Kunst und Zitat

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17.10.2007 23:16 (zuletzt bearbeitet: 30.10.2007 13:00)
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#1
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Der Prozess künstlerischen Suchens ist in seinem Verhältnis zur geschlossenen Einheit eines Kunstwerks nur einem Herumirren im Wald vergleichbar, wenn man dort nach Pilzen sucht, die man schon längst gefunden und in seinem Korb gesammelt hat.

und

Wenn ein Künstler mit seiner Arbeit beginnt, muss er daran glauben, dass er einem bestimmten Phänomen erstmalig Gestalt verleiht. Erstmals, und nur auf die Art, wie er es fühlt und versteht.

(Andrej Tarkowskij/"Die versiegelte Zeit")

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17.10.2007 23:16 (zuletzt bearbeitet: 30.10.2007 13:00)
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#2
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Die Kunst ist eine der Offenbarungen des geistigen Lebens des Menschen (…) Und darum muss sie in jedem gegebenen Moment zeitgenössisch sein – eine Kunst unserer Zeit. Man muss wissen, wo sie zu finden ist (…), suchen darf man sie auch nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart. Leute, die gern als kunstverständig gelten möchten und zu diesem Zweck die alte, klassische Kunst erheben und die gegenwärtige heruntersetzen, zeigen damit nur, dass sie in Dingen der Kunst eben nicht feinfühlig sind.

(Tolstoi/Tagebücher)

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21.10.2007 15:35 (zuletzt bearbeitet: 30.10.2007 13:00)
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#3
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Ein Gemälde ist ein (Kunst)Gegenstand, der uns betrachtet und uns zum Gemälde macht.
(Jacques Lacan)

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24.11.2010 13:31 (zuletzt bearbeitet: 24.11.2010 13:32)
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#4
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Bzgl. Schreibkunst oder die Kunst etwas adäquat auszudrücken, ohne sein Ziel zu verfehlen.

"Die Sprache liefert ihre Klischees gratis, die abgedroschenen Phrasen und verbrauchten Wörter fallen einem zu wie Vogeldreck auf den Scheibenwischer." (Ruth Klüger)


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15.12.2010 14:59 (zuletzt bearbeitet: 15.12.2010 15:00)
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#5
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"Die Natur hat zehntausend Farben, und wir haben uns in den Kopf gesetzt, die Skala auf zwanzig zu reduzieren. Das ist die Malerei. Zufrieden ist man nie, und muss noch die Kritiker ernähren helfen."

(Hesse, Hermann: Klingsors letzter Sommer, Suhrkamp 1985, S. 26)


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27.12.2010 22:07 (zuletzt bearbeitet: 27.12.2010 22:08)
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#6
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"Malen war schön, Malen war ein schönes, ein liebes Spiel für brave Kinder. Anders war es, größer und wuchtiger, die Sterne zu dirigieren, Takt des eigenen Blutes, Farbenkreise der eigenen Netzhaut in die Welt hinein fortsetzen, Schwebungen der eigenen Seele ausschwingen zu lassen"

(Hesse, Hermann: Klingsors letzter Sommer, Suhrkamp 1985, S. 69)


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31.01.2011 18:24
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#7
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"Dichtung ist eine der Formen, in denen der Mensch ein Urteil über sich und seine Existenz fällen kann. Sie ist Selbsterkenntnis und Selbstkritik – Kritik allerdings nicht im moralischen Verstande. Sie meint nicht Lob oder Vorwurf, Rechtfertigung oder Verdammung, sondern ein neues, tieferes Verständnis, eine neue Deutung des eigenen Lebens durch den Dichter. Dieser Prozess ist nicht auf die Dichtung beschränkt; er ist auch in jedem anderen künstlerischen Ausdrucksmedium möglich."

(Cassirer, Ernst: Versuch über den Menschen. Einführung in die Philosophie der Kultur, S.Fischer, Frankfurt/M. 1990, S. 87.)


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23.03.2011 10:20
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#8
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"Verlogenheit ist etwas, das dem eingebildeten Künstler anhaftet wie ein schlechter Geruch."

(Wander, Fred: Das gute Leben oder Von der Fröhlichkeit im Schrecken, dtv, München 2009, S. 342.)


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24.03.2011 10:27
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#9
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"Das leblose Herz ist wertlos, es ist an sich selbst verbrannt. Der schöpferische Geist aber bedeutet Liebe zu allem Lebendigen und brennende innere Aktivität. Nur der glühende und kreative, der unbestechliche und unbeugsame Geist befreit uns von der Abhängigkeit und aus der Knechtschaft jeglicher Macht, die uns hindern will, zu erwachen und ganze Menschen zu werden."

(Wander, Fred: Das gute Leben oder Von der Fröhlichkeit im Schrecken, dtv, München 2009, S. 394.)


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06.06.2011 11:43 (zuletzt bearbeitet: 24.09.2011 11:21)
avatar  LX.C
#10
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"Töne sind lebendige Wesen, die miteinander sprechen, miteinander umgehen, sich verständigen, die miteinander leben."

(Cibulka, Hans: Wegscheide, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Leipzig 1988, S. 52.)


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24.09.2011 11:21 (zuletzt bearbeitet: 24.09.2011 11:22)
avatar  LX.C
#11
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"'Du siehst nur einen Pastis. Ich hingegen, der ich in das hineinschauen muss, was ich male, sehe die Pflanze, aus der er gemacht ist, die Stürme, denen die Pflanze getrotzt hat, die Hand, die die Aniskörner geerntet hat, deren Reise bis hierher, rieche den Duft des Anises und sehe seine Farbe, ehe er dem Alkohol hinzugefügt wurde.
Wenn ich eines Tages diese Szene male, ist das alles auch in dem Bild enthalten, obwohl du dann meinst, nur ein gewöhnliches Glas Pastis vor dir zu sehen.
Ebenso wie ich vorhin, als du auf die Gasse hinausgesehen und an den Jakobsweg gedacht hast – denn ich weiß, woran du gedacht hast -, auch deine Kindheit, Jugend, deine zerronnenen Träume, deine Pläne gemalt habe und deine Kraft – die hat mich am meisten verwirrt.'"


(Coelho, Paulo: Elf Minuten, Diogenes, Zürich 2003, S. 118.)


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17.12.2011 15:43
avatar  Jatman1
#12
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"Die Kraft der poetischen Begeisterung ist immer größer als die künstlerischen Mittel."

Dostojewski in einem Brief an Strachow 1871


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23.05.2012 14:56 (zuletzt bearbeitet: 23.05.2012 15:03)
avatar  LX.C
#13
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"Jede einzelne Handlung ist nur Welle in einem gewaltigen Lebensstrom, der unaufhörlich fließt, unübersehbar und noch wenig verständlich für uns."

"‚Kunst ist Natur’ sagst Du mit Arno Holz […] Wenn Kunst nichts weiter wäre als Natur, ja warum hätten wir sie dann nötig? Dann wäre sie ja nichts als eine Wiederholung, ein matter Abklatsch, ein Spiegelbild. Aber das ist sie eben Gott sei Dank nicht, denn Kunst ist immer Auswahl, Stilisierung, Ausdruck eines menschlichen Temperaments, Sinngebung und Ordnung nach geistigen Gesetzen."

(Lampe, Friedo: Krise. Briefe zweier Dichter [Prosa], in: Von Tür zu Tür. Phantasien und Capriccios, Wallenstein, Göttingen 2002, S. 201; 203-204.)


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23.05.2012 16:14 (zuletzt bearbeitet: 24.05.2012 11:52)
avatar  Taxine
#14
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Admin

Wenn Kunst nichts weiter wäre als Natur, ja warum hätten wir sie dann nötig?

Ja, über solche Zitate kann man schön reflektieren... Das Schönste für den Künstler sind jene Menschen, die in Bildern etwas für sich entdecken (und die Bilder als eine Art Zusammenfassung ihrer Gefühle empfinden). Manchmal frage ich mich, ob das nicht eine Art Natur ist... Ein Gleichklang an Gefühlen.
Nein, Kunst ist nicht (nur) Natur, sondern vielmehr das Interpretieren vieler Dinge... Kunst ist in diesem Sinne alleine schon aus dem Akt des Erschaffens heraus nicht mehr Natur, höchstens Kunst-Natur, die vielleicht auch ins Künstliche abrutschen kann. Kunst ist reiner Ausdruck, oft Innenwelt, Knoten, Ungleichgewicht und Gleichgewicht in einem..., eine Welt, die aber viel mehr von der Natur preisgibt, als auf den ersten Blick zu sehen ist, mehrere Blickwinkel offenbart. Sie ist eine Art Geburt... aber eben auch eine ewige Wiederholung.
(Das wiederum sagt weniger über die Kunst, als über das Sein und Leben aus...)


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04.11.2012 11:46 (zuletzt bearbeitet: 04.11.2012 11:46)
avatar  LX.C
#15
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"Es gibt viele Realitäten, gewesene und entstehende, die von hier und die von dort, die der Oberen und die der Unteren, Wirklichkeit ist ein Widerspruchssystem und bedarf vieler Perspektiven der Darstellung, wenn Kunst nicht unter allem Wissen bleiben soll."

(Volker Braun 1982)


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