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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Jens Petersen: Die Haushälterin

in Literatur im Verriß 11.07.2009 17:50
von Martinus • 3.194 Beiträge

Jens Petersen: Die Haushälterin

Mehrere Preise bekam Jens Petersen für seinen Romanerstling „Die Haushälterin“: 2005 Aspekte Literaturpreis,Bayerischer Kunstförderpreis, Kranichsteiner Literatur-Förderpreis und 2007 Evangelischer Buchpreis. 2005 schaffte es der Roman auch noch auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Ich frage mich bloß warum?

Der sechzehnjährige Philipp hat seine Mutter verloren (Krebs), der Vater ersäuft seinen Kummer im Alkohol, verliert seinen Arbeitsplatz bei den Hamburgischen Elektrizitätswerken und stürzt schließlich die Kellertreppe hinab. Mit gebrochenem Bein landet er im Krankenhaus. Philipp allein zu Haus schafft sich aus Verzweiflung eine dreiundzwanzigjährige Haushälterin an, die die Wohnung in Schuss hält, gutes Essen kocht, natürlich blendend ausschaut. Der Junge mit erotischen Fantasien im Kopf, legt darauf natürlich besonderen Wert, hat er bis jetzt doch nur seine Mutter beinahe täglich nackt gesehen, auch seine Großmutter in der Dusche. Naja, eigentlich zählt das ja nicht. Welcher pubertierende Junge interessiert sich schon für seine nackten Verwandten, tz. Eine Klassenkameradin hat er mal nackt im Umkleideraum beim Sportunterricht gesehen. Das zählt. Philipp fängt Ada, die Haushälterin, mit Blicken ein, so genau, dass er ihren Darmbeinstachel sieht, der oberhalb ihres Gürtels unter ihrer Haut zum Vorschein kam, während sie das Fenster putze.

Alle Versuche des Autoren, den Text erotisch zu machen, scheitern. Es reicht eben nicht, wenn man schreibt: „Unter dem T-Shirt zeichneten sich ihre Schultern und der BH ab. Er war orange, ich sah es, als ihr einer der Träger über den Oberarm rutschte.“ Es wird nicht weiter angedeutet, was in dem Jungen vorgeht. Und dann geht es so gleich weiter: „In meiner Klasse gab es Mädchen, die schon einiges hatten von dem, was eine Frau haben mußte – gegen Ada hatten sie nichts.“ Aphrodite hilf! Es ist doch in Ordnung, dass der Junge mit der Erotik nicht klar kommt und schüchtern ist, aber in seiner Fantasie müsste es doch sprudeln in Bildern. So schüchtern - „was eine Frau haben mußte“ - fantasiert ein Sechzehnjähriger nicht. Das große Problem ist eben, dass der Leser, jedenfalls ich, die sexuellen Nöte des Philipp nicht nachspüren kann. Es kommt noch schlimmer. Als sein Vater aus dem Krankenhaus entlassen wird und mit Ada anbändelt, wird dieser Umstand nur so flatterhaft angedeutet, dass man dieses Drama auf den ersten Blick leicht übersehen könnte.

Es gibt genügend großartige Autoren, die mit wenigen Worten vieles erzählen können, sodass es zwischen den Zeilen knistert. Petersens Haushälterin gehört nicht dazu, außerdem sind die Figuren, insbesondere der Vater, zu konturlos.

Nur eine wunderbare Szene ist mir in Erinnerung geblieben, wie der Vater daran scheitert, mit Hilfe des Klavierspiels, seiner verstorbenen Frau näher zu kommen (Seite 24). Jens Petersen ist Gewinner des Bachmannpreises 2009.

Liebe Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 11.07.2009 18:13 | nach oben springen

#2

RE: Jens Petersen: Die Haushälterin

in Literatur im Verriß 11.07.2009 18:18
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge

Tja... dann hat er wohl gut gelesen... oder die Jury bestochen. Wer weiß.




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#3

RE: Jens Petersen: Die Haushälterin

in Literatur im Verriß 11.07.2009 18:27
von ascolto • 1.289 Beiträge

So dadd fracht suich der Sesselpöscher von JURÜpresidente?????


Preise suind dui Schaumkrone einet Systems dadd suich um dui Rechtfertigung uihrer inneren Kriminalität bemüht, es suind Rütterschläge und wer diese historisch höflüch betrachtet, der weiß um die Krönung einer Handlangerschaft????? Dies uisch natürlich kein Sujet für ein Generalstatemant, esch soll auch mal janz zufällig und absonderlüch auch Jene treffen dui würkelüch der Bewegung: Feingeist erleuchtet Grobgeist zugehörig.....Uich kenn da nen paar Wenige....


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#4

RE: Jens Petersen: Die Haushälterin

in Literatur im Verriß 11.07.2009 18:30
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge

Ja,... die Kompentenz der Jury sollte allgemein in Frage gestellt werden, wie auch der Zeitgeist, der Geschmack, das, was heute als Literatur gilt.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 11.07.2009 18:51 | nach oben springen

#5

RE: Jens Petersen: Die Haushälterin

in Literatur im Verriß 11.07.2009 18:39
von Martinus • 3.194 Beiträge

Ich, ja ich, war jedenfalls in keiner Jury.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#6

RE: Jens Petersen: Die Haushälterin

in Literatur im Verriß 11.07.2009 18:43
von ascolto • 1.289 Beiträge

Ciao mal ünne Bar und Deine Preiselgabe: and the winner is?????


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#7

RE: Jens Petersen: Die Haushälterin

in Literatur im Verriß 11.07.2009 18:44
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge

Nein, werter Martinus, wir sind die vor den Kopf gestoßenen und gutgläubigen Leser. Aber so nicht, nicht mehr mit uns... Nun wird nur noch gelesen, was uns der Literat unserer Wahl empfiehlt!




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#8

RE: Jens Petersen: Die Haushälterin

in Literatur im Verriß 11.07.2009 19:12
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

Zitat von Martinus
Ich frage mich bloß warum?
Ja, danke Dir Martinus fürs Lesen und Ausführen, dachte ich mir. Bleibt ja jedem überlassen, was er belletristisch liest, aber dem Folgen von Juryurteilen ist zu misstrauen (persönliche Meinung). Ach, was schwafele ich eigentlich: grundsätzlich ist ja eh allem zu misstrauen und es eigenkritisch zu hinterdenken. So gesehen habe ich mir heute mal wieder 2 Sachbücher gekauft, die ich gleich, zweckentfremdet, in die Lektürelisten stellen werde.


https://zumabgesaegtenast.wordpress.com/...n-hat-ein-ende/
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