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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Auf den Keks geschrieben...

in Gedanken vom Tag 19.02.2008 00:23
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Stil ist das, wodurch sich ein Werk all diesen Systemen an geordneten Formen entzieht, sich dabei jeglicher Nachahmung verweigert und sich damit den herkömmlichen Dingen als "neue" Kreation gegenüber stellt.


Denn... die Rechtfertigung, dass andere Schriftsteller solche Mechanismen (egal, wie gut diese übernommenen Ideen in ihrer Umwandlung auch sein mögen) benutzt haben, um ihre Bücher zu füllen, sollte nicht unbedingt beruhigend wirken.
Man strebe doch, bitt'schön..., wenigstens nach der eigenen Idee und ruhe nicht im Pfuhl gleicher Ansichten, um mit Gummihandschuhen zu schreiben, sich im Erzählstil jeglicher Bleichheit der "Nie-Übertreibung" anzupassen.!!!



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 20.02.2008 21:29 | nach oben springen

#2

RE: Auf den Keks geschrieben...

in Gedanken vom Tag 19.02.2008 15:43
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Immer weniger wundert mich, dass der Leser den modernen Roman zuschlägt und sagt: Ja, war ja ganz gut gemacht. Oder: Eine nette Geschichte.
Nichts, was einen aus den Latschen kippen lässt, irgendwie im Nachgeschmack etwas wässrig und kraftlos, schon irgendwo einmal gehört, oftmals ohne Biss.
Wie sollte hier auch Begeisterung entstehen, wenn sich der moderne Schreiberling darauf verlässt, dass sich aus dem Vorhandenen ruhig und ohne schlechtes Gewissen zu bedienen sei? Dass andere Schriftsteller ebenso zusammengeklaut und übernommen haben, wo sie konnten? Wenn dem jungen Autor empfohlen wird, dass er sich keine Gedanken machen muss, wenn er seine Inspiration aus dem Buch daneben saugt, wenn er den letzten Sprung aus seinem gekachelten Wort, das sich träge über die Zeilen wälzt, endlich überwindet, weil da ein guter Schriftsteller eine Idee hatte, die sich leicht in das eigene Konzept einbringen lässt?
Schon am Theater riet mir der Regisseur:
"Mensch, wichtig ist, dass du so viel zusammenklaust, wie möglich!"
So entsteht Erfolg. Erfolg natürlich in Geld umgerechnet.

Worauf aber kommt es bei der Schreiberei denn an?
Geht es darum, so schnell wie möglich ein Buch auf den Markt zu schmeißen?
Was erhoffen sich angehende Autoren davon?

Ideen sind nur Luftgebilde? Guck auf Shakespeare, guck auf Brecht, auf die Bibel…?
Ja, und?
Wo der Berg Geschriebenes stetig wächst und sich mächtig zwischen die Bücherregale schiebt, dazwischen jenes Nutzlose und Geplapper, das Alltägliche zu umschreiben, das, was ist, einfach neu zusammengesetzt, das was war, ins Moderne übersetzt, das ewig Nette, das ewig Erfüllende, das ReinRaus, verdammt zum Vergessen…
Woran Maßstab genommen? An diesem Sumpf an Gedankenleichtigkeit? An dem erzwungen Gekonnten? An den aus dem Kopf gepressten schweren Worten, die nichts Neues besagen, die nur klingen, nicht erklingen und lediglich als weiteres Umgeschriebene auf den Stoß des Vorhandenen landen? Was stützt dieses Gebilde?
Dann doch lieber schweigen!
Macht nicht gerade die Idee aus, was den Leser in die Überlegung treibt? Wo er völlig verstummt sitzt und staunt?
Es gibt nichts Neues, keine neuen Ideen. Alles ist wie der Phönix aus der Asche auferstanden, nur noch Renaissance. Verwunderlich ist es nicht, wenn das Denken sich in Ausreden flüchtet.

Es ist eben verdammt schwer, etwas Neues zu kreieren. Doch die Hoffnung bleibt, dass sich ein Schreibender hinsetzt und an einem Werk arbeitet, nicht an einem Buch. Dass er sich von seinen Ideen benutzen lässt und nicht nur darauf baut, nützlich zu sein, immer verfügbar für all diese Fernsehsendungen und Talkshows, in denen sich die Fast-Könner über die Tauglichen oder Untauglichen unterhalten, um die Zeit zu überwinden, um etwas mehr diese toten, ewigen Lücken zu füllen...



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 19.02.2008 20:40 | nach oben springen

#3

RE: Auf den Keks geschrieben...

in Gedanken vom Tag 19.02.2008 16:39
von Martinus • 3.194 Beiträge

Es gibt natürlich einige wenige Zeitgenossen, die ihr Leben lang an ihrem Werk noch schreiben, z.B. der Porzugiese Antonio Lobo Antunes. Vielleicht ist auch Philip Roth dazuzu fügen, der sein Schriftstellerleben lang an seinem Alter Ego "Zuckerman" schreibt ( und damit vielleicht sich selber schriftstellerisch seziert). Abgesehen von einigen Zeitgenossen, die ich schätze, gehe ich seit längerer Zeit mit einer langen Nase an den meisten zeitgenössischen Autoren vorbei. Ich pflege z.Zt. gerne älteres und bewährtes.

Außerdem nervt der "Deutsche Buchpreis " schon.

Martinus




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