background-repeat

Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#1

Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 21.10.2008 18:12
von Martinus • 3.194 Beiträge

Hoch oben in der Baumkron'
ein Blättlein ächzt
lockert vom Ast.
der Wind trägt lieblich
das sterbende Blättchen
wie Sensemann persönlich -
bis nach einer Weile andächtig
rölchelnd das Elend
tot im Gras ihr -
Seelchen ausstöhnt.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 26.08.2012 04:29 | nach oben springen

#2

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 15.11.2008 10:45
von Martinus • 3.194 Beiträge

zwei Blätter
das eine rot, das andere gelb,
unterhalten sich,welches nun
als erstes fällt.

das Gelbe freut sich
ich bestimmt nicht
denn rot ist gleich tot.

das Rote nun beleidigt schmäht
du gelbes Ding, was ich dir rat,
wenn's dir auch nicht gefällt
ein jedes Blatt hat sein Schachmatt

Blätter im Herbstlicht
der Saft des Lebens rinnt,
trocknen aus geschwind
begeben sich im Frost
zur ewigen Ruh'.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 26.08.2012 04:27 | nach oben springen

#3

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 15.11.2008 15:00
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge
Herbst

Das welke Blatt sinkt nieder
- vorher in Farbe lebendig -
in schwingender Bewegung
gleich einem Seufzer
und dort am Boden
im wirbelnden Tanz
ergibt es sich
dem Lauf der Zeit.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 15.11.2008 15:01 | nach oben springen

#4

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 15.11.2008 15:08
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge
November

Immer ein Spiegel
in diesen Tagen,
darüber Spuren von vielen Schritten,
der Mensch wird zum Schirm,
von oben betrachtet
wirken sie alle wie Käfer.
Das volle Grün wird zum Knochenbaum,
aneinandergereihtes Schweigen.
Alleen verlieren den Schwung ihrer Bäume,
stehen am Rand zur Säule erstarrt.
Was soll der Trübsinn,
tritt näher heran,
im Laub der Schritt verstummt.
Doch durch Geäst pfeift Melodie.
Der Wind schweigt nicht, er summt.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 15.11.2008 18:24 | nach oben springen

#5

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 30.10.2009 07:48
von Martinus • 3.194 Beiträge

Herbstliebe

Nebel liebt Donau
Donau liebt Nebel,
er, der auf ihr liegt,
verlässt sie am Morgen.
Sie, die liegenbleibt
friert verloren.
Doch er kommt wieder.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 26.08.2012 04:19 | nach oben springen

#6

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 31.10.2009 15:50
von LX.C • 2.691 Beiträge
nach oben springen

#7

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 31.10.2009 15:55
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Schöne Bilder. Von dir, Alex?

Hier dann auch meine Herbst-Gedanken:

Tage

Ein Blatt, nicht wie ein Blatt
da fiel, durchströmte Adern
bis in den Baum hinauf,
als dieser grad’ entstand.

Die Nacktheit fürchtet nicht
die kalten Tage. Wenn unter Krümmung
das Warten Schweigen übt,
bis Risse Holz zersprengen.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 31.10.2009 15:57 | nach oben springen

#8

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 31.10.2009 16:02
von LX.C • 2.691 Beiträge

Na klar, von mir :) gestern. N toller Tag war das. Der erste so richtig schöne Herbsttag.

Und hier noch ne alte Herbstimpression. Zu was Neuem fehlt mir die Muse :P


Herbstimpression


Einst geschah es
in Berlin Moabit,
nein,
vor kurzem erst war es:

Da setzte sich ein alter Mann
auf eine Parkbank nieder,
gleich nebenan
ein Strauch herbstlich trostloser Flieder.

Der Regen war nass,
der Nebel grau,
dann war da noch sein Lebenshass
und in der Ferne eine Frau.

Er steckte sich eine Pistole in den Mund,
drückte ab
und
es knallte und hallte laut.

Dann wurde es wieder still
und alles war wie immer,
nur der alte Mann,
der rührte sich nimmer.


--------------
Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 31.10.2009 16:02 | nach oben springen

#9

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 01.11.2009 17:08
von Zypresserich • 2.877 Beiträge

Oh, ich will auch mal.

klischeetext: nicht aller heiligtum

so muss das sein: es novembert kraehenkraechzend, und die blaetter zeigen eine goldene oktoberfarbe; auch die sonne und die nebel spielen mit, geht doch nichts ueber des bestellten verspaetete und beinahe schon abgeschriebene lieferung, wenn sie doch noch eintrifft. noch ist es nicht nass genug fuer die pilze meines gustos: gift gibt’s schon lange; huete dich vor dem fliegenpilz, kleines, nicht alles, was schoen anzuschauen ist, ist auch bekoemmlich. gift pflegt sich gerne ein kleid der herrlichkeit anzulegen – glaub’s mir, oder beiß rein: wirst schon sehen.

ja und wo bleibt der regen (die alte socke) zu treiben aus dem boden meine roehrlinge zahlreich zu brutzeln in der pfanne mit ei, besprenkelt mit gruenkraeutern fetzig, ruehrruehr? der regen zu naessen kanaele gedacht in bereichen irgendwo hinter den mueden augen? zu zeugen prosperierend ein weißnichtwievieltes regengedicht nach dem anderen? ihr essen ist ein gedicht, madame, aber wenn sie mir nicht bald den regen, dann aber, ich sag’s ihnen, dann kann ich ganz schoen _ _ werden.

endlich wieder de jure in den melancholischen mainstream tauchen duerfen – dabei geht’s mir doch eigentlich blendend, fast 2+. aber wer kann schon definitiv definieren, wie es ihm wirklich geht? wie geht es ihnen? gar nicht. gar nicht? ja, gar nicht: ich arbeite. ginge es mir irgendwie, koennte ich gar nicht arbeiten. besser ist: es ruht: vielleicht in einem selbst, eins mit der unermesslichen weite des unendlichen universums, was noch zu beweisen waere, das mit der unendlichkeit. vielleicht ist ja doch irgendwo schluss. hier & jetzt zum beispiel, mit diesem petitessen-sonntagssermon. †


https://zumabgesaegtenast.wordpress.com
nach oben springen

#10

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 11.11.2009 14:38
von ascolto • 1.289 Beiträge

Raim Mein...

Mein Herbstherz, ist gleich dem Lotus-Blatt.
Das Licht, es perlt ab vom Greif
Nach all dem, was mich bisher liebessatt,
Es pfiff in meinen Stürmen, zum Gedankenturm.
Nur Eins, im All des Begehren,
Dem Geistesdrängen um Wandel.
Gefüllt das Horn mit Zorn, im Handel,
Ernte ich nun, die Leere mir Schwere, -Last.
Vobei, der mir jetzt kümmerliche Sturm,
hinfort, die unbedachte Hast.
Dass Gezerre an dem Knoten, entwirre
Ich, die Irre meiner gesammelten Ähren,
Ein Niemand zu sein.
Sollte der Herbst, mich bekehren-





zuletzt bearbeitet 12.11.2009 14:55 | nach oben springen

#11

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 12.10.2010 20:38
von Martinus • 3.194 Beiträge

Herbsträtsel

Erst rot, dann gelb, dann fällt es runter. Wenn man spazierengeht, tritt man drauf.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

nach oben springen

#12

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 12.10.2010 21:00
von Zypresserich • 2.877 Beiträge

Zitat von Martinus
Erst rot, dann gelb, dann fällt es runter. Wenn man spazierengeht, tritt man drauf.

Dem Kasper seine Frau? Ach nee, die wurde ja auch noch grün und blau: Rot, gelb, grün und blau: ist dem Kasper seine Frau. Und außerdem: wieso sollte sie (und von wo) fallen? Wahrlich, ein schwieriges Rätsel, Martinus.


https://zumabgesaegtenast.wordpress.com
nach oben springen

#13

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 12.10.2010 22:41
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von Martinus
Herbsträtsel

Erst rot, dann gelb, dann fällt es runter. Wenn man spazierengeht, tritt man drauf.



Ich hab's: Thilo Sarrazin!




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
nach oben springen

#14

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 12.10.2010 23:29
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Zitat von Roquairol

Zitat von Martinus
Herbsträtsel

Erst rot, dann gelb, dann fällt es runter. Wenn man spazierengeht, tritt man drauf.



Ich hab's: Thilo Sarrazin!




Den Namen überhaupt zu erwähnen, ist nur Nährboden. Der Typ wird ja immernoch "nebenbei" angeführt, um bestimmte Integrations-Dilemma durchzupauken. Widerlich.
Auch widerlich, dass er sich überhaupt durch sein Buch so sehr in den Vordergrund katapultiert hat. Dieser Sklave der Medien, der seine Rolle erfüllt.




Surreale Vorstellungen
nach oben springen

#15

RE: Herbstliche Spinnereien

in Spielereien 12.10.2010 23:34
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von Taxine


Den Namen überhaupt zu erwähnen, ist nur Nährboden.



Stimmt, sonst erwähn ich den auch nicht. Ich sehe diese ganze Debatte nur als Ablenkungsmanöver, damit das Volk was zum Aufregen hat und nicht etwa auf den Gedanken kommt, gegen das Sparpaket der Regierung zu demonstrieren ...

Aber wir sind ja hier unter uns ...




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 1 Gast sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: pain
Forum Statistiken
Das Forum hat 984 Themen und 22995 Beiträge.

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de