Schöne Wörter, Wendungen und Perioden im Deutschen
#1
Schöne Wörter mit Z: Zofe. Sicher auch eine Folge des unmäßigen Genusses von Literatur, aber schon als Jüngling hatte das Wort bei mir weniger eine historisch-soziologische Bedeutung als eine solche, die sich eher mit der seinerzeit bei mir hoch im Kurs stehenden französischen Serie Erotisches zur Nacht verband, die ab 1986 auch im DDR-Fernsehen spätnachts zu sehen war. Freilich, auch Mozart oder Octave Mirbeau haben eine Aktie daran.
#2
Ein wunderschönes Wort ist leutselig. Alle modernen Synonyme können dagegen nicht anstinken und dass man es inzwischen auch abwertend gebraucht, spricht nicht für die Verwender. Natürlich kommt es außer Gebrauch, weil es diese Leute nicht mehr gibt in einer narzisstischen Gesellschaft voller Egomanen, die die Gesellschaft anderer nur als Planetenkranz um das eigene monströse Ich benötigen.
#3
Der einst weit überschätzte und inzwischen dann doch wieder ein wenig zu Unrecht ganz vergessene deutsche Schriftsteller Hans Carossa übrigens prägte in einem seiner unsäglichen Romane den Ausdruck „Bussardswildheit“, wozu mein immerwährender Lieblingsautor Karlheinz Deschner nicht unlustig aus „Die deutsche Tierwelt“ von Franz Graf Zedtwitz zitiert:
"Der Mäusebussard ist ein plumper Vogel, der gern auf Telegraphenpfählen, Koppelpfählen, Kornpuppen und dergleichen blockt, wenn er nicht eben einen zum Auslug passenden Ast entdeckt hat. Von hier aus streicht er, behäbig auf breiten Schwingen rudernd, hinaus, um sich ohne besondere Übereilung die Maus zu greifen, die er eräugt hat."
Das Deutsche ist eben ein Füllhorn köstlichster Wendungen ... man liebt es in seiner Analytik und Tiefe; aber auch in seiner zuweilen drolligen Behäbigkeit ... ... und welche Sprache verfügte über so einen Wortschatz?!
#4
Sehr schön ist und bleibt der Kindergarten. Schön nicht nur die vielfältigen Assoziationen und dass es weltweit auch deutsch verwendet wird, sondern dass die Deutschen so konsequent sind, dass sie nicht nur den Wortschöpfer Friedrich Fröbel hervorbrachten, sondern inzwischen auch das ganze eigene Land zu einem solchen gemacht haben.
#5
#6
#7
Schöne Wörter mit Y: Ypsilon. Natürlich, es kommt aus dem Griechischen, ist nun aber doch ein Buchstabe unsres deutschen Alphabets. Dort nimmt es sich naturgemäß sehr exotisch aus zwischen den harten Konsonanten und vollen brutalen Vokalen. Die Zahl der Wörter, die so beginnen, ist begrenzt und praktisch immer fremdsprachlich bestimmt. Das Wort selbst aber hat eine eigene Eleganz und Majestät, wie ein Mann vom Mond, der unter die Deutschen gefallen ist. Oder eine lustige Gefährtin von Xenomorphen, die Gemahlin von Xylophon oder die Mutter von Andrea Ypsilanti.
#8
Unglaublich filmisch: Feuersbrunst. Mal ehrlich, solche Wörter gibt es heute nicht mehr. Der Grimm, sonst so schwatzhaft, zitiert gerade mal ein Gedicht von Bürger, dabei könnte man ein ganzes Buch schreiben über die Assoziationen, wie sich die Flammen alles verzehrend dem wilden Eros sich aufschließen.
#9
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