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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Vater

in Lyrik 02.01.2009 19:12
von Lennie • 829 Beiträge

Du hast mich nie
wirklich wahrgenommen
Gemeinsam war uns nur eines
das Sternzeichen Zwillinge

Früher konntest du Alles
Später hast du dich
von deiner Angst
vor dem Leben
zerstören lassen
Ein einziges Gespräch
hatte es gegeben
in all den Jahren
mehr hast du
nicht zugelassen

Im Air France-Büro auf den Champs Elysées
holte ich mein Flugticket ab
und lief und lief und lief und lief
durch dunklen Dezember und durch Regen
Die hellen Scheinwerfer der Autos
glitzerten in der Nässe
weiter sah ich
Nichts

Im Flugzeug spürte ich dann
überraschend
ganz deutlich
dein Old Spice Rasierwasser
wie damals

Der Duft folgte mir viele Wochen
und brachte uns einander
endlich
Nah
Auch das hätte ich dir gern
noch gesagt.

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#2

RE: Vater

in Lyrik 02.01.2009 19:31
von Martinus • 3.194 Beiträge

ach Lennie,

gerade habe ich erfahren dass Johannes Mario Simmel gestorben ist und nun ein solch bewegendes trauriges Gedicht. Aber,ach... mir gefällt dein Gedicht. Ich kann den Inhalt nachfühlen und dann die letztes Strophe, der Schluss...da kann ich gar nicht in Worte fassen, wie mich das rührt.

Herzliche Grüße

mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#3

RE: Vater

in Lyrik 02.01.2009 19:57
von Lennie • 829 Beiträge

Vielen Dank für deine lieben Worte, Martinus!
Es hat mehr als 10 Jahre gedauert, ehe ich das da unten schreiben konnte.
Tja, der Herr Simmel und der Vater - die waren im selben Alter...

So ist das Leben.

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#4

RE: Vater

in Lyrik 07.01.2009 00:43
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Wehmütig, bilderreich, ohne die Klage, nur eine Erinnerung, ein Loslassen und Überwinden, das Bedauern, dass dem Menschen einzig das Zusehen bleibt, wenn die Angst den Anderen überschattet und er sich dahinter verbirgt, dass ein Annähern zu Lebzeiten nicht möglich ist.

Liebe Lennie, das sind wunderschöne Zeilen.

Herzlich
Taxine



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 07.01.2009 00:45 | nach oben springen

#5

RE: Vater

in Lyrik 07.01.2009 11:00
von Lennie • 829 Beiträge

Liebe Taxine,
Wenn es so ankommt, wie du sagst, dann freut mich das. Denn so sollte es.
Danke!

Bises, Lennie

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#6

RE: Vater

in Lyrik 05.02.2010 16:38
von Bea • 680 Beiträge

Hat mich auch ehrlich bewegt deine wehmütigen Zeilen. Danke!




Der Bezug des Menschen zu Orten und durch Orte zu Räumen beruht im Wohnen. Bauen/ Wohnen/ Denken - Heidegger Martin

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