Juliette und Nico

08.02.2020 19:52 (zuletzt bearbeitet: 08.02.2020 19:55)
avatar  Sokolow
#1
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zuerst öffnete sie das tiefkühlhaus
das war schon ein ereignis
dann zählte sie die ölverdingten hummerkrabben
sie rief sie
jeden bei ihrem namen
nico erwachte davon
flüsterte ihr ins ohr
ich hab schon wieder geträumt
du hast das dosenbier genommen und drei stühle ins tiefkühlhaus gestellt
ja
es brannte das gelächter
es signierte das vergessen ein aufgesetztes buch
es wurde nicht schlimmer
juliette suchte fürsprecher
gedankenleser
sie kochte ein süppchen und sah hinaus in diese bittere zeit
sie trug ein perwollgewaschenesabenddunstkleid
sie rauchte eine von den durchsichtigen zigaretten
nico erwachte
als er noch müde gewesen war
trug er eine trockenhaube in den händen
er stand in einer ecke und hatte dort einen fahren gelassen
julietta hörte es
sie hörte es als wäre eine pulsader laut aufgeschlagen
sie schloss das tiefkühlhaus und träumte weiter
das glück klebte an den wänden
das glück lebte
gerade noch so
etwas dass beginnen sollte
begann nicht
ließ auf sich warten
julietta hatte erwartungen
sie legte ein wort zur seite
blind wie der schaum eines tages
badete er in ihren gedanken
jetzt bloß nicht ertrinken, dachte er und
schwamm davon


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16.02.2020 10:44
avatar  Taxine
#2
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Admin

Wie schaffst du es nur immer, Alltägliches und Poetisches so gut zu mischen, das es ein Gedicht ergibt? Dieses gefällt mir sehr, besonders in der Tragik dahinter.


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