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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Von Dada bis Surreal und zurück

in Das "andere" Buch 14.05.2009 20:50
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge
Louis Aragon
Theater


Manchmal fallen mir in dem Augenblick, in dem ich auftrete, die ein, die ich einmal war, und ich bleibe stehen, aus Angst, im Plural weinen zu müssen.


Aragon bleibt seinem Wesen treu. Theater – so lautet nicht nur der Titel, natürlich ist das ganze Buch ein "Theater". Das Denken, der Schreibstil, die Begebenheiten. Da folgen Gedanken wie Dialoge, kursiv geschriebene Außenbetrachtungen, so oder so befindet man sich als Leser mitten auf einer Bühne und gleichzeitig in den Räumen davor, wo sich die Schauspieler auf ihre Rollen vorbereiten. Die Bühne und das Zwischenspiel sind Romain Raphael, von Beruf Schauspieler. Wie treffen ihn in seiner Wohnung an, in der er nach und nach seine Spuren hinterlässt, seine Persönlichkeit zeichnet, obwohl zuvor betont wurde, dass ihm nur der Zug seines Alters gegeben werden wird, ohne eine Photographie an der Wand. Der Leser erfährt auch nichts über diese Äußerlichkeiten, aber gewinnt doch eine lebendige Vorstellung von dem Menschen, den er dort vor sich hat.

Man bemerkt schnell, dass Romain immer auf der Bühne steht, egal, was er gerade tut und wo er sich befindet. Sein Geist durchläuft die Phasen des Schauspiels und erörtert die Reaktion eines Publikums, das abwesend ist, das aber immer als Schatten um ihn herum bleibt.

Romain Raphael, einst zwanzig Jahre jünger auch Denis genannt, begegnet sich ständig selbst. Er wurde von seiner Freundin Violette verlassen und fürchtet nun das Alter, die Zukunft, diesen „alte Mann“, diesen „Schatten vor ihm“, „dieser Abgrund zu seinen Füßen, unentrinnbar“, der er selbst ist.

Die Zwischenszenen wechseln sich mit Gedichten ab, die ihm jemand durch die Tür durchgeschoben hat, von denen er schnell erkennt, dass sie seine eigene Handschrift tragen.

Hier nun kommt der Tag der Verstellung
Sein genügt dem Menschen nicht mehr er muss
Ein anderer sein Darin
Zeigt sich des Geistes Herrschaft

Das Leben ist im Grunde eine Rolle
Gib deinen Text mir und erbebe wenn
Du ihn mit einer Usurpator-Stimme hörst
Den Namen hab ich nicht gewechselt nein
Die Seele...


Bei Aragon geht es nicht nur um das Theater als Theater, sondern um die Vorstellung „Leben“, die Rolle, die man als Mensch spielt, das Selbst, das sich beständig verändert. Der Protagonist wird nicht von einem Fremden verfolgt, sondern von seinem eigenen Schatten, von seiner eigenen Angst vor dem Altern und den Erinnerungen.

Sein Roman wirkt wie ein Selbstgespräch, wie schnell hingeworfene Aufzeichnungen, Randbemerkungen, Notizen, die alle in eine Suche führen. Ausgefeilt, durchdacht, vielleicht manchmal zu sehr. Trotzdem ein intensiver Lesegenuss.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 15.05.2009 18:25 | nach oben springen

#2

RE: Von Dada bis Surreal und zurück

in Das "andere" Buch 21.05.2009 14:41
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge
Monsignore Dalí schrieb neben seinen Aufzeichnungen auch den Roman "Verborgene Gesichter". Es geht um die Erlebnisse des Grafen von Grandsailles, eine Annäherung an Tristan und Isolde aus dalí'scher Sicht.
Zweimal habe ich den Versuch gemacht, diesen Roman zu beginnen, zweimal habe ich es wieder verworfen, weil er mich unendlich langweilt. Vielleicht ist es der überschraubte Stil, vielleicht das Wesen Dalí selbst. Sein Vorwort zeigt, dass er alles, was er tut, zur göttlichen Kunst erhebt. Zustimmen wird man ihm darin nicht, fällt der Blick auf das Geschriebene (seine Aufzeichnungen einmal beiseitegelassen). Irgendwann probiere ich einen dritten Anlauf. Mal sehen, ob ich hineinfinde.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 21.05.2009 14:43 | nach oben springen


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