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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Blindheit

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 08.02.2008 20:05
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Mich wundert immer wieder, dass der Mensch nicht aus der Geschichte lernt, dass er glaubt, dass moderne Entwicklungen dazu berechtigen, dass sich die Welt auf einmal völlig wandelt. Wir wissen, dass bestimmte Menschen in der Geschichte für bestimmte Ereignisse standen. Wir sollten aber auch wissen, dass dieser Mensch, der uns als Auslöser erscheint, immer von einem Dahinter gesteuert wird. Er ist also Marionette, ähnlich, wie jetzt der Herr Bush junior, der hier genau für den Ansturm an Empörung eingesetzt wurde. Dass aber hinter diesem kleinen Spinner eine ganze Batterie an Händen steht, die die Fäden lenkt, scheint irgendwie verdrängt oder nicht bedacht zu werden. So viele geschichtliche Ereignisse haben sich hinterher als geschicktes Manöver erwiesen, um bestimmte Situationen auszulösen (denn den Menschen kann nun einmal nicht etwas völlig Absurdes oder Grausames oder... ohne entsprechende Besänftigung oder Voraussetzung verkauft werden). Hinterher eingestanden sind diese "Ereignisse" eben gewesen, nicht mehr rückgängig zu machen. Und wenn sie gewesen sind, dann sind sie vergänglich, werden allmählich vergessen oder sind nicht mehr zu ändern. Warum aber der Mensch annimmt, dass diese bestimmten "Mechanismen", die immer einen bestimmten und beabsichtigten Erfolg erzielt haben, heute nicht mehr angewendet werden, ist mir schleierhaft. Ich kann es mir nur damit erklären, dass ein Mensch denkt, dass die Moderne eine Freiheit offenbart, die all das nicht mehr möglich macht. Dabei ist genau diese scheinbare Freiheit so weit gestreut, dass der Mensch vergisst, bestimmte Dinge zu hinterfragen. Ein Mensch, der denkt, dass er in einem bestimmten System frei ist, hinterfragt nicht. Nur ein Mensch, der denkt, dass etwas nicht stimmt, begehrt auf. Allerdings ist diese Anwendung der unterbewussten Steuerung ja heute so geschickt vervollkommnet worden, dass es freilich schwierig ist zu erkennen, wann ein Weg ein manipulierter ist. Die Wege sind ja nun einmal nicht richtig oder falsch, sondern es gibt so viele Richtungen und Gegenrichtungen, dass jeder irgendwo in seinem Aufbegehren befriedigt sein kann. Aber, gerade der Kommunismus und der Faschismus in seinen Auswirkungen (die scheinbar entgegengesetzt trotzdem ein und denselben Weg verfolgten) sollte uns doch aufmerksam machen, wie verfänglich es ist, sich auf eine Seite und eine "Gegenrichtung" oder "Richtung" zu beschränken? Wenn wir gegen die einen Bedingungen rebellieren, heißt es nicht, dass wir uns gegen das System stellen, weil eine andere, dem System entgegengestellte Richtung trotzdem eine Richtung ist (also ein vorgefertigter Weg, der - grob gesagt - abgestempelt und zugelassen ist).
Es sind nicht die Vordergründe, die wir betrachten sollten, oder vereinzelte Politiker und Personen, die scheinbar eine ganze weltliche Verantwortung zu tragen scheinen, es ist immer ein Dahinter, dass seit Jahrzehnten existiert, dass seine eigenen Bedingungen erschafft, um sich immer weiter fortzufressen...



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 08.02.2008 20:21 | nach oben springen

#2

RE: Blindheit

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 08.02.2008 22:09
von Moulin • 395 Beiträge
Ich glaube, es ist nicht die Blindheit, es sind eher Gegebenheiten, die wir hinnehmen müssen. Negative Gegebenheiten, die dazu dienen, das Gesamte in irgendeiner Form zu erhalten.
In dem Sinne bedeutet das, eine geringe Anzahl Opfer zu bringen um die Masse zu schützen.

Tragisch ist das, weil in des denkenden Menschen Logik im Grunde alle glücklich sein könnten. Es scheitert aber an denen, die nicht mitziehen.

Der Mensch lernt aus der Geschichte. Das Gelernte umzusetzen ist kalkuliert. Eingeteilt nach möglichen Verlusten.
zuletzt bearbeitet 08.02.2008 22:10 | nach oben springen

#3

RE: Blindheit

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 09.02.2008 01:11
von headprint • 135 Beiträge

Nationalsozialismus und der Kommunismus (in dieser Zeit aber nicht nur)
sind nichtmal entgegengesetzt, sondern in ihren Wirkungen dasselbe, sogar
in den Systemen, vor dem Krieg, waren große Ähnlichkeiten festzustellen und
Sympathien. Z.B. bildete die Rote Armee die ersten modernen Panzersoldaten
der Reichwehr aus, Luftwaffe wohl auch - damals galt noch der Versailler Ver-
trag. Ebenso herrschte im 3. Reich lange vor dem Krieg eine mehr oder weniger
sichtbare Kommandowirtschaft, also eine Planwirtschaft. Da und dort wurden
Teile der Bevölkerung willkürlich ausgegrenzt, verfolgt und ermordet. Die SA
stand für das nationalsozialistische Moment dieser Bewegung.
In beiden Staaten herrschte starker Personenkult und es gab keine Abstufungen,
wenn das System nach dem Einzelnen fragte: wer nicht für uns ist, ist gegen
uns... es waren mehr Religionen, als politische Anschauungen..

Wenn ich sehe welche Hoffnungen manche darein legen, wer die/der nächste Präsi-
dent/in der USA wird, frage ich mich wirklich, was die für eine Weltsicht haben..
Auch der populäre Kennedy ist das nur geworden, weil er erschossen wurde.. hätte
er weiter gelebt: Vietnam, eine schnellere Eskalation, evtl ein weit größerer
Krieg, als er es so schon war.

Aber das freie Chargieren in den Verhältnissen und Möglichkeiten wird auch nicht
erfolgreicher sein, als das Stehen auf einer Seite. Es ist irgendwie so, daß die
Decke, die über die höchst privaten Ambitionen geworfen wird, mit den Jahrhunderten
immer dünner wurde und nun sind nur noch ein paar durchsichtige Fetzen übrig. Wen
mag es da noch wundern, daß außer populistischen Schlagworten (je oppositioneller
desto heftiger) nichts mehr zu den Massen dröhnt??

Marx had an idea from the confusion of his head,
Then there were a thousand more waiting to be led.
The books are sold, the quotes are bought,
You learn them well and then you're caught.
Another's left, another's right,
Another's peace, another's fight.

Mussolini had an idea from the confusion of his heart,
Then there were a thousand more waiting to play their part.
The stage was set, the costumes worn
And another empire of destruction born.
Another's name, another's aim,
Another's fall, another's fame.

[...]

The idea born in someones mind
Is nurtured by a thousand blind
Anonymous beings, vacuous souls,
Do you fear the confusion, your lack of control?
You lift your arm to write a name,
So caught up in the identity game.
Who do you see? Who do you watch?
Who's your leader? Which is your flock?
Who do you watch? Who do you watch?
Who do you watch? Who do you watch?


(aus: Crass ::: Where next Columbus?)


*sssscrrreeeeaaaaach!!!*
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#4

RE: Blindheit

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 09.02.2008 02:40
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Ja, irgendwie wirkt es immer, als ob die Blinden darauf warten, von einem Blinden geführt zu werden, der ihnen vorgaukelt, dass er weiter und besser durch seine schwarze Brille sieht, als sie selbst, nur, weil er lauter und überzeugender mit seinem Stock pocht. Aber, es wird ja auch immer schwieriger: Wen wählen, wenn alles so "wählbar" ist, wenn scheibar die Wahl besteht, wo die Wege im Hintergrund wieder ganz vorzüglich in einen Punkt zusammenlaufen? Die Wahl zwischen Lügen muss gut durchdacht sein. Dem, der sich besser verkauft, wird dann die Stimme gegeben, was sowieso nichts bringt, weil über die Köpfe der Masse dann das verwirklicht wird, was schon zuvor geplant war.

Und, genau das ist das Tragische: Kein einziges Opfer ist gerechtfertigt, um eine Masse zu schützen. Denn auch das ist nur ein Scheinargument. Das wird in jedem zweiten amerikanischen Film propagiert, dass es gerechtfertigt ist, ein paar Menschen zu töten oder zu foltern, um eine gesamte Menschheit zu schützen. Diese Menschheit wird dadurch aber nicht geschützt. Es sind nur ein paar Tote mehr und ein paar kritische Blicke weniger. Dass heißt, es darf, bei bestimmten Voraussetzungen, einfach über Leben und Tod entschieden werden, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen, es darf ein Mensch erschossen werden, weil er verdächtig ist, ein Mensch gefoltert werden, weil … usw. (Der übliche, patriotische Mist!!!)
Genau diese Einstellung soll die Masse aber gewinnen, dass für sie scheinbar ein paar Menschenleben völlig gerechtfertigt sterben müssen. Wer dies mal bewusst hinterfragt, wird auch auf das Absurdum stoßen...



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 09.02.2008 15:14 | nach oben springen


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