Über Gott und die Welt
#1
Da seit etwa einer Woche die Guten und Rechtschaffenen im Lande nicht müde werden sich über das viral gehende Interview des YouTubers Benjamin Berndt mit Björn Höcke auf seinem Kanal "Ben Ungeskriptet“ zu ereifern, das inzwischen 4 Millionen (sic!!!) mal aufgerufen wurde, beginne ich diesen Thread mit einem Text, den ich bereits Mitte letzten Jahres geschrieben und veröffentlicht habe. Ich kenne das Format seit etwa drei Jahren und war bereits ein aufmerksamer Zuschauer und Zuhörer, als es noch fünfstellige Abonnentenzahlen hatte.
Zitat
Von all den inzwischen in den letzten Jahren aus dem Boden geschossenen Formaten "Alternativer" Medien auf YouTube ist nach wie vor "{ungeskriptet} by Ben" mein großer Favorit. Der Kanal hat in einem Jahr stark zugelegt und inzwischen eine halbe Million Abonnenten. Warum begeistert mich Benjamin Berndt mit seiner Interview-Reihe?
Das alles steht und fällt natürlich mit Ben, dem Betreiber. Ein wohl von Natur aus sympathischer noch junger Mann, er schreibt selbst von sich:
"Ich habe in verschiedenen Ländern dieser Welt gelebt, ein Millionenunternehmen aufgebaut, mehrmals erfolgreich studiert und im Ring gekämpft. Das war aber nicht immer so…
In meiner Kindheit war ich dick. Ein richtiges Pummelchen. Ich hatte Angst vor dem Sportunterricht. Meine ganz persönliche Hölle waren die Bundesjugendspiele im Geräteturnen. Da lag ich vorher nächtelang wach und badete in meinem kalten Angstschweiß. Natürlich konnte ich keinen Handstand oder Räder schlagen. Ich konnte gerade mal einen Purzelbaum - und der sah alles andere als gut aus.
Dafür fielen mir die anderen Fächer in der Schule leicht. Ich machte eigentlich nie Hausaufgaben oder lernte für Klausuren. “Lernen ist Wettbewerbsverzerrung” war mein Motto. Wenn jemand etwas nicht wusste, war ich sofort ungefragt zur Stelle, um denjenigen an meiner vermeintlichen Weisheit teilhaben zu lassen.
Kurz: Ich war ein fauler, dicker, arroganter Klugscheißer.
Ich war einer von 19, der aus über 2000 Bewerbern für ein Dualstudium eines DAX Konzern ausgewählt wurde. Ich studierte Internationale BWL und fing später im Inhouse-Consulting an. Mit meinem Anzug und mit Rimowakoffer flog ich in der Business Class durch die Welt und fühlte mich extrem wichtig. Einige Zeit später setzte ich noch ein MBA Studium an einer der Top Business Schools drauf. Wow, was fühlte ich mich cool!
Ich kündigte meinen Job und startete meine erste Vollzeit Unternehmensgründung: eine komplexe Rohstoffpreis-Risikomanagementlösung. So komplex, dass meine potentiellen Kunden sie nicht verstanden. Der Umsatz blieb aus, aber ich erhielt einen Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft. Immerhin. Neue Geschäftsmodelle faszinierten mich. Jeden Tag wollte ich ein neues Unternehmen starten. Ich wuselte mich in der Gründerszene in Berlin durch.
Nach Geburt meiner zweiten Tochter entwickelte ich mit meiner damaligen Partnerin eine stylische Babytrage unter dem Markennamen “ROOKIE”. Kurze Zeit später trennten sich unsere Wege.
Im Zuge dieser schwierigen Trennung war ich gezwungen, mir sehr unangenehme Fragen zu stellen, die ich lange vermieden hatte: Wer bin ich? Und wer bin ich wirklich? Wer möchte ich gern sein? Und welche dummen Fehler mache ich jeden Tag aufs Neue?"
Er ist mir hoffentlich nicht böse, wenn ich schreibe, dass ich ihn für einen komplett normalen Menschen halte, für keinen Intellektuellen; für keinen geistigen Überflieger, aber auch nicht für einen Dummbeutel. Er ist im besten Sinne des Wortes normaler Durchschnitt und dabei aber interessiert an Gott und der Welt und vor allem den Menschen und ihren Meinungen. Seine Fragen ergeben sich aus dem Gespräch und offensichtlich nur geringfügiger Vorbereitung, aber er hat inzwischen ein Gespür für das Nachfragen entwickelt, das den Gast ermuntert, angesprochene Themen tiefer zu durchdringen.
Und damit sind wir beim Kern: Ben lädt in seine Sendung ALLE Menschen ein, die medial irgendeinen Bekanntheitsgrad erlangt haben; es gibt praktisch keine Tabus und NoGos innerhalb der Rechtsnormen unserer Republik; wenn einer etwas zu sagen hat, dann darf er bei Ben sprechen. Politisches Lager, Milieu, Weltanschauung, Religion; Amtsträger, Privatperson - das alles spielt keine Rolle; Geschlecht, Hautfarbe, Religion, sexuelle Orientierung, Herkunft, sozialer Status etc. sowieso nicht. Demzufolge werden auch ALLE relevanten gesellschaftspolitischen Themen angesprochen und diskutiert, es gibt keinen verengten Meinungskorrdor, keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, keine Deutungshoheit in einem einseitig beherrschten Diskurs. Diese Strategie unterscheidet das Format fundamental vom Öffentlich-rechtlichen Rundfunk, bei dem seit vielen Jahren ganze Bereiche ausgeblendet und die "falschen" Leute einfach nicht eingeladen werden. Aus diesem Grund sind natürlich mehr Menschen aus dem bürgerlich-konservativen bis rechten Lager zu Gast, weil sie eben im ÖRR nicht repräsentativ abgebildet werden und linkere Gäste sich daher seltener zu Ben trauen oder auf Grund Framings gar nicht erst wollen.
Zudem dauert eine Sendung mal locker zwischen zwei und vier Stunden: Der Gast wird nicht permanent unterbrochen, gelenkt, gemaßregelt, bevormundet oder gar vorgeführt; er darf im Grunde ohne jegliche Beschränkung und zeitliche Begrenzung seine Ansichten ausrollen. So etwas gibt es nirgendwo bei den etablierten Medien, weil das schlicht die formalen und strukturellen Möglichkeiten sprengt und natürlich auch eine gewissen Prägnanz mit Blick auf die Aufmerksamkeitsökonomie in der modernen Welt anzustreben ist. Gerade diejenigen, denen bei ARD und ZDF permanent übers Maul gefahren wird, die gestört werden durch äußere Einflüsse, denen man das Wort im Mund herumdreht, die beleidigt und diskriminiert, vorverurteilt und abgeurteilt, angegriffen und verletzt werden; müssen das als sehr wohltuend empfinden, wenn sie aussprechen dürfen und ihre Gedanken hinreichend entwickeln. Ben kriecht niemanden in den Hintern, aber er bleibt immer freundlich und gelassen selbst bei heiklen Themen. Und er zeigt Emotionen, wenn er sie nicht hintanhalten kann; aber er reflektiert diese umgehend und lässt sie nicht überfallartig den Diskurs beeinflussen.
Aus diesem Grund ist man nach so einer Sendung als Zuschauer viel klüger und geht auch ohne Ärger aus ihr heraus, selbst wenn man dem Interviewten nicht zustimmt oder die Person ganz und gar nicht leiden mag. Die Frage ist natürlich, warum die hier genannten Voraussetzungen des Erfolgs von Ben nicht auch bei den staatlichen und privaten Medien mit großer Reichweite statthaben?! Ein gesunder TV-Journalismus, der wirklich wieder unvoreingenommrn, unparteiisch, sachlich, objektiv, vorurteilsfrei, selbstkritisch, investigativ, ergebnisoffen sein will; wäre doch das Normalste von der Welt innerhalb einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, in der die Vierte Gewalt auch wieder funktionieren kann.
Es gibt übrigens ein ähnliches Format: "Jung & Naiv", das kann ich keine zehn Minuten schauen, ohne verrückt zu werden. Der Grund ist unter anderem Tilo Jung und die Strategie, den oder jenen "entlarven" zu wollen. Ben will niemanden entlarven oder bloßstellen, er will umfassend informieren über Diskurse und das gelingt ihm. Hoffentlich bleibt er trotz des Erfolges auf dem Boden.
Das Interview mit dem Thüringer AfD-Chef dürfte nun endgültig die Abonnentenzahlen über eine Million treiben; eine Wahnsinnsmarke für ein reines Gesprächsformat ohne Sex, Crime und Musik; in einer Zeit, da die Aufmerksamkeitsökonomie in einem unbarmherzigen Konkurrenzkampf steht. Damit werden die schon angedeuteten Gefahren virulent, denn mit der breiten Öffentlichkeit und den Werbeeinnahmen kommen die Versuchungen. Aber ich halte es nicht für unmöglich, dass mit diesem Video eine publizistische und journalistische Zeitenwende beginnt, womöglich eine Verschiebung der politischen Machtverhältnisse einhergeht.
Eines wurde zumindest deutlich: Der Öffentlich-rechtliche Rundfunk kommt seit sehr vielen Jahren seinen Verpflichtungen nicht nach und das Interesse des mündigen Staatsvolkes an den Sachverhalten und Politikern, über die nicht oder nur einseitig negativ berichtet wird, ist riesengroß. Für mich als erzliberalen Kulturkonservativen ist genau das der Königsweg, der offene Dialog über so ziemlich alles gesellschaftlich Relevante. Die erwartbaren Reaktionen aus dem linksliberal-grün-woken Lager der medialpolitischen "Eliten" zeigen erneut und endgültig, wo die eigentlichen Feinde der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu finden sind.
#2
Habe überlegt, was ich als Bundesbürger und Teil der ethnokulturellen deutschen Mehrheit mir eigentlich gesamtgesellschaftlich so wünsche und das ließ sich sehr leicht formulieren. Ich möchte mich im öffentlichen Raum überall in Deutschland sicher bewegen können, ohne Angst haben zu müssen, belästigt oder überfallen zu werden. Ich möchte nicht ein Jahr und länger auf einen Facharzttermin beim Kardiologen oder Neurologen warten. Ich möchte, dass die ländliche Infrastruktur genauso ausgebaut wird in angemessenen Verhältnissen wie die urbane. Ich möchte nur noch Obst und Gemüse aus biologischem Anbau aus der Region essen. Ich möchte nur noch Fleisch von Tieren essen, die artgerecht gehalten wurden. Ich möchte nicht nach jedem Einkauf mit Verpackungsmaterial von mehreren Kilogramm heimkommen. Ich möchte, dass die Bierpreise stabil bleiben. Ich möchte, dass Männer die Wertschätzung erfahren, die ihnen aus der Geschichte und der Gegenwart zukommt. Ich möchte, dass die deutsche Sprache gehegt und gepflegt wird. Ich möchte, dass in Behörden, Schulen, Universitäten nicht gegendert und das Gendern wie die Religion als Privatangelegenheit gehandelt wird. Ich möchte, dass die Straße zu meinem Haus endlich repariert wird, damit mein Auto nicht ständig Gefahr läuft, teure Schäden davonzutragen. Ich möchte, dass in den Schulen wieder mehr gefordert und gefördert wird und die Schüler alle Bildungseinrichtungen klüger verlassen als ihre Vorfahren. Ich möchte in Frieden mit allen Völkern leben. Ich möchte keinen Krieg. Ich möchte eine gelenkte und gesteuerte Migrationspolitik. Ich möchte sichere Grenzen, dass ausländische Fachkräfte Privilegien erhalten und einheimische gerne in Deutschland bleiben. Ich möchte eine Nulltoleranzpolitik gegenüber migrantischen Straftätern und damit eine sofortige Abschiebung bei Gewaltdelikten. Ich möchte, dass der Verfassungsschutz abgeschafft wird. Ich möchte, dass Leistung honoriert wird. Ich möchte nicht, dass die Gewaltenteilung und Unabhängigkeit der Justiz weiter aufgeweicht wird. Ich möchte nicht, dass früh um 6 Uhr Polizisten Hausdurchsuchungen wegen geteilter Memes auf Social-Media-Plattformen vornehmen. Ich möchte, dass wir Deutschen die eigene Kultur, Sprache, Religion, die überkommenen Sitten und Bräuche erhalten und bewahren. Ich möchte, dass Gordon Shumway, Al Bundy, Charly Harper und Homer Simpson als die große Weisen des neuen Abendlandes als Pflichtprogramm ins Grundgesetz aufgenommen werden. Ich möchte, dass unsere Nationalmannschaft wieder Fußballwelt- und europameister wird. Ich möchte weniger Lärm. Ich möchte mehr ehemalige DDR-Vereine in der 1. Bundesliga spielen sehen. Ich möchte, dass Strümpfe in Sandalen verboten werden. Ich möchte, dass Zucker so hoch besteuert wird, dass die Lebensmittelindustrie endlich einlenkt. Ich möchte so viel Staat wie nötig und so wenig Staat wie möglich. Ich möchte, dass alle Kernwaffen weltweit vernichtet werden. Ich möchte eine vernünftige Energie- und Klimapolitik ohne apokalyptische Szenarien und mit Fokus auf den sozialen Folgen. Ich möchte ein vereintes Europa mit einem legitimierten Parlament und einer entbürokratisierten Europäischen Kommission. Ich möchte die Wiedereinführung von Wehrpflicht oder Sozialem Jahr. Ich möchte soziale Marktwirtschaft. Ich möchte eine Begrenzung des Sozialstaates. Ich möchte, dass endlich Schluss ist mit der Wegwerfgesellschaft. Ich möchte, dass alles repariert werden kann statt neu zu kaufen. Ich möchte, dass die Würde eines jeden Menschen unantastbar ist. Ich möchte, dass die Meinungsfreiheit und die von Wissenschaft und Kunst wieder höchstes Gut wird. Ich möchte, dass jeder der kann arbeitet. Ich möchte, dass Arbeit sich immer lohnt. Ich möchte, dass die Renten für einen sorgenfreien Lebensabend ausreichen. Ich möchte, dass das Wetter in Mitteleuropa besser wird. Ich möchte, dass es weiterhin nur zwei Geschlechter gibt. Ich möchte, dass sexuelle Präferenzen Privatsache bleiben. Ich möchte, dass Autofahren und Parken nicht bestraft wird. Ich möchte, dass Klassische Musik den Vorrang vor Pop-Musik erhält. Ich möchte nicht, dass Zebras für die Streifen sterben müssen. Ich möchte gerne älter werden und gesünder. Ich möchte nicht geschulmeistert, gegängelt, überwacht, kriminalisiert und moralisch belehrt werden. Ich möchte gerne jeden Tag Schnitzel mit Mischgemüse und Kartoffeln essen und dabei nicht zunehmen. Ich möchte gerne Verantwortung übernehmen. Ich möchte gerne weniger möchten.
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