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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Kubrick: Kriegsmetzeley/Full Metall Jacket

in Flümmerey/ La Vista di AscOltO 26.02.2009 00:56
von ascolto • 1.289 Beiträge
Werte Flümmerfreunde,

nun köömt nach dem Coppola und sein Antikriegsepos: Apocalypse Now nun der werte Stanley Kubrick mit seinem "Full Metall Jacket"! Und hinein in die Marinesdressuranstalt, erzählt wird die Kadettenausbildung und die darauf folgende Metzeley bei Charly. Privat Joker, Privat Paula und Privat Cowboy werden gedrillt, mit den Händ am Sack und dadd gewehr zur Braut, die Marines!

Wer wüll der soll begünnen......

zuletzt bearbeitet 26.02.2009 11:19 | nach oben springen

#2

RE: Kubrick: Kriegsmetzeley/Full Metall Jacket

in Flümmerey/ La Vista di AscOltO 26.02.2009 13:34
von Martinus • 3.194 Beiträge

Hallo werte Flimmerfreynde,

Ich traue mich zu beginnen und habe mich schwach erinnert, den Film schon einmal im TV gesehen haben.

Der Drill zur Tötungsmaschine. Hier werden alle Mittel eingesetzt.

Die Verreligionisierung und sexueller Fetischismus:

Als "Priester des Todes" legen sie ein Credo in unum Gewehrab. Jeder Soldat hat sein eigenes Gewehr, was auch mit einem Mädchennamen ausgestattet ist. Das weckt mich an dustere Erinnerungen; Im Grundwehrdienst vernahm ich den dummen Spruch, das Gewehr sei die Frau des Soldaten, dort natürlich spaßig gemeint, so ist es im Film blutiger Ernst. Der Killerinstinkt muss stark sein, damit man in einem Notfall im Krieg, Menschen erschießen kann, und nicht zaudert, und selber eine Kugel empfängt. Die Marines wollen Blut sehen, sie sind zum Sterben da. Im Krieg heißt das euphemistisch, man klärt und säubert.

In der Ausbildung zum Marine vollzieht sich geradezu eine Gehirnwäsche. Der Feldwebel schnauzt einen nach dem anderen an, man darf keine Schwäche zeigen, hier wird großte Zucht und Ordnung verlangt, jede Menschlichkeit wird den Soldaten ausgetrieben. Die jungen Soldaten werden gedemütigt, dass sie sích wie Scheiße fühlen müssen. Jegliche Emotion wird ausgeschaltet, denn man wird ja zur Tötungsmaschine gedrillt.

Privat Paula: Er zeigt Schwäche, macht Fehler, so wird er vom Feldwebel schikaniert, von seinen Kameraden des Nachts geschlagen, weil die ganze Truppe für den Schwächling büßen muss. An sich ist Privat Paula völlig normal, denn man kann unter normalen Umständen, ja nicht unbedingt erwarten, dass ein jeder das Zuchtprogramm durchhält. Aber dort nun wird es verlangt. Privat Joker, der einzige, der noch etwas Menschlichkeit zeigt, unterstützt ihn, so gut es geht.

Gewalt richtet sich gegen Privat Paula selbst, nämlich alles zu Herzen genommen, was in der Ausbildung gelehrt wird, wird er zur Killermaschine, die nicht mehr Freund und Feind unterscheidet. Ihm ist jede Emotion herausgedrillt worden und wird zu einer psychopathischen Mordmaschine, die seinen Vorgesetzten richtet, dann sich selbst.

Kubrick wollte eben gerade das zeigen, dass aufgrund des Drills ein Ausrasten der Marines vorprogrammiert sei. Im Grunde genommen, ist Paula genau so ein Typ, der angezüchtet werden soll. Dass diese Gewalt aber gegen eigene Leute gerichtet werden kann, daran haben die Ausbilder des Camps nicht gedacht. Da brauch nur mal einer Ausrasten und...diese Unmenschlichkeit militärischer Züchtung kritisiert Kubrick.

In diesem Zusammenhang ist auch der Präsidentenmord des Harvey Osmald zu deuten, der aus 75 m Entfernung ein bewegendes Objekt erschossen hat und damit als Vorbild für die Soldaten gilt. - Nur, der Feldwebel denkt nicht mal daran, dass es Kennedy war, der getroffen wurde. Hier wird der Mensch nur als Objekt betrachtet, so weit geht also die Gehirnwäsche; denn wenn man das Zielobjekt als einen Menschen betrachtet, könnte man ja ins Zaudern kommen. Also hier schon, bei Harvey Oswald und des Feldwebels Interpretation, ist schon die Gewalt gegen sich, gegen seine eigenen Leute (Präsident) vorprogrammiert. Man schießt eben nur auf ein bewegendes Objekt; mehr nicht.

Mit dem Bezug der Religion und des sexuellen Fetischismus, werden normale menschliche Regungen und der menschliche Geist pervertiert, zur Maschine degradiert.

Zum Joker:

Er ist der einzige, der noch eine gewisse Menschlichkeit spürt. Er hilft Privat Paula und zaudert erst auch, den Heckenschützen zu erschießen, als sie sich von Angesicht zu Angesicht befinden. Joker ist auch etwas naiv. Auf seinem Helm steht "Born to kill" und an seiner Uniform klebt ein Friedensabzeichen. Auf die Frage, ob er schon mal in einer Schlacht war, sagte er, "nur auf MTV." Der Joker, der als Kriegsberichterstatter in den Einsatz kommt, hat gar nicht innerlich vollzogen, auf was er sich eingelassen hat.

In der Schlacht gegen den Heckenschützen, wird ein Schwarzer zum Auskundschaften als Vorhut gewählt. Ein Rassismus ist hier zu erkennen, man opfert lieber einen Schwarzen.....

so, und nun seid uihr dran

Liebe Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#3

RE: Kubrick: Kriegsmetzeley/Full Metall Jacket

in Flümmerey/ La Vista di AscOltO 27.02.2009 13:49
von ascolto • 1.289 Beiträge
Werte Flümmersleuth, werter Martin.us,

Muir stellen suich mehrere Fragmentchens...hier foldend dadd Eindringlichste:
klar ist mir dass eine Soldatenausbildung, ob als Rekrut oder aber Berufung immer ein ähnliches Ziel voraussetzt. In extremen Situationen (Kampfhandlungen/Lebensverlust/Tötung) in dem ein ungeheurer nähmlich lebensbedrohlicher Stress freigesetzt und in die nicht in Praktika vorher eingeübt werden kann, der Kampfhandelne einer Befehlskette (Disziplin) und daher dem Souverän (Kommandeur) folgen soll.Tut er dies nicht, also reagiert der Soldat Gefühlsorientiert, dann erfolgt meist kein strategisches TeamDenken, keine "besonnene" Wahrnehmung und daher eine noch extremere Gefährdung des Agierenden bzw. des Team (hier Platoon). Also JEDE Soldatenausbildung versucht dies zu simulieren und die eigene Denkhaltung des Soldaten zu negieren, ihm sein Souverän bedingungslos dem Kommandierenden unterzuordnen und dies mit einer Methode (unter Strafe/Disziplinarmassnahmen usw.) einzuüben?
Hier ist diese Methode für uns Zivilile eine folternde Sado-Masobeziehung zum Ausbilder. Die Methode ist einfach, der Ausbilder übernimmt den Status "bedingungsloser Gehorsam" ist zu folgen. Er verkörpert die Gefahr für die Rekruten und nimmt ihnen im Monatstakt jede Eigendynamik die nicht in diese Ausbildungsmethode passt. Der Ausbilder ist "Charly", der Feind und erschafft ein Glaubensersatz für diese Schikanen: Du bist nichts, nur der Corb also die Marines sind heilig! Hier wird also in sehr schowienistisch sexistischen und christlichen Metaphern das "Rückrat" zerstümmelt und wieder in ein Marinesselbstbewußtsein aufgebaut. Die Frage die sich stellt, ist dies eine wenn auch brutale Methode die funktioniert? Gibt es ein Marinesselbstbewußtsein?
Und Stanley Kubrick erzählt uns: Sie funktioniert nur bis zu einer gewissen Substanz, die Unterordnung kann bis in die Motorik eingehämmert werden, doch in Grenzsituatonen reagieren/folgen nicht Alle diesen Mustern.
Ergo, es gibt keine Methode um über die intensivste Lebenserfahrung ein Kontrollmechanismus zu indoktrinieren, im Ende/ in dem Todeskampf und der pshychischen Anspannung sind sich auch diese Ausgebildeten ihren Eigendynamiken überlassen.....
D.H Situationen im zweiten Teil der Flümmerey, nähmlich die Kampfhandlungen mit Charly sind das Grauen auf dass in dieser Ausbildung vorbereitet. Und hier wird in einigen Sequenzen deutlich (als Privat Cowboy die Führung des Platoon übernimmt) dass sich diese Befehlskette auch nach einem Drill wie er in der Ausbildung indoktriniert, nicht dieser gefolgt, es agiert ein "nervöses" sich uneines Team, keiner Kommandoebene.
Die Soldaten haben sich "verlaufen" und schon reagieren sie wie in einer zivilen Situation. Sie beraten sich und streiten und rennen in den Tod/hier eine Scharfschützin (Eine Frau die dass vollbringt was die Marines ausmacht: Schießen auf entfernteste Ziele und dies bis zur Selbsaufgabe). Und es ist eine Gourillakämpferin, denn ohne Uniform. Sie vernichtet das halbe Platoon, und wird dann von einem hingerichtet der ohne jede Kampferfahrung (Fotograf). Privat Joker versagt im Nahkampf, Mündung in Mündung, und beschließt mit einem Mitleidsfangschuß dass Leben der Frau (tötet diese Selbsaufgabe???)
Ende aus dem Off: ich habe nun keine Angst mehr und bin glücklich überlebt zu haben, nur Raus aus dieser Hölle.......
Also brauch ein Soldat diese Methode, diesen brutalen Marinesdrill? Wenn er in der wirklichen Kampfhandlung sowiso nur diesen Gedanken folgt????
Krieg ist abscheulich, doch die Ausbildung hierzu, und ist sie noch so brutalst, läßt den Soldaten immer Allein. Er ist im Kriegstraumagemetzel und will nur eins:ÜBERLEBEN....

Bis hier ersteinmal.
Grüße vom olen A

zuletzt bearbeitet 28.02.2009 12:33 | nach oben springen

#4

RE: Kubrick: Kriegsmetzeley/Full Metall Jacket

in Flümmerey/ La Vista di AscOltO 28.02.2009 13:41
von ascolto • 1.289 Beiträge
Werter Martin.us,

nun weiter.....
Zu Privat Joker:
Privat Joker verkörpert für mich die Geisteshaltung des Zweifels in Ironie/Sarkasmus. Er ist rethorisch den anderen Charakteren überlegen und nutzt dies zur Profilierung kritische Anmerkungen zum Geschehen zu posaunen. Dafür wird er in der Ausbildung mehrfach (Schläge und Beleidigunen) abgestraft. Er schafft den distanzierten Blick uns Rezipienten, will sagen, er ist der Protagonist mit dem man sich am leichtesten identifiziert. Kurzes Bild: Er ist Atheist, verhält sich aber als Einziger christlich (Zuordnung:Mitgefühl/Privat Paula/Fotograf/Scharfschützin).Er wählt eine Einheit die nicht im Kampfgeschehen unmittelbar involviert (Medien/Berichterstattung). Er depüiert die Kommandoebene durch seine duale Aussage (Button: Peace und Take auf dem Helm: Born to kill). Sein Sarkasmus ist allgegenwärtig, unter den Rekruten und Soldaten, in die höhere Kommandoebene, und er steht hierzu, (Ausbilder: er hat Schneid). Seine veränstigte Aktion in Front der Frau Scharfschützin (Auge in Auge) in der er nicht reagieren/töten kann, nur sich zu verteidigen sucht. Dies aber sehr unmotorisiert (Sein Gewissen und die Angst sind stärker als der Drill), eher in einer Opferhaltung die zur Täterhaltung wird als er aus dem Mitgefühl um die Schmerzen der Sterbenden sie erschießt. Das erste Mal?!
Hier wird uns ein kritischer Geist inzeniert, der obwohl im Gemetzel integriert weiter sich ein eigenes Meinungsbild formt. Ein Held im Antiheldenepos?!
Insbesondere als Reporter des Stars- und Stripesmagazin klart er uns die Provaganda des Militärkommandos. Wie dort in den Redaktionssitzungen mit Meldungen hantiert bzw. die Manipulative uns erzählt. Jede Meldung wird zum Meinungsbild und verdreht damit sich die "Kunden" motiviert und dem "amerik. way of live" verbunden. (Insbesondere hierzu die Interviews der Soldaten vor der Kamera, deren Statments). Doch auch das aufklärerische wird uns gezoomt: Das Massengrab!
Also die Ambivalence eines Berichterstatters: Gedrillt zu einem Killer, dennoch weiter im Kriegsfluß ein "nichtangepasster" Geist der aber "mitschwimmen" muss da die Handlungsstränge , will sagen, die Motorik des Gemetzel dies erfordert!
Privat Paula:
Mir verkörpert die Figur einen labilen nicht reflektierenden Geist. Zu phlegmatisch um der Dynamik der Kriegsmotorik zu folgen. Eigentlich verkörpert er die Talente des Durchschnittsbürgers und heute Yellowpress: Präkariats? Zu lethagisch im Körpergefühl, kompensierend mit Nahrung (Süßes/Krapfen) und im langathmigen Synabsensprung, zu unkonzentriert? Doch der Drill in seiner Gewalt nimmt Fahrt auf. Durch die Demütigungen "erwacht" die Energie, Beschleuniger der Wut die in den kalten Hass und dann Selbsthass sich potenziert. Bis auf die erste Szene, in der er sich in der nur vorgehaltenen Hand selbst würgen soll, die auch ich nicht sofort umgesetzt, ist er vom Leistungsprofil eines Marinesrekruten komplett überfordert. Er verlangt nach Hilfe: Und bekommt sie: Zuwendung????? Ist Privat Paula die Verkörperung des Klassenletzten, so hat er wie all Diese auch ein Talent, er schießt gut! Und das heißt: Er, in der Ausbildung am meisten gedemütigt hat eine wichtige Qualität, die Wichtigste? Er kann töten! Und dies und sein Hass verhelfen zum Klassenziel, er wird ein Marines. Doch, da er die Ausbildung in seinem Hassgeist wörtlich und undifferenziert sein Überich definiert wird er dass was von ihm erwartet: Ein pshychopatischer Killer, der aber die Corbidentität nicht erfasst und aus seinem Hass metzelt.
Frage: Hätte er wenn nicht Privat Joker (Vaterfigur) nicht Nachtwache, diese auch gemetzelt! Hier wird mir vorgeführt, wie aus einem Minderwertigungskomplex immer mehr durch den Loop der Demütigungen ein Mörder heranwächst:Ihm wird die Möglichkeit der Kommpensation entzogen und dann kommt der Gewaltkreislauf ins Rollen.
Zu Privat Cowboy der für mich das Symbol des "normalen" Soldaten demnächst mehr.....

Herzgruß, dadd olle A

zuletzt bearbeitet 28.02.2009 14:16 | nach oben springen

#5

RE: Kubrick: Kriegsmetzeley/Full Metall Jacket

in Flümmerey/ La Vista di AscOltO 28.02.2009 14:32
von Martinus • 3.194 Beiträge
Hallo ascolto,

Zitat von ascolto
Frage: Hätte er wenn nicht Privat Joker (Vaterfigur) nicht Nachtwache, diese auch gemetzelt! Hier wird mir vorgeführt, wie aus einem Minderwertigungskomplex immer mehr durch den Loop der Demütigungen ein Mörder heranwächst:Ihm wird die Möglichkeit der Kommpensation entzogen und dann kommt der Gewaltkreislauf ins Rollen.


Privat Paula hätte dann warscheinlich alle im Schlafsaal gemetzelt, wie ein Amokläufer. Du hast die psychischen Vorgänge vom Paula sehr schön gedeutet. Privat Paula bekömmt Demütigungen von der Truppe und seinen Kameraden. Was er empfangen hat, will er dann mit geladenem Gewehr austeilen. Sein Über-Ich( Joker) ist so stark, dass er es nicht umbringen kann, aber das Über-ich ist auch zu schwach, den Paula wieder in die richtige Bahn zu lenken. Die Kränkungen die Paula empfangen hat, sind zu einschneidend in seine Seele gebrannt, dass er wie du schon sagtest, nicht mehr reflektieren kann (das Gewissen ist ausgeblendet).

Ist Privat Cowboy der, der zuerst die Truppe im Gefecht angeführt hat? Auf jedenfall ist dieser sehr unsicher. Sie stehen in falscher Position, haben sich quasi verlaufen. Es überfällt ihn eine große Unsicherheit, muss sofort den kommandierenden Anrufen. Die Soldaten befinden sich ja in einer militärstrategisch ungünstigen Stellung. Er selber geht natürlich nicht auskundschaften, sondern schickt einen Schwarzen los. Ihm fällt auch die militärische Führung aus den Händen. Er muss seine Kameraden mehrfach anbrüllen, damit sie überhaupt mit dem Schießen aufhören. Die militärische Stärke, die sie noch in der Ausbildung hatten, vergeht hier völlig, da der Feind aus dem Hinterhalt ziehlt. Der Cowboy hat Angst, im Häuserkampf haben sie dann die schlechtere Stellung. Im Sterben will er noch vor seinen Kameraden Stärke beweisen, aber der Körper erlischt und so, ist dieses Aufbäumen gegen den Tod schon eine Farce. Privat Cowboy muss an sich gedacht haben, dass alle draufgehen.

Liebe Grüße
mArtinus



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 28.02.2009 14:34 | nach oben springen

#6

RE: Kubrick: Kriegsmetzeley/Full Metall Jacket

in Flümmerey/ La Vista di AscOltO 01.03.2009 04:09
von ascolto • 1.289 Beiträge
Werter Martin.us,


Privat Cowboy verkörpert aus meiner Sicht den "Normalo", also den Rekruten der die Symbolik des Durchschnitts der Massendenkweise spiegelt. Ein Junge aus Texas......nicht umsonst Texas? Er reagiert wie fast alle "golden Boys". Passt sich an, lebt im schowienistischen Schwadronieren und weiß auch noch (makaber) wer die "wilde Schießübung", ein Gemetzel an einer Uni verursacht: ein Marines (das nennt man Bildung). Gezielte Schüsse aus einer großen Entfernung!
Privat Cowboy ist der Soldat den die Army sich wünscht,den sie braucht, Kannonenfutter in Marinesuniform.
Die eigentliche Aufgabe seiner Protagonistenrolle wird uns erst als er zum Zugführer seinens Platoons durch den Tod seines Vorgesetzten anvertraut. Er funktioniert dann dessorientiert und wird von seiner Basis (Komando) im Stich gelassen (2malige Funkanfrage). Er trägt eine immense Verantwortung und kann sich nicht unter seinen Anvertrauten durchsetzen. Er verhandelt mit seinem Platoon um Gefechtsruhe, also versucht das Platoon zu beruhigen (Verletzter Schwarzer) und kann sich nicht durchsetzen! Gefühle der Wut brodeln/agieren und zwar die Revanche! Er stirbt als er einen weiteren Hilferuf per Funk an die Kommandoebene (Stab) versucht. Diese läßt ihn im Stich, bzw. symbolisiert mir die Nichtigkeit eines Humanus, eines Menschenleben für die Organisation:Army!
Privat Cowboy stirbt den Tod vieler, er stirbt als verlassene Nummer in einer Armee, den Tod im Hilferuf um seine Aufgabe zu erfahren! Wie soll ich handeln.......


Soweit zum Privat Cowboy....

Grüsse vom A

zuletzt bearbeitet 02.03.2009 22:01 | nach oben springen

#7

RE: Kubrick: Kriegsmetzeley/Full Metall Jacket

in Flümmerey/ La Vista di AscOltO 21.03.2009 14:10
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge
Da der Film gestrig durch's Programm flimmerte, nun endlich auch mein Eindruck dazu :

Direkt am Anfang des Filmes herrscht diese lapidare, hawaiianische Musik, während den Männern der Kopf geschoren wird, die sich dieser Prozedur mit brummigem oder resigniertem Gesicht ergeben. Ein Boden voller Haare zeigt das Ende des gewohnten Lebens und den Beginn eines neuen, in dem das Individuum auf Gleichheit getrimmt wird, in dem er keine eigene Meinung oder Eitelkeit mehr besitzt.
Der Umgang des Sergeanten mit seiner neuen Truppe wirkt wie der Schlendergang an den unbeholfenen, noch naiven Rekruten vorbei, um eine Beleidigung nach der nächsten loszuwerden. Ein sichtbarer Routinevorgang, der brüllend absolviert wird, wie es sich für den militärischen Drill gehört:
„Ihr seid hier alle zusammen gleich wertlos!“
Diese psychologische Prozedur ist notwendig, damit der Mensch sich in Reih’ und Glied fügt. Der Brüllende verschafft sich hier (wie beim Reviermarkieren des Tieres) seine Position. Dieser Vorgang dauert eine Weile.
Der Sergeant zeigt, wer er ist; er ist unangreifbar, verantwortlich dafür, aus den Menschen Soldaten zu machen, das gedankenlose, einfach reagierende Stück Kanonenfutter (für beide Seiten dann auch tragbar, denn wie der Soldat auf Befehl reagiert, so ist auch für die, die die Befehle erteilen, ein gedankenlos Handelnder kein richtiger Mensch mehr und vereinfacht das Opfer). Der Sergeant demonstriert das insbesondere durch das, was er über sich selbst verlauten lässt:
„Kommen Sie doch mal bei mir zu Hause vorbei und ficken Sie meine Schwester.“
Unantastbarkeit. Er nimmt jede Beleidigung vorweg, um zu zeigen, wo er steht, und gleichzeitig, dass all das, was aus dem Mund der Rekruten kommt, keinerlei Bedeutung hat.
Seine Aufgabe bleibt zunächst, durch ironisch, zynische Sprüche, den Menschen in seine Schranken zu weisen, demütigende und sexistische Angriffe, die hauptsächlich unter die Gürtellinie gehen und jeden Rekruten auf einen „hoch gestapelten Berg Scheiße“ oder auf einen „schwulen Arschficker“ reduzieren. All das wirkt noch relativ harmlos, zum Beispiel, als er zu einem Soldaten sagt:
„Sie sind so hässlich, sie könnten glatt ein modernes Kunstwerk sein!“
Doch bald schon nehmen die gebrüllten Angriffe eine andere Wendung.
„Jetzt erwürgen sie sich selber!“ schreit er Privat Paula an, der immernoch grinst, bis ihm unter der zudrückenden Hand des Feldwebels das Lachen vergeht. Hier also beginnt der Ernst.
Diese Szene drückt das Erwachen aus dem „Kindlichen“ in der Wirklichkeit aus. Ein brüllender Fremder macht auf das Individuum anfangs sicherlich immer einen eigenartigen, belustigenden Eindruck, weil der Mensch im Umgang miteinander kaum den Schrei, sondern das normal laute Wort gewohnt ist. Da läuft also ein Irrer zwischen den Männern herum, die noch keine Ahnung haben, was genau auf sie zukommt, und beleidigt sie mit derben Sprüchen. Hier erfordert es eine Überwindung, einen Prozess des Begreifens. Die Rekruten müssen erkennen, wo sie sind, was sie sind (nämlich nichts, wertlos) und mit wem sie es zu tun haben. Privat Paula, der all das eben erst noch lustig findet, auf den Worte alleine noch keine Wirkung haben, weil er – ich deute hier Statue und schlaffe Haltung als Zeichen dafür – in der Welt sicherlich oft genug mit Beleidigungen und Sprüchen konfrontiert wird, reagiert ähnlich. Als der Sergeant ihn zunächst anbrüllt, kann er ihn nicht ernst nehmen, sicherlich seine einzige Abwehr, sein Schutzschild, um sich vor solchen Angriffen zu schützen. Man erlebt oft, dass labile Menschen, die sich selbst durch die immer wieder auf sie bezogenen Schikanen wertlos fühlen, mitlachen, wenn ein Stärkerer sie herunterputzt. Das hilft ihnen unbewusst, den Umstand zu ertragen, indem sie mit dem Angreifenden über sich selbst lachen und somit nicht nur das Opfer anderer, sondern auch ihrer selbst werden. Dadurch nehmen sie dem Angreifenden etwas von seiner Macht. Auch, als Privat Paula aufgefordert wird, sich zu würgen, hebt er die Hände fast noch ungläubig an den Hals und würgt sich selbst ein bisschen, bis ihm der Sergeant schließlich sagt, er solle seine Hände dazu benutzen. Als er dann aber den kalten Griff eines anderen (den kalten Griff der Wirklichkeit) spürt, dessen Kraft er nicht kontrollieren kann, dessen Gewalt er wirklich spürt, begreift er den Ernst der Lage und bekommt es mit der Angst zu tun. Hier kommt er endlich in der Wirklichkeit an. Das Lachen ist ihm nun vergangen.

Bei den einzelnen Aufgaben wird deutlich, worauf so eine Ausbildung hinausläuft. Erniedrigungen, Beschimpfungen, abartige Bestrafungen bewirken ein langsames Vergessen des gewohnten Alltags, einen angespannten und nervenaufreibenden Zustand, der ständige Vorsicht und absoluten Gehorsam erzielt, der das Nachdenken verhindert. Der Drill verschärft die Sinne für das Überleben und lässt die Vernunft verstummen.
Es sollen schließlich Killer entstehen, die auf Befehl handeln, ohne vorher zu überlegen, was sie tun. Es wird ihnen mit dem „Schießt zuerst, sonst werden ihr erschossen“ - Spruch eingebläut.

Die Reaktionen auf die Schikanen (insbesondere bei Privat Paula) werden durch das kurze Zucken der Mundwinkel oder ein grimmiges Gesicht verdeutlicht, wobei niemand die Möglichkeit hat, einzuschreiten. Hier wird gut sichtbar, dass die Ausbildung von vorneherein den Gehorsam mit sich bringt, die von vorneherein angenommene Machtlosigkeit, das Übergeben der eigenen Verantwortung an den, der den Befehl erteilt. Die Unterordnung dieser Befehlsgewalt verhindert eine Reaktion aus eigenem Antrieb. Man gehorcht, selbst dann, wenn die Bedingungen grausam oder unmenschlich sind.
Einprägsam ist die Szene, als Privat Joker seinen Unglauben verkündet, auf den der Sergeant sofort reagiert. Hier ist der perfekte Nichtgläubige, eine ebenmäßige, freie Fläche, auf die man alles projizieren kann.
Die Verantwortung für Privat Paula bewirkt bei Privat Joker eine Art Ablenkung, weil er sich menschlich auf ihn einlassen, während er gleichzeitig dafür Sorge tragen muss, dass der andere die Aufgaben richtig zu erfüllen lernt. Dadurch denkt er nicht mehr nach, sondern nimmt an, was der Drill ihm überantwortet. Sein Umgang mit Privat Paula zeigt, dass er noch aus alter Gewohnheit handelt. Gleichzeitig, durch die Übertragung, jemanden etwas beibringen zu müssen, wird er aber Teil der Maschinerie.

Privat Paula ist einer von denen, die nicht zum Killer taugen. Sein Ausweg ist der Tod. Die ganze militärische „Erziehung“ ist ein Aussortieren. Das Hirn wird leer gebrüllt und gefegt, und die, die damit nicht zurechtkommen, gehen erbarmungslos vor die Hunde, was auch so gedacht ist. Hier steht nicht mehr der Mensch, sondern der Soldat, und falls ein Rest „Mensch“ zurückbleibt, muss dagegen gewirkt werden.
Die Aussicht auf den Krieg, dass dort, zwischen den Feinden, die Maschinerie laufen muss, dass nur eine Gefühlsschwankung oder Schwäche das ganze Rekrutentrupp in Gefahr bringt, um erbarmungs- und emotionslos zu werden, um jede Selbstreflektion völlig aus dem Kopf zu hämmern, um darin nur das Echo des Befehls zu dulden, wäre für einen vernünftig und moralisch denkenden Menschen sicherlich nicht Rechtfertigung genug, darum bedarf es dieser psychologisch ausgefeilten „Betreuung“. Sie ist nötig, um Menschen überhaupt in einen Krieg schicken zu können, um ihnen die Notwendigkeit zu verdeutlichen, für eine große Sache zu sterben. Nach eigenem Ermessen würde sich wohl kein Mensch solch einer Gefahr aussetzen.
Typisch ist die militärische Bestrafung, dass die Schuld dieser Bestrafung auf einen gelenkt wird, der zuvor einen Fehler begangen hat. Damit wird einerseits der Teamgeist der Truppe gestärkt, zum anderen das vernunftbegabte, eigenständige Handeln und Reagieren ausgeschaltet. Die Bestrafung aller löst Hass und Wut aus, die psychologisch ausgeklügelt auf eine Person gelenkt wird, an der sich abreagiert werden kann. So lernt der, der den Fehler begeht ebenso wie die, die bestrafen. Es entstehen eigene, militärische Gesetze im Sinne: Tu, was man dir sagt und bring deine Kameraden nicht in Schwierigkeiten, indem du Fehler machst.(Man sieht, wie fortgeschritten die militärische Erziehung hier schon wirkt, denn unter diesen Bedingungen wird immer gleich gehandelt, keiner hinterfragt den psychologischen Trick des Sergeanten dahinter, selbst dann nicht, wenn er sichtbar wird, denn man würde trotzdem gegen die Mehrheit handeln, sich damit selbst der Gefahr einer Bestrafung durch die Gruppe aussetzen… usw.) Der Zwang, sich unter solchen Bedingungen zusammenreißen zu müssen, kann nur auf zwei Möglichkeiten hinausführen: Geistige Abhärtung oder geistige Verwüstung.
Privat Paula ist labil, nicht für den Drill geeignet, das sehe ich auch so, aber ich denke nicht, dass es Hass ist, der da in ihm aufkommt, gegen die Meute und sich selbst, sondern, dass in seinem Kopf etwas verrückt, der Verstand ausschaltet, er gerät in einen Schockzustand (eine Art natürlicher Schutzmechanismus des Körpers). Man sieht gut, wann das passiert, das Gesicht wechselt seinen Ausdruck in eine Maske des Weggetretenseins, die Augen kippen vornüber, man sieht das Weiß. Er ist nur noch leere Hülle, nur noch Körper, der reagiert. Im Grunde hat er nun die Form aller anderen Rekruten angenommen, doch nur äußerlich, während die anderen mit ihrem Geist gelernt haben, so zu sein. Der Zusammenbruch von Privat Paula ist unumgänglich, nur eine Frage der Zeit. Er hat die Persönlichkeit, den ganzen Charakter gewechselt, hat, bis zu seinem Ende, den Versuch gemacht, sich in die Maschinerie einzufügen, allerdings, indem er sich einfach treiben lässt, er ist damit ohne Halt. Sein einziger Freund ist sein Gewehr, was auch Privat Joker auffällt. Er redet mit einem anderen Rekruten darüber, wobei das Gespräch nach einer kurzen Bemerkung sofort oberflächlich wird. Es ist so, er dreht durch. Tja, da kann man nichts machen… So in etwa sind die Gedanken. Die Ausbildung tut Wirkung, sie können nicht mehr „menschlich“ darauf reagieren, kein Ausbruch aus der Truppe ist mehr möglich, sie sind eine funktionierende Einheit, die keine Rücksicht mehr auf den Zusammenbruch eines Einzelnen und Außenstehenden nehmen kann.
Privat Paula funktioniert eine Weile lang, von außen betrachtet, ganz ausgezeichnet, bis er dann endgültig zusammenbricht. Der Befehl des Sergeanten zeigt keine Wirkung mehr. Da Privat Paula, wie man zuvor gesehen hat, ein eher schüchterner, introvertierter Mensch war, läuft er nicht Amok, es kommt für ihn – so mein Eindruck – auch gar nicht in Frage, auf Menschen zu schießen, die keine Bedrohung für ihn darstellen, sondern erschießt lediglich den Sergeant, der es mit erneutem Brüllen versucht (was meines Erachtens nach auch der Auslöser ist, warum er ihn überhaupt mit in den Tod nimmt) und dann sich selbst.
Der Rest der Truppe hat die Ausbildung zu aller Zufriedenheit absolviert, ist „bereit, seine eigenen Eingeweide zu fressen“.
"Das Marine Corps will keine Roboter, das Marine Corps will Killer!
Sie sind nun Männer, keine Maden mehr. Sie denken nicht mehr, reagieren, wann es notwendig ist. Kurz: Sie sind bereit für den Krieg!

Durch den Verlust des „Menschlichen“ wird es für die Soldaten natürlich langweilig, wenn nicht Krieg oder Kampf herrscht. In diesem Zwischenzustand zwischen dem Nichtgeschehen und dem Kampf auf dem „Schlacht“Feld lässt sich nichts anfangen, außer abzuwarten. Der Zustand des Wartens ist vergleichbar mit dem der Ungewissheit. Er macht nervös und ungeduldig, erweckt den Wunsch, dass endlich irgendetwas passiert, und sei es, wie in diesem Fall, dann eben der Kampf.
Die erste, wirkliche Konfrontation mit dem Krieg zeigt natürlich ein anderes Gesicht, als die Vorbereitung. Das hast du gut erkannt, Martinus, dieses „Born to kill“ auf dem Helm und das Friedensabzeichen auf der Uniform, ein völlig absurder Gegensatz. Privat Joker ist damit, trotz der Härte der Ausbildung, noch ein Teil seiner selbst, denn es liegt schließlich ein Unterschied zwischen der theoretischen Konfrontation mit der Gewalt (die Schreie und Beleidigungen des Sergeanten waren eben keine körperliche Bedrohung) und der tatsächlichen Begegnung mit dem Krieg, dem Tod, dem Töten selbst. Der „Killer“ wird damit aus der Trockenübung in die echte Konfrontation geschleudert, und hier zeigt sich nun, ob der ausgebildete Killer nicht wieder zum Menschen zusammenbricht. Die Härte der Ausbildung, das sehe ich ganz im Gegenteil zu euren Meinungen, erleichtert aber dem Soldaten zu diesem Zweck diesen Schritt. Dadurch wird einmal seine eigene Gefühllosigkeit gefördert, er ist damit abgehärtet, und zum anderen wird damit (durch das Wissen um die eigene Wert- und Bedeutungslosigkeit – ihr seid Kanonenfutter!!!, dem nur damit abgeholfen werden kann, wenn man die Gegenseite seiner selbst zeigt, den Killer) der Blick auf den Feind erleichtert, der ebenso wertlos wird. (Kubrick kritisiert in meinen Augen nicht die Härte der Ausbildung, sondern die Situation an sich, dass für einen unsinnigen Krieg Menschen auf diese Weise benutzt und "verwertet" werden. Der Mensch wird zum Ding gemacht. Sieht man es aber aus dem Standpunkt des Soldaten, nicht des Menschen, so dient ihm die harte Ausbildung für die Begegnung mit dem Krieg sicherlich eher, als z. B. das einfache Lernen des Umgangs mit der Waffe.) Hier wirkt der Spruch: Töte, damit du nicht getötet wirst!, und er wird durch das Betrachten des „Schlitzauges“ (die rassistischen Bemerkungen sind nicht nur im Wort gemeint, sondern, der Vietnamese wird tatsächlich als minderwertig betrachtet, um das Töten zu vereinfachen) verinnerlicht. Gut sichtbar wird das an solchen Aussagen:
In jedem dieser Schlitzaugen steckt ein Amerikaner, der aus ihm raus will. – Was für eine Begründung, um das Abschlachten des Feindes zu heroisieren.

Die Szene der Reportage, als die Kamera an den Verwundeten und sich in Deckung befindenden Soldaten vorbeischwenkt, zeigt die Anspielung auf das amerikanisch gezüchtete Heldentum ebenfalls. Und selbstverständlich dient es der Propaganda. Die Soldaten scherzen, geben sich den Anschein von Berühmtheiten (womit sie für den Moment der Kameraaufnahme aus ihrer Wertlosigkeit in einen Helden-Sinn klettern, der mit dem Verschwinden der Kamera aber auch sofort wieder in sich zusammenfällt) sagen unter anderem, sie seien die Cowboys und zur Not wären eben die Schlitzaugen die Indianer. Der Gegner wird abgewertet und mit der Ausrottung an anderer Stelle gleichgesetzt. Damit wird die amerikanische Geschichte aus einer damaligen Situation heraus in die Köpfe gelockt, statt aus einer gegenwärtigen (es wird verharmlost, zu Film und Spiel gemacht), zugleich dient der Rassismus in jeglicher Hinsicht dem Heraufbeschwören eines Feindbildes. Sie führen Interviews, als wären sie Schauspieler in dem großen Stück „Krieg“, Figuren in einem Spiel, die die Notwendigkeit mit einbeziehen, dass sie für eine größere Sache geopfert werden. (Ähnlich absurd erscheint es mir immer, wenn ich einen ehemaligen Offizier sehe, der stolz seine Sterne und Abzeichen poliert und dann auf einem Bein davon humpelt, nachdem er in aller Ehre die Flagge gegrüßt hat. Aber auch das sind die Bedingungen des Krieges, der Patriotismus ermöglicht die völlige Blindheit gegenüber den Tatsachen…)

Das "Tier", das für den Krieg gezüchtet wurde, wird durch den Wechsel zwischen Schlachtfeld und freier Zeit (hier die Prostitution) dargestellt. Der Verkauf von Menschen und der Mord an Menschen sind ähnlich rabiat und gefühlskalt. (Auch wirkt hier die Beschimpfung des Sergeanten nach, wie schon zuvor beim Putzen der Duschräume, als Joker und Cowboy kurz über Privat Paula reden und dann auf die Schwester zurückkommen.) Nur die eigenen Verletzten reißen in dieses allgemeine Abstumpfen immer mal wieder ein Loch des Schreckens hinein.

Gerade im der Situation mit dem Scharfschützen (der sich hinterher als eine Frau herausstellt, was vielleicht der einzige Grund ist, warum Privat Joker hier auf einmal wieder Menschlichkeit zeigt, während an dieser Stelle ebenso und erneut dieser, von Ascolto schon gut ins Wort gefasste Gegensatz eintritt - der Atheist, der sich durch das Gebet der Frau in seinen Grundsätzen als Soldat erschüttert sieht) wird für mich deutlich, dass der Drill seine Aufgabe erfüllt hat, auch wenn sich das ganze Kommando für einen kurzen Moment verselbständigt. Privat Cowboy zögert, ruft mehrfach um Hilfe und hofft auf einen Befehl von oben. Dass sich dieses Zögern auf die ganze Truppe negativ auswirkt, ist wohl kein Wunder. Damit wirkt der, der den Trupp führen soll, schwach (damit entgegengesetzt der Ausbildung und ihrer Auswirkung), mehrfach greift er nach dem Funkgerät, was ihm schließlich, als Sinnbild dafür, dann auch das Leben kostet. Einer, der stärkeren Rekruten übernimmt schließlich die Verantwortung, indem er sich zu den Verletzten vorwagt. Privat Cowboy hat die Situation zwar richtig gedeutet, dass es sich um eine Falle handelt, und mit den beiden Verletzten die anderen Soldaten gelockt werden sollen, aber er konnte sich nicht durchsetzen, weil er Schwäche gezeigt hat. Des eigentlichen Führers zuvor beraubt, dem er der Aufgabe entsprechend bereitwillig gefolgt ist, übernahm er eher notgedrungen und konfus das Kommando und war letztendlich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Er fällt damit aus dem Rahmen der Ausbildung, weil er nur das Gehorchen gelernt hat, nicht das Führen.
Der Erste, der sich ihm und seinen zögernden Befehlen widersetzt, tut das aufgrund seines besser in dieser Situation funktionierenden Charakters (seiner Wut). Die Wut ist aber auch ein Teil des Drills. Er fühlt sich überlegen. Deutlich wird das, als Privat Joker verkündet, dass sie die Frau nicht so verletzt den Ratten überlassen können, wo er sofort betont, dass er nun das Sagen hat und Privat Joker seinen einzigen Freund (Privat Cowboy) verloren hat. Als dieser dem Anderen erklärt, das läge gar nicht in seiner Absicht, die Führung zu übernehmen, ist der Andere sofort besänftigt und sagt in grimmigem Lächeln, dass er die Frau gerne „erlösen“ dürfe. In diesem Moment, denke ich, stirbt der winzige Rest „Ich-Sein“ in Privat Joker, mit dem Schuss aus nächster Nähe überschreitet er die letzte Grenze und betritt den Ort des Krieges endgültig als Killer.
Privat Joker sagt: Ja, ich bin in einer Welt voll Scheiße, aber ich bin am Leben. Und ich habe keine Angst.
Die Ausbildung hat also sehr wohl ihren Zweck erfüllt. Wenn auch erst mit der Erfahrung im Krieg selbst. Das Gelernte: „Töte, sonst wirst du getötet!“, die Überwindung der Angst, all das tut seine Wirkung
Denn ohne diese Form des Drills wären der Gehorsam und das Gehorchen auf Befehl nicht möglich. Nur, weil die Rekruten durch die Gehirnwäsche dieser militärischen Erziehung gingen, so meine Ansicht, waren sie in der Lage, den Tod und Krieg zu verdauen, so aufzunehmen, sei es in der Betrachtung des Feindes als niederes Wesen, sei es in den eigenen Überwindungen, sich zu opfern, sich einer Situation auszusetzen, bei der man weiß, dass es das Leben kosten kann. Die Härte der Ausbildung macht den Soldaten erst möglich, ist auch nicht das, was in Frage gestellt werden muss, sondern diese ganze unsinnige Kriegsmaschinerie. Und, da letzteres nicht hinterfragt wird, hat es, meiner Meinung nach, auch keinen Sinn, die Ausbildung zu hinterfragen.
In Amerika wurde ja auch mit Drogen experimentiert, um den Menschen hinter dem Soldaten ganz und gar auszumerzen, wobei das Experiment bekanntlich schief ging, weil die Soldaten ausrasteten und sich dann auch gegenseitig abschlachteten. Auch unter solchen Bedingungen zeigt sich eben, dass das „Tier“ im Menschen jederzeit hervorgebracht werden kann, dann aber eben auch als „Tier“ handelt, nicht mehr als Mensch.
Letztendlich dient diese Kriegsmaschinerie nur dem Z w e c k , nicht dem M e n s c h e n, was, so finde ich, in diesem Film sehr ausdrucksstark herüberkommt. All das ist so hirnlos und sinnlos wie der Tod von Privat Paula, wie die Gegensätze, die Privat Joker auf Helm und Uniform trägt, wie das gefühlskalte Brüllen des Sergeanten, wie der geschmacklose Scherz der Soldaten:

Willst du ein Gewehr der südvietnamesischen Armee? Niemals benutzt, nur einmal fallengelassen.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 05.06.2009 21:05 | nach oben springen

#8

RE: Kubrick: Kriegsmetzeley/Full Metall Jacket

in Flümmerey/ La Vista di AscOltO 24.03.2009 22:59
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge

Na, wenn der Song nicht passt, welcher sonst...



Davenports and kettle drums
and swallow tail coats
table cloths and patent leather shoes
bathing suits and bowling balls
and clarinets and rings
and all this radio really
needs is a fuse
a tinker, a tailor
a soldier's things
his rifle, his boots full of rocks
and this one is for bravery
and this one is for me
and everything's a dollar
in this box

Cuff links and hub caps
trophies and paperbacks
it's good transportation
but the brakes aren't so hot
neck tie and boxing gloves
this jackknife is rusted
you can pound that dent out
on the hood
a tinker, a tailor
a soldier's things
his rifle, his boots full of rocks
oh and this one is for bravery
and this one is for me
and everything's a dollar
in this box

(Tom Waits)




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 18.06.2009 14:02 | nach oben springen


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