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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Wanda Sacher-Masoch/Lebensbeichte

in Die schöne Welt der Bücher 21.10.2007 17:47
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Zu Wanda Sacher-Masoch's sehr umstrittenen LEBENSBEICHTE:

Na gut, man schlägt das 400-seitige Buch auf und beginnt ganz unvoreingenommen zu lesen, einfach, um mal einen kleinen Eindruck zu gewinnen, und schon kann man nicht mehr aufhören. Die Sprache ist einfach, doch dadurch, dass die Lebensbeichte um 1900 verfasst wurde, behält sie ihren schönen Klang, diese Achtsamkeit, die man früher noch in das Verfassen selbst einfach gestrickter Schriften legte( und die mir heute in modernen Romanen oft fehlt).
Diese Lebensbeichte macht Spaß zu lesen, auch wenn man mitunter immer deutlicher den Verdacht hegt, dass die Dame sich hier in Wesen und Charakter stark verschönt, sich harmlos und bescheiden hinstellt, vieles dramatisiert und übertreibt. Wenn ich mir ihre Photografie betrachte, sehe ich darin auch nicht dieses doch so unschuldig und von ihrem Mann getriebene „Opfer“, wie sie sich gerne sieht. Ich sehe eine strenge, selbstsichere Frau, deren Gesicht wirkt, als könnte sie jederzeit wunderbar fest und gewaltig mit dem Fuß aufstampfen.

Die Geschichte der Wanda Sacher Masoch beginnt in Armut. Sie berichtet von den schrecklichen Missständen, die sie mit ihrer Mutter erlebte, weil der Vater die beiden einfach sitzen ließ.
Als kleines Kind – und das steht bereits in den ersten Seiten – lauscht sie der Stimme ihres Vaters, der leise auf die weinende Mutter einredet, und versteht dabei nicht den Sinn der Worte:
Du brauchst dich nicht zu fürchten, es ist ganz schmerzlos: ich mache ein starkes Feuer im Ofen an, sperre die Klappe ab, verschließe Fenster und Tür, wir legen uns schlafen – und wachen nicht mehr auf.

Scheinbar erfüllt sich der Wunsch des Vaters nicht, so dass er dann auch wenige Jahre später, nachdem die Erzählerin seine Zuneigung verliert, weil sie ihn mit einer Prostituierten erwischt, schließlich die Flucht ergreift.
Von da an müssen die beiden zurückgelassenen Frauen schwer kämpfen, doch Wanda besticht durch einen aufrichtigen, starken Charakter, der unaufhaltsam für die Mutter und das eigene Los kämpft.
Schließlich lernt Wanda durch eine Freundin Sacher-Masoch kennen, der bereits durch ein paar Novellen bekannt geworden ist, und der den Ruf eines Frauenanbeters hat. Die Freundin will Wanda nun beweisen, die hier dessen Moral verteidigt und den Klatschgeschichten keinen Glauben schenken will, dass Sacher-Masoch sich selbst gerne sexuell demütigen lässt, und verfasst einen mit pikanten Sauereien gespickten Brief an ihn, den dieser sofort mit aufflammender Leidenschaft beantwortet. Diese Freundin berichtet in den Zeilen schließlich davon, wie sie gedenkt ihn zu quälen, worauf dieser immer faszinierter reagiert. Allmählich aber wird es der Freundin zu heiß, sie fürchtet um ihren Ruf, und weil ihr Bruder mit Sacher-Masoch befreundet ist und die Schrift seiner Schwester in den Briefen erkennt, für die Sacher Masoch sich so begeistert, verbietet er ihr den Umgang und droht sonst sie zu demaskieren. So muss nun Wanda selbst einen letzten Brief überbringen, in dem die Dame Abschied nimmt. Sacher-Masoch aber findet Gefallen an der unbekannten, verschleierten Überbringerin und fällt ihr alsbald zu Füßen, bittet nach ihrer Ablehnung um einen Briefaustausch, den Wanda, begierig nach den Büchern, die er ihr mit diesen Briefen schickt, gerne in Kauf nimmt. Worauf wohl läuft all das hinaus? Die Unbekannten treffen sich, empfinden Zuneigung füreinander und heiraten schließlich zunächst inkognito und nach allen Befürchtungen der Berichterstatterin, dass sich Sacher-Masoch gemäß seines Rufes wieder ihren Armen entziehen würde, auch richtig und werden Mann und Frau. Das erste Kind wird geboren und stirbt in der gleichen Nacht wieder. Die ersten Schicksalsschläge der Gemeinsamkeit. Wanda bemerkt schnell, dass Sacher-Masochs Erfolg nicht so viel Geld einbringt, wie sie es anfangs angenommen hat. Von nun an wird das Leben zum Kampf, gerade auch darum, weil Sacher-Masoch immer häufiger seltsame Phantasien anbringt, sie mit diesen Phantasien, die sie ihm erfüllen muss, sogar erpresst, indem er ansonsten nicht mehr schreibt.
In dieser so unsicheren Ehe entwickelt sich Sacher-Masoch in der Beschreibung der Erzählerin zu einem Menschen, der im Schmerz Lust empfindet, wie er es in „Venus im Pelz“ ja geschrieben hat. Zunächst betrügt er sie mit einer Cousine, dann möchte er, dass sie ihn auspeitscht, schließlich zwingt er sie dazu, sich einen Liebhaber zu suchen.
Auch stellt sich immer häufiger eine Obsession bei ihm heraus, dass er beginnt, die schlimmsten Krankheiten für sich zu befürchten und in bestimmten harmlosen Anzeichen zu erkennen und dann wochenlang nicht arbeiten kann. Aber, interessant ist doch seine masochistische Ader, wenn er zu seiner Frau sagt:
In Antwort auf:
Das Gefühl, dass ich so ganz in deiner Gewalt bin, dass du mit mir tun kannst, was du willst, dass ich dich fürchten, vor dir zittern muss, das macht mir gerade den größten Genuss.


Dem entgegen stellen sich natürlich Briefe von Wanda, die sie nicht für nötig hält, in ihrer Beichte zu erwähnen. Zum Glück gibt es die Schrift „Wanda – ohne Maske und Pelz“ von Carl Felix von Schlichtegroll, die viele Briefe und auch Tagebucheinträge von Sacher-Masoch enthält. So heißt es aus Wandas Brief an den noch Fremden:
O Doktor! wissen Sie, dass ich oft Lust bekomme, Ihr Weib zu sein, nur um Sie zu – quälen. Den Kelch der Wollust, des Genusses an die Lippen setzen. Sie rasen machen vor Verlangen und nicht genießen lassen. Was würden Sie dazu sagen, Doktor? Mich hassen und anbeten zu gleicher Zeit. – Ich schwelge in diesem Gedanken, es machte mir ein Vergnügen zu denken, dass ich Sie quälen kann, wie ich will, und dass Sie glücklich sind, wenn ich Sie nur quäle.

Wanda Sacher-Masoch übertreibt und lügt in ihrer Lebensbeichte, kann Wahrheit und Phantasie nicht auseinanderhalten, erfindet somit ihre Geschichte, ihre Sicht der Dinge (was die Lüge und die Übertreibung einschließt). Trotz allem aber waren oben genannte Worte aus dem Brief ja gerade das, was Sacher-Masochs Liebe zu ihr entfacht hat. Besonders ironisch wird es dann, wenn sie von ihrem Mann behauptet:
In Antwort auf:
Leopold log. Ich meine nicht in dem, was unser gegenseitiges Verhältnis betraf – die Frau belügen alle Männer – er log überhaupt. Doch ist für Menschen, wie er, die immer unter dem Einfluss ihrer Phantasie stehen, das Wort Lüge eigentlich zu grob. Sie sehen die Dinge so – wie sie nicht sind; kann man mit solchen Menschen streng ins Gericht gehen?

Neben dem, dass sie ihn hier anklagt, ließe sich vielleicht auch eine Entschuldigung für die eigene „Unzulänglichkeit“ heraushören.

Lachen musste ich bei einem Sacher-Masoch in den Mund gelegtem Kommentar:
In Antwort auf:
Es gab schon immer Frauen von Schriftstellern oder Künstlern, die ihren Männern Opfer gebracht haben. Die Frau des Dichters St… hat sich in seiner Gegenwart zum Fenster hinausgeworfen, bloß weil ihr Mann sich beklagte, dass kein tragisches Ereignis sein Leben bewege und ihm Stimmung für seine Arbeiten gebe. Was verlange ich von dir? Dass du dir einen Liebhaber nimmst. Wahrlich eine große Sache.


Und das alles steht nur in den ersten hundert Seiten. Das Buch glänzt durch allerlei interessante, erstaunliche, bewegende und spannende Geschichten, was den Lesegenuss auf eine angenehme Art und Weise steigert, dass man die kleinen blumigen Überspitzungen in Sprache und Authentizität darüber gerne vergisst. Dazwischen funkeln auch mal Sätze, wie:
In Antwort auf:
Es lag etwas Beleidigendes in dieser Verschwendung, diesem Reichtum, der einen kalt und steif anstarrte, wie die Augen seines Besitzers.


Wer sich ein bisschen entspannen will, wird hier die „Venus im Pelz“ ins echte Umfeld gehoben sehen, sicherlich in maßloser Übertreibung, darum aber nicht weniger lesenswert.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 24.10.2007 00:39 | nach oben springen

#2

RE: Wanda Sacher-Masoch/Lebensbeichte

in Die schöne Welt der Bücher 23.10.2007 07:10
von Moulin • 395 Beiträge
Danke für diesen interessanten Beitrag.
Ich finde diese Art Buch hat immer irgend etwas voyeuristisches, oder? Aber ich mag Erzählungen, die nicht rein fiktiv, sondern aus dem Leben kommen. Es hat, auch unter Berucksichtigung der Tatsache, dass Autoren durch Weglassen oder Hinzufügen unter Umständen die Wahrheit und die Tatsachen ein wenig verdrehen, trotz Allem eine Tragfähigkeit, die mich in andere Zeiten und Leben zu entführen vermag.
Ich werde das Buch auf meine lange Liste schreiben.
zuletzt bearbeitet 24.10.2007 07:52 | nach oben springen

#3

RE: Wanda Sacher-Masoch/Lebensbeichte

in Die schöne Welt der Bücher 23.10.2007 13:21
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Hallo Moulin,

ja, es ist ein bisschen voyeuristisch, immerhin berichtet die Dame von sehr intimen Dingen. Aber hauptsächlich, weil sie ihren Mann anklagen will. Gegen Ende des Buches verdreht man leicht die Augen, trotzdem ist es spannend. Danach sind verschiedene Reaktionen auf diese "Lebensbeichte" zu lesen, was das Buch schön abrundet, auch ein späteres Eingehen von Wanda Sacher-Masoch auf ihre Schrift und auf den Masochismus.
Als diese Beichte 1906 herauskam, erweckte sie überall Empörung, weil da das intime Leben eines bekannten Schriftstellers so offengelegt wurde. Heute sicherlich schreibt wohl jede zweite Frau, die ihre 15 Minuten Ruhm hinter sich hat, mit wem sie es wo und wie lange getrieben hat. Das erweckt höchstens noch ein Gähnen.

Für mich war besonders der Zeitraum interessant, und so die Dame hier mit pikanten Geschichten aufwartet..., lässt das Buch sich schnell und mit einem Lächeln durchlesen.

Liebe Grüße
Taxine



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 23.10.2007 18:54 | nach oben springen

#4

RE: Wanda Sacher-Masoch/Lebensbeichte

in Die schöne Welt der Bücher 24.10.2007 13:16
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Um den von mir oben benannten "selbstsicheren Ausdruck" der Frau Sacher-Masoch zu untermalen, habe ich mal eine Skizze von ihr gemacht:


In ihrer Nachschrift "Masochismus und Masochisten" wehrt sich Wanda Sacher-Masoch gegen die Angriffe, die auf ihre Veröffentlichung erfolgten und versucht mit Hilfe von Briefen die in Schlichtegroll's Schrift aufgezeigten Behauptungen zu widerlegen. Diese Briefe sind allerdings, wie ich finde, einfach wild und irgendwo auch nutzlos ausgewählt, widerlegen höchstens mal ein Datum, das abweicht. Hauptsächlich findet man darin Hinweise, wie bemitleidenswert sich Wandas Nachfolgerin bewährt hat.
Auch klagt sie die Wissenschaft an, die den "Masochismus" als interessante Leidenschaft ans Licht zerrt und es einem "neugierig aufhorchendem Publikum" präsentiert:

In Antwort auf:
Möge man mir, die zehn Jahre die Gattin des Mannes war, der jener geschlechtlichen Entartung seinen Namen hinterlassen, (...) erlauben auch ein Wort mitzureden.
Zuerst möchte ich an die Wissenschaft die Frage richten: Hätte sie nicht besser getan, die in nichts "interessante" aber schmachvolle, entwürdigende Leidenschaft in dem Dunkel und der Vergessenheit gelassen zu haben, in der sie von jeher ein vereinsamtes, kümmerliches, schamverhülltes Dasein geführt, anstatt sie, beleuchtet von ihrem Geiste, ans Tageslicht zu ziehen, sie auszuweiten, in allen ihren widerlichen Details zu durchforschen, uns noch widerlichere verraten zu lassen und sie so einem Laien-Publikum als pikante Enthüllungen über sexuelle Vorgänge vorzusetzen?

Diese Empörung ist teilweise berechtigt, nachdem, was man aus der "Lebensbeichte" erfahren hat, nur frage ich mich, warum Frau Sacher-Masoch selbst dieses Thema in ihrer Schrift beleuchtet hat, wenn sie es lieber als Abart und Perversität nicht benannt wüsste. Für sie ist ihre "Lebensbeichte" sicherlich eine Art der Verarbeitung und auch ein bisschen Abrechnung, aber dass sie mit solchen Enthüllung der Forschung eine weitere Quelle bietet, das hat sie wohl nicht bedacht. Ganz wutentbrannt behauptet sie:
In Antwort auf:
Mit ihren Forschungen, und nur mit diesen, hat die Wissenschaft der heutigen Generation den Masochismus suggeriert, ihn zu einer Modekrankheit erhoben, die (...) Tausende und Abertausende von jungen Männern dem physischen und geistigen Verfall ausliefert.

Hier wieder (von der Übertreibung mal abgesehen) interessant zu beobachten, wie sie ganz natürlich davon ausgeht, dass nur Männer, nicht Frauen davon befallen sind.
Der Masochismus macht in ihren Augen den Mann zum "charakter- und gewissenlosen Schwächling, zum erbärmlichen, verächtlichen Menschen", und wenn die Wissenschaft nur aufdeckt, aber nicht helfen kann, dann habe sie gefälligst zu schweigen.
Gut zu wissen, dass sie sich und ihren Mann (der den Masochismus in die Literatur einführte) gerne davon ausnimmt.
Auch klagt sie an, dass die meisten den Masochismus nur als Einbildung und grausame Vorstellung nutzen, sich damit erhitzen und damit begnügen, ohne auch nur den Versuch zu wagen, "ihren Rücken einem Peitschenhiebe auszusetzen".
In Antwort auf:
Sie sind - ich habe keine einzige Ausnahme gefunden - feige, charakterlose, geistig versumpfte Individuen.

Oha! Wenn also schon, dann auch richtig.

Sicherlich kann ich verstehen, dass sich eine sechzigjährige Frau darüber aufregt, dass sie durch den "Masochismus-Boom" zur perfekten Sadistin emporgehoben wird, dass Anhänger des Masochismus ihr "pikante" Briefe schreiben und auch versuchen, sie persönlich aufzusuchen und kennenzulernen. Trotzdem ist Wanda Sacher-Masoch daran nicht ganz unschuldig, gerade durch ihre "Lebensbeichte". Aber mag auch ihr Mann von ihr verlangt haben und sie aus Liebe zu ihm Novellen verfasst haben, die denen Sacher-Masoch nicht unähnlich waren, so ist sie doch sicherlich nicht diese grausame "Peitschenschwingerin", als die sie dargestellt wird. Das glaube ich ihr alle Male. So sei hier ihr letztes Wort noch einmal festgehalten, in dem, das sollte man ihr nicht absprechen, durchaus ein richtiger Gedanke liegt:
In Antwort auf:
Vielleicht gibt es Leute die der Meinung sind, ich hätte aus Rücksicht für Sacher-Masochs Talent schweigen sollen; ich werde ihnen antworten, dass er diese Rücksicht zuerst hätte haben sollen. (...)
Denn so hoch man auch die Kunst stellen mag, das Leben mit seinen Wahrheiten - das Menschenschicksal steht höher.
In dem Wahn der Kunst zu dienen, opferte ich mich dem Künstler - bis ich das Widernatürliche, Unsinnige und vor allem das Nutzlose meines Opfers zu spät erkannte.
Die Kunst, die zur Bestie wird und Menschenleben verschlingt, um sich zu nähren, ist wahrlich ein zu teuer erkauftes Vergnügen; sie ist es um so mehr, als es auch eine Kunst gibt, die reich genug in sich selbst ist, um solche Gewaltmittel entbehren zu können.


Grüße
Taxine




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#5

RE: Wanda Sacher-Masoch/Lebensbeichte

in Die schöne Welt der Bücher 24.10.2007 20:16
von Ferro • 154 Beiträge
Wertet Taxinchen,

vielen Dank für den Überblick, nun ist der Inhalt doch klarer und reizt mich nicht unbedingt, auch wenn ich mir das leichte Schmunzeln vorstellen kann, das Du beim Lesen gehabt hast.

In Antwort auf:
... auch wenn man mitunter immer deutlicher den Verdacht hegt, dass die Dame sich hier in Wesen und Charakter stark verschönt, sich harmlos und bescheiden hinstellt, vieles dramatisiert und übertreibt.

Ich habe gelesen, dass sie hier versucht hat, sich selbst einen Heiligenschein aufzusetzen und Sacher-Masoch am Ende als verkommenen Menschen hinzustellen. Sicherlich geht sie, nach dem obigen Überblick, auch nicht auf dessen Masochismus als Krankheit ein, das macht das Ganze ungenau. Heute gilt der Masochismus ja nicht mehr als Krankheit, sondern nur noch als sexuelle Abweichung (soweit ich weiß).

Mit herzlichen Grüßen
der Ferro
zuletzt bearbeitet 24.10.2007 21:17 | nach oben springen

#6

RE: Wanda Sacher-Masoch/Lebensbeichte

in Die schöne Welt der Bücher 24.10.2007 21:04
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Werter Ferro,

ja, Frau Sacher-Masoch hebt sich hier schon in ein fast heiliges Licht, was die Geschichte eben nicht glaubhaft genug macht. Wäre ihr Verständnis für ihren Mann größer gewesen, und würde dieses nicht nur dadurch beleuchtet werden, weil sie es ausdrücklich in ihrer Schrift betont, dann hätte diese "Lebensbeichte" vielleicht auch einen höheren und geschichtlichen Wert (im Sinne einer biographischen Genauigkeit). Sie hat sich aber nicht nehmen lassen, ihren Mann wie auch die zweite Frau und deren Kinder zu verunglimpfen, spuckt dabei auf Sacher-Masoch in seinem schwachen Wesen und beharrt gleichzeitig auf den Namen (dass nur sie das Recht hätte, Sacher-Masoch zu heißen.) Der "Nachspann" ist sehr aufschlussreich und beleuchtet die so gedemütigte und gleichzeitig unschuldige Person, als die sie sich dargestellt hat, genauer, dabei nicht nur durch die damals erschienenen Rezensionen, sondern besonders durch ihre eigenen Verteidigungsreden. Es ist eine Lektüre, mehr nicht, aber doch auch in Talent geschrieben.

Liebe Grüße
Taxine




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