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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Darius Amberger

in Die schöne Welt der Bücher 15.05.2014 18:34
von Taxine • Admin | 5.952 Beiträge

Darius Amberger
Nachtigall aus halben Tönen


„Hier und Jetzt sind Pfosten derselben Tür und doch liegen Welten dazwischen.“


Ich mag Romane, die sich an das Wesentliche halten, die Türen öffnen, die ins Nichts oder eben wieder hinaus führen, sich nicht mit unnötigen Längen schmücken, damit die einzelnen Sätze dann umso schöner funkeln. Von mir aus darf ein Roman ruhig einen schönen Satz an den nächsten reihen, ein Spiel das nächste öffnen, voller Lücken sein, eine Deutung die nächste nach sich ziehen, „nach dem Punkt sich ein neues Fragezeichen öffnen“.
Tatsächlich gibt es, abgesehen von Lyrikbänden, die das Wesentliche konzentrieren müssen, um alles zu sagen, wenige Romane, die diese Leistung fertigbringen, zumal zwischen dem Eigentlichen ja auch noch eine Geschichte erzählt werden muss. Da können sich Worte in Wörter und Löcher verwandeln oder aber mit jedem Satz die Zwischenräume sichtbar werden, das Ungesagte aus einem hundertseitigen Werk ein Sandbuch kreieren.

Was mir an Romanen gefällt, die mich beeindrucken, sind neben dem Verdichteten natürlich auch Sprachspiele oder Verweise auf tiefere Hinter- oder Abgründe. Je mehr man liest, desto mehr kennt man, und doch bleibt man, Leser durch und durch, dem Buch treu, schlägt es auf, will sich aufs Neue hineinstürzen, überraschen, hoffentlich verwirren lassen. So vieles wurde gesagt und gerade darum bin ich dann erstaunt, wenn es ein Roman schafft, mir doch, in ganz simpler Art und Weise, Neues zu offenbaren, nicht einfach nur anders gesagt, sondern im Sinn/Sinnlosen verschoben und Tiefen bergend, dass mir die Freude am Lesen dann mit jeder weitergeblätterten Seite auch noch bewusst vor Augen steht, insbesondere dann, wenn sich das, was man liest, nur in einfachen Gesprächen, Symbolen, Figuren oder eben in einem Turmbau zeigt, der sich als Brunnen herausstellt, wie in Darius Ambergers Buch „Nachtigall aus halben Tönen“.

Die Ideen sind letztendlich die, die funkeln und mich faszinieren. Und an Ideen mangelt es in diesem kleinen Werk nicht, das sich als Miniaturroman verstanden wissen will.
Schon der Titel deutet auf das Bild, das seine Oberfläche überreicht, aber sich nicht anmaßt zu zeigen, was darunter brodelt. Bilder, die mit „Nadel und Faden signiert“ sind, verweisen auf das Andere, das sich im Leben gerne verbirgt, dennoch stets vorhanden bleibt, nicht einmal darauf wartend, entdeckt zu werden, dass aber im Bild der Mensch neu entsteht, wie er nie wäre, wenn er sich nicht ständig neu kreieren würde, um dann in den altbekannten Gesichtszügen ganz langsam zu versauern.
Die Eigenschaft vieler Menschen, sich hinter dem Bestehenden zu verschanzen, um mit der Gleichechomaske dann auch noch genau das zu betonen, weil man ja reden muss, zeigen muss, wer man ist, sich offenbaren, anvertrauen, im anderen Menschen zu spiegeln, um ja nicht aus der Form zu kippen, ist die altbekannte. Anders gesagt:

Zitat von Amberger
„Wenn du besoffen in der Hundehütte einnickst und tags darauf mit Schnauze und vier Beinen erwachst, brauchst du dich nicht wundern.“


Jene Fragen aber befinden sich hinter der Wirklichkeit, kein Ding an sich, sondern nur wie in einem Bergwerk gelagerte Gesteinsschichten der Deutung. Die, „Flicken, die maßgeschneidert sind“, vermengen sich mit dem Lächeln zahlreicher Situationen und Gespräche, die unter „rückwärts, damit relativ genau gehender Uhren“ stattfinden, die drohend über den Köpfen der Figuren dieses Buches zu ticken beginnen.

Wenn ein Turm als Brunnen dem Erbauer dazu dient, den Glauben an seine Lebensroutine zu erhalten, indem er gegen das Vorhandene anbaut, den Gegensatz wie ein Trompetenstoß in die Welt donnert, auf dass sich in der „Lüge“ die „Wahrheit“ abzeichnet, damit die Tür eine Art Mittelweg versinnbildlicht (der ja als Ausweg letztendlich immer bleibt und so Ausrede wird), wenn der Mensch sich in seiner auf Sprichwort und Zitat verkleinerten Weltsicht offenbart (als kritischer Wink auf das vielfach Banale, außerhalb und innerhalb der Literatur), bis das Sinnlose seinen Zweck erfüllt und damit Sinn wird, bleibt dem Neuankömmling und Protagonisten André Königfischer bei der Ankunft in der Stadt Katharinenthal nur die Verwunderung über sich selbst, gezogen aus der Vielfalt an Gestalt, Figur und Verknüpfung in einer neuen und doch alten Welt (die nicht umsonst an der Grenze seiner alten Heimat liegt), hinter Stacheldraht verborgen, das im Grunde nicht existiert und darum umso mehr, alleine als Wunsch, immer dort sein zu wollen, wo man gerade nicht ist.

Wie aber nun erscheint man dann in der Deutung/Selbstdeutung der anderen, wenn man doch eigentlich froh ist, nirgendwo Platz zu finden?

Zitat von Amberger
„Des einen Finger sind des anderen Tasten. Vielleicht daher unsere lange Geschichte. Aber müssen wir zu Fuß gehen?“



Jawohl. Da muss er dann auch lernen, dass „bereits Sisyphos den Stein der Weisen (wälzte), bis er selbst es war, der immer wieder den Berg hinaufgerollt wurde“, derweil „die Augen die Sicht verdecken“, und wenn der Protagonist nicht nur das Land, sondern auch die Identität wechselt (wobei er dabei durchaus nicht der Einzige ist, denn jeder ist irgendwo auch ein Anderer), wenn er sucht, in Schaufenstern allein findet, was nicht verkäuflich ist, „die Hände voller Fragen“, dann ist er unbewusst schon einen Schritt weiter, zumal der Leser sich währenddessen ins Fäustchen lacht und an so mancher Stelle einfach nur staunt, wie feinsinnig sich Sätze entfalten können, die man glaubt, zu kennen, während ihr Weg in eine wunderbar andere Richtung führt, hinweg von Klischee und Meinung, nicht ohne eine Prise Gesellschaftskritik, hin zu jener feinen Grenze, an der Geschichte, literarischer Verweis und Sinn sich die Hand reichen, um gleichsam mit einem Zwinkern zu verkünden:

„Wenn ich weiß, dass das Eis heute hält, warum sollte ich dann darauf tanzen?“



(Alle Zitate sind dem Werk - Darius Amberger „Nachtigall aus halben Tönen“, Miniaturroman, Engelsdorfer Verlag – entnommen.)



Liebe Grüße
Taxine




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 15.05.2014 18:39 | nach oben springen

#2

RE: Darius Amberger

in Die schöne Welt der Bücher 16.05.2014 11:31
von LX.C • 2.722 Beiträge

Liest sich wie eine Liebeserklärung an das Buch, mit sehr persönlichen Einsichten am Anfang der Rezension. Du solltest fürs Feuilleton arbeiten!


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
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#3

RE: Darius Amberger

in Die schöne Welt der Bücher 16.05.2014 12:31
von Taxine • Admin | 5.952 Beiträge

Ja. Diese Art der Literatur ist so selten und spricht mich einfach völlig an.
Erstaunlich für mich auch, wie viel Inhalt sich auf so wenig Papier anordnen lässt.




Surreale Vorstellungen
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#4

RE: Darius Amberger

in Die schöne Welt der Bücher 17.05.2014 00:10
von LX.C • 2.722 Beiträge

Herrlicher Roman! So viel Wortwitz (der mich irgendwie manchmal an Volker Braun erinnert), eine wahre Freude zu lesen. An der Doppelbödigkeit werden sich Literaturwissenschaftler noch die Zähne ausbeißen. Ich sehs schon kommen

Eigenartig ist, dass das ebook angeblich Zeichnungen von Elke Gütersloh beinhalten soll, bei mir ist aber keine einzige zu sehen. Schade, die hätten mich dazu sehr interessiert. Ist deine Ausgabe illustriert?


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
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#5

RE: Darius Amberger

in Die schöne Welt der Bücher 17.05.2014 00:13
von LX.C • 2.722 Beiträge

Und wer ist eigentlich dieser Darius Amberger?


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#6

RE: Darius Amberger

in Die schöne Welt der Bücher 17.05.2014 10:23
von LX.C • 2.722 Beiträge

Heute Nacht ist mir eingefallen, woher mir der Verlag so bekannt vorkam

Ich nehme also an, es handelt sich um einen jüngeren oder älteren "Debütanten"? Im Grunde leistet der Roman in der Kürze alles, was Literatur zu leisten im Stande sein sollte und daher wünsche ich ihm ganz viele Leser. Inhaltlich weiß ich ihn auch noch nicht so recht zu deuten, genieße einfach Sprache und Handlung und was sie in mir auslösen. Ich bin oftmals hin und hergerissen, manchmal entdecke ich die Gegenwart in ihm, manchmal die Vergangenheit, oftmals eine Parallelwelt, welche verschiedenste Schlüssel bereithält. Am schönsten aber ist der erfrischend kritische Duktus.

In dem Zusammenhang ist mir auch ein Radiobeitrag von letzter Woche eingefallen, in dem über eine Autoren-Diskussionsrunde in Berlin berichtet wurde, in der sich junge deutsche Gegenwartsautoren unbewusst aber dafür ganz selbstbewusst gleich selbst ihr Armutszeugnis ausgestellt haben. Sollte man sich anhören, ab 47. Minute "Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren", Radio 1, Das Büchermagazin vom 11.05.2014 - Erschütternt und irgendwie auch peinlich, solche Leute möchte man gar nicht lesen!


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
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#7

RE: Darius Amberger

in Die schöne Welt der Bücher 18.05.2014 10:07
von LX.C • 2.722 Beiträge

Eine nahe liegende Lesart ist dann doch, den Roman als Parodie auf die DDR-Gesellschaft zu verstehen. Die Hinweise hierfür verdichten sich mit zunehmender Lektüre. - Welch tiefgehende und sich vom Gegenstand lösende Interpretation das Werk dabei zulässt, zeigt schon Taxines Rezension. - Dabei stellt sich mir wieder die Frage, handelt es sich wirklich um ein neues Werk oder um ein Liegengebliebenes? Handelt es sich bei dem Autor vielleicht um einen Könner, der nicht erkannt werden will, oder um einen Kenner, der früher nicht veröffentlichen konnte? Für einen jungen Debütanten erscheint mir dieser Geniestreich doch zu ausgereift. Aber ich lass mich gerne eines Besseren belehren. Ein tolles Phänomen dieses Werk


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 18.05.2014 11:03 | nach oben springen

#8

RE: Darius Amberger

in Die schöne Welt der Bücher 19.05.2014 11:03
von LX.C • 2.722 Beiträge

OK, und am Ende sind meine Spekulationen über den Autor auch wieder hinfällig, da das Werk in der Wendesituation im Jahre 1989, 1990 endet. Bleibt eins: Große Freude, die mir der Roman bereitet hat. Danke für den Tipp!


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
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#9

RE: Darius Amberger

in Die schöne Welt der Bücher 12.07.2018 17:48
von Taxine • Admin | 5.952 Beiträge

Darius Amberger
„Inflatio“

„Zwischen Vor- und Nachnamen steht schon heute alles, was von uns bleiben wird.“

Da das Buch „Nachtigall aus halben Tönen“ zu den kleinen Schätzen meines Regals gehört und auch ein erneutes Lesen gestattet, war ich sehr neugierig, was das nächste Werk dieses talentierten Autors betrifft, obwohl mich das Thema ansonsten weniger gereizt hätte. Im direkten Vergleich erreicht es in meinen Augen nicht die Tiefe der „Nachtigall“, was allerdings schon aufgrund der Thematik kaum möglich ist und sicherlich auch damit zusammenhängt, dass der Autor einen anderen Ansatz verfolgte. Mir persönlich gefallen jene offenen Werke voller Magie, Surrealismus, Ebenen und Andeutungen, zu denen auch die „Nachtigall“ gehört. „Inflatio“ hat eine andere und eher reale Basis, ist dabei auch etwas schlichter, dafür umso unterhaltsamer und voller Humor. Der eine oder andere Satz ist zwar sehr geschliffen und fällt gerade in der Unterhaltung der Figuren etwas ungünstig oder zu gewollt auf, dafür sind solche Sätze für sich immer wert, angestrichen zu werden.

Die Vermarktung von Ideen liegt heutzutage im Trend, sogar dann, wenn sie keine feste Substanz haben und schon in weniger Zeit wieder vergessen sind. Was der Markt an neuen Dienstleistungen bietet, die alleine durch das Internet geboren wurden, ist bezeichnend, E-Commerce boomt, die Sponsoren für Blogs zeigen sich durch großzügige Summen, die auch Teil der Kontrolle sind, das Bankwesen basiert auf ähnlich bedenklichen Fundamenten, wobei Geld als Papierschein im Grunde wertlos ist, entsprechend keinen wirklichen Wert besitzt, und lediglich mit virtuellen Summen hantiert wird, die mittlerweile bereits in das Absurde reichen, gerade auch, wenn es um die Staatsverschuldung geht. Im Grunde erhält der Mensch für wirkliche Arbeit eine Art Gutschein, die er dann gegen Ware eintauscht. Dieser schwankt im Wert und kann jederzeit als Währung zusammenbrechen. Der Mensch bleibt dabei immer auf der Strecke.

Gleiches gilt für moderne Konzerne und Geschäftsgründungen. Viele Unternehmen existieren in einer eigenartigen Grauzone, wobei die Investitionen weiter getätigt werden, selbst dann, wenn im Grunde kein Geld vorhanden ist. Um auf dem Markt zu bestehen, ist Kreativität gefordert, die teilweise auch die legalen Grenzen überschreitet. Das Risiko ist Teil des Geschäfts und bestimmt am Ende den Fall oder Sieg. Da guckt so mancher Mitarbeiter mit „Augen wie Kellerfenster“, und „so ein Mann scherzt nicht“.

„Auch der erste Mensch war ein Klumpenrisiko“, heißt es so schön in „Inflatio“. Das Buch beschäftigt sich mit dieser Materie aus Markt und Risiko, Investition und Bankwesen oder kürzer, mit dem modernen Zeitgeist. Jedoch nicht im bitteren Lebensernst, sondern in einer ausgewogenen Harmonie aus Unterhaltung und Humor. Der Bereich ist offen, reicht auch in das alltägliche Familienleben mit witzigen Begebenheiten, in die Kunstszene oder in die Schwierigkeiten eines Erbstreits hinein. Angesprochen werden viele Seiten des Lebens, wobei der Autor teilweise sehr schöne Dialoge entwickelt, die ordentlich Gelächter hervorrufen. (Ich werde die Szene über die Hinternbetrachtung zwischen Mann und Frau nicht vergessen, wobei die Frage gestellt wird, ob er so weiß wäre, weil da früher vielleicht Bilder hingen.)

Gestellt wurde sie von dem Protagonisten Bernd Weber. Er ist ein eher einfacher Mensch mit Frau und pubertierender „Ich bin nicht eure Tochter“, der durch das Angebot eines Bekannten auf einmal von einem unbeachteten Mitarbeiter einer Sketch-Agentur zum "Finanzvorstand" eines mittelgroßen Unternehmens aufsteigt, wo ihm die Lehrer doch bis heute nachsagen, er könne nur mit einer Hand rechnen. Damit gerät er zur Figur in einem Spiel, das jederzeit droht, wie eine Bombe oder Seifenblase zu zerplatzen. Der Geschäftsführer Leo Fühlbrügge möchte am liebsten „die Weltformel“ vermarkten, die noch gar nicht entdeckt ist und vielleicht auch gar nicht existiert. Stattdessen übernimmt er sich mit dem Kauf eines weiteren Unternehmens, das den Kostenapparat völlig übersteigt, jedoch als Investition für eine Zukunft gedacht ist, die sich in seinen Augen lohnt, während die finanziellen Mittel mit der richtigen Courage und Kreativität umsonst bereitstehen, es gilt nur herauszufinden, wo die Schlupflöcher sind. Dass Banken nur zu gerne Kredite aufdrängen, ist bekannt. Dass die Bedingungen der Abzahlung häufig auch den Privathaushalten zu schaffen machen, ist in der Freigiebigkeit bereits enthalten.

Daneben kämpft Weber mit seiner Schwester Betsy um das geerbte Haus der Eltern. Sie ist Künstlerin, schwingt den Pinsel, „der auf jeden Fluch hört“, ist dabei schwankend in ihren Emotionen. Zum einen sind „die fehlenden Betrachter Teil des Gesamtkunstwerks“, zum anderen gestaltet sie das Haus bald zu einer eigenen Galerie um, statt ihren Bruder auszuzahlen oder ihre Haushälfte zu verkaufen. Solche Situationen fordern ihm einiges an Geduld und Gutmütigkeit ab.
Sobald die Logik auf die Unlogik trifft, klirrt es. Irgendwie wird an beiden Figuren jene Schwierigkeit schön sichtbar, die zwischen bodenständigen und flatterhaften Menschen besteht und nicht überwunden werden kann, weil sich die Welt der Palasterbauer und die der Elfenbeinturmbewohner zu sehr unterscheidet, mag auch der Turm den gleichen Traum enthalten. Die Sichtweise wird durch die Vorstellung bestimmt, von Erfahrungswerten und Träumen. Während die einen auf Materie bauen, bewegen sich die anderen in Wolkengebilden. Selbst wenn Kommunikation möglich ist, ist ein Zusammenkommen kaum machbar, da keine Basis für eine Verständigung existiert. Das daraus ein Konflikt erwächst, ist vorhersehbar, und nicht immer nur stürzen die "gefallenen Engel". Bezeichnend ist auch der Name des Hauses „zur rechten Augenklappe“, denn „jedes Haus hat seine Geschichte“.

Was mir an Ambergers Schreibstil gefällt, ist die Lust an der Sprache und der Sprachwitz vieler Sätze, die dann auch umso besser funkeln. Ein bisschen beginnt man sogar beim Umblättern jeder Seite auf den nächsten zu warten und wird nicht enttäuscht. Ein angenehmer Lesefluss wird begünstigt, allerdings auch mit dem einen oder anderen Schmunzeln in der Vorstellung, wie lange der Autor an dem einen oder anderen Satz gefeilt haben muss. Störend wirkte auf mich lediglich, wenn gleich drei oder vier Sätze einander überbieten wollten.
Das kam allerdings auch nicht zu häufig vor. Ein Buch, das die Null-Zins-Zeit witzig aufs Korn nimmt und auch mit versteckten Andeutungen arbeitet, die aber dezenter ausfallen, so z. B. ein Name als Anagramm oder der Hinweis auf einen tieferen Hintergrund. Was mir gefallen hat, ist auch der Bezug zur Kunst, der dem Buch inneliegt, wobei ich finde, hier hätte in der Spannung ruhig noch etwas übertrieben werden können.
Ein Buch, das ich gerne gelesen habe. Der Autor bleibt weiter ein von mir geschätzter, dessen Bücher den gefräßigen Verlagsmarkt angenehm bereichern.


(Alle Zitate stammen aus der Ausgabe "Inflatio" von Darius Amberger, Engelsdorfer Verlag.)




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 12.07.2018 18:32 | nach oben springen


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