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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Ratschläge von Schriftstellern an Schreibende

in An der Literatur orientierte Gedanken 13.01.2009 16:04
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge
Ratschläge von Schriftstellern an Schreibende
oder Über das Schreiben:


(Hier soll eine Liste vieler Stimmen entstehen, denn wir sind Lernende, Schüler, offene Geister. Wir lauschen den Empfehlungen und sehen zu, ob sie auch auf unser Schaffen anwendbar sind. Ein Versuch!)

Dostojewskij im Brief an seinen Bruder:
"Woher hast Du nur die Theorie, dass ein Bild auf den ersten Anhieb gemalt werden soll? Wann bist Du zu dieser Überzeugung gekommen? Glaube mir, bei allen Dingen ist Arbeit notwendig, riesengroße Arbeit. Glaube mir, irgendein graziöses, flüchtiges Gedicht von Puschkin, das nur wenige Zeilen enthält, erscheint nur darum so graziös und wie flüchtig hingeworfen, weil der Dichter lange Zeit daran gearbeitet und herumgestrichen hat. Das sind Tatsachen. Gogol hat an seinen „Toten Seelen“ acht Jahre geschrieben. Alles, was auf den ersten Anhieb entstand, war unreif. Man sagt, dass in Shakespeares Manuskript keine einzige Durchstreichung vorkommt. Daher gibt es bei ihm auch so viel ungeheure Geschmacklosigkeiten. (…) Du verwechselt offenbar die Inspiration, das heißt das erste, augenblickliche Entstehen eines Bildes oder einer Bewegung in der Seele des Künstlers (was immer der Fall ist), mit der Arbeit.
Ich schreibe mir zum Beispiel jede Szene sofort so auf, wie sie mir zuerst in den Sinn kommt, und freue mich über sie; dann überarbeite ich sie monate- und jahrelang. Ich lasse mich von ihr mehr als einmal begeistern (denn ich liebe diese Szene); einiges füge ich hinzu, anderes streiche ich; glaube mir, dass die Szene dabei immer gewinnt. Man muss nur Inspiration haben. Ohne Inspiration kann man natürlich nichts anfangen."

In Sylvia Plath’s Tagebüchern in der Begegnung mit Val Gendron:
"Val sagte: Stell dir das Ganze erst mal vor, die Gefühle kommen später. Schriftstellerinnen arbeiten anfangs immer aus der Wahrnehmung heraus, ignorieren den nüchternen, realistischen Aufbau. Skizziere zuerst ganz nüchtern und objektiv die Handlung. Sei genau. Dann schreib das verdammte Ding runter, wenn du auf der Couch gelegen und es dir vorgestellt hast, peitsche es zur Weißglut und wieder zum Leben, zum Leben der Kunst, zu einer Form, damit es eine Form kriegt, einen Bezugsrahmen."



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 13.01.2009 17:47 | nach oben springen

#2

RE: Ratschläge von Schriftstellern an Schreibende

in An der Literatur orientierte Gedanken 03.03.2009 21:23
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge
Remy de Gourmont:
Zitat von Gourmont
Ich bin immer der Meinung gewesen, dass Leute, denen das Schreiben schwer wird, die Hände davon lassen sollten; bei ihnen ist es nur Bovarysmus.




Léautaud:
Zitat von Léautaud - Tagebücher
Das Werk muss zwanzigmal durch deine Werkstatt gehen“ hat Boileau gesagt. Wer weiß, vielleicht ist das eine Dummheit oder zumindest ein Irrtum? Ständig sage ich allen, die es hören wollen: wirkliches literarisches Talent haben, heißt Bücher schreiben, ganz wie man Briefe schreibt. Alles andere ist nur Pathos, Pose, Rhetorik, Geschwollenheit. Sich gehen lassen, nicht nach den Sätzen suchen, ja sich über stilistische Nachlässigkeiten hinwegsetzen, all das kommt der Echtheit und Natürlichkeit des Tones zugute.


Zitat von Léautaud - Tagebücher
Ich habe es oft gedacht und ausgesprochen: Lehrmeister sind nur für Unbedarfte da. Wie auch nur Unbedarfte von Büchern beeinflusst werden können. Die anderen lassen früher oder später alles fahren, um nur sich selbst zu gehorchen, auf sich selbst zu hören. Zudem gibt es keine Lehrmeister hinsichtlich der Gedanken, nur hinsichtlich der Form…



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 03.03.2009 21:33 | nach oben springen

#3

RE: Ratschläge von Schriftstellern an Schreibende

in An der Literatur orientierte Gedanken 06.07.2009 17:35
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge

Ernst Jünger:

Zitat von Jünger in Strahlungen I
Was in der Prosa an rhythmischer Arbeit geleistet wird, darf keine Spur hinterlassen; und die Anstrengung ist umso lohnender, je weniger sie wahrgenommen wird. Das entspricht einem allgemeinen Gesetz, nach dem die ordnende Hand als letztes die sichtbaren Merkmale ihrer Arbeit verwischt.




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