Chinatown in my Library
#1
Da wir es gerade von den Chinesen und ihrer Literatur hatten, fiel mir der kleinste Stadteil meines Bücheruniversums auf. Konfuzius, Lao Tse, Yijing (I Ging), Sunzi, Jin Ping Mei (Kin Ping Meh), Li Yu, Zhuangzi (Dschuang Dsi), Liezi (Liä Dsi), die Vier klassischen Romane, von denen ich nur einen habe; Wu Jingzi. Ich habe dann nur noch Lao She, Mao, Mo Yan und von Reclam Altchinesische Fabeln und von Rütten & Loening Chrysanthemen im Spiegel. Klassische chinesische Dichtungen, Der Ruf der Phönixflöte - Klassische chinesische Prosa und Der Fremde mit dem Lockenbart. Erzählungen aus dem China der Tang-Zeit - dann gehen die Bestände schon zur Neige. Allein meine indischen, japanischen und vor allem arabischen Viertel sind deutlich bevölkerungsreicher; bestenfalls der persische Bezirk ist noch kleiner.
Man sieht hier sehr genau, wie die Sprach- und damit Kulturgrenzen den eigenen Horizont verengen: China hat fast anderthalb Milliarden Einwohner, von denen gut 80 Prozent Mandarin sprechen. Und trotzdem habe ich deutlich mehr Bücher aus der isländischen Literatur, obwohl es gerade einmal 401.000 Isländer gibt, die alle Isländisch sprechen, das auf das Altisländische zurückgeht. Aber von den mittelalterlichen Sagas bis zu Halldór Laxness mausern sich die Bände der Nordgermanen zumindest bei mir zu ein bis zwei Regalmetern, während die Han-Chinesen noch mit Zentimetern klarkommen. Natürlich liegt das vor allem an der sprachlichen Barriere, an der geografischen und geopolitischen Lage und letztlich an kultureller Nähe oder Ferne. Man könnte problemlos alle Isländer in der BRD aufnehmen und integrieren, das wäre leicht, sie sind uns ähnlicher als beispielsweise Syrer oder Afghanen. Asiaten sind zwar auch integrationswillige Migranten, aber erstens sind es ihrer viel zu viele und zweitens bestehen sie trotzdem auf ihren kulturellen Eigenheiten im jeweiligen Gastland. Auch die fernöstliche Geschichte, Religion und Kultur ist uns im Westen oft genug noch wesensfremd.
Man kann daher die Bedeutung von Gelehrten und Übersetzern wie Richard Wilhelm kaum überschätzen, die uns in Europa zum Beispiel die Kultur Chinas nahezubringen suchten und das akademische Fach der Sinologie salonfähig machten. Auch wenn heute die Übersetzungswissenschaften weiter sind und natürlich auch die technischen und medialen Möglichkeiten und daher manche Übertragung als veraltet gilt, lernen viele Laien wie ich die chinesische Literatur immer noch über die älteren Übersetzungen kennen und lieben.
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