Gendern – das Ende einer Kultursprache
#1
Als ich in der 2. Hälfte der 70er in die Schule kam, waren praktisch alle Lehrer Lehrerinnen. Wenn allgemein von Lehrern gesprochen wurde, wussten selbst wir Knirpse, dass auch die Frauen mit gemeint wurden und zwar vor allem diese. Ähnlich ist das mit den Autofahrern, die im Stau stehen: Kein Mensch wird hier glauben, dass hier nicht auch Frauen nicht vom Fleck kommen und in ihren Autos fluchend auf die Uhr schauen.
Vielleicht steht das Gendern noch vor der Energiewende, der Klimahysterie und der vorgegaukelten Bedrohung von rechts als DAS symbolische Ereignis der Zeit vor aller Augen. Ideologischen Phantasmagorien wird eine jahrtausendealte Kultursprache geopfert und durch ein Schriftbild, das mehr mit der Keilschrift, den Hieroglyphen, mathematischen Formeln oder Informatikreihen zu tun hat als mit einer rein verbalen Antiqua oder klaren Fraktur, ersetzt; ein einziges Verbrechen gegenüber der Sprachgeschichte, der Ästhetik und der Pragmatik bzw. Funktionalität.
Mal abgesehen von den gesellschaftlichen Implikationen des Genderns, zu denen ich mich andernorts hinreichend geäußert habe; stößt mich das Gebaren der Befürworter ab, die sich als progressiv und gut und demokratisch verstehen; aber die Mehrheit der anders denkenden Bundesbürger zwingen wollen, etwas zu tun, was diese gar nicht wollen; gleichzeitig aber Zeter und Mordio anstimmen, wenn die demokratische Mehrheit anders entscheidet.
Es kommt hier aber im Gegensatz zu anderen heißen Themen dazu, dass im Gegensatz etwa zum Klima die Sachlage recht eindeutig ist: Die Grundsatzbehauptung, Frauen wären in der deutschen Sprache im Generischen Maskulinum nicht mitgemeint und würden daher ausgegrenzt und diskriminiert, wären nicht sichtbar, ist einfach nicht wahr. Das Gendern ignoriert die Fakten der Naturwissenschaften; es ignoriert die Fakten der Sprachgeschichte und Sprachwissenschaft und es verstößt gegen geltendes Recht des aktuellen Amtlichen Regelwerks des Rats für deutsche Rechtschreibung. Und trotzdem wird es gelehrt, in den Amtsstuben eingeführt, an Universitäten verlangt. Nirgendwo wird der Impetus des linksliberalen Volkspädagogismus deutlicher: Die Ignoranz gegenüber faktischen Erkenntnissen der Naturwissenschaften, den Tatsachen gesellschaftspolitischen Zusammenlebens, dem Charakter des Menschen und überhaupt der Totalität des Lebens an sich. Dabei ist es in der täglichen Praxis vollkommen unkompliziert: Wenn eine Frau auf dem Lehrstuhl sitzt, werde ich sie mit Frau Professorin ansprechen, das ergibt sich doch aus dem Kontext. Sitzen beide Geschlechter im Auditorium, spreche ich sie mit Studenten und Studentinnen an. Schon weitere "Geschlechter" mit anzusprechen halte ich für ufer- und sinnlos.
Und zuletzt: Selbst wenn die Befürworter Recht hätten, was sie nicht haben, wie ich betonen möchte; aber nur einmal angenommen: Selbst dann würde man doch zu überlegen haben, inwieweit Aufwand und Nutzen in einer Relation stehen, die vertretbar ist dem gesellschaftlichen Ganzen gegenüber. Was erreicht man für die Geschlechtergerechtigkeit und was muss man dafür opfern und kaputtmachen? Die in 1200 Jahren organisch gewachsene Sprache eines der größten Kulturvölker der Erde innerhalb von wenigen Jahren schriftlich und mündlich zu kastrieren und zu zerstören, um eine angestrebte gesellschaftliche Veränderung zu erreichen (Sichtbarkeit der Frauen), die in der Realität schon lange und spätestens mit den Sozialen Medien erreicht ist und sich auch mit der Verhässlichung und Verkomplizierung der Sprache nicht intensivieren lassen wird.
In einer Zeit, da man für bildungsferne Schichten und das wachsende starke Heer aus sekundären Analphabeten und Illiteraten bereits das Konzept der Einfachen Sprache entwickelt hat und Millionen Migranten mühsam die im Vergleich recht schwierig zu erlernende Sprache von Goethe und Schiller pauken müssen; auch noch endlose Sternchen, Auslassungen, Unterstriche oder Doppelpunkte beachten zu müssen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit; ich warte ja noch auf einen Katalog Diakritischer Zeichen. Noch übler beinahe im mündlichen Gebrauch, da heute kaum noch einer einen geraden Satz mit Sinn herausbringt - es wird ja viel geredet, aber meist nur dampfgeplaudert - und dann soll man auch noch Pausen machen, glucksen und so weiter; es spricht sich nicht nur schlecht, es klingt auch noch dermaßen bescheuert, dass man kein Gedicht aus den guten alten Zeiten mehr aufsagen kann, ohne sich in Grund und Boden zu schämen oder sich den Bauch zu halten vor Lachen.
Dass Kultur und Geschichte essenzielle Bestandteile des Menschseins sind und die Schönheit, Klarheit, Ästhetik, der Wohllaut und der Rhythmus einer uralten Sprache genau so wichtig wenn nicht sogar wichtiger sind als tatsächliche oder vermeintliche Ungerechtigkeiten; sollte man im 23. Jahrhundert eigentlich voraussetzen können. Wo nicht, droht der Rückfall in die Barbarei; womit immer der Untergang der Kultur durch Schriftverlust gemeint ist. Wer die Sprache zerstört, zerstört am Ende auch den Menschen, der sie gebraucht.
#2
Denunzierend genug dann das Verhalten der Gender-Befürworter, als auf Länderebene zuerst in Sachsen in einem urdemokratischen Procedere beschlossen wurde, das Gendern in allen Landesbehörden zu untersagen unter Berufung auf das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung: Da überschlug sich die Kritik einiger weniger Vereine und Instutitionen, die natürlich in unseren Qualitätsmedien so herausgestellt wurde, dass die zustimmende Mehrheit außen vor blieb. Die Rede war von Verboten, Bevormundung, rechtem Kulturkampf; die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften befürchtet sogar, dass Sachsen dadurch als Standort für Lehrernachwuchs unattraktiver werde, da es vielen Lehramtsstudierenden wichtig sei, in ihrem Unterricht die Vielfalt von Geschlecht angemessen abzubilden.
Ich weiß immer nicht, ob ich lachen oder weinen soll; wenn ich Derartiges lese. Im Landtag zu Dresden hat sich eine Mehrheit durchgesetzt, parlamentarische Arbeit as usual. Die Verordnung hält sich an geltendes Recht. Es geht nicht um Verbote und Einschränkungen, sondern um Klarheit und Transparenz in Schulen und Behörden. Dass nun ausgerechnet diejenigen von Bevormundung sprechen, die seit Jahren ohne jegliche Gesetzesgrundlage und also gegen geltendes Recht beispielsweise Studenten an Universitäten zwangen zu gendern, wenn sie keinen Punktabzug gewärtigen wollten, ist scheinheilig hoch Zehn. Eben jene, die jetzt vom rechten Kulturkampf faseln, betreiben selbst seit vielen Jahren einen linken Kulturkampf und zwar oft genug illegal und mit brachialer Gewalt und urundemokratisch.
Und Sachsen unattraktiver für den Lehrernachwuchs? Da muss ich nun wirklich lachen, die jungen Lehrer haben ganz andere Probleme und vor allem ganz andere Wertigkeiten und Prioritäten, weil sie sich das derzeit leisten können in Zeiten des Lehrermangels. Wer hat denn in den letzten Jahren die Befindlichkeiten all jener Menschen thematisiert, die sich vom Gendern bevormundet fühlen und die sich mehrheitlich (zwischen drei Vierteln und vier Fünfteln) gegen dieses aussprachen?! Wenn sich jemand beschweren dürfte, dann die breite Masse all derer, die so lange warten musste auf eine eindeutige und klare Regelung. Es ist auf jeden Fall wieder eine Offenbarung zu sehen, wie es um die Demokratie bei den Lautstärksten der so sehr guten Menschen bestellt ist: Wenn etwas nicht in die genehme Richtung läuft, ist es schneller vorbei mit ihr als man Genoss*Innen sagen kann.
Für mich persönlich übrigens ist es das erste Mal seit vor der Bankenrettung 2008, dass ich mit einer politischen Entscheidung so rundum glücklich bin. Natürlich ist es kein Zufall, dass es sich um eine sprachpolitische handelt, die für die deutsche Sprache und Literatur von eminenter Bedeutung ist, die mir beide so viel bedeuten, noch dazu als alter Deutschlehrer.
#3
Ich möchte hier die vielzitierte Äußerung von Richard David Precht zum Gendern zum Anlass nehmen, um die Richtigkeit der zentralen Aussage zu untermauern:
„Ich finde es selbstverständlich gut und richtig, Frauen völlig gleichberechtigt zu behandeln, aber mit dem Gendern hat man auf das falsche Pferd gesetzt und versucht, einen toten Gaul durch das Ziel zu reiten. Weil die Linke nicht mehr daran glaubt, dass man die Welt besser machen kann, versucht sie, die Sprache besser zu machen.“
Für mich entscheidend ist der Gedanke, dass die Linke in den letzten Jahrzehnten erst ihre Gegner und dann ihre Ideale verloren hat; um sich dann in pseudoengagierter Art und Weise in einem Paralleluniversum zu verlieren, damit man nicht gewahr wird, wie überflüssig sie tatsächlich geworden ist in einer Welt, deren kapitalistische Grundlagen unantastbar scheinen.
Nachdem die klassischen Marxschen Prämissen der antagonistischen Klassen im Prozess der Ausdifferenzierung der postmodernen Informations- und Dienstleistungsgesellschaft, die selbst den Ärmsten der Armen im Westen noch einen Wohlstand sichert, der früher undenkbar war; ad absurdum geführt wurden; und schließlich der real existierende Sozialismus nach 1990 weltweit zu existieren aufhörte auf Grund vor allem ökonomischer Impotenz, waren der Linken die klassischen Ausbeuter und die, die es vermeintlich besser machen als die Kapitalisten, abhanden gekommen. Der Faschismus hatte längst ausgedient als Folie, auch wenn man ihn bis heute wiederzubeleben sucht; nun war endgültig Schicht im Schacht.
Und dann geschah im Zuge der Globalisierung endgültig das, was kein Linker früher wollen durfte: Einige wenige große Konzerne und Global Player teilten wie dazumal die imperialistischen Großmächte die Welt unter sich auf, indem sie mit Hilfe von UN und EU und anderen Organisationen wie inzwischen selbst der WHO oder von Klimaschutzorganisationen und einigen NGOs nationale Interessen umgehend den zukünftigen Profit unter sich auf. Dabei zeigte sich Jahr für Jahr, dass die soziale Ungerechtigkeit auch im Westen wieder wuchs auf langsame und subtile Weise, wieder werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer, die Lebenschancen sind immer ungleicher verteilt und auch wenn in Deutschland niemand hungert oder ohne Fernsher auskommen muss, klafft die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander.
Das wäre das klassische Thema der klassischen Linken, von SPD, Grünen und Linkspartei; die aber kümmert das schon lange nicht mehr, an die wirklichen Tatsachen trauen sie sich schon lange nicht mehr heran, sie würden niemals mehr in medias res gehen und den Stier bei den Hörnern packen. Statt dessen hat man den Kampf in andere, künstlich geschaffene Arenen verlegt. Man streitet, nachdem man sich nicht mehr an Fragen des Eigentums und der Produktionsmittel traut, nicht einmal mehr in den Bereichen, die man früher den Überbau genannt hätte, sondern allein in Sphären, die publizistisch eine Menge hergeben und moralisch viel Wind machen, an der Wirklichkeit aber rein gar nichts ändern. Daher die politische Korrektheit, die Eingriffe in die Sprache, die Verengung des Meinungskorridors und die permanente Suche nach neuen Ausgebeuteten, Diskriminierten und Unterdrückten; wozu auch Themen wie die Migrations-, Klima- und Energiepolitik zählen. Dass es innerhalb dieser Entwicklung auch klassische totalitäre Konzepte mit dem Ziel von Enteignungen und der Aufhebung von Grundrechten gibt, widerspricht dem allgemeinen Befund nicht.
So haben wir eine schizophrene Situation: Die Kapitalisten unterwerfen sich die Welt im großen Maßstab und die Linke sekundiert ihnen, indem sie sie gewähren lässt und die Bevölkerungen durch moralischen Ablasshandel ruhigstellt. Niemals hätte es einen nationalen Sozialismus im Wortsinn nötiger denn jetzt; eine Politik, die die demokratischen Prinzipien der einzelnen Nationalstaaten wieder stärkt und die sozialen Ungleichheiten austariert. Oder noch besser einen internationalen Sozialismus, der wieder dort hinschaut; wo es wirklich wehtut und wo wirklich etwas verändert werden muss.
#4
Sehr amüsant fand ich im Jahr 2021 das Gutachten der Professorin für Geschlechterstudien, Ulrike Lembke. Eine Professorin für Geschlechterstudien wird also von öffentlicher Hand bezahlt um ein Gutachten ersucht; ob Gendersprache für staatliche Stellen verpflichtend sei. Das ist so, als ob man bei der Tabakindustrie ein Gutachten zu den Risiken des Rauchens in Auftrag gäbe. Und mir fielen noch etwa hundert andere Vergleiche ein; in denen man den Bock zum Gärtner machte. Das Ergebnis des Gutachtens kann sich daher sehen lassen und dürfte selbst die Erwartungen der Auftraggeber übertroffen haben. Nichts Geringeres als das Grundgesetz wird als Basis der "Argumentation" herangezogen; Gendern sei ein Grundrecht und damit eine Pflicht nicht nur für Behörden und Verwaltungen; sondern auch für Gerichte, staatliche oder staatsnahe Einrichtungen. Es wird also nicht mehr lange dauern, bis das Gendern auch im Deutschaufsatz angekommen ist. Glücklich der, der das nicht mehr erleben muss; dass das letzte Kulturgut, unsere schöne deutsche Sprache; entmannt und verstümmelt wird.
#5
Als ich vor ein paar Jahren dem SWR wegen einer Sendung aus dem Jahr 1959 schrieb, zu der ich Archivmaterial erbat; antwortete man mir: "Wie Sie sich sicher vorstellen können, sind die Mitarbeitenden, die an dieser Produktion beteiligt waren gar nicht mehr in unserem Haus tätig." Mal abgesehen vom fehlenden Komma und auch davon, dass ich das rein inhaltlich personell auch nicht erwartet habe, zeigt sich die Idiotie etwa der Partizipialformen: Das Partizip I ist das der Gegenwart und meint Handlungen, die derzeit noch stattfinden bzw. ablaufen. Mitarbeiter, die seit Jahrzehnten nicht mehr im Sender arbeiten, sind also ganz sicher keine Mitarbeitenden.
Man muss ganz einfach diesen Unfug zu Ende denken und was aus einer Sprache würde, die wirklich überall Partizipien einsetzt, wo es früher allgemein anerkannte Substantive gab. Wollte man hier konsequent sein, geriete das Deutsche zu einer reinen Lachnummer. Mein „Lieblingsbeispiel“ sind die „Studierenden“, weil sich dieser alberne Begriff tatsächlich überall durchgesetzt zu haben scheint. Studenten sind aber keine Studierenden, weil sie sich eben nicht ständig und jederzeit bemühen; sich Wissen anzueignen, ihren Geist zu schärfen, ihren Charakter zu bilden; es hatte eigentlich zu allen Zeiten den Anschein, dass dieses Bemühen eher im Hintergrund stand im studentischen Leben. Student zu sein umfasst so vieles mehr als nur das Studium der jeweiligen Fachrichtung; es ist eine eigene Lebensform, mittlerweile soziologisch und milieutheoretisch scharf umrissen und spätestens seit der Französischen Revolution auch politikwissenschaftlich von Bedeutung.
Die Person männlichen, weiblichen oder diversen Geschlechts jedenfalls; die an einer Universität ein Hochschulstudium absolviert und das damit einhergehende vielgestaltige Leben führt, ist eben kein Studierender, sondern ein Student; denn lustig ist das Studentenleben und nicht das Studierendenleben, schon die Formulierung klingt öde und trist und vor allem ist sie nicht wahr.
#6
Wer ein Gegenmittel wider das Gendern sucht, dem lege ich die vierbändige Deutsche Sprachgeschichte von Hans Eggers ans Herz, mittlerweile in zwei Bänden zusammengefasst. Allein die Einleitung liest sich wie aus einer anderen Welt. Wer wissen will, warum Gendern ein Verbrechen ist, vergegenwärtige sich bitte die 1200 (sic!!!) Jahre deutscher Sprachgeschichte mit ihrem organischen Wandel.
#7
Natürlich bietet das Gendern auch viel Raum für Lustiges; etwa, wenn es im ÖRR heißt: "Sie kommen aus aller Herren und Frauen Länder." Meine Lieblingswendung ist aber die vom herrenlosen Damenrad.
Hier funktioniert ein simples Prinzip. Schaffe eine illusionäre Form von Unterdrückung, die den Leuten suggeriert, es müsse etwas getan werden, und derjenige, der mehr Gerechtigkeit fordert, musst letztendlich nichts tatsächlich tun, weder etwas reparieren noch bekämpfen noch verbessern. Es steht allein die angebliche Unterdrückung im Raum, der Protest an sich, ein Scheingebilde, das dann mit Scheingesetzen, die nichts bewirken und nichts besagen, vehement durchgesetzt wird, während dahinter alles immer mehr zusammenbricht. Die linke Gesinnung hat sich dahingehend gewandelt, dass sich die dem Wesen inne liegende „Rebellion gegen alles und jeden“ mittlerweile nur noch um penetrant vereinnahmte Nichtigkeiten dreht, die übersensibel aufgebauscht und staatlich gefördert die zerstörerische Wirkung gegen das Normale in Gang setzen sollen. Es geht um die systematische Zerstörung von Nationen und Völkern, ein Verwässern starker Kulturen, die nach und nach verschwinden sollen. Ein Volk, das keinen Zusammenhalt fühlt, ja, nicht einmal weiß, was es verbindet, und nicht mehr für die eigenen Werte eintritt, wird sich nie erheben. Es lässt sich mühelos manipulieren und kontrollieren, dabei auch bevorzugt in eine digitale, vollständig durchkontrollierte Welt versetzen, in der sich illusorische Werte noch besser definieren und vermarkten lassen.
Dass sich Frauen kaum durch die Form der Ansprache diskriminiert fühlen, hätte man es ihnen nicht so vehement vor Augen geführt, muss kaum erwähnt werden. Und was sie gewonnen haben, wenn man sie nun als Mitarbeiter:innen und Professor:innen bezeichnet, wobei weder das Männliche noch das Weibliche angesprochen wird, sondern beide Geschlechter in ein neutrales verpackt sind, sei einmal dahingestellt. Dieses große Nichts, um das heute viel Wind gemacht wird, ist das eigentlich Gefährliche und dient der reinen Ablenkung. Denn der moderne Mensch soll sich zwar rund um die Uhr empören, wofür süchtig machende Social-Media-Plattformen in ihrem Belohnungs- und Bestrafungssystem die ideale Basis bilden, aber er soll es am besten digital tun, in einer Gemeinschaft anderer digital Präsenter, wo die Hemmungen gegenüber dem realen Leben auch viel leichter fallen, steht man sich schließlich nicht von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Das führt so weit, dass diese Menschen denken, sie würden etwas bewirken, weil sie ihre Empörung posten und viele andere Menschen diese Empörung teilen und ebenfalls posten. So sind sie dann den ganzen Tag mit Schimpfen beschäftigt, dabei auf eine Welt beschränkt, in der Veränderung von vornherein nicht möglich ist. Sie sind Gefangene in einer Blase, verfolgen den platonischen Schatten, ohne je in der Lage zu sein, sich wieder daraus zu befreien, weil sie das, was sie tun, für groß und weise halten. Dieses Nichts lullt uns mittlerweile vollständig ein, während genau überwacht wird, wie die Stimmung ist und wann sie kippt, um dann die erforderlichen Maßnahmen durch Ablenkung, neue Skandale und ähnliches zu schaffen. Und für dieses Nichts verschwenden Menschen ihre kostbare Lebenszeit. Genau das ist gewünscht, die Verlagerung des wirklichen Lebens in eine fiktiv digitale Welt der Gemeinschaft, wo das veränderte Schriftbild auf Kosten der Sprache ein klassischer Nebeneffekt ist und nicht umsonst an etwas Künstliches erinnert. Würde diese digitale Welt auf einmal erlöschen oder abgestellt werden, blieben (springt man einige Generationen weiter) vereinzelte hilflose Menschen zurück, die nicht mehr wissen, was sie tun sollen.
Der schleichende Wandel des einzelnen Individuums in einen vernetzten, ständig mit Informationen gefütterten Menschen (wobei die übermittelten Informationen immer kontrolliert und genau definiert sind) lässt sich weder aufhalten noch rückgängig machen. Was wir beobachten können, ist der Untergang von Hochkulturen, wie es in der Geschichte schon so häufig geschah. Sie entstehen und vergehen und nehmen alles mit, was gut und wertvoll war. Aber auch das ist wohl ein normaler Prozess, wie ein mächtiges Ein- und Ausatmen der Erde, die sich selbst reinigt.
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