Shoah-Literatur - Kritik erlaubt?
Klüger stellt in "Weiter leben" den Leser zunehmend unter Generalverdacht, sich nicht mit der Geschichte auseinandersetzen zu wollen, verwendet mehr und mehr Zeilen mit Leserschelte, dass der Leser sich nach ihrem Ermessen nicht adäquaten und differenziert mit dem Thema auseinandersetzen würde und wolle. Sie fragt sich ständig, oder den Leser, wie ein eingeschnappter Lehrer, dem niemand zuhört, für wen sie das Buch überhaupt schreibe.
Erreicht man den Leser, indem man ihm ständig Unwillen und Ungläubigkeit und Versäumnisse vorwirft?
Ihr Buch lesen doch die, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen, und die, die sie so gerne kritisieren möchte, werden ihr Werk ohnehin nicht in die Hand nehmen oder mit solch "Schelte" erstrecht nicht wachgerüttelt.
Sie beklagt den Verallgemeinerungshang und –willen und hat doch gemessen an anderen Werken der inzwischen langen Kette an deren Ende sie aus gegenwärtiger Sicht steht wenig Faktisches beizutragen.
Das ist eine Eigenartige Philosophie, die den vielen unorthodoxen und auch neuen und sehr lohnenswerten Betrachtungsweisen, um die man das Buch dann tatsächlich lesen sollte, doch einen negativen Beigeschmack beimischt.
Ich bin erst auf der Hälfte, aber das musste ich jetzt einfach loswerden. Und frage mich doch schon wieder, darf man an Werken der Shoah-Literatur Kritik üben?
Kritik sollte in Zeiten der Meinungsfreiheit wohl berechtigt und erlaubt sein, egal zu welchem Thema (es sei denn, es herrscht keine Meinungsfreiheit oder der Mensch begrenzt sich in seinen Denkfreiheiten selbst), insbesondere, wenn sich der Leser gegen ungerechtfertigte Vorwürfe zur Wehr setzen oder sich diese seitenlang gefallen lassen muss. Es gibt zu diesem Thema zum Glück genügend Literatur, die etwas zu erzählen hat und nicht den Menschen bekämpft, der diese Zeit nicht höchst persönlich miterlebt hat, eigene Opfer beklagt oder nicht das gleiche Schicksal teilt.
(Immerhin liest du wohl sogar Holocaust-Comics (habe ich das richtig gesehen?), und das will etwas heißen. Das kann man wohl kaum als Desinteresse bezeichnen.
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