Übersetzungen - Glanz und Elend kultureller Vermittlung

Gestern 18:49
#1
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Wenn es im Klappentext zur Neuübersetzung von Flauberts Éducation sentimentale heißt, sie sei lang erwartet (von wem eigentlich?) und man könne in der Übertragung von Elisabeth Edl den epochalen Roman noch einmal ganz anders entdecken und dazu der Titel nun nach Die Erziehung der Gefühle, Die Erziehung des Herzens, Lehrjahre des Herzens, Lehrjahre des Gefühls, Die Schule der Empfindsamkeit in der Neuübersetzung selbstverständlich anders, also Lehrjahre der Männlichkeit. Geschichte einer Jugend lauten muss, verkneife ich mir kaum das Schmunzeln; denn der Buchmarkt ist heute so übervoll, dass dem Verlag nichts anderes übrigbleibt, als so einen Zinnober zu veranstalten.

Solche Überlegungen und Abneigungen gegen den kapitalistischen Kulturbetrieb dürfen aber nicht dazu führen; sich dem großen Thema Übersetzungen von großer Literatur zu verschließen. Für mich, der ich die alten europäischen Kultursprachen außer dem Russischen und dem Englischen nicht beherrsche außer einigen Brocken, die durch die Kenntnis des Lateinischen vermittelbar sind; haben Übersetzungen immer eine sehr große Rolle gespielt in meiner Lesebiografie. Ich habe mich auch intensiv mit den Grundlagen und Problemen von Übersetzungen an sich auseinandergesetzt; auch selbst herumprobiert; und ich denke, neben meinen wichtigsten Berufswünschen Generalstabsoffizier und Universitätsdozent für Geschichte und Philosophie wäre der Beruf des Übersetzers einer gewesen, der zu mir gepasst, zu dem ich eine Befähigung und sogar besondere Eignung gehabt und der mich womöglich auch ausgefüllt hätte.

Die 1:1-Übertragung von literarischen Texten aus der Quell- in die Zielsprache ist an und für sich ein aussichtsloses Unterfangen. Mag das bei pragmatischen Textsorten noch angehen, türmen sich bei künstlerischen die Probleme schnell hoch auf; denn wenn der Inhalt eines Wortes noch halbwegs adäquat wiedergegeben werden kann; so ist das bei Mehrfach- und Nebenbedeutungen; bei ganzen Sätzen und Passagen, Satzmelodie, Rhythmus und Klang schier unmöglich; wenn sich die Sprachen wesentlich unterscheiden. Die Bandbreite an Ansätzen ist daher groß, zwischen der Interlinearversion und der Nach- und Neudichtung liegen zwei Millionen Möglichkeiten verborgen und vier verschiedene Übersetzer vertreten fünf Auffassungen. Und nicht selten entbrennen in akademischen Zirkeln, aber auch in den Feuilletons der großen Blätter regelrechte Schlachten um die reine und richtige Lehre des Übersetzens.

Denn Neuübersetzungen von Werken der Weltliteratur sind notwendig, weil sich unsere moderne Welt schnell wandelt und unsere Sprache mit ihr. Aber das gilt nicht für alle Bücher und schon gar nicht wäre hier ein Automatismus zu folgern. Es gibt inzwischen mehrere Neuübersetzungen vom Leben des Benvenuto Cellini; natürlich modern erläutert und mit wissenschaftlichem Apparat versehen; aber die alte von Goethe tut ihren Dienst auch noch immer. Es muss schon einen besonderen Grund haben; meine ich, wenn man Zeit und Geld investiert, um sich heute einen Klassiker neu vorzunehmen. Nur der Ablauf des Copyrights darf da nicht der Anlass sein, ein Jubiläum oder eine Vermarktungsstrategie.

Ich selbst möchte nur auf ein paar Werke hinweisen, die in verschiedenen Übersetzungen zu haben, zu lesen und zu vergleichen; mir ein unstillbares Bedürfnis ist. Dazu zählen die Dichtungen von Arthur Rimbaud; deren Modernität so viele unterschiedliche Übersetzer und Nachdichter auf den Plan gerufen hat, dass man eigentlich französisch lernen müsste, um hier wirklich zum Wortlaut vorzudringen. Wenn ich überlege, wieviel Zeit ich damit verbracht habe; Zeile für Zeile erst interlinear zu erfassen und dann mit den verschiedenen Übersetzungen zu vergleichen; wäre ich wohl besser beraten gewesen, mich zwei Jahre auf den Hosenboden zu setzen und in die Muttersprache Rimbauds einzutauchen als „normaler“ Sprachlernender. Von meinem Lieblingsroman Tristram Shandy von Lawrence Sterne besitze ich selbstverständlich alle jemals erschienen Verdeutschungen und wenn ich lese, dass Hemingway oft gekürzt und verstümmelt ins Deutsche kam, greife ich natürlich auch zu den neuen Übersetzungen von Werner Schmitz und anderen bei ‎Rowohlt.

Und dann gibt es eben die Schriftsteller, deren Originalgenie auch in sprachlicher Hinsicht sie fast unübersetzbar macht oder deren ältere Übersetzungen als kanonisch gelten, dass die Kenntnisnahme neuer unabdingbar, ja sogar Pflicht und also ein Muss ist. Elisabeth Kaerrick übersetzte zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Pseudonym E. K. Rahsin Dostojewskis Gesamtwerk bei Piper, die Bände beförderten, unterstützten und begleiteten dessen Renaissance und Rezeption im alten und neuen Europa, als Kassette sind sie heute zu Spottpreisen erhältlich. Swetlana Geiers Bemühungen, die fünf großen Romane neu zu übersetzen, können daher nicht genug gewürdigt werden; weil sie bei einem so vielschichtigen wirkungsmächtigen Autor einfach an der Zeit und notwendig waren. So würde ich auch nie eine Neuübersetzung von James Joyce ignorieren; schon gar nicht, wenn Friedhelm Rathjen Ein Porträt des Künstlers als junger Mann neu übersetzt hat.

Denn natürlich baut man im Laufe seines Lebens starke Beziehungen zu einzelnen Übersetzern auf, die aus welchen Gründen auch immer ein Monopol auf einen Autor haben. Vielleicht ist das einer gewohnten Synchronstimme bei Film und Fernsehen zu vergleichen und so kenne ich Edgar Allan Poe, Arthur Conan Doyle, Rudyard Kipling, Jostein Gaarder, Umberto Eco u.v.a.m. nur aus einer Hand. Aber im Fall von Friedhelm Rathjen kam ich tatsächlich in den Genuss, eines der größten Bücher der Weltliteratur völlig neu zu lesen und zu genießen. Ich besitze nun alle neueren Übersetzungen von Moby Dick und hätte nie geglaubt, welche Unterschiede selbst bei Zeitgenossen möglich sind und wie sehr man den originalen Wortlaut verfälscht, geglättet und zurechtgestutzt hat, weil man die ästhetischen Prämissen Melvilles völlig missverstanden hat und man die Brüche und Divergenzen nicht als Signum der aufkommenden Moderne nahm, sondern als künstlerische Unvollkommenheit erachtete.


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Gestern 18:49
#2
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In meinen reifen Jahren gibt es wenig, was ich wirklich hasse und zutiefst verabscheue; aber wenn Rezensenten in den großen Blättern oder den bekannten Fernsehrunden sich nicht entblöden, regelmäßig von einer großartigen Übersetzung zu sprechen oder gar von der besten deutschen überhaupt, dann krieg ich so einen Hals, dass die Adern zu platzen drohen. Wie kann man sich solche Urteile anmaßen? Man müsste ja im schlichtesten Fall das ganze besprochene Buch auf deutsch und im Original gelesen haben für solche Einschätzungen und bei vergleichenden Äußerungen wäre zumindest die partielle Kenntnis aller bisherigen Übersetzungen erforderlich. In der Regel trifft auf die Kritiker aber weder das eine noch das andere zu. Was sie meinen ist lediglich, dass sie den Text der Übesetzung "gut" fanden; manche verwechseln gar die Verdeutschung mit dem Original.


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Gestern 18:50
#3
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Sieben (sic!) Neuübersetzungen von George Orwells dystopischem Klassiker 1984 sind im letzten Jahr erschienen; weil der Schriftsteller 1950 verstorben ist und die Texte nun gemeinfrei sind; sieben (sic!!) Neuübersetzungen; das muss man sich einmal vorstellen, sieben Stück (sic!!!); da werden andere großartige Bücher überhaupt nicht übersetzt und hier finden sich innerhalb eines Jahres sieben (sic!!!!) Übersetzer für den gleichen sattsam bekannten Text; sage und schreibe sieben (sic!!!!!) Verlage (Rowohlt, dtv, Anaconda, Ullstein, Nikol, Manesse, Insel) haben durchkalkuliert und befunden, es lohne sich dennoch und tatsächlich wurden alle sieben (sic!!!!!!) Projekte bis zum Ende durchgezogen und nun liegen tatsächlich von einem Buch, das so ziemlich jeder kennt und jeder ernsthafte Leser auch schon gelesen hat mindestens einmal, von diesem einen Buch liegen also im Frühjahr 2021 unglaubliche sieben (sic!!!!!!!) Neubesetzungen vor und man greift sich an den Kopf, in den Schritt; kratzt sich das Kinn und denkt, das kann doch alles nicht wahr sein, wie saudämlich funktioniert denn dieser Kapitalismus. Gutes Buch nebenbei … aber seven new translations to german – never ever … [© 2021]


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Gestern 18:50
#4
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Da ich es eben von Übersetzungen hatte; habe ich nochmal überlegt; für welche Dichter ich früher Sprachen lernen wollte. Im Französischen waren es tatsächlich die Symbolisten; also Baudelaire; Rimbaud; Verlaine; Mallarmé. Italienisch wollte ich für Leopardi und Eco lernen; spanisch für Jorge Luis Borges; letzteres war eigentlich die einzige wirklich ernsthafte Initiative, die aus Gründen, die ich nicht mehr erinnere; auch im Sande verlief. Dass ich gerne für Poe, Melville und vor allem Sterne und Woolf besser englisch gelesen hätte, versteht sich. Aber selbst das Deutsche mit seinen vielen Spielarten reizt mich immer wieder, die Dia- und Soziolekte sind ein Steckenpferd von mir und ich wüsste vor meinem Ableben doch noch zu gern, in welcher Sprache Herbert Grönemeyer eigentlich singt; denn ich konnte noch nie in seinen Booklets nachsehen, ob da Übersetzungen beiliegen.


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Gestern 18:51
#5
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Das eine oder andere zu wissen bilde ich mir schon hin und wieder ein; aber dass kein Text der Weltliteratur häufiger als die Shakespeare-Sonette (mit Ausnahme von Bibeltexten) ins Deutsche übersetzt wurde, habe ich erst kürzlich gelesen.

"300 Übersetzer haben sich seit dem 18. Jahrhundert, als Shakespeare in Deutschland wie in England wiederentdeckt wurde, bis heute mit den Sonetten beschäftigt. In den Jahren zwischen 1836 und 1894 erschienen allein zwölf kommentierte deutsche Gesamtübersetzungen. Derzeit (April 2021) sind 79 deutsche Gesamtübersetzungen und 60 Teilübersetzungen von 10 oder mehr Einzelsonetten publiziert. Von den Sonetten Nr. 18 und Nr. 66 gibt es jeweils über 200 deutsche Übersetzungen. [Wiki]

Da bin ich nun doch überrascht. Ich kam überhaupt nur drauf, weil Alexander Wendt in seinem schon mal erwähnten sehr lesenswerten und unterhaltsamen Buch Du Miststück. Meine Depression und ich (2016) über eine prekäre Randexistenz berichtet; die sich auch an der Übersetzung versucht hatte und sich von ihm zu dem Zwecke eine wunderbare Ausgabe auslieh; im Nachlass fand man aber nur das 66. Sonett; was viele wohl übersetzt hätten, auch der Autor. Ich selbst habe mich nie daran versucht; auch nie eine Neigung und inneren Ruf dazu verspürt. Ich vergriff mich seinerzeit als romantischer Jüngling an Puschkin, Majakowski, Lermontow, Mandelstam, Jessenin; но о результатах предпочитаем молчать. Immerhin sagt es schon einiges über jemanden aus, wenn man sich ansieht, wen er übesetzen will.


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Gestern 18:51
#6
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Wenn man sich überlegt, dass es keine vernünftige kommentierte Auswahlausgabe der Kanzelreden von Jacques Bossuet in deutscher Übersetzung gibt und auch keine Werkauswahl von François Fénelon; dann wird der eine oder andere einwenden; das sei doch heute Spezialwissen und nicht mehr wichtig, wen das interessiere, der solle doch bitte französisch lernen; aber mit dem Blick auf die großen Theaterautoren der französischen Klassik sieht es auch nicht besser aus; denn wir besitzen weder von Jean Racine noch von Pierre Corneille und nicht einmal vom großen Molière Gesammelte Werke in unserer Muttersprache. Für ein Kulturvolk wie das Deutsche unverzeihlich; das wäre so, als ob die Franzosen keinen Gottsched oder Lessing übersetzen würden. Ein paar Reclambändchen nützen hier wenig.


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Gestern 18:51 (zuletzt bearbeitet: Gestern 18:53)
#7
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Von Übersetzungen hatte ich es in diesen Blättern schon häufiger. Mittlerweile ist aber Vorsicht geboten bei den mit viel Tamtam beworbenen Neuübersetzungen ("Endlich in moderner, angemessener Sprachgestalt!") selbst ehrwüriger und angesehener Verlage mit gutem Leumund, denn allzu oft beherrschen die Übersetzer und vor allem die Übersetzerinnen die Zielsprache, also ihre Muttersprache, deutlich schlechter als die Ausgangssprache. Was da dem kundigen Leser heutzutage teilweise zugemutet und als "modernes" Deutsch verkauft wird, spottet jeder Beschreibung. Aber woher sollen es die jungen Leute auch wissen und können, sie lesen nicht, zumindest kennen sie die deutsche Sprache nicht mehr gründlich genug und oft genug fehlt auch jegliches Gespür deren für Farben, Form und Rhythmus.

Das kann sich manchmal innerhalb von nur wenigen Jahren zeigen, wenn etwa die ersten drei Malaussène-Romane von Daniel Pennac durch Wolfgang Rentz bei Rowohlt übersetzt werden, die Reihe aber später von Eveline Passet bei Kiepenheuer und Witsch fortgesetzt wird und sie auch die ersten beiden Bände noch nachholt. Der Unterschied in den gelungenen Formulierungen ist derart groß, dass man es kaum glauben mag; wobei ich das mit nur blasser Kenntnis des französischen Originals sage und es hauptsächlich an der Qualität des Deutschen messe. Beide sind nicht schlecht, aber der erste Übersetzer hat eindeutig mehr Gespür für die Feinheiten des deutschen Ausdrucks, er übersetzt lebendiger, anschaulicher, kraftvoller; wo die spätere seltsam einfallslos und blutleer bleibt.

Gerade bei Neuübersetzungen zeitloser Klassiker des europäischen Realismus aus dem 19. Jahrhundert (Balzac, Flaubert, Stendhal, Tolstoi, Dostojewski, Turgenjew etc.) sollte man daher sehr vorsichtig sein und vor dem Kauf unbedingt Stichproben nehmen, was heute angesichts der digitalen Möglichkeiten kein Problem darstellt. Oft genug, so mein Eindruck, lesen sich die Übersetzungen der ersten Hälfte des 20. Jahhunderts bis in die 50er und 60er Jahre hinein besser als viele moderne. Das liegt natürlich an der Verarmung der Sprache heute und daran, dass man den Lesern keine komplexe mehr zuzumuten beabsichtigt. Die Anbiederung an sogennannte Standards der deutschen Gegenwartssprache, die vielen Konzessionen und Zugeständnisse an den vorgestellten modernen Leser begradigen vermeintlich Lesehürden und lassen das Lesen ins Leere laufen.

Aber es gibt auch gegenteilige Beispiele: Die Kontroverse um die beiden Neuübersetzungen von Herman Melvilles monumentalen Roman "Moby-Dick; oder: Der Wal" von Matthias Jendis und Friedhelm versinnbildlicht das gut. Jendis übersetzt genau, merzt aber die Unebenheiten und Ecken und Kanten aus; Rathjen, dem eine „systematische und dogmatische Verholperung und Verhässlichung“ vorgeworfen wird, macht aber nicht anderes, als dass er sich traut, den eigentümlichen "Un-Stil" des Originals wiederzugeben, der auf so wunderbare Weise mit dem Ungehobelten des Inhalts korrespondiert. Aber dieses Romanungetüm ist auch ein Ausnahmefall, im Grunde unübersetzbar wie alle ganz große Literatur. Für die "normale" Literatur gilt, dass man immer abwägen muss; ob die Modernisierung einer Neuübersetzung den Verlust an Ausdrucksmöglichkeiten im Deutschen wert ist.


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Gestern 18:52
#8
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In einem der sieben vollendeten Romane Raymond Chandlers, "The Lady in the Lake" aus dem Jahr 1943, deutsch zuletzt immer als "Die Tote im See" und "Die Lady im See" publiziert, gibt es eine sehr schöne Stelle, die im Original so lautet:

"He spat outdoors and sat down again and rumpled the mousy brown hair under his Stetson. His head with the hat off had the indecent look of heads that are seldom without hats."

Der Hutträger und kurzzeitige Nichthutträger ist der Constable and deputy sheriff Patton, beobachtet und erzählt von Philip Marlowe oder einem auktorialen Erzähler. Der Verlag Diogenes hat zweimal übersetzen lassen innerhalb von reichlich 40 Jahren, zuerst von einem später sehr bekannten Mann aus dem "Literarischen Quartett", diese Übesetzung wurde dann Teil der 13-bändigen Ausgabe Sämtlicher Werke in Kassette:

Hellmuth Karasek (1976)
"Er spuckte nach draußen, setzte sich wieder hin, nahm den Stetson ab und kratzte sich das mausgraue Haar, das sein Hut bisher bedeckt hatte. Ohne Hut sah sein Kopf seltsam ergänzungsbedürftig aus, wie das bei Leuten oft der Fall ist, die so gut wie nie den Hut absetzen."

Kürzlich hat Diogenes eine neue Übersetzung vorgelegt, zunächst nur als recht teure gebundene Ausgabe erhältlich:

Robin Detje (2021)
"Vor der Tür spuckte er aus, dann setzte er sich wieder, nahm den Stetson ab und fuhr sich durch die mausbraunen Haare. Sein Kopf sah ohne Hut so peinlich aus wie Köpfe, die selten ohne Hut sind. "

Wenn man sich beide Übersetzungen anschaut, ergeben sich natürlich Fragen. Die neuere scheint im Ganzen dem englischen Original angemessener, die erste wirkt sperrig und geradezu verfälschend, nicht nur bei der Farbe, sondern auch in der spezifischen Wortwahl. Robin Detje beherrscht das Deutsche jedenfalls besser als Hellmuth Karasek. Bei beiden jedoch bleibt offen, warum "rumpled" nicht mit "zausen" oder wühlen "übersetzt" wird; und vor allem, warum selbst der Begabtere von beiden das "indecent" nicht mit "ungehörig", "unschicklich", "anstößig", "unanständig" übersetzt, wo doch gerade letztere Vokabel die Intention Chandlers eher trifft.

Klar, ich kann jetzt flink den "Google Übersetzer" benutzen, aber ich bin auch kein Anglist. Diesem sollten doch Nachschlagewerke genug zu Gebote stehen, die mehrere Synonyme anbieten mit Begründung und Herkunft, dass eine angemessene Verdeutschung möglich ist.


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