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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Umwandeln in die Gleichberechtigung

in Gedanken vom Tag 17.01.2008 18:19
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge
Es gibt viele Bücher, die ich aus Empörung wieder zuschlagen müsste, würde ich sie mit den Augen der modernen Frau lesen. Die Frau wurde in der Vergangenheit so häufig zum "dummen Wesen" erklärt, dass ich mich manchmal bewusst darauf besinnen muss, dass es in erster Linie um den Wert der Literatur, nicht um die damaligen Ansichten geht. Dieser grobe und ganz natürliche Wisch in eine einzige, allmächtige Schublade könnte ansonsten den Wert jener Zeilen erheblich schwächen, auch das Denken über den Menschen dahinter, der hier versucht, das Bild der Frau in dieser Form noch hervorzuheben. Ihr wurde dabei selbstverständlich zugestanden, dass diese Dummheit sehr sinnvoll für den Mann ist, damit er leicht mit ihr leben kann. Überhaupt wird aber in vielen Büchern des 18. und 19. Jahrhunderts die Frau für unfähig erklärt, ein Buch
1.) verstehen zu können
2.) interpretieren zu können
3.) darüber einen neuen Gedanken entwickeln zu können,

weil es für die Frau wohl unschicklich war, sich dem Lesen und Denken hinzugeben.

Trotzdem stand daneben die eine oder andere Frau, die das Gegenteil bewies, die aber als Ausnahme abgetan wurde. Der Mann in seinen Betrachtungen erscheint mir dabei so oberflächlich und überheblich, dass hier vor meinen Augen nur zwei Möglichkeiten entstehen, um begreifen zu können. Entweder wurde von der Frau dieses "dumme Verhalten" erwartet und verlangt, oder der Mann stellte sich als Menschen ganz natürlich über die Frau. Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass zwischen aller Koketterie der Salons die eine oder andere Frau nicht durch geistreiches Gespräch oder einen intelligenten Gedanken bestochen haben soll, dass dort immer nur Gekicher und "Geschlechtstrieb" geherrscht hat, hier alles Denken und jedes Gespräch nur auf Schönheit und das richtige Lächeln, Klatsch und Kinderkriegen reduziert gewesen sein soll.

Das ist häufig mein Problem, wenn der Schriftsteller, den ich schätze und gerne lese, die Frau noch mehr abwertet, als es die damalige Zeit in Bezug auf das Denken und Wissen sowieso getan hat. (Seiner Zeit voraus ist er dann nicht gerade..., auch wenn es so mancher Schriftsteller von sich in seinen Zeilen ganz unverfroren behauptet!) Das wundert mich besonders, wenn ich voraussetze, dass der Schriftsteller hier die griechische Mythologie kennt oder Homer gelesen hat. So bleibt mir in Anbetracht der Umstände und der anderen Zeit dann auch nichts anderes, als aus den im Buch bezeichneten Tugenden und Geistesvorteilen des "Mannes" die des "Menschen" zu formen, und mit dem gutmütigen Lächeln des Verzeihenden über die Beschreibung der Weiblichkeit in ihrer Dummheit oder Naivität hinwegzulesen.
So sehr der Mann damals auch seine Welt zu begreifen trachtete, so hat er doch darüber hinaus vergessen, die Frau mit dem neutralen und eigenen Blick zu betrachten. Die Voreingenommenheit strahlt durch viele "einsame" Schriftsteller, die wohl über ihre Zeilen gebeugt saßen und sich womöglich nur nach etwas Liebe gesehnt haben.
Ja, auch das ist ein Vorurteil.
Ein bisschen Genugtuung.

Zur Beruhigung: Die Empörung gleicht sich natürlich in keinster Weise mit der des Mannes, wenn er das SCUM-Manifest einer Valerie Solanis liest.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 17.01.2008 19:03 | nach oben springen

#2

RE: Umwandeln in die Gleichberechtigung

in Gedanken vom Tag 18.01.2008 12:44
von Moulin • 395 Beiträge

Deshalb lese ich nicht so gerne alte Fachbücher, weil die dort vermittelten Wahrheiten meist überholt sind...
Ich kann mir schon vorstellen, dass man enttäuscht wird, wenn sich durch das ansich gute Werk eines doch guten Schriftstellers eine gewisse Überheblichkeit wie ein Faden zieht.

In Antwort auf:
Zitat Taxine
...mit den Augen der modernen Frau lesen...


Dass man zwischen zwei Frauentypen unterscheidet, modern und altmodisch, mit Akzeptanz der Unterwürfigkeit ist schon ein Ergebnis der Vergangenheit.

Ich beurteile einen Menschen weder nach Herkunft, Rasse, Religion, noch Geschlecht. Das erwarte ich daher grundlegend auch in geschriebenen Texten der Schriftsteller.
Daher fällt es mir eben schwerer alte Bücher zu lesen.







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#3

RE: Umwandeln in die Gleichberechtigung

in Gedanken vom Tag 18.01.2008 13:37
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge
Überholte Gedanken sind manchmal trotzdem aufschlußreich...

Ich zitierte einmal Montherlant und brachte eine Dame in wutentbrannte Wallungen, wie ich es als Frau wagen könnte, den Mann überhaupt zu erwähnen. (Er wäre eine arme Sau und dann am Wahnsinn verendet... Heee?) Ich musste ihr darauf sagen, dass es mir um den Sinn des Zitats geht, um das, was ich in seinem Buch gefunden habe, nicht um die Ansicht, die er über die Frau vertritt. Daraufhin stellte sich dann... wie kann es anders sein ... heraus, dass sie das Buch, aus dem ich zitiert habe, gar nicht gelesen hat.
Hier aber war wiederum ein Unterschied, weil Montherlant einen bestimmten Typ Frau darstellte, der mir auch heute noch ab und zu begegnet und mir... ebenso... gehörig auf den Keks geht.

Ich treffe diese Entscheidung aber nicht aus Unterwürfigkeit, wenn ich ein Buch für mich umwandle, sondern ich stürze mich nicht fixiert auf zwei Sätze, die die Frau behandeln, und zerfetze über diese beiden Sätze dann das ganze tausendseitige Buch. Man muss immer die Zeit sehen, wie die Umstände waren.
Was wir heute haben, empfinden wir als selbstverständlich, aber man darf sich das auch ruhig ab und zu mal wieder vor Augen holen...



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 18.01.2008 13:42 | nach oben springen

#4

RE: Umwandeln in die Gleichberechtigung

in Gedanken vom Tag 18.01.2008 14:08
von Martinus • 3.194 Beiträge
Ja Taxine,

ein Schriftsteller macht sich vorher Gedanken, welchen Typ er darstellen will, und die Charaktere in Montherlants Hauptwerk sind doch interessan, auch wenn ich mich nicht mit ihnen identifizieren möchte. Der Roman gilt immer zuerst, die Meinung des Autoren selber kann schon eine andere sein. Romane sind immer auch ein Spiegel ihrer Zeit, trotzdem finden wir in alten Klassikern auch zeitloses. Die "Dame", die da wutentbrannt gezürnt hat, hat gewütet ohne ihr Denkorgan. Warscheinlich war's eine Emmanze.

Bei Stefan Zweig, im "Brief einer Unbekannten", wie auch in Sándor Márai "Das Vermächtnis der Ezster" findet man Frauengestalten, wo ich mich frage, ob diese Gestalten nicht einfach schon neurotisch sind, dass sie sich in einen erbärmlichen Liebeswahn steigern, von dem sie schließlich nichts haben. Heute wird ein Autor natürlich nie mehr so schreiben, hoffe ich zumindest
Im Gegensatz zu den zwei genannten ist Montherlants "Erbarmen mit den Frauen" viel schöner gestaltet, zum die Dame im Stefan Zweig mich genervt hat.

Liebe Grüße
Martinus



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 18.01.2008 14:09 | nach oben springen

#5

RE: Umwandeln in die Gleichberechtigung

in Gedanken vom Tag 18.01.2008 14:38
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge
Hallo Martinus,

da du die Frau als Romanfigur in den Raum trägst . Wie schade wäre es wohl, wenn diese neurotisch bis maniakalisch veranlagten Gestalten nicht erfunden worden wären? Gerade an diesen Extremen erkennt man die Randfigur, nicht die Allgemeinheit, und entdeckt selbst darin eine gewisse Schönheit, den Reiz, eine eigene Neugierde an der Person.
Marai zum Beispiel ist ja Meister der leidenschaftlichen wie auch unglücklichen Liebesgeschichte und brachte sich nach dem Tod seiner Frau auch um.

Du weißt, mir ging selbst Anna Karenina in ihrem Wesen auf die Nerven, weil ich ihre Art, mit Menschen, die sie lieben, umzugehen, nicht mochte. Trotzdem kann man die Liebe nicht erzwingen, so trägt dann eben jeder seine Last und sein Leid mit der Frau, dem Mann.

Wenn ich bei Nietzsche zum Beispiel folgendes Zitat finde:
In Antwort auf:
Das Weib lernt hassen, in dem Maße, in dem es zu bezaubern verlernt!

... dann kann ich diesen Satz nicht völlig abstreiten. Hier liegt ein Kern Wahrheit, der sich aus der Eitelkeit, der Unsicherheit, dem Treffen auf Welt, Mann und anderes "Weib" entfaltet. Für die Frau gilt es hier eher, daraus ihre Schlüsse zu ziehen und sich selbst zu durchschauen und zu "überwinden".
Natürlich stört mich wiederum an solchen Schriften das Beurteilen einer ganzen Weiblichkeit.
Trotzdem ist mir aufgefallen, dass in bestimmten Büchern die Frau zwar schlecht wegkommt, der Mann aber ebenso sich selbst belächelt. Das hält sich dann wiederum die Waage. Ich kann mich schließlich nicht über das Vorurteil gegenüber der Frau beschweren, während das über den Mann Zustimmung findet, auch wenn man dabei lächeln mag...



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zuletzt bearbeitet 18.01.2008 14:47 | nach oben springen

#6

RE: Umwandeln in die Gleichberechtigung

in Gedanken vom Tag 18.01.2008 20:43
von Salin • 102 Beiträge

In Antwort auf:
Zur Beruhigung: Die Empörung gleicht sich natürlich in keinster Weise mit der des Mannes, wenn er das SCUM-Manifest einer Valerie Solanis liest.

Valerie Solanas – eine Frau mit "männlichem" Humor.
Das SCUM-Manifest sowohl Ernst als auch Satire.


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#7

RE: Umwandeln in die Gleichberechtigung

in Gedanken vom Tag 18.01.2008 20:56
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Hast du es gelesen? Ich kenne nur winzige Auszüge.

Warhol hat wahrscheinlich nicht so laut gelacht, aber er war vielleicht auch nicht "männlich".




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#8

RE: Umwandeln in die Gleichberechtigung

in Gedanken vom Tag 19.01.2008 06:24
von Salin • 102 Beiträge

Diagonal gelesen.
Stand (und steht vermutlich noch) irgendwo im Web.


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#9

RE: Umwandeln in die Gleichberechtigung

in Gedanken vom Tag 21.01.2008 15:07
von ascolto • 1.289 Beiträge
Werte Dame tAxine,

transpürtiert sich hier ein "Gängiges" im Sinne: Empörung- erregt die Betrachtung???

Wie man hineinblückt so dichtet sich dies: Geschlechtsmythos in Mede-a.res?!

Soweit ich hineyngeblückt, hat der Geyst keine geschlechtsspezifischen Merkmale, er ist eher verwirrt, somit unklar oder unwissend.....und strebet nach Klährung (Weisheit).
Sollte diese Klarheit auffindbar, so denke ich das Diese keine geschlechtlichen Merkmale besützt, es eher ein Blück in feinstoffliche Realität, frey von groben Begrifflichkeiten.

Ergo, jedes grobstoffliche Bewerten der Wesen, im Sinne ihres Geschlechts oder der Körpermerkmale ist ein Irrtum, der sich nicht nur in den Geystern aus der Abgrenzung um die oberflächliche Identität müht, es ist eine unfriedliche Kedde deren Ursprung das Nichtvertrauen in die Selbslosigkeit, somidd der Anspruch aus der Ohnmacht die Macht zu formen?????

Der nazißtische Blück uin die Körper-das Außen!

Aus dem Herzel: Sonnengrüße
dadd A

zuletzt bearbeitet 21.01.2008 15:31 | nach oben springen

#10

RE: Umwandeln in die Gleichberechtigung

in Gedanken vom Tag 22.01.2008 17:20
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge
Ergo: darum wandle ich ja auch um, wenn ich auf diese grobstoffliche Bewertung des Wesens treffe...

Herzensgruß
tAxine



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 22.01.2008 17:20 | nach oben springen


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