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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 15:40
von Martinus • 3.194 Beiträge

In der Buchhandlung meines Vertrauens Teil I

Gestern war ich ich der Buchhandlung und kaufte Heideggers „Holzwege“, und als ich an der Kasse gestanden bin, guckte mich die Verkäuferin so seltsam an, als ob ich doof wäre, und ich guckte so zurück, dass ich gar nicht beschreiben kann, wie ich zurückguckte, und das zog sich so viele Sekunden in, sodass ich nicht mehr wusste, wo ich hingucken sollte, und um die Anguckerei sinnvoll zu beenden, hatte ich einen Einfall und sagte „Äh..“, daraufhin die Verkäuferin mich anders anguckte als vorher und fragte, warum ich drei Exemplare dieses Buches kaufe. „Ich lese das dreimal, denn doppelt hält besser“, sagte ich und da guckte sie schon wieder so doof, als ob sie dachte, ich sei doof, was überhaupt nicht stimmt, denn ich bin niemals doof gewesen, nur einmal, als ich in ein parkendes Auto reinfuhr, was aber nicht der Rede wert ist, ich also noch niemals doof, sie aber dachte, ich sei doof und irgendwie wurde mir alles zu blöd. Möge sie doch endlich mal anders gucken. Dann fing sie auch noch an zu kichern, das mag ich überhaupt nicht, entweder man lacht man richtig oder lässt es bleiben, aber so ein dämliches Gekichere ist wirklich zu doof, und ich wusste nicht, was das Gekichere sollte, schließlich wollte ich mir nur ein Buch kaufen. Beinahe hätte ich 'Halt die Klappe' gesagt, da sagte sie: „72€, bitte". 'Bitte sagen kann sie wenigstens', dachte ich, legte ihr das Geld hin und war froh, als ich draußen war. Wegen so ein bisschen Bildungwillen wird man heute ausgelacht. Schweinerei, der guck ich nicht mehr ins Gesicht! Ich bin doch nicht doof!!

mrtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 30.07.2011 06:02 | nach oben springen

#2

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 16:45
von LX.C • 2.719 Beiträge

Vielleicht hat sie sich ja nur verknallt in dich.

Für mich gibt es auch keinen Buchhandel des Vertrauens, weil man nie bekommt, was man gerade benötigt. Und bestellen geht im Netz schneller. Ich ziehe hallengroße Antiquariate vor, da fühle ich mich wohl, da findet man immer oder überwiegend das was man sucht und als Bonus kann man sich gleich noch ein paar Vinyl für die Entspannung danach mitnehmen.


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#3

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 17:04
von Martinus • 3.194 Beiträge

Zitat von LX.C
Vielleicht hat sie sich ja nur verknallt in dich.



Daran habe ich gar nicht gedacht. Vielleicht sollte ich doch nochmal da vorbeigucken.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#4

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 17:07
von LX.C • 2.719 Beiträge

Ja, lad sie auf einen Heidegger ein, dann merkst du, ob du auf dem Holzweg warst oder nicht


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#5

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 17:10
von Martinus • 3.194 Beiträge

o,jeh, wenn das Roquairol liest.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#6

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 17:16
von LX.C • 2.719 Beiträge

Wieso? Ist das etwa seine Freundin?


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#7

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 17:23
von Martinus • 3.194 Beiträge

Nee, er hat mir doch im Heidegger-Thread gesagt, ich soll von den "Holzwegen" die Finger lassen. Dadd kapiere ich sowie so nicht.(diese Buchhändlerin da versteht das erst recht nicht, bin ich mir sicher. Die nich!)




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#8

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 18:04
von LX.C • 2.719 Beiträge

Na, man soll die Leute nich unterschätzen. Ich verbringe auch viel Zeit hinter einem Tresen


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#9

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 18:09
von LX.C • 2.719 Beiträge

Jetzt hab ichs, die hat gedacht: Genau so sieht ein Philosoph aus - die ja oftmals für etwas eigen gehalten werden, das tat sie sicher auch und so musste sie kichern


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#10

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 19:27
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von Martinus
o,jeh, wenn das Roquairol liest.






Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
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#11

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 19:34
von Roquairol • 1.065 Beiträge

So richtig doof guckte gestern der Spieler von Mainz 05, der kurz vor Schluss die Gelbe Karte bekam. Ich dachte schon, der ist geistig behindert oder so ...

Ziemlich doof guckte auch die Kellnerin, als ich mal mit einem Transvestiten in einem Cafe war und sie uns die ganze Zeit beide als schwul behandelte - beim Bezahlen sah ich ihr dann sehr viril in die Augen, und das brachte sie für offenbar völlig aus der Fassung ...

Aber ich verstehe immer noch nicht, wieso Martinus das Buch jetzt gleich dreimal gekauft hat ...




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#12

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 29.07.2011 20:02
von Martinus • 3.194 Beiträge

Zitat von Roquairol
beim Bezahlen sah ich ihr dann sehr viril in die Augen, und das brachte sie für offenbar völlig aus der Fassung ...
.


toll, wenn man Leute mit so unscheinbarer Kinesik durcheinanderbringen kann.

Zitat von Roquairol
Aber ich verstehe immer noch nicht, wieso Martinus das Buch jetzt gleich dreimal gekauft hat ...



Der Ich-Erzähler dieser Zeilen, also der Geschichte meine ich, ist nicht mit mArtinus gleichzusetzen, vielleicht wäre er es ja gerne, das erzählerische Ich entweder eine merkwürdige Marotte hat oder vielleicht wirklich doof ist. Der Gipfelpunkt der Seltsamkeit des angeblichen mArtinus hierin mündet:„Ich lese das dreimal, denn doppelt hält besser.“
Nun gut, in diesem Programm bzw. Thread folgt dann noch eine Fortsetzung der Geschichte.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 30.07.2011 03:01 | nach oben springen

#13

RE: In der Buchhandlung meines Vertrauens

in Spielereien 30.07.2011 16:51
von Martinus • 3.194 Beiträge

In der Buchhandlung meines Vertrauens Teil II mit einem Epilog



Der geneigte Leser erinnert sich an die Verkäuferin, die mir mit ihrem Gekicher auf den Nerv ging, und doch, heute Früh beschloss ich, noch mal in diese Buchhandlung zu gehen, weil mir zu Hause klar wurde, die Verkäuferin eigentlich mehr als ganz nett aussah. Meine Frau war einkaufen, so ich die Zeit nutze wollte, um..., oh, nein, glauben Sie nicht ich bin ein Fremdgeher. Ich liebe meine Frau, aber so rumgucken darf ich doch. Na und? Außerdem ich noch ein paar Bücher wollt, und ob die Verkäuferin immer so merkwürdig wie gestern war, ich auch froh, dass ich meiner Frau nicht sagen musste, dass ich noch mal in die Buchhandlung ginge, weil sie gestern mit den Nerven am Ende war, als ich mit den Heideggers heimkam.

Ich fuhr los und betrat den Laden, guckte mich vorsichtig um, ob die irgendwo rumlief, visierte dann aber doch erst mal ein Buchregal an, an dem ich gestern nur flüchtig vorbeigehuscht, zog drei Taschenbücher heraus und ging Richtung Kasse. Da stand sie und als sie mich sah, schaute sie weg und gab einer Kollegin ein Zeichen, sie solle Kasse machen. Was hat die nur, denkt wohl, ich bin hinter ihr her oder so, was für eine Fantasie Frauen nur haben..tz.., habe ich sie gestern genervt ? Nein, kann nicht sein, die hat doof gekichert, nicht ich, ach, scheiße, hat die 'ne Figur, man(n) und schon legte ich die Bücher auf den Tresen: Die Justine, die Juliette, Die 120 Tage von Sodom. Und, die, also die andere, nicht die von gestern, die sich inzwischen irgendwohin verdrückt hatte, die andere, als sie auf die Bücher guckte, gurgelte so ähnlich wie ein Schluckauf herum, holte tief Luft, ich dachte schon, der gehts nicht gut, und fing an, nein, nicht zu kichern. Die grinste irgendwie ins Leere und seufzte, eigentlich hier nicht mehr zu unterscheiden war, ob sie seufzte oder stöhnte und plötzlich, als ob ihr gerade ein Erinnerungsfetzen durch ihren hübschen Sünabsenschädel gebraust war, prustete sie so ein befreiendes Lachen heraus, dass ihr ein paar Tränen in den Augen standen und sagte: „Ich hatte mal einen Freund, der fand das geil.“ - „Was geil?“ - „Na, den Marquis.“ - „Das ist nicht geil, gute Frau, es werden nur scheinheilige Moral - und Tugenvorstellungen an die Wand gefahren.“ Dann fing die Verkäuferin an zu lachen, und ich war wirklich davon überzeugt, sie lache mich aus. „Sie haben noch nie „Philosophie im Boudoir“ gelesen, nicht wahr? Sollten sie aber. Übrigens, sehen sie mich nie wieder. Erst kichern, dann auslachen, nicht wahr?, sagte ich mit stoischer Gelassenheit. Ich habe die Schnauze voll, werteste. Ich bestelle nur noch online! Jetzt war ich doch beleidigt und schmiss ihr den Schotter vor die Nase. Dann verließ ich, nicht noch mal zurückguckend, das Fachgeschäft.

Epilog

Zurück zu Hause war meine Frau schon da und wollte gleich wissen, was ich getrieben hätt. Drei Bücher habe ich gekauft. „Was , bist du doof? Du hast doch den Heidegger erst!“ „Ja, aber für den brauche ich länger. Konnte gestern nur einen Absatz lesen.“ - „Nur, einen Absatz, ha“, krächzte sie halblustig hervor, „und was hast du jetzt da?“ Aus meinem Rucksack kramte ich die Bücher hervor, legte sie auf dem Wohnzimmertisch und sagte, die seien fürs Wochenende. „Schon wieder drei Bücher“, schimpfte sie und schaute genauer hin. „Was, der Marquis, der Sade, nein, bis du wahnsinnig geworden? Solche Dreckbücher kommen mir nicht ins Haus. Bin dir wohl nicht mehr attraktiv genug. Elendes Männerpack! Irgendwann musste ja so was kommen!“ - Aber, mein Lottchen, was hast du denn, ich liebe dich doch.“- „Widerlich!“, schrie sie, fing an zu weinen und ließ sich auf den Stuhl nieder. Ich reichte ihr ein Taschentuch und sagte: „Aber, Lotte, beruhige dich doch bitte. Du weißt, ich war dir immer treu, niemals habe ich an eine andere gedacht und finde dich immer noch hinreißend. So wird es auch immer bleiben. - Ich weiß, bin ein oller Bücherverrückter, aber dieser Marquis de Sade fehlte noch in meiner philosophischen Sammlung, denn du musst wissen, das sind nicht solche Bücher, wie du meinst. Du weißt schon. Na ja, so was kommt schon mal vor, ist aber völlig unwichtig. Das ist Moralphilosophie. Nichts weiter. Die Verkäuferin im Laden hat das nicht kapiert, aber ich weiß, du wirst das verstehen. Es geht um den doppelten Boden.“ Da horchte Lotte plötzlich auf. „In der Juliette rechnet De Sade mit Moral- und Tugendvorstellungen in Frankeich ab,“ ergänzte ich klärend. „Du weißt doch, Lottchen, wir sind doch immer so gerne nach Frankreich gefahren.“ Allmählich beruhigte sich meine Frau wieder, hat wohl eingesehen, dass ich nicht zum elenden Männerpack gehöre, machte ihr auch noch einen Vorschlag, die Juliette gemeinsam zu lesen. Ich lese zwei Seiten vor, sie die nächsten zwei Seiten usw. „Das wird ein lustiges Wochenende“, versprach ich ihr. Und dann redete ich mit ihr noch über Platon, den einzigsten Philosophen, von dem sie während ihrer Schulzeit ein bisschen gehört hatte. Wir plauderten über die irdische und himmlische Aphrodite und erklärte ihr, hier gebe es keinen doppelten Boden darunter, sondern einen Himmel darüber. „Die irdische Aphrodite, dass ist das, was wir manchmal so machen, von der himmlischen Aphrodite aber hat niemand eine Ahnung, weil unsere Sinne den Blick zu ihr trüben. Wie in einer dunklen Höhle tapsen wir rum, manchmal laufen wir sogar gegen die Höhlenwand, unsere Sinne dann sogar ausgeschaltet sein können.“ - Mein Lottchen warf ein, „die tapsen gegen die Höhlenwand, weil sie tief in die Weinflasche geguckt haben, und dann ist es ja so, neulich war ich beim Friseur, und da habe ich gelesen, Alkohol mache impotent. So da haben wir das nun. Diese Männerclique da, die haben gesoffen, und konnten mit ihren Frauen nichts anfangen, darum sie ihren Trieb in Fantasien auskosten mussten, und weil sie mit den Frauen, Xanthippen usw. nichts anfangen konnten, unterstellte man ihnen eine Homoerotik. So war das, ja! Aber einer unbedeutenden Hausfrau glaubt ihr Philosophenhirne ja nicht.“ - „Das hat sich jetzt aber so angehört, als wärst du dabei gewesen“, sagte ich und nahm sie in die Arme. Wir küssten rum und weiteres mehr.

mrtrinus




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zuletzt bearbeitet 31.07.2011 05:56 | nach oben springen


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