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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Fernando Pessoa

in Die schöne Welt der Bücher 15.08.2007 20:02
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge
Fernando Pessoa - der Herr füllt mein Regal. Eine ganze Truhe an Dokumenten hat er uns hinterlassen, zerflederte Zeugnisse seines Inneren, welches gespalten war in etliche Heteronyme. Pessoa für mich ein Sprachkünstler, ein faszinierender Mensch, sicherlich auch aus dem Grund, weil er sich selbst in so viele Persönlichkeiten zerteilte.
Nooteboom hat in seinem Roman "Ein Lied von Schein und Sein" von ihm gesagt:
In Antwort auf:
Pessoa opferte sein Leben auf dem Altar der Literatur. Das ist ein hysterisches Klischee, aber darauf läuft es hinaus: Du brauchst bloß seinen Briefwechsel zu lesen. Und wenn ich jetzt ganz gemein sein will, dann sage ich: das hat er gerade nötig. Ein großer Dichter, aber wenn man es plebejisch ausdrücken will, ein pathologischer Fall. Ich frage mich immer, ob die Literatur das wert ist. Du kannst es auch vornehm ausdrücken und sagen, dass er so sehr fürchtete, nicht zu existieren, dass er sich rauchend und trinkend auf vier Dichter verteilte, um auf jeden Fall existiert zu haben, wenn er, paradox, paradox, wirklich nicht mehr existieren würde.


Irgendwo hat Pessoa einen ganzen Schlag Autoren angesteckt. Saramago, Tabucchi, Nooteboom, sogar Pascal Mercier in seinem letzen Roman "Nachtzug nach Lissabon" ließen sich von dieser Poesie des "Nichtexistierens" anstecken.

Nun zu der Inspirationsquelle selbst: Das große Buch - "Das Buch der Unruhe" .
Ein tiefsinnig gefüllter Wälzer von mehr als 500 Seiten.
Hier erzählt uns der Träumer Soares seine Ansicht von der Welt. Philosophie, Trägheit, Abgründe, Gedanken voller Poesie.
Pessoa hat viel von sich selbst in den Buchhalter gesteckt, ihn nur den trostlosen Blick verliehen, ... denn

In Antwort auf:
Was ich sage ist nicht von Bedeutung, denn nichts ist von Bedeutung.


Der in Lissabon lebende Pessoa schrieb unter vielen verschiedenen Heteronymen, das heißt, er änderte nicht nur seinen Namen, sondern auch die Persönlichkeit und Ansicht seiner jeweiligen Erschaffung.
Einer seiner Heteronyme ist Caeiros, der im Buch der Unruhe zitiert wird, indem er sagt:
In Antwort auf:
Von dem Dorf aus, könne man, da es so klein sei, mehr von der Welt sehen, als von der Stadt aus, und deshalb sei das Dorf größer als die Stadt…
Caeiros: „Denn ich bin so groß wie das, was ich sehe,
und nicht so groß, wie ich bin!“


Ganz am Anfang trifft Pessoa in einem Lokal auf einen Mann, der ihn an sich selbst erinnert. Ich glaube, dass er aus dieser Person seine Figur des Buchhalters entwickelt. Ein völlig von der Welt abgesonderter Mensch, in dem er sich wahrscheinlich zu einem Teil wieder erkennt. Ich kann mir gut vorstellen, das die Figur des Buchhalters eine Mischung aus dieser Bekanntschaft und dem eigenen stetig hinterfragten Selbst ist.
Hier gleich ein Absatz, der mir zu denken gibt.
In Antwort auf:
Da ich also weder an Gott noch an eine Summe von Lebewesen glauben konnte, verblieb ich wie andere Außenseiter in jener Distanz zu allem, die man gemeinhin Dekadenz nennt. Dekadenz bedeutet den vollständigen Verlust der Unbewusstheit; denn die Unbewusstheit ist das Fundament des Lebens. Wenn das Herz denken könnte, stünde es still.

Wie ich finde, ein guter Einstieg, um die Figur Bernardo Soares zu definieren.
Hier kommen der übliche Schrecken und die übliche Flucht vor Religion und Wirklichkeit ins Spiel. Der Glaube an Gott ist überholt, Pessoa selbst (die Figur Bernardo Soares) glaubt nicht einmal mehr an den Menschen. Ist er dann hier als Misanthrop zu verstehen oder einer, der allem anderen gleichgültig gegenübersteht?
Er tut den Glauben an Gott ab mit der Begründung, nicht zu wissen warum, vielleicht als einen modernen Trend begriffen. Die Menschen um ihn herum akzeptieren hinter allen philosophischen Bedingungen und theoretischen Auseinandersetzungen den Menschen als Ersatz für Gott. Sie denken rational und glauben an die Dinge, die für sie sichtbar und begreifbar sind… Er dagegen hat Gott nie aufgegeben, ohne ihn beweisen zu können, aber nicht aus dem wahrhaftigen Glauben heraus, sondern um nicht Teil der Masse, des Allgemeindenkens zu sein. Der Glaube wird toleriert, um sich abzuheben. Mit Vernunft zu glauben ist genauso unsinnig, wie das Lebewesen Mensch anzuzweifeln. Doch die Abstraktion MENSCH steht hier unabdingbar im Mittelpunkt…
Wenn er hier vom Verlust der Unbewusstheit spricht, benennt er im Grunde doch den Verlust des Glaubens. Und beinahe wehmütig… Der Mensch, der von Gefühlen geleitet wird, das so genannte Bauchgefühl… der schnellere Schlag des Herzens… die Mystik und die Metaphysik…
Selbst das Herz steht hier in metaphysischer Bedeutung, als Ausdruck von Schmerz und Liebe. Denn als Muskel betrachtet, ist das Herz sogar austauschbar. Pessoa selbst vertraut auf das wilde Pochen. Das Herz wäre überlastet, wenn es sich nicht ausschließlich von Gefühlen lenken lassen würde. Wenn ich von einem Menschen ausgehe, der so trocken ist, wie den Buchhalter Bernardo Soares, der die Welt um sich herum und sogar die Menschen gleichgültig betrachtet, dann wirkt die Sehnsucht nach einem schlagenden, mitfühlenden Herzen hier auf mich wie ein Schrei ins Ungewisse.
Wer sich abhebt von der Masse gilt als dekadent. Als Hilfsbuchhalter ist Soares also gefangen zwischen trockenem Beruf und seinen Gedanken und Beobachtungen. Wenn er die Unbewusstheit als Fundament des Lebens betrachtet, kann ich mir nur vorstellen, dass er hier die Flucht in die Gedankenwelt meint, die ihm das Warten (= Leben) auf den Tod erträglich macht und somit unabdingbar. Wenn er hier die Dekadenz mit dem Verlust der Unbewusstheit verbindet, wird er wohl das völlige Bewusstsein über seine Ansicht zur Welt meinen. Seinen Glauben, den er als das vertritt, was er für ihn bedeutet. Eine Abkapselung, aus der heraus er auf die Menschen schaut, die er für abstrakte Wesen hält. Trotzdem dankt er, dass seine Seele empfinden kann, obwohl er selbst sein Fühlen nicht ernst nimmt, wie hier:

In Antwort auf:
Indem wir nichts ernst nehmen und unsere Empfindungen als die einzig gewisse Wirklichkeit betrachten, finden wir bei ihnen Zuflucht und erforschen sie wie große unbekannte Länder.

... wie ich übrigens finde, ein herrlicher Satz. Wie oft hinterfragt man Gefühle, wenn man mal von dem Moment an sich ausgeht, und wie wenig hinterfragt man die eigenen Gedanken. Sie sind dann eben Überzeugungen...
Ich schätze, Soares gelten seine Betrachtungen und Gedanken und das sich Darüber-klar-werden als Bedingung, um das Unbewusste, das Unvoreingenommene womöglich, darüber vollkommen zu verlieren.
Wenn man "unbewusst" durch die Welt läuft, ist sie einfach zu ertragen. Das Leben geht sozusagen seinen Gang. Wenn man sich aber damit auseinandersetzt, am Rand steht und eine völlig neue Perspektive auf die Menschen und die Welt hat, dann gewinnt man einen anderen Blick, andere Vorstellungen und eine andere Einstellung.
Überhaupt ist der Blick als Außenseiter selbstverständlich wesentlich objektiver. Soares betrachtet, ohne mittendrin zu stehen, er hebt sich ab, indem er weiß, dass er sich abhebt. Dieser Einblick auf die Welt raubt ihm sein "Unbewusstes"...

Ich glaube, es geht hier nicht nur um den Glauben an Gott. Soares geht durch die Welt, und alles erscheint ihm gleich und dinglich. (Träume = Wirklichkeit). Er erlebt jeden Tag seine Monotonie und, ich finde, man sieht hier recht deutlich, dass er sich darin ganz wohl fühlt.
In langsamen, leeren Stunden jedoch steigt in ihm eine Traurigkeit empor, die er nicht verändern kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass das hier der seltene Gedanke über das eigene Bewusstsein ist, vielleicht ein leiser Verdacht des Irrtums über seine Haltung in dieser Welt. Wenn es ihm tatsächlich gleichgültig wäre, hätte er wohl keine traurige Emotion gerade in den Stunden, in denen er (ohne Hektik) Zeit hat, über sich nachzudenken oder überhaupt zu denken. Das verdeutlicht seine innere Unruhe.
Ihm scheint überhaupt der Tag der Arbeit zu gelten, die Nacht dem Denken und Schreiben.
Siehe Nr. 3
In Antwort auf:
Bei Tage sind wir erfüllt von einem Treiben, das nichts besagt; bei Nacht sind wir erfüllt von einem fehlenden Treiben, das ebenfalls nichts besagt. Bei Tage bin ich nichts, bei Nacht bin ich ich selbst.


Er empfindet seinen Beruf im Vergleich zu seinen Träumen ja auch als Gegensatz, der ihn aber nicht zerreibt.
Er träumt von der „Befreiung“ aus seinem Beruf und erahnt gleichzeitig, dass es ihm schwer fallen würde, diese Gewohnheit aufzugeben, mit all den Bestandteilen seines Lebens. Das Wort BESTANDTEILE, das er selbst benutzt, spricht auch für die Situation. Es sind alles Dinge, die allerdings Bestand für ihn haben, wie er selbst auch Teil dieser Dinge ist. Seinen Beruf setzt er also gleich mit Leben… Lieben… usw.
Jedoch sagt er auch, dass das Nachdenken über die banale, fast alltägliche Gestalt seines Chefs ihn von sich selbst ablenkt, dabei gibt er doch irgendwo zu, dass er es ablehnt, all zu viel Nerven an das Nachsinnen über das eigene Dasein zu verschwenden. Er lebt und weiß, dass er nichts weiß, dieses Wissen genügt ihm, solange er den Hergang nicht hinterfragen muss oder kann. Er hält sich selbst und sein Leben für unbedeutend, und behaftet daher lieber seinen Chef mit einer größeren Bedeutung, als wirklich vorhanden ist, erklärt das einfach mit einer anderen Zeit.

Nr.9
In Antwort auf:
Das Leben, eintönig und notwendig, gebieterisch und unbekannt.

Lieber akzeptiert er seine Gewohnheiten, als seine Kräfte an eventuelle Veränderungen zu verschwenden. Alleine, das Darüber-Nachdenken kostet schon zuviel Anstrengung.
Nur manchmal redet er sich ein, das gerade der Gegensatz seiner Arbeit (trocken, übersichtlich) zu seiner Gedankenwelt (als Außenseiter, im schriftlichen Festhalten seiner Gedanken, die keine Bedeutung haben, ihn aber beruhigen) die Quintessenz sein soll. Für Soares gilt Ruhe als Resignation (wobei dieses Wort keine negative Bedeutung für ihn hat), und Träume sollen nicht die Wirklichkeit ersetzen, sondern sind Dinge, die ihm zeigen, wie sehr sich doch alles gleicht.

Nr. 11 - Litanei
In Antwort auf:
Wir verwirklichen uns nie.
Wir sind zwei Abgründe – ein Brunnen, der in den Himmel schaut.

Was für ein herrliches Bild. Ich finde, hier kann man so vieles hineininterpretieren.
Eine Variante:
Wenn man sich dieses Zitat als Bild vorstellt, dann sieht man einen Brunnen, in dessen Wasser als Abbild sich der Himmel spiegelt. Man schaut also nach unten in den ersten Abgrund, um den Himmel, den zweiten Abgrund (weil unergründlich) zu erblicken, anstatt gleich hinauf zu sehen. Da wir es uns also wesentlich komplizierter machen, als es sein müsste, können wir uns auch nicht verwirklichen, aus dem einfach Grund, weil wir zu lahmarschig sind…
Eine andere Variante:
Der kleine Mensch, der den Himmel ergründen will und es noch nicht einmal geschafft hat, sich selbst zu ergründen…
Es geht auch um Religion und die Frage des Göttlichen... Soares schließt vom Einzelnen (von sich selbst) auf das Allgemeine... Er sucht in seinem Denken immer die Verbindung zu seinem Glauben. Er sieht ja die Menschen, die sich als kleine Wesen so wichtig nehmen, und misst dem Dasein selbst keine Bedeutung bei. Er sagt ja:
In Antwort auf:
Was ich bekenne, ist nicht von Bedeutung, denn NICHTS ist von Bedeutung.

Er spricht ebenfalls davon, dass er nicht schreibt, um die Wirklichkeit zu verdrängen, sondern um sich zu beschäftigen. Die Frage nach Gott bleibt dabei immer ein Teil seiner Gedanken.
Irgendwie scheint es mir auch, als ob er sich hinter seinem trüben Beruf versteckt, um nicht handeln zu müssen. Die Nacht nutzt er zum denken und den Tag, um sich hinter seinen Büchern zu verstecken. Seine Träume sind Tagträume ohne Konsequenzen. Die trockene Tätigkeit bewahrt ihn vor Entscheidungen... Es ist also auch Feigheit, oder vielmehr Bequemlichkeit…
Seine Unruhe erwächst aus dem Konflikt, den er in sich wahrnimmt, wenn er ohne Gefühl auf die Dinge reagiert, an etwas teilhat, ohne daran teilzunehmen, einem Gespräch lauscht, ohne zuhören zu können. Seine Emotionen sind nicht großartig oder prägend, sondern nur kurz streifend. Er kann sich wohl nicht zurücklehnen und sich an ein Erlebnis zurückentsinnen, weil keine Erinnerung sich in ihn eingebrannt hat oder ihn belastet, erfreut hat. Erinnerungen sind immer mit Gefühlen behaftet, die er nicht empfinden kann. Sie sind nicht dauerhaft…
Wenn er über ein Schlachtfeld gehen würde, würde er die vielen Toten zwar wahrnehmen, mit einem kurzen Bedauern, aber eben nicht mit einer menschlichen Empörung oder einer aufwühlenden Bedrängnis. Er sieht, seufzt und zuckt dann mit den Schultern. (Bildlich gesprochen.)
In Antwort auf:
Gleichbleibend kann doch nur ein innerer Zustand der Seele sein, eine Geborgenheit, vielleicht das Göttliche.

Ich glaube, Soares empfindet es als Belastung, dass sein innerer Zustand immer gleich bleibend ist, er nicht das Aufgewühlte einer ECHTEN Gefühlsschwankung empfinden kann. Er rechtfertigt sich oft:
In Antwort auf:
Ich beneide – bin mir aber dessen nicht wirklich sicher...

Hier zeigt sich deutlich seine ständige Unentschlossenheit. Als würde er das Denken nicht zulassen, sondern einschränken. Er erklärt:
In Antwort auf:
Was schon könnte man an Lohnenswertem oder Nützlichem bekennen?

Er hat die verschiedensten Gefühlsregungen, aber nie ein dauerhaftes Gefühl. Es bleibt immer nur vorübergehend, so dass sich der Gedanke nie ganz festigen kann.

Der Vergleich mit der Häkelarbeit wirkt auf mich, wie die bildliche Darstellung seines Vor-Sich-Hinlebens.
Er schreibt:
In Antwort auf:
Leben heißt Strümpfe häkeln, nach fremden Vorgaben.

Man kann also nicht nach eigenen Maßstäben leben, sondern ist immer abhängig von gegebenen Mustern. Darum hat er seine Stelle als Hilfsbuchhalter gewählt, darum passt er sich lieber in einem Beruf an, in dem er wenigstens in Ruhe seinen Müßiggang verfolgen kann und in seine Träume verfallen kann, als nach einem Ziel zu streben oder hochtrabenden Träumen zu folgen.

In Antwort auf:
Ob es nun Götter gibt oder nicht, wir sind ihre Knechte.

Ob nun der Glaube an Götter oder der Glauben an den Menschen als Ersatz für die Götter, wir machen uns abhängig, indem wir nicht an uns selbst glauben, sondern unseren Glauben an etwas ANDERES abgeben. Wir machen uns zu Knechten unseres Glaubens.
Die Menschen brauchen etwas, woran sie sich klammern können. Den stützenden Stock des Glaubens, bemerken dabei aber nicht, dass sie sich abhängig machen und sich selbst im Weg stehen…

In Antwort auf:
Gott heißt, wir existieren, und das ist nicht alles.

… man muss auch leben. Das Leben kann man aber nicht genießen, wenn man sich selbst im Weg steht und einen „Gott“ (Ersatz Mensch) gehorchen möchte… Man stellt sich selbst seine Stolperfallen…

Es geht hier um das Doppelgängermotiv Pessoa/Soares.
Auch in Fr. 22 schreibt Pessoa bereits:
In Antwort auf:
Verwandeln wir uns in Sphinxe, wenn auch in falsche, bis wir an den Punkt gelangen, an dem wir nicht mehr wissen, wer wir sind. Im übrigen sind wir falsche Sphinxe und wissen nicht, was wir wirklich sind.

Hier greift er auf das Bild des Rätselstellenden oder dem Wächter über eine Begräbnisstätte zurück: Wacht er über seine tote Seele, die er nicht zu erkennen vermag?
Ein Auseinandernehmen:
Sphinx: 1) ein Wächter der Nekropole
2) lauert (vor Theben), um Vorüberziehenden ein Rätsel zu stellen
Er sagt ja, wir VERWANDELN uns in Sphinxe, und sind dabei falsche, was uns dann so sehr irritiert, bis wir nicht mehr wissen, WER WIR SIND.
Aus dem ahnungslosen Wesen heraus, verwandeln wir uns in ein Rätsel, das allerdings falsch zu sein scheint, weil wir nicht mehr erkennen, wer wir sind.
Wir sind auch falsche Sphinxe, weil wir nicht wissen, WAS wir sind und ob wir überhaupt Sphinxe sind. Eine Sphinx, die vermag, einem Vorüberziehenden ein Rätsel zu stellen, muss ja eigentlich genau wissen, was sie ist…
Hier findet sich möglicherweise auch das Doppelgängermotiv wieder. Das Rätsel hinter dem Schreiben, in dem wir uns ein wenig wieder finden, ohne den wahrhaften Sinn daraus zu begreifen…

In Antwort auf:
Sich bewegen heißt leben, sich in Worte fassen heißt überleben.

Er schreibt, um sich wiederzufinden, denn er möchte wieder empfinden können, den Schrei der Seele vernehmen.

In Fr. 29 erhalten wir einen Einblick, wie Pessoa einen kurzen Glücksmoment seiner Figur wahrnimmt. So sieht Soares also aus, wenn er fröhlich ist, in dem er den blauen Himmel betrachtet. Die Wolken lüften sich, der Blick wird FREI:
In Antwort auf:
Dies war die Gelegenheit, fröhlich zu sein. Doch etwas bedrückte mich, eine unbekannte Sehnsucht, ein unbestimmtes, nicht einmal schwaches Verlangen. Vielleicht brauchte es seine Zeit, um sich lebendig zu fühlen.

Hier bemerkt man recht augenscheinlich, dass Soares in jenen Momenten der möglichen Zufriedenheit eine Leere in sich entdeckt, ein Empfinden, nicht fühlen zu können, nicht lebendig zu sein. Er genießt die Frische nach dem Regen, freut sich über den Himmel, verspürt aber dennoch ein starkes Verlangen nach Lebendigkeit, die er in sich selbst vermisst. Er sieht sich selbst als nassen Lappen, ausgewrungen, mit dem man Schmutz beseitigt…, der zum Trocknen aufgehängt und schließlich vergessen wird.
Dabei zeigt sich ein kurzer ängstlicher Anfall, dass sein ihm so sinnloses Dasein und Schreiben irgendwann ganz verlöscht… Er sagt ja vorher:
In Antwort auf:
Betrachte ich meine menschliche Gestalt mit Abstand, war sie lächerlich wie alles Menschliche, dem man näher kommt.

… und setzt hier den Menschen in seiner Eitelkeit herab. Er vergeudet den freien Vormittag mit Träumereien …
In Antwort auf:
…ohne Größe noch Ruhe, in diesem Verweilen ohne Hoffnung noch Zweck.

Darum kann er den kurzen, fröhlichen Moment des blauen Himmels auch nicht genießen, darum fragt er sofort:
In Antwort auf:
Vielleicht braucht es seine Zeit, um sich lebendig zu fühlen.

Diese immer gleich bleibende Abstumpfung in seinem Inneren belastet ihn.
In Nr. 30 bringt er es auf den Punkt:
In Antwort auf:
Ich gestehe, traurig oder auch nicht, dass ich ein trockenherziger Mensch bin.

Er gesteht zudem, dass ihm das Schreiben über Gefühle mehr bedeutet, als die wirklichen, gelebten Gefühle, … ein Adjektiv bedeutet mehr als ein wirkliches Weinen der Seele.
Doch dann gibt es die Momente, in denen er nicht er selbst ist, ein anderer, der weint und heiße Tränen vergießt…
Er gesteht sich keine Gefühle ein…, er redet von toten Tränen, die brennen, die im Inneren seines Herzen brennen.
Er spricht über das Zerrissene seines Gemüts…
Hier deutet er auch eine Begründung an, warum er sich innerlich so ABGESTORBEN fühlt.
Die Liebe von einer Mutter und die Liebe im Allgemeinen zu empfinden, ist Soares nicht gegeben. Sein Vater legte Hand an sich, als er drei Jahre alt war, beging also Suizid… Er sagt, er habe ihn nie gekannt… Er lehnt also den Gedanken darüber ab, weil er ihn nicht begreifen kann noch will. Er verbindet den Tod seines Vaters mit einem ernsten Schweigen, fühlte sich als Kind beobachtet… und lernte wohl in diesem Augenblick das ABSCHALTEN…

Soares ruht die ganze Zeit, und jeder Gedanke und jeder Traum, der ihn beschäftigt, erweckt eine andere Empfindung. Er schreibt und betrachtet sein Schreiben. Hier verändert er sich, wenn auch für uns noch nicht schwarz auf weiß. Indem er beginnt zu hinterfragen und alles ohne Sinn abtut, zweifelt er, und bedingt damit die Veränderung.
Heraklits Lehre erinnert mich ziemlich stark an Soares:
Er liebte Rätsel, Paradoxa, verwirrende Wortspiele, die den Sinn seiner Aussagen verschleierten.
Zum Beispiel die Doppeldeutigkeit seiner Lehre:
DER WEG NACH OBEN UND NACH UNTEN SIND EIN UND DASSELBE.
Soares sagt auch, ob er schreibt oder nicht schreibt, lebt oder arbeitet, träumt oder grübelt, alles steht unter derselben Bedingung. Jeder Traum ist gleich, weil eben alles ein Traum ist. Wer sich überheblich über andere stellt, steht deswegen nicht oben...

Fr. 34
In Antwort auf:
Von den Hirngespinsten des Glaubens überzulaufen zu den Gespenstern der Vernunft ist nur ein Gefängnistausch. Die Kunst, die uns von eingesessenen, veralteten Götzen befreit, befreit uns auch von großmütigen Ideen und sozialen Sorgen – anderen Götzen.

Das erinnert an das Goldfischglas… Der kleine Fisch, der von einem kleinen Behälter in einen größeren Wasserbehälter gefüllt wird, schreit hier schon: „Freiheit“, obwohl er nur das Gefängnis wechselt. Alles ist nur Vorstellung. Ob der Glaube an veraltete Götzen oder aber den Glauben mit Vernunft zu hinterfragen und als altmodisch abzutun, bleibt hier dasselbe Theater. Tut man es fanatisch, zerstört es, ob im Glauben oder in sozialen Sorgen…

In Antwort auf:
Seine Persönlichkeit verlieren, um sie zu finden – der Glaube selbst bürgt für diesen Sinn des Schicksals.

Was zeigt uns das? Loslassen? Der Sinn des Verlierens besteht aus dem Wiederfinden, weil man daran glaubt? Kann man etwas unwiederbringlich verlieren? Gerade, wenn es sich um eine Persönlichkeit handelt?

In Antwort auf:
… eine von Ekel erfüllte Verachtung für jene, die nicht erkennen, dass die einzige Wirklichkeit die eigene Seele ist und alles übrige – die Außenwelt und die anderen Menschen – ein unästhetischer Alp, hervorgerufen durch eine Verdauungsstörung des Geistes, wie sie sich in Träumen äußert.
(… )
Und angesichts der höchsten Wirklichkeit meiner Seele schmeckt mir alles Nützliche und Äußerliche, verglichen mit der unumschränkten, reinen Größe meiner lebendigsten und häufigsten Träume, frivol und banal. Sie sind für mich weit wirklicher.


Er möchte sich nicht mit all diesen Banalitäten der Welt beschäftigen. Er sagt, dass gerade in seinem Widerwillen gegen jede Anstrengung, die vergeblichen Anstrengungen der Menschen wie Schamlosigkeiten sein Entsetzen hervorrufen… Gerade die vergebliche Mühe am Führen von Kriegen… beispielsweise… Da zieht sich Soares doch lieber in seine Träume und Gedanken zurück, erkennt sein Nichtstun als wertvoll und ungefährlich an…

Und hier bei Fr. 36:
In Antwort auf:
Nicht die schäbigen Wände meines gemieteten Zimmers, nicht die alten Schreibtische im Büro, in dem ich arbeite,… - nicht sie sind die Ursache für den geistigen Ekel, der mich angesichts der Schäbigkeit des Alttagslebens so häufig befällt.

(Erinnert zunächst ein bisschen an den Ekel von Sartre!)
Der Ekel ist eben Soares Verzweiflung darüber, dass diese Menschen ihr Leben so vor sich hinleben, wobei er doch stetig ein Gedankenspiel nach dem anderen durchleben muss. Seine Träume sind ihm sein Tempel, die äußeren Umstände sind banal und kaum zu ertragen. Er fragt sich eben, warum er zweifelt und die anderen einfach so weiterleben können und sogar zufrieden erscheinen...

In Antwort auf:
Die Menschen, die mich gewöhnlich umgeben, die Seelen, die mich durch tagtägliches Zusammensein und Gespräche kennen, ohne mich zu kennen, sie verursachen jenen Speichelkloß physischen Ekels in meinem geistigen Hals. Die schäbige Monotonie ihres Lebens, dem äußeren Ablauf des meinen parallel, ihre feste Überzeugung, meinesgleichen zu sein, sie stecken mich in die Zwangsjacke, in die Zuchthauszelle, machen mich apokryph und zum Bettler.

Hier sieht er sein eigenes Wesen sich kaum abheben von der Masse. Der Mensch, egal, wie sehr er denkt und fühlt und Individuum zu sein glaubt, bleibt trotzdem Mensch. Der Ekel, der ihn befällt, wenn er sich bewusst macht, dass diese Menschen seinesgleichen zu sein glauben, was er ihnen irgendwo zugestehen muss, trifft also auch ihn selbst, so dass er darüber wahnsinnig werden könnte, sich als unecht, wie später hinzugefügt fühlt, da er doch so ohne Emotionen durch die Welt geht, während der Rest das Leben lebt und in seiner Gewöhnlichkeit auch noch Wohlempfinden verspürt.
Den Vergleich mit dem Bettler deute ich als Armseligkeit…, als Gefangener der Einsamkeit, die er sich selbst heraufbeschworen hat…
In den Momenten, in denen er sich selbst deutlicher wahrnimmt, empfindet er diese Einsamkeit und vergleicht sie erneut mit dem Warten auf einer abgelegenen Eisenbahnstation… (hier erneut die Distanz)… auf den nächsten Zug DRITTER Klasse (Armut der Seele???).
Hier ein erneuter Hinweis:
In Antwort auf:
Ja, meine heimliche Tugend, so oft wie möglich objektiv zu sein, um nicht über mich nachzudenken, kennt wie alle Tugenden und auch Laster Phasen des Niedergangs. Dann frage ich mich, wie ich es fertig bringe, weiterzuleben, woher ich die Feigheit nehme, hier, zwischen all diesen Leuten, zu bleiben, zu sein wie sie, mich tatsächlich abzufinden mit ihren Schrott-Illusionen.


Auch herrlich dieser Ausspruch:
In Antwort auf:
Und bei vielen ist ein immer gleiches stumpfsinniges Leben nicht auf eine freie Entscheidung zurückzuführen oder auf ein natürliches Sich-Schicken in eine ungewollte Existenz, sondern auf eine getrübte Wahrnehmung ihrer selbst, auf einen ironischen Automatismus ihres Intellekts.


In Fr. 44 erklärt Soares sein innerliches Empfinden:
In Antwort auf:
Es ist, als sei man trunken vor Trägheit, betrunken ohne Freude am Trinken noch an der Trunkenheit.

Somnambul und träge geht er durch das Leben, ohne es zu wollen.

Und nun zum Glauben:
In Antwort auf:
Als das Christentum wie eine Sturmnacht, auf die der Tag folgt, über die Seelen hinwegfegte, spürte man die Zerstörung, die es unsichtbar anrichtete…
Einige meinten, der eigentliche Schaden sei durch sein Verschwinden entstanden; doch der Schaden hat es nur offenbart und nicht verursacht.
Und so blieb in dieser Welt der Seelen der Schaden sichtbar und das Unglück offensichtlich, und keine Nacht deckte sie zu mit falscher Liebe. DIE SEELEN SAHEN SICH, WIE SIE WAREN.


Hier zeigt sich ganz eindeutig der kalte Schauer, den der verlorene Glaube hinterlassen hat. Eine sinnentleerte, entmystifizierte Welt… Pessoa greift ja nicht den Glauben selbst an, sondern, was das Christentum daraus geformt hat…
In Fr. 54 heißt es, dass jeder von einem großen, eigenen Imperialismus träumt… Jeder will gerne Herrscher sein…
Soares selbst träumt davon so oft, dass er die Klarheit darüber bewahrt, über solche Träume lachen zu können.
Er sagt gleichzeitig, dass er sein Leben nicht ändern könnte oder wollte, er kann sich Ruhm nicht über sein Dasein als Buchhalter hinaus vorstellen. Er weiß, dass es völlig unwichtig ist, ob er den Ruhm nun als König oder als Diener vorhersieht, weil sowieso alles auf dasselbe hinausläuft, nämlich auf den Tod.

In Antwort auf:
Niemand weiß es, weil niemand etwas weiß. Der Sand verschlingt Bannerträger wie auch jene, die keine Banner tragen und der Sand bedeckt alles, mein Leben, meine Prosa, meine Ewigkeit.

Hier ganz deutlich ein Hinweis, …dass er sich mit dem Leben und dem Vergehen und dem Empfinden auseinandersetzt, dass alles dann doch gleichgültig ist, egal ob er schreibt oder nicht, ob er sich darüber grämt oder nicht, alles endet im Tod, darum ist das Leben so oder so nur ein Ablauf, den wir selbst gestalten (um es weiter auszuführen: Wir entscheiden, wie dieser Weg verläuft, mit unseren Ängsten und Zweifeln, mit unserer Liebe und unserer Bequemlichkeit…) Bei Soares heißt es dann weiter:
In Antwort auf:
Ich trage das Bewusstsein der Niederlage mit mir wie ein Siegesbanner.

Weil er eben weiß, dass er sterben wird, vollkommen egal, was auch immer er tut, trägt er den Tod mit Fassung und seine Niederlagen mit Geduld und ohne zuviel Trübsinn darüber. Trotzdem hofft er irgendwo tief im Inneren, dass es ihm gegeben sein sollte, dass er dieses Bewusstsein seiner Enttäuschung mit sich nehmen könnte. Hier kann er dann doch nicht loslassen… hier hofft er trotzdem irgendwie auf ein Danach…
Ab hier taucht der Gedanke an den Tod häufiger auf.

Wenn man den Heraklitschen Spruch: „Es ruht, indem es sich verändert“ mit den Augen Soares betrachtet, dann kann man genauso gut „Es verändert sich, indem es ruht“ sagen. Es kommt auf das immer Gleiche hinaus, die Worte finden die Gültigkeit, die wir ihnen zugestehen.

In Antwort auf:
Es ist menschlich zu wollen, was wir benötigen, und ebenso menschlich zu wünschen, was wir nicht benötigen, was uns aber wünschenswert erscheint. Krankhaft hingegen ist, wenn wir uns, was wir benötigen und was uns wünschenswert erscheint, gleich inständig wünschen und an der mangelnden Vollkommenheit leiden, ALS MANGELE ES UNS AN BROT.


Soares lacht über die Oberflächlichkeit der Menschen, weiß um jede Deutung, aber weiß eben auch, dass er Teil des Ganzen ist. Er ist zwar der Träumer, der sich in seine Gedanken zurückzieht und sich hinter seiner Monotonie versteckt, aber er gibt immer zu:
In Antwort auf:
Wie ich suhlen sich manche Schweine in ihrem Schicksal und lassen, fasziniert von ihrem eigenen Unvermögen, nicht ab von der Banalität des Lebens.

Er spürt eben in sich trotzdem die gewisse Überheblichkeit des Denkers gegenüber den Normalmenschen, die ihr Leben leben und glücklich sind. Er möchte gar nicht glücklich sein, sondern denken und sich in seinem Leid suhlen…
Er macht sein Dasein nicht an den üblichen Träumen fest (wie Ruhm oder das Herrschen an sich), für ihn sind seine Träume das Leben, und in diesen Träumen durchdenkt er das Dasein als den ewigen Stumpfsinn, da sowieso sein Leben in all seiner Qual genauso verläuft, wie das Leben der anderen, weil (um es mit Soares Worten zu sagen: ) alles eben LEBEN ist. So oder so… eine Abfolge an Reaktionen und Taten und Gedanken, deren Wert nicht oben oder unten steht, sondern einfach ist… (ohne Bedeutung).

Wenn man einfach bedenkt, dass Religionen, in all ihren Vielfältigkeiten doch alle trotzdem den gleichen Zweck verfolgen, dann kann ich die transzendenten Dinge der Religion, die die Seele mit der Leere der Welt füllen, auch nur als von Menschen gemacht deuten. Hinter dem Glauben versteckt sich der Mensch mit seinen Sünden...
Er sagt ja bereits in Fr. 34:
In Antwort auf:
Von den Hirngespinsten des Glaubens überzulaufen zu den Gespenstern der Vernunft ist nur ein Gefängnistausch.

Die Leere der Welt besteht also so oder so. Ob sie mit Glauben gefüllt wird oder mit falscher Hoffnung oder dem Ersatz Mensch, der sich jetzt in all seiner Überheblichkeit an die Spitze stellt, verändert nicht die Bedingung, dass irgendetwas fehlt...

Das uns hinter allem, was wir zu wissen glauben, trotzdem die Ungewissheit plagt, das Nicht-Sein, das völlig Sinnlose, bedingt nicht nur die Tatsache, dass wir hier die Wahrheit nicht kennen, sondern dass wir vollkommen ahnungslos sind, was wirklich hinter all den Gedanken und dem Leben in seiner Gestalt steht.

In Antwort auf:
Ein andermal steht es hinter uns, sichtbar nur, wenn wir uns nicht nach ihm umsehen, und es ist die Wahrheit, zutiefst entsetzt, daß wir sie nicht erkennen.

Es ist die Wahrheit, wenn wir uns nicht umsehen...
Erst, wenn wir erkennen, dass das eigentlich Sinnlose darin liegt, dass wir ständig und so viele Gedanken daran verschwenden, was wir trotz allem nie ganz begreifen werden; dieses beinahe dauerhafte Hinterfragen, das nicht ändert, dass trotzdem dahinter etwas existiert, was wir nicht verstehen, ohne dass wir erfahren, in welcher Weise. Erst, wenn wir also aufhören, an dieser (seelenlosen) Angst zugrunde zu gehen, da uns das Nichts dahinter nicht begreiflich wird, dann haben wir die Wahrheit erkannt, dass sie unabänderlich dasteht… Die Wahrheit ist, dass wir nie wissen werden, was wirklich im Geheimnis des Lebens liegt.

Die Wahrheit liegt in der Tiefe. Das wusste schon Demokrit.
Zum Beispiel hat Demokrit verkündet:
In Antwort auf:
„Ich möchte lieber einen einzigen Beweis (in der Geometrie) finden, als König über die Perser werden!“


Und auch die Ansicht über die Leere:
In Antwort auf:
Es gibt nur die fallenden Atome im leeren Raum. Da die Atome infolge ihrer unterschiedlichen Größe unterschiedlich schnell fallen, so stoßen sie wie Billardkugeln aneinander, verwirbeln sich und bilden Gestalten, wie es sich eben ergibt. Die menschliche Seele und der Geist sind auch nur Verkettungen und Verwirbelungen besonders winziger Atome. „Nichts existiert, als die Atome und der leere Raum, alles andere ist Meinung!“

Das Dasein ist für Soares auch ohne Bedeutung...
Was Demokrit die Beweise sind, sind Soares seine Träume und sein Denken. Er belächelt zwar, doch er betrachtet und lebt für seine Betrachtungen...
Ähnlich sieht es auch Soares/Pessoa:
In Antwort auf:
… ein Knirschen der Dinge, ein Fallen kleinster Teile, ein Atom vom Ende der Welt.


Oft genug hebt Soares doch hervor, wie sehr ihn seine Träume, Gedanken und sein Schreiben vor der "Wirklichkeit" retten. Nun er sagt ja auch ganz richtig:
In Antwort auf:
Die Freiheit spürt nicht, wer nie unter Zwang gelebt hat.


In Fr. 55 bringt er es auf den Punkt:
In Antwort auf:
Ich lese und bin befreit. Ich erlange Objektivität. Ich höre auf, ich zu sein, dieses vereinzelte Wesen.

Soares flieht also gerne in die Literatur und findet sich in bereits gedachten Gedanken wieder.
Hier steht ganz deutlich das Erkennen im Vordergrund, nicht allein zu stehen… Der kleine Gedanke eines Einzelnen gegenüber dem riesigen Universum… Das Abgeben der Zweifel… (für den kurzen Moment des Lesens!)
Was mir auffällt, ist, dass Soares trotzdem einen innerlichen Kampf mit sich selbst führt. Er zweifelt... er hinterfragt sein Dasein und betont gleichzeitig, dass es so, wie er lebt und existiert, auch seine Rettung ist. Schreiben hilft ihm beim Vergessen, Literatur hilft ihm beim Verstecken... Das Betrachten aus seinem Fenster ist der Akt, der für ihn Beständigkeit hat, die Monotonie des Bürolebens ist seine Möglichkeit, um leicht in seine Träume zu finden. Er geht durch die Welt und lebt in seinen Träumen ein zweites Leben. Nur ist dieses zweite Leben auch nicht besser, als das wirklicher, es ist nur einfacher zu ertragen...

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass, wenn uns aus dem Buch der Unruhe Gedanken übermittelt werden, die über die Literatur, das Lesen, das Abwehren der Romantik, das Bevorzugen von Klassikern erzählen, nicht Soares, sondern Pessoa zu uns spricht. Auch verwendet Pessoa oft das Warten auf einem Bahnhof, wie zum Beispiel hier (ein herrliches Zitat in Fr. 14):
In Antwort auf:
... wo zusammengekauert auf der Bank einer Eisenbahnstation, meine Verachtung im Mantel meiner Mutlosigkeit schläft.

... und auch in Fr. 36, in dem Soares der Ekel befällt... (das Warten auf den Zug dritter Klasse)
... wobei ich mir gut vorstellen kann, dass hier auf der Bank Pessoa sitzt und seine Gedanken festhält. Die Reise im Zug ist einerseits sein Betrachten und Notieren (von der Welt und seinen Begegnungen und inneren Unruhen) und andererseits natürlich die Metapher, um die Eintönigkeit des Buchhalterlebens zu verdeutlichen. (Zugfahren...der Blick aus dem Fenster in rasender Eintönigkeit...)
Überhaupt schaut Pessoa selbst öfter durch die Zeilen, was das Autobiographische noch unterstreicht...
Doch, zunächst gehe ich trotzdem immer von Soares, dem Hilfsbuchhalter aus, erst, wenn ich ein Zitat, das mich bewegt, zweimal lese, dann erreicht mich auch der Schrei Pessoas, der fragt:
"Hat all das, was ich hier niederschreibe, einen Sinn?"
und der dann sich selbst beantwortet:
In Antwort auf:
Wir wissen wohl, dass jedes Werk zwangsläufig unvollkommen und dass von unseren ästhetischen Betrachtungen die unsicherste diejenige ist, aus der heraus wir schreiben. Unvollkommen jedoch ist ALLES...


In Antwort auf:
Ein Ding sein heißt Gegenstand einer Zuschreibung sein.

Ich glaube, wenn Soares sagt, dass ein Ding immer Gegenstand einer Zuschreibung ist, dann wendet er dies auch auf den Menschen und seine Wirkung an.
Soares sieht die Gesichter, alle strahlen in ihrer Eintönigkeit trotzdem Persönlichkeit aus, während er selbst, der sich doch als Träumer höher (und dann wieder gar nicht) schätzt, grau und unscheinbar (auf sich selbst) wirkt. Dann der Blick der Anderen: Soares (vielleicht einfach mit dem Vergleich des Dings – das Ding/der Mensch in seiner Umgebung) wirkt auf seine Kollegen, wie sie ihn sehen, eben „ganz Soares, ganz typisch er“, sie kennen ja nur seine Oberfläche und bewerten auch nur diese. Er ist also Mensch (eine bestimmte Quantität Materie), dann Hilfsbuchhalter – das graue Gesicht (die Art, wie man ihn deutet), schließlich Papier-Sphinx (die Art, wie er sich deutet) und die Schmach des Gesamtbildes (in der Umgebung). Also auch hier die Linien, mit der ein Gegenstand/Mensch Zuschreibung ist.
Wenn ein Adjektiv ihm mehr bedeutet, als ein Gefühl, wenn ein Kind eine geistige Anhäufung von Zellen ist ... usw., dann deute ich das auf jeden Fall als Flucht des Träumers Soares, der hier bewusst die Realität ausspart… Er verdrängt..., umschreibt... Sonst müsste er sich eben eingestehen, dass er trotz seiner Gedanken, trotz seiner geschriebenen Notizen, trotz seiner ihm alles bedeutenden Träume, doch nur der unbedeutende, unscheinbare Hilfsbuchhalter Soares ist; auch, wenn der
In Antwort auf:
… Jackenkragen des kaufmännischen Angestellten wie selbstverständlich über den Hals des Dichters hochgeschlagen

... wird, selbst, wenn sich dahinter ein Genie versteckt.
Nun, in Fr. 63 zeigt sich, worauf er seine Einstellung aufbaut…
In Antwort auf:
Meine Eitelkeit sind ein paar Seiten, ein paar Passagen, gewisse Zweifel…


Was sucht er? Soares selbst weiß es nicht…, er spürt nur das Bedürfnis danach…
In Antwort auf:
Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte. Wir spielen Verstecken mit niemandem…

Er sucht nicht, um etwas zu finden, sondern er sucht, um vor der Realität mit ihrer Banalität zu fliehen, denn:
In Antwort auf:
Das gesamte Leben der menschlichen Seele ist eine Bewegung im Schatten. Wir leben in einem Zwielicht des Bewusstseins, uns nie dessen sicher, was wir sind, oder dessen, was wir zu sein glauben.


Und gerade im Fr. 53 zeigt sich, dass Soares doch auch überheblich sein kann, natürlich im trockenen Sinn und ohne Hochmut:
In Antwort auf:
Jedesmal, wenn sich meine Bestrebungen unter dem Einfluss meiner Träume über das Alltagsniveau meines Lebens erhoben und ich mich für einen Moment empor getragen fühlte wie ein Kind, auf seiner Schaukel, musste ich wieder, wie dieses Kind, auf den Boden des Stadtparks kommen und meine Niederlage einsehen…

Nach dem Motto: "Manchmal glaube ich schon besser zu sein, nur weil ich träumen kann… Doch dann traf mich die Wirklichkeit..."

Nun, und wenn er sich in seinen Träume und in seine Literatur verkriecht, dann sieht er trotzdem die Tatsachen der Wirklichkeit, vielleicht mit ein Grund, warum bei Soares ein Traum so lebensecht neben dem "echten" Leben zu existieren scheint, denn alles schläft...,
In Antwort auf:
... der Rücken dieses Mannes schläft. Seine ganze Person, die vor mir mit Schritten wie den meinen geht, schläft. Er geht unbewusst. Er lebt unbewusst. Er schläft, weil wir alle schlafen. Das ganze Leben ist ein Traum. Niemand weiß, was er tut, niemand weiß, was er will, niemand weiß, was er weiß. Wir schlafen das Leben, ewige Kinder des Schicksals.

Mein bewusstes Unbewusstes geht nun auch weiter, nämlich direkt ins Fr. 71
In Antwort auf:
Jede mangelnde Übereinstimmung mit anderen, die ich immer wieder so stark empfinde, erklärt sich wohl damit, daß die meisten mit ihrem Gefühl denken, während ich mit meinem Denken fühle.
Für die Normalmenschen heißt fühlen leben, und denken heißt, zu leben verstehen. Für mich heißt denken leben, und das Fühlen ist nur die Nahrung für mein Denken.

Während die Normal-Menschen also ihre Gefühle mit ihrem Verstand erklären wollen, bleibt für Soares eine trockene Deutung seines Denkens in eine annähernde Art an Emotion.

In Antwort auf:
Dieser Sonnenuntergang bedeutet, daß auf diesem Breiten- und Längengrad das Sonnenlicht weniger wird... Dieses Kind, das vor mir spielt, ist eine geistige Anhäufung von Zellen - ja, mehr noch, ein Uhrwerk subatomarer Bewegung, ein merkwürdiges elektrisches Konglomerat von Millionen Sonnensystemen in minimalster Miniaturausgabe (Fr.58 )

Das erklärt auch, warum er die Romantik meidet, wenn er eine Situation auf seine absolute Gegebenheit reduziert.

In Fr. 21 sieht man übrigens auch wieder, wie Soares vor der Wirklichkeit flieht...
In Antwort auf:
Literatur, eine mit dem Denken vermählte Kunst und eine Verwirklichung ohne den Makel der Wirklichkeit, scheint mir das Ziel, dem alles menschliche Bestreben gelten sollte, wenn es denn wahrhaft menschlich und nicht allzu tierhaft wäre. Ich glaube, eine Sache in Worte fassen heißt ihr die Kraft bewahren und den Schrecken nehmen.
Sich bewegen heißt leben, sich in Worte fassen heißt überleben.

Ja,... Soares. Dieser Weg ist schön. Er schafft zwar keine Niedertracht aus der Welt, mildert aber die Verzweiflung darüber. Dabei muss ein "Danach" gar nicht in Betracht gezogen werden, denn es bedeutet ja nur jetzt etwas.

In Antwort auf:
Aus kleinen Missverständnissen gegenüber der Wirklichkeit zimmern wir uns Glaubensvorstellungen und Hoffnungen zurecht und leben von den Brotrinden, die wir Kuchen nennen, wie arme Kinder, die Glücklichsein spielen.

Aus allem, was uns verwundert und irritiert, versuchen wir einen Sinn herauszuhören. Einen Sinn, der uns beruhigt. Wir wissen zwar tief im Inneren, dass wir uns hier etwas einreden, aber, indem wir es bei einem Namen nennen, wird es für uns realer, vorstellbarer, so dass wir dann irgendwann an unsere Lügen glauben können.
All das ist auch das, was wir GESCHICHTE nennen.
Nun, zum Glück schafft Soares (Pessoa) es, bei uns etwas Unruhe und Ratlosigkeit zu streuen... und er formuliert es richtig: So ist das Leben. Das ist Zivilisation.
Und aus unseren Lügen und Träumen sind nun einmal all diese Wirklichkeiten gewachsen, die uns heutzutage bekannt sind. Soares sagt:
In Antwort auf:
Und tatsächlich schaffen der falsche Name und der wahre Traum eine neue Wirklichkeit. Der Gegenstand wird ein anderer, weil wir ihn zu einem anderen gemacht haben. Wir stellen Wirklichkeit her.


Zum Ausspruch:
In Antwort auf:
Zwischen mir und dem Leben ist eine dünne Glasscheibe. So deutlich ich das Leben auch erkenne und verstehe, berühren kann ich es nicht.

Da Soares sich ausschließlich als Betrachter sieht, der seine Träume neben der Realität entlanglaufen lässt, kann er das Leben zwar beobachten, jedoch nicht fassen. Er selbst zieht diesen Schutzfilm dazwischen, hier als Glasscheibe, durch die zwar klar zu erkennen ist, was davor geschieht, was jedoch nicht zulässt, daran wirklich teilzuhaben.

Schön verdeutlicht auch in Fr 75, wo Soares schreibt:
In Antwort auf:
Ich gehe nie auf eine Gefahr zu. Ich habe Angst, der Gefahren überdrüssig zu werden
.
Die Angst bekämpfen, heißt auf sie zugehen. Seine Ängste zu besiegen heißt sich ihnen stellen. Da Soares in seinen Vorstellungen lebt, und sich auch in seinem Leid suhlt, irgendwo erkennt man ja schon eine masochistische Ader…, möchte er seinem Denken keine Einschränkungen ermöglichen. Natürlich zieht die Gefahr immer ein Gefühl der Vorsicht nach sich, man wird aufmerksamer und geht deutlich bewusster durch das Leben. Nun, ich denke, dem verweigert sich Soares. Sein Blick durch die Glasscheibe genügt ihm, er hat Angst, seine Angst zu verlieren…

In der Verbindung der Höhen des Berges sehe ich wieder die typische Überheblichkeit des Menschen. Bloß, weil er oben steht, meint er schon, der Größte zu sein.
In Antwort auf:
Mit seinem Blick besitzt er alle Berge…

Hier wieder ein Schwung in seine Poesie:
Ich bin so groß wie das, was ich sehe.
Wenn Soares als Träumer durch die Welt läuft, ist seine Erklärung (wo der Traum so echt neben der Wirklichkeit fungiert) unglaublich spitzfindig.
In Antwort auf:
Natürlich wird man auch den Geist auf eine Art wirkliche Materie reduzieren müssen, mit einer Art Raum, in dem er existieren kann.

Und:
In Antwort auf:
Vielleicht gelangt die künftige wissenschaftliche Forschung zu der Erkenntnis, dass alle Wirklichkeiten die Dimensionen ein und desselben Raumes sind, der daher weder materiell noch geistig ist.

Soares zeigt nun sehr aufschlussreich, wie dieser Zustand möglich ist. Wenn man bedenkt, dass auch in der Quantenphysik ein Punkt gleichzeitig Schwingung ist, dann kann man sich gut vorstellen, wie der Raum des Gedankens räumlich wird.

Zu Borges mit den Worten Soares:
In Antwort auf:
In der einen Dimension leben wir als Körper, in der anderen als Seele.

obwohl doch:
In Antwort auf:
Alles ist Trug, aber nicht einmal der Trug ist unser Werk.


Und schuld daran ist die Tatsache:
In Antwort auf:
WIR SCHAUEN, SEHEN ABER NICHT.


In Fr. 80 zeigt sich wieder die Trägheit von Soares:
In Antwort auf:
Über meine Traurigkeit nachsinnen? Wozu, wenn doch Nachsinnen Anstrengung bedeutet? Und wer traurig ist, kann sich nicht anstrengen.


Und dann gibt er zu:
In Antwort auf:
Meine Träume sind eine so unsinnige Zuflucht wie ein Regenschirm, wenn es Blitze hagelt. Ich bin so träge, so bedauernswert, so arm an Gesten, so schwach im Handeln.

Und, wo er eben noch so großspurig davon redet, dass er seine Angst vor der Angst nicht verlieren möchte, gesteht er sich hier ganz klar ein:
In Antwort auf:
Sosehr ich auch in mich dringe, all meine Traumpfade führen zu Lichtungen der Angst.


Soares ist überhaupt sehr introvertiert. Aus dem Fenster betrachtet er die Welt, ohne sie an sich heran zu lassen und in der Scheibe spiegeln sich die Selbstreflexionen...

In Antwort auf:
Von nahem betrachtet sind alle Menschen auf eintönige Weise verschieden. Vieira sagte, Frei Luís de Sousa habe dies mit „das Gewöhnliche in seiner Einzigartigkeit“ beschrieben.

Der Einzelne mag liebenswert sein, aber in der Masse sind die Menschen kaum zu ertragen, schrumpfen zu einem Haufen Blödsinn und Stumpfsinnigkeit zusammen...

In Antwort auf:
All das betrübt mich, und doch ist es mir gleichgültig. Ich bin hier, zufällig, wie alles im Leben.

Alles ist ohne Sinn behaftet, die zufällige Zusammenwürfelung von Atomen… Hier hat man wieder ganz deutlich Demokrit vor Augen...
Das fällt bei Soares übrigens öfter auf, dieser plötzliche Schwung in den Trübsal und umgekehrt, ... sein vielleicht ... vielleicht könnte etwas Erhabenes entstehen, und kurz darauf kippt er gleich wieder in seinen schmerzhaften Intervall und grübelt...
Das sind dann eben die
In Antwort auf:
Wirbel, Strudel in der fließenden Flüchtigkeit des Lebens.


In Fr. 78 auch ein Einblick in die Tür des Schicksals und der Trägheit:
In Antwort auf:
Man geht bewusst an der Tür vorüber, durch die man treten sollte, man geht wie im Schlaf und vermag dem Körper keine andere Richtung zu geben. Man geht an allem vorüber.

Irgendwo steckt hier ein Widerspruch drin. Einerseits geht man BEWUSST vorüber, andererseits vermag man dem Körper keine andere Richtung zu geben. Einzige Erklärung: Man geht an allem vorüber...

Fr. 87:
In Antwort auf:
Man bringt mir den Glauben wie ein verschnürtes Paket auf einem befremdlichen Tablett. Ich soll es annehmen, aber nicht öffnen. Man bringt mir die Wissenschaft wie ein Messer auf einem Teller, um die Blätter eines Buches aufzuschneiden, dessen Seiten unbeschrieben sind. Man bringt mir die Zweifel wie Staub in einer Schachtel; doch wozu, wenn die Schachtel nur Staub enthält?

Sind somit die Zweifel ebenso unsinnig, wie der Glaube daran?

Und auch bei diesem Satz musste ich überlegen:
In Antwort auf:
WO IST GOTT, AUCH WENN ER NICHT EXISTIERT?

Hier drehen sich die Dinge wohl um diese Frage: Wo ist das, was man mit Gott verbindet, der Trost, die zehn Gebote, die Liebe zum Nächsten, die Reue, die Hoffnung, usw. geblieben?
Erst wird Gott aus der Welt geschafft und damit auch die einzigen Dinge, die in seiner Verbindung etwas Gutes bewirkt haben... Der Mensch fühlt sich befreit und erhaben, irrt aber desillusioniert durch die Welt...
Und, wenn die Menschen schon sich selbst in den Vordergrund drängen, warum dann unter diesen eisigen Bedingungen...
Da fällt mir Max Stirner ein, der sagte:
In Antwort auf:
Gott und die Menschheit haben ihre Sache auf Nichts gestellt.


Alles ist Illusion, der Betrachtungswinkel fördert eine Art Realität zutage und aus der Realität erwachsen die Illusionen. Dass diese Überlegung gleichzeitig notwendig ist, um der Selbsterkenntnis ein bisschen auf die Schliche zu kommen, und dass im Erkennen der Dinge, das man das Dahinter nicht verstehen wird, tatsächlich die Nutzlosigkeit der weiteren Überlegung liegt, ist das Paradox unserer Anschauungen. Wenn man davon ausgeht, dass (nach Schopenhauer) die Welt unsere Vorstellung ist und (nach Kant) das Ding an sich nicht erkennbar wird, dann ist die ewige Grübelei, den Dingen auf den Grund kommen zu wollen, tatsächlich zerrend und unnütz, denn sie verbessert ja nicht das Dasein, es sei denn, man akzeptiert, dass man es nie sicher begreifen wird.
Aber, Pessoa geht ja noch weiter. Der darauf folgende Satz beispielsweise:
In Antwort auf:
Das kontemplative Leben muss, um überhaupt existieren zu können, die objektiven Akzidenzien als weit verstreute Prämissen für eine Folgerung betrachten, die es nicht ziehen kann; doch muss es zugleich die nicht notwendig wahre Beschaffenheit des Traumes in gewisser Weise der Aufmerksamkeit als wert erachten, die wir ihm widmen und die genau uns zu kontemplativen Menschen macht.


Seine Akzidenzien sind also hier die Träume, die für viele Menschen als nebensächlich empfunden werden, die dabei trotzdessen Bedingung, jedoch nicht erklärbar sind. Aber, bei Soares scheinen mir die Träume wohl etwas mehr zu sein, als nur nicht wesentlich oder zufällig...
Pessoa schreibt weiter (und dieses Zitat könnte ich mir an die Wand nageln, so herrlich finde ich es in seiner Bestätigung, dass alle Realität eine Form von Illusion ist, wie auch im umgekehrten Sinne.) Uns steht mal wieder ganz klar die Tatsache vor Augen: Alles erhält die Bedeutung, die wir ihm zuschreiben…
In Antwort auf:
Jedes Ding ist, je nachdem, wie man es betrachtet ein Wunder oder ein Hemmnis, ein Alles oder ein Nichts, ein Weg oder ein Problem.


In Antwort auf:
… Denn so sehr wir auch über etwas nachdenken und es durch unser Nachdenken verändern, es wird doch immer Gegenstand unseres Nachdenkens bleiben…


Wenn er in Fr. 98 auf einmal mit einem unerklärlichen Ekel aus dem Bett steigt, dann wirkt das auf mich auch wie ein Entsetzen davor, Sein und gleichzeitig Nicht-Sein zu müssen. Er sagt ja, für kein Problem gibt es auf der Welt eine Lösung.
Wenn man es als Metapher betrachtet, dann ist es auch ganz einfach die Verzweiflung aufgewacht zu sein. Und zwar zwei Mal. Einmal aus dem Schlaf ohne Traum und einmal in dem Empfinden der ständigen Frage: Warum bin ich hier?
Die vorherige Überheblichkeit wirkt auf einmal vollkommen unsinnig, alles läuft auf keinen Sinn hinaus und Soares tut „lange, falsche Schritte, die er versucht, vergeblich anders zu setzen." Dabei entfaltet sich ein tiefer Schreck, hervorgerufen durch eine

In Antwort auf:
…abgrundtiefe absolute Abscheu, die dennoch ihre Ursache hatte.


Dadurch, dass er in seinem Zimmer herumläuft und alles mit „fahrigen, ungenauen Bewegungen“ berührt, erwächst wohl das Dilemma des Dasein, nach dem Motto: Bin all dies hier ICH?
Doch schnell kommt bei Soares wieder die Besinnung:

In Antwort auf:
Ach, was ist das für ein Morgen, der mich für die Dummheit des Lebens weckt und für seine große Zärtlichkeit?


Diese Widersprüche, die das Leben in sich vereinigt. Erst empfindet er diesen tiefen Ekel und schließlich ist die „Ankündigung des Morgens“ dann doch nicht so grausam. Er sagt, der Tag befreit ihn. Und, indem er seine Vergangenheit verdrängt, nicht zulässt, schützt er sich selbst vor seiner „überströmenden Sensibilität“, die seine ewigen Kämpfe in der Seele ja auch erklärt.

In Fr. 99 pauschalisiert er sein Dasein und verallgemeinert, beschreibt dabei aber trotzdem das Leben des Hilfsbuchhalters Soares, dem Träumer, der sich hinter einer trockenen Tätigkeit versteckt, um weiterträumen zu können, der seine Gedanken mehr empfindet als alle Wirklichkeit…

In Antwort auf:

Das Leben erscheint mir als ein metaphysischer Irrtum der Materie, ein Versehen der Untätigkeit.

Soares hat uns ja schon in Fr. 97 die Macht des selbst geschaffenen Panzers demonstriert und definiert jetzt:

In Antwort auf:
Da sie auf diese Weise zu gegen die Welt gepanzerten Wesen werden, verwundert es nicht, dass sie in Momenten der Bewusstwerdung plötzlich die ganze Last ihres Panzers wahrnehmen…

Ein schöner Einblick in die Seele Soares, durch die die Gefühle und Eindrücke nur abgeschwächt dringen.
Selbstverständlich ist, wer sich aus der Welt zurückzieht, die Vergangenheit (den Leichnam „Kindheit“) verdrängt und auch das Anteilnehmen am Leben selbst vermeidet, jemand also, der eine dicke Schutzmauer um sich selbst herumbaut, durch die weder jemand hinein- noch hinausdringen kann, irgendwann von sich selbst umzingelt. Das ist eine ganze zeitlang sehr beruhigend, und Soares zeigt uns eine ganze Weile, wie gut er damit zurecht kommt, ja wie überlegen er sich hin und wieder durch seine Träume und Gedanken fühlt. Aber, als Existierender hinterfragt man eben, warum man existiert… Und, wenn die eigene Mauer zu dick und hoch gebaut ist, dann findet oder hört man keine Antwort, es sei denn das Echo der eigenen, und die ist ja subjektiv und keine Bestätigung oder Bedingung. Soares empfindet

In Antwort auf:
…das Leben als eine umgekehrte Angst, als einen nicht erlittenen Schmerz.


Pessoa selbst hat das so in einem seiner Gedicht dargestellt:

In Antwort auf:
Der Poet verstellt sich, täuscht uns so vollkommen und gewagt,
daß er selbst den Schmerz vortäuscht, der ihn wirklich plagt.


Und Soares verdeutlicht uns, dass man durch Verdrängung einen Schmerz nicht soweit durchlebt, um ihn verdauen zu können, und gleichzeitig stumpfen die Emotionen dabei ab. Aber ganz tief im Inneren brodelt etwas, das seine "Ursache" hat.
Soares lebt nun einmal in seinen Gedanken, sagt:

In Antwort auf:
Die Intensität meiner Empfindungen war immer geringer als die Intensität meines Bewusstseins von ihnen. Ich habe stets mehr unter dem Bewusstsein zu leiden gelitten als unter dem Leid, von dem ich Bewusstsein hatte.

Denn, ein richtiges Leid hat Soares ja noch nicht erlebt… oder empfunden, zumindest haben wir noch nichts darüber erfahren, außer seine Kopf-Qualen, die hin und wieder zu uns durchdringen und ihm ja doch im selben Augenblick gleichgültig sind.

In Antwort auf:
Ich war immer nur eine Spur, ein Trugbild meiner selbst.


Pessoa vermittelt uns keine Lehre, sondern stellt Überlegungen an, die in sich nicht schlüssig sind, da er permanent denkt und träumt, so erfährt der Leser nur die Tatsachen. Und Tatsachen enthalten immer Widersprüche und Paradoxien. Denn alles ist Wahrscheinlichkeit…



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 09.02.2009 01:20 | nach oben springen

#2

RE: Fernando Pessoa

in Die schöne Welt der Bücher 22.07.2010 10:42
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Pessoas Buch der Unruhe ist eines meiner Lebensbücher. Auf meiner "ewigen" Leseliste liegt es auf Rang fünf und auf meinem Lesetischchen sowieso, immer. Also immer greifbar, denn man kann es aufschlagen wo man will, man ist immer auf der richtigen Seite.

Warum zu diesem einzigartigen Traumbuch, und Taxines wunderbarer Rezension, kein Kommentar? Wir alle, hoffe ich doch, lieben es.
Nun gut, ich fange dann an, hier regelmäßig etwas von Pessoa einzustellen:

"Ob es nun Götter gibt oder nicht, wir sind ihre Knechte."
(Pessoa)

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#3

RE: Fernando Pessoa

in Die schöne Welt der Bücher 23.07.2010 09:18
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Machen wir weiter mit Pessoa:

Zitat
Ich bin jetzt alle Morgen auf den Höhn des Korinthischen Isthmus, und, wie die Biene unter Blumen, fliegt meine Seele oft hin und her zwischen den Meeren, die zur Rechten und zur Linken meinen glühenden Bergen die Füße kühlen.
Besonders der Eine der beeden Meerbusen hätte mich freuen sollen, wär ich ein Jahrtausend früher hier gestanden.
Wie ein siegender Halbgott, wallte da zwischen der herrlichen Wildnis des Helikon und Parnaß, wo das Morgenrot um hundert überschneite Gipfel spielt, und zwischen der paradiesischen Ebene von Sicyon der glänzende Meerbusen herein, gegen die Stadt der Freude, das jugendliche Korinth, und schüttete den erbeuteten Reichtum aller Zonen vor seiner Lieblingin aus.



Naja, gut, das ist zwar nicht Pessoa, aber der Hyperion ist ebenso wunderlastig, und genialisch, und wortgewaltig, und unsterblich wie Fernando Pessoa. Mindenstens.
Fahren wir fort:

Zitat
Wie war dein Leben und Sterben so sanft und meerstille, du vergnügtes Schulmeisterlein Wutz! Der stille laue Himmel eines Nachsommers ging nicht mit Gewölk, sondern mit Duft um dein Leben herum: deine Epochen waren die Schwankungen und dein Sterben war das Umlegen einer Lilie, deren Blätter auf stehende Blumen flattern - und schon außer dem Grabe schliefest du sanft!



Gut, der Jean Paul ist zwar nicht mit Pessoa zu vergleichen, aber ein Bruder im Geiste könnte er ihm, jedenfalls in der Sicht unserere dunkel düsteren Traumwelten, doch durchaus sein.
Sehen und lesen wir weiter:

Zitat
Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?




Mhhh, Pessoa ist das nun wahrlich nicht, aber ebenso zeitlos - immer. Und außerdem: Goethe läuft immer und grundsätzlich außerhalb jeglicher - Konkurrenz.
Und Der hier, Der sowieso:

Zitat
So schnell als du verwelkst, wirst du erstehn
In einem Sproß zu alter Frühlingspracht,
Es bleibt ja dein, mag Jugend auch vergehn,
Das frische Blut, das andern du vermacht.
Darin liegt Weisheit, Schönheit, Lebensdrang,
Sonst herrscht nur Wahnsinn, Alter, grauser Tod!
Und dächten all' wie du, vom Untergang
Wär' Zeit und Welt in sechzig Jahr bedroht.
Wer roh und häßlich von Gestalt, laß ihn,
Wie es Natur bestimmt, unfruchtbar enden,
Doch du, dem sie das Herrlichste verliehn,
Sollst ihre gute Gabe gut verwenden!

Ihr Siegel bist du, bist von ihr geweiht,
Ihr Bild zu prägen für die Ewigkeit!



Was könnte folgen?

Zitat
Der Bügel einer Goldbrille mit randlosen Gläsern schnitt in die Wurzel der gedrungenen, edel gebogenen Nase ein. Der Mund war groß, oft schlaff, oft plötzlich schmal und gespannt; die Wangenpartie mager und gefurcht, das wohlausgebildete Kinn weich gespalten. Bedeutende Schicksale schienen über dies meist leidend seitwärts geneigte Haupt hinweggegangen zu sein, und doch war die Kunst es gewesen, die hier jene physiognomische Durchbildung übernommen hatte, welche sonst das Werk eines schweren bewegten Lebens ist. ... Sie beglückt tiefer, sie verzehrt rascher. Sie gräbt in das Antlitz ihres Dieners die Spuren imaginärer und geistiger Abenteuer, und sie erzeugt, selbst bei klösterlicher Stille des äußeren Daseins, auf die Dauer eine Verwöhntheit, Überfeinerung, Müdigkeit und Neugier der Nerven, wie ein Leben voll ausschweifender Leidenschaften und Genüsse sie kaum hervorzubringen vermag."



Noch so ein, fast schon mystischer Wortzauberer, hier dann mehr ein genialischer Magier der deutschen Sprache.
Was fehlt noch:

Zitat
Er wurmt sich nieder durch einen Kohlenschacht, sein braunes Gewand schleift die Spannleine über rasselnde Kiesel. Hinter ihm her watschelt eine fette Großvaterratte auf schwammigen Schildkrötenpfoten unter einem grauen Panzer...

Er vollführt einen verwegenen Lachssprung und wird vom Kohlenschacht verschlungen. Zwei Scheiben auf den Säulen schwabbeln auf Null. Alles weicht zurück. Bloom zuckelt weiter. Er steht vor einem erleuchteten Haus, lauscht. Die Küsse schwingen sich aus ihren Lauben und umschwirren ihn, zwitschernd, gurrend, tirilierend...



Das ist zwar auch nicht von Pessoa, aber dafür umschlungen von Hypertextualitäten. Unsterblich. Wortverzaubert. Zeitlos.

Aber was, was, das frage ich euch wackere Schlingels, was ist das alles gegen:

"Call me Ishmael"

zuletzt bearbeitet 23.07.2010 10:08 | nach oben springen

#4

RE: Fernando Pessoa

in Die schöne Welt der Bücher 17.01.2012 10:42
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Vielleicht und zum Anstoß, um wieder einmal im Pessoa zu blättern:

"Ich lasse mich treiben, bin ganz sinnliche Aufmerksamkeit, ohne Gedanken und ohne Gefühl. Ich bin früh aufgewacht; ich bin ohne Vorurteile auf die Straße getreten. Ich schaue alles prüfend an wie ein Grübler. Ich sehe wie einer, der nachdenkt. und ein leichter Gefühlsnebel erhebt sich absurd in mir; der Nebel, der draußen emporsteigt, scheint langsam in mich einzudringen. Ohne es zu wollen fühle ich, daß ich soeben über mein Leben nachgedacht habe. Ich habe es selbst nicht bemerkt, aber so ist es gewesen. Ich meinte, ich sähe und hörte nur, ich wäre während meines ganzen müßigen Umher- schlenderns nur ein Reflektor von vorgegebenen Bildern gewesen, eine weiße spanische Wand, auf welche die Wirklichkeit Farben und Licht anstelle von Schatten projeziert. Aber es war mehr, ohne dass ich es selber gewusst hätte. Es war die sich verleugnende Seele mit im Spiel, und sogar mein abstraktes Beobachten war noch eine Verneinung. "

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#5

RE: Fernando Pessoa

in Die schöne Welt der Bücher 17.01.2012 10:43
von Patmöser • 1.080 Beiträge

"Jetzt erklingen - es sind wohl acht, aber ich zähle sie nicht - die Schläge einer Glocke oder einer großen Uhr. Ich erwache von mir selber durch das banale Vorhandensein von Stunden, Einschnitten, die das Leben in der Gesellschaft der Fortdauer der Zeit auferlegt, Grenze im Abstrakten, Trennstrich im Unbekannten. Ich erwache von mir selbst und, während ich alles betrachte, nun schon voller Leben und gewohnter Menschlichkeit, bemerke ich, dass der Nebel, der sich vom ganzen Himmel verzogen hat, wahrhaft in meine Seele eingedrungen ist. Gleichzeitig ist er ins Innere aller Dinge eingedrungen, dorthin, wo sie Berührung mit meiner Seele haben. Ich habe die Vision dessen, was ich sah, eingebüßt. Ich bin mit Sehlicht erblindet. Ich fühle schon mit der Banalität des bereits Bekannten. Dies ist jetzt nicht mehr die Wirklichkeit: es ist einfach Leben. "

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#6

RE: Fernando Pessoa

in Die schöne Welt der Bücher 17.01.2012 10:43
von Patmöser • 1.080 Beiträge

"Ich bin der Zwischenraum zwischen dem, was ich bin, und dem, was ich nicht bin, zwischen dem, was ich träume, und dem, was das Leben aus mir gemacht hat, der abstrakte und leibliche Mittelwert zwischen Dingen, die nichts sind, da ich ebenfalls nichts bin. Welche Unruhe, wenn ich fühle, welch Unbehagen, wenn ich denke, welche Nutzlosigkeit, wenn ich will! "

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#7

RE: Fernando Pessoa

in Die schöne Welt der Bücher 17.01.2012 10:44
von Patmöser • 1.080 Beiträge

"Die Gefühle, die am meisten schmerzen, die Gefühlswallungen, die am meisten quälen, sind diejenigen, die ganz absurd sind - Verlangen nach unmöglichen Dingen, eben weil sie unmöglich sind, Sehnsucht nach dem, was nie gewesen ist, Wunsch nach dem, was gewesen sein könnte, Kummer darüber, nicht ein anderer zu sein, Unzufriedenheit mit der Existenz der Welt. Alle diese Halbtöne des seelischen Bewusstseins schaffen in uns eine schmerzerfüllte Landschaft, einen ewigen Sonnenuntergang dessen, was wir sind. Unser Selbstgefühl ist dann ein verlassenes Feld in der Abenddämmerung, traurig mit Schilf bestanden neben einem Fluss ohne Schiffe, der hell zwischen entfernten Ufern dunkelt."

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#8

RE: Fernando Pessoa

in Die schöne Welt der Bücher 17.01.2012 10:45
von Patmöser • 1.080 Beiträge

"Um glücklich zu sein, muss man wissen, dass man glücklich ist. Es gibt kein Glück außer einem Glück bei vollem Bewusstsein. Aber das Bewusstsein des Glückes ist unglücklich; denn sich glücklich wissen heißt einsehen, dass man durch das Glück hindurchgeht und es alsbald hinter sich lassen muss. Wissen heißt töten, im Glück wie in allem übrigen. Nicht wissen jedoch heißt nicht existieren. "

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#9

RE: Fernando Pessoa

in Die schöne Welt der Bücher 17.01.2012 11:52
von Krümel • 499 Beiträge

Oh, ich sehe es kommen, dass mein Tagebuch voll wird mit Zitaten von Pessoa - das wird ein Fest!

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#10

RE: Fernando Pessoa

in Die schöne Welt der Bücher 17.01.2012 14:37
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Krümel
Oh, ich sehe es kommen, dass mein Tagebuch voll wird mit Zitaten von Pessoa - das wird ein Fest!



Joh!
Ich habe über meiner Lesekuschelträum-Ecke extra noch ein kleines Regal eingemauret, für die immer "Greifbaren", sozusagen. Dort stehen dann Heine, Hölderlin, Benn, Dante, die kleinen Erzählungen Jean Pauls, Shakespeares Sonette, Gothes Faust, Joyce und natürlich auch "mein" Pessoa.
Ein sehr nützliches Meublement, also!

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