas warten . . . auf Dein Resümee und die Paperback-Variante.

Die Iren schleppen sich so hin. Nicht verkehrt aber nicht zündend.


www.dostojewski.eu
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#8

RE: Juni/Juli 2018

in Lektüreliste 05.07.2018 16:28
von LX.C • 2.722 Beiträge

Glaube nicht, dass es eine Paperback-Variante geben wird. Von "Nachtigall" gab es sie auch nicht. Das Buch selbst ist seinen Preis durchaus wert. Sehr wertig verarbeitet, toller Einband (lassen sich sogar Fettfinger wegwischen ) gutes Papier und Schriftbild. Kaufs ruhig


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
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#9

RE: Juni/Juli 2018

in Lektüreliste 19.07.2018 20:31
von Taxine • Admin | 5.953 Beiträge

Ich mag den Fälscher Beltracchi einfach. Schon die Dokumentation war herrlich, sein Wesen sympathisch in dieser ruhigen Art zu berichten, über Kunst zu sprechen. Daher nun das Buch "Selbstportrait", das zum Glück nicht nur der Schrieb zur Doku ist, sondern viel ausführlicher über das Leben der Familie berichtet und auch tolle Bildtafeln enthält. Ein Maler, der so talentiert ist, dass er Größen wie Spieß und andere täuscht, ist schon erstaunlich. Beltracchi hat mit seinen Fälschungen der Kunstwelt schön gezeigt, was sie ist. Ein Markt, der durch Geld und Wert bestimmt ist. Das Bild dahinter ist unwesentlich, wie es Kunst als Seelennahrung eigentlich nicht sein sollte.
In Verbindung damit dann auch die Roman-Version zum Thema Fälschung. Zwar etwas trocken, aber gut geschrieben. Luigi Guarnieri "Das Doppelleben des Vermeer". Schön, dass auch Proust auftritt.




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