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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Gedanken zu Buddha bis ins Mandala

in An der Philosophie orientierte Gedanken 16.07.2009 15:54
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge

... oder der Unterschied im Wesen der östlichen und westlichen Betrachtungen, festgehalten in Schrift und Bild

Gottfried Benn erfasst den Gegensatz von östlichem und westlichen Denken anschaulich in "Interieur":

Gangesgott
unter der Pendeluhr -:
welcher Spott
in deine Lotosflur!

Schläge, Zeiten,
Stunden und Stundensinn
vor Ewigkeiten,
Rätsel und Unbeginn!...


Rilke schreibt über die statische Ruhe eines Buddha-Bildes:

Buddha in der Glorie
Mitte aller Mitten, Kern der Kerne,
Mandel, die sich einschließt und versüßt,
dieses alles bis an alle Sterne
ist dein Fruchtfleisch: Sei gegrüßt.

In einem Brief, während er sich bei Rodin aufhält, schreibt er:
"Nach dem Abendessen ziehe ich mich bald zurück... unten vor dem Fenster steigt dre Kiesweg zu einem kleinen Hügel an, auf dem in fanatischer Schweigsamkeit ein Buddha-Bild ruht; die unsägliche Geschlossenheit seiner Zurückhaltung ausgebend. C'est le centre du monde, sagte ich zu Rodin..."

Man kennt den westlichen Blick auf das Östliche auch von z.B. Schopenhauer, Nietzsche*, Hesse... (Govinda küsst Siddharthas Stirn, und "sieht"... der strömende Fluss an Gesichtern...)

* Nietzsche in "Morgenröthe":

Zitat von Nietzsche
"In hoc signo vinces". — So vorgeschritten Europa auch sonst sein mag: in religiösen Dingen hat es noch nicht die freisinnige Naivität der alten Brahmanen erreicht, zum Zeichen, dass in Indien vor vier Jahrtausenden mehr gedacht wurde und mehr Lust am Denken vererbt zu werden pflegte, als jetzt unter uns. Jene Brahmanen nämlich glaubten erstens, dass die Priester mächtiger seien, als die Götter, und zweitens, dass die Bräuche es seien, worin die Macht der Priester begriffen liege: weshalb ihre Dichter nicht müde wurden, die Bräuche (Gebete, Zeremonien, Opfer, Lieder, Metren) als die eigentlichen Geber alles Guten zu preisen. Wie viel Dichterei und Aberglaube hier auch immer dazwischengelaufen sein mag: die Sätze sind wahr!




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 16.07.2009 15:59 | nach oben springen

#2

RE: Gedanken zu Buddha bis ins Mandala

in An der Philosophie orientierte Gedanken 16.07.2009 16:48
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge

Ein paar erste Gedanken aus der reinen Betrachtung einer Buddha-Statue im Vergleich zur westlichen Kunst:

Das Kultbild des Buddhas appelliert nicht an unsere Schaulust, will nicht schön, nicht tief, nicht bewegend sein. Es ruht in sich selbst, ist in sich versunken, zieht den Blick nur aus seinem Schweigen auf sich. Trotzdem ist der sitzende Buddha dem Betrachter näher als so manches westliches Kunstwerk. Er teilt den Raum mit uns und bietet nur Oberfläche, sein Vorhandensein als Statue mit dem gewaltigen Hintergrund erreicht uns nur abstrakt. Die Statue nimmt keinerlei Notiz von uns, will uns nichts erzählen. Sie lächelt.
Ein Kunstwerk wirkt auf uns immer wie ein Sog, hat unendliche Deutungsräume und bewahrt doch den Abstand von Leinwand zum Betrachter. Ganz anders wirkt die Statue. Sie benötigt nicht unseren Blick, um sich auszudrücken und sitzt mit uns im gleichen Raum, als reine Präsenz ihrer selbst.
Der Gedanke dreht sich um so vieles und wird gerade in der modernen Kunst durcheinandergewirbelt und bis in den Schmerz ausgereizt, soll aufwühlen, vernichten, irritieren, während er sich im Blick auf die Buddha-Statue beruhigt, sich verliert, sich konzentriert.
Das drückt deutlich einen der Unterschiede aus. Die Bescheidenheit ohne das Beeindrucken-Müssen, der dickbäuchig Lächelnde, der keinen Hohn auf sich zieht, der nicht schockieren will wie z. B. die Bilder einer Jenny Saville. Es gibt nichts Kreischendes, Grelles, Werbendes. Gerade diese Ruhe ist es, was immer mehr Westdenker auf das Östliche lenkt, die mit der Hektik um sich herum und insbesondere in ihrem Inneren nicht mehr zurechtkommen.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 16.07.2009 20:05 | nach oben springen

#3

RE: Gedanken zu Buddha bis ins Mandala

in An der Philosophie orientierte Gedanken 16.07.2009 19:03
von ascolto • 1.289 Beiträge

Der Buddha als Statue oder als Yidam ist für einen der Geistesschulung Zugeneigten ein konzentriertes Abbild einer Methode, einer Vollendung der Geisteshaltung, ein Vertrauensrilikt der Zuflucht. Die Buddhaabbildungen sind vielseitig, je nach ihrer Schule der Sie entspringen, haben aber was den Buddha Shakyamuni betrifft nur wenig Abweichungen und eine sehr klare Geometrie. Ob aus dem Hinnayana oder der Mahayana Methode, unterscheiden sie sich nur nach ihrer kulturellen Herkunft ein wenig. Die Buddhas aus der Hinayanamethode sind "indischer" besonders in der Frisur und deren Stoffdrapierung, ein wenig "spitzer" während die Mahayanamethoden ein "rundlicheres" ein weicheres Aussehen vermitteln. Das Abbild des Siddharta oder Budha Shakyamuni, im Buddhismus bezeichnet als Buddha dieses Zeitalters, der nach seiner Erleuchtung unter dem Boddhibaum dann beginnt die Fünf Asketen,also das Rad der Lehre (Dharma) zu lehren (zu drehen).
Das häufigste Abbild des Buddha Shakyamuni ist der Sitz in der Achtsamkeitshaltung (Meditation) auf einem Grassbüschel(Kissen) hinzu einer Bettelschale, (Symbol der Freigibigkeit) in der einen sowie mit der anderen Hand die Berührung des Boden (Zeugnis der Erleuchtung). Insbesondere bei Zeichnungen kommt noch eine andere Komponente und Haltung hinzu, der Buddha Shakjamuni hat Frauenbrüste, was die Aufhebung des einseitigen Libido, also einer einseitigen Energie in die Transformation deuten soll. Hinzu kommt das sogenannte "Dritte Auge", dies symbolisiert das feinstoffliche Sehen, geistige Sehen, das Erwachen.
Der Buddha Shakyamuni wird als Erwachter tituliert, als Feindzerstörrer seines Egos und als Erleuchtet angesehen. Diese Figur oder Yidam ist aber nur dem Gründer der Dharma unseres Zeitalters zuzuordnen.
In der Dharmalehre gibt der Buddha dieses Zeitalters Lehren für ca. 84 zigtausend Geisteshaltungen, also in der Form von Geschichten, Sutren oder Weisungen der Lebensführungen Einblicke und daraus entstehen wieder differenzierte Methoden. Während sich eine Methode mit einem speziellen Sutra oder einer Hauptübung auseinandersetzt gibt es eine Andere die ihren Schwerpunkt auf eine fast gegensätzliche Transformation wert legt. Jeder Übende hat eine andere Energiezusammensetzung und damit einen anderen Weg, letzendlich praktizieren alle Methoden den Buddha und verfolgen ein Ziel, das Erwachen in diesen Zustand der in uns, also nur hergestellt werden kann.D.H. die Buddhanatur ist in jedem Wesen, doch das Erwachen wird auf unterschiedlichen Wegen (Pfaden) geübt!
Eine hohe Schule (dies entspricht langen Übungen) ist aus der Mahayana Methode die tibet. Schule mit ihrer Tantralehre. In der Tantralehre werden die Hauptpaspekte und Energien zum Erwachen geübt und dies mit Visualisierungen der verschiedenen Buddhaaspekte, also des Erwachten Zustands. In dieser Methode gibt es viele Haupt- und Unteraspekte und verschiedenste Buddhaabbildungen und Statuen, und dies Buddhaaspekte sind genausten Formen, Handhaltungen (Mudras) und Symbolen zugeordnet und werden mit unterschiedlichsten Mantra verlautbart.
Es gibt also eine Menge an Buddhaspekten und daher auch sehr viele Buddhafiguren in verschiedenen Haltungen. Hinzu gibt es eine Energieeinteilungen die den Buddhafamilien zugeordnet. Buddha Shakyamuni ist also nur ein Buddha unter vielen, doch der Begründer der heutigen praktizierten Dharma.
Es gibt Methoden die sich auf eine Hauptenergie der Buddhafamilie konzentrieren, zB. der Amithababuddhismus (Chan) aus China kommend und u.a. im ZaZen (Soto-Rinsaischule) als Feinschliff kultiviert! Amithaba ist in seiner Farbe Rot und somit der Methode und Energie der Achtsamkeit zuzuordnen. Von den Laienbuddhisten (seine Beliebtheit) wird dies mit einem Mantra oder Sutra rezetiert, dieses soll bei viel Vertrauen (Zuflucht) in diesen Buddha eine Wiedergeburt in seinem Land verhelfen, in dem die Dharma viel freigiebiger inhaliert werden kann. Dies ist dann insbesondere mit dem Opferkult (zb. Geldverbrennungen) die nicht zur Lehre gehören und letzendlich ein Glaube also mystisch was die Dharma nicht ist, eine sehr "dickliche" grinsende fleyschliche Buddhafigur entstanden, die keine Begründung in der Dharma und somit eine Vorstellung aus der christlichen Erlösung (Missionare) und den Shintoismus zum Buddhismus vereinigen.Der Buddha Amithaba wird allerdings in seinem tantrischen Aspekt vollkommen anders dargestellt.
Bis hier erst einmal.......

Literaturtipp: Bilder des Erwachens/tib. Kunst als innere Erfahrung/Diamant Verlag


zuletzt bearbeitet 16.07.2009 23:00 | nach oben springen

#4

RE: Gedanken zu Buddha bis ins Mandala

in An der Philosophie orientierte Gedanken 16.07.2009 23:52
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge

Vielen Dank für den Tipp, habe ich mir mal notiert.
Es ist erstaunlich, welche Energie von einem - sagen wir einmal meditierenden - Buddha ausgeht. Er genügt sich selbst und bewirkt gleichzeitig die tiefe Ehrfurcht des Betrachters.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 17.07.2009 00:52 | nach oben springen

#5

RE: Gedanken zu Buddha bis ins Mandala

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2009 00:16
von ascolto • 1.289 Beiträge

Also die Buddhanatur, die in uns allen ein Begleiter, ist in ihrer Manifestation dem Übenden ein Spiegelbild, d.h. am Anfang in der Übung kontempliert der Versuchende in das kostbare Menschenleben, hinzu kommt die korrekte Weitergabe der Lehre, die authentische Weitergabe durch den Lehrenden. Diesbezüglich konzentriert sich der Meditierende auf den Ursprung der Lehre und der Weg des Lehrers der wieder von seinem Lehrer (Guru-Yoga). Langsam entsteht durch diese Betrachtungsweise der Achtsamkeitszustand das jedes Wesen ein Erleuchtungsgeist, d.H. ist der Eigene erwacht so sieht man Ihn auch in anderen Wesen. Beim betreten des Pfades (der Einsicht) der Boddhicitta (Erleuchtungsgeist) entsteht die Betrachtungsweise, warum der Buddha lehrte und weshalb dieser das Rad der Dharma gedreht. Es gehören hierzu, um dieses Bewußtsein zu erwachen noch viele andere analytische Meditationen dazu.
Also ist der Buddhist nicht in der Betrachtungsweise einer Form, sondern eines Geisteszustand, der in dieser Form ihren Ausdruck findet.Eines Geisteszustand der in dem Betrachtenen auch inne, also gespiegelt.
Das der Buddha, also diese Form ein Energiezustand der ev. auch von einem Betrachtenden empfunden, wird in der Lehre ergründet (verschiedene Wahrheits- Energiekörper), empfindet wohl aber nur der Betrachter, in dem diese Energie schon inovativ erwacht (Karma/Gesetz aus Ursache und Wirkung).


zuletzt bearbeitet 17.07.2009 00:18 | nach oben springen

#6

RE: Gedanken zu Buddha bis ins Mandala

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2009 00:56
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge

Ja, natürlich bleibt Buddha selbst ein Geisteszustand, nur wollte ich auch die reine Kunst der Statue näher betrachten. Der Vergleich der Betrachtungsweise zwischen Osten und Westen, zwischen der Ruhe der Figur in ihren verschiedenen Ausdrucksformen und der Forderung nach Betrachtung und Deutung eines westlichen Gemäldes.
Im Osten dient die Kunst der Kontemplation, im Westen dem Logos und der Emotion.




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#7

RE: Gedanken zu Buddha bis ins Mandala

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2009 01:40
von ascolto • 1.289 Beiträge

Hier darf ich vielleicht ein wenig wiedersprechen......Auch im Westen gibt es eine Jahrhundert anhaltende Tradition von manifestierten Geisteszuständen in der Malerei, also die Ikonenmalerei, das Kirchenfresko oder aber auch die Kunstschnitzerei von Altären und Heiligenbildern (Andrej Rubajow).Jesus Christus am Kreuz ist auch die Manifestation eines Geisteszustandes.Und die sind, bzw. werden auch kontemplativ betrachtet.

Der Unterschied ist vielleicht der das die Buddhanatur eine allgemein zugängliche, vorhandene Natur, die Christliche vielleicht mehr über eine Gerichtsbarkeit, ein entfernterer (verwertender) Geisteszustand ist. Dennoch existieren ähnliche Aspekte, zB. das Mitgefühl das im Buddismus u.a. das Symbol in Form der Buddha Avalokiteshvara manifestiert, im Christentum ist dies die Muttergottes Maria, eindeutig ersichtbar in der Pieta?

Vielleicht sind die Wege unterschiedlich in die Suche,ist die chrislichen Kontemplation im Gebet, im Buddhismus ist die Meditation eine sehr wichtige, die (herausragende) Übung, diese ist vielleicht in der Christenlehre nicht so vordergründig praktiziert....?!
Daher sitzt der Buddha in seiner Buddhanatur die verwirklicht (innerliche Aktiva), während der Christus in seiner Haltung am Kreuz gerade das Leid auf sich nimmt (äußere Aktiva)....?

Und die (analytische) Kontemplation ist reiner Logos......


zuletzt bearbeitet 17.07.2009 02:29 | nach oben springen

#8

RE: Gedanken zu Buddha bis ins Mandala

in An der Philosophie orientierte Gedanken 20.07.2009 14:20
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge

Auch schön... Ernst Jünger in "Die Schere":

Zitat von Jünger
Die Kulte können nicht ohne Bilder bestehen. Selbst in der Wüste muss zum mindesten ein Stein gesetzt werden. (...) Die Bilder sind das Urgestein der Kulte; sie leben länger als die Götter, zu deren Ehren sie errichtet worden sind. Wir stehen vor einer Statue, die aus dem Schutt geboren wurde, und fühlen: Hier muss ein Gott gewesen sein. Obwohl wir weder das Heiligtum noch seinen Namen kennen, berührt uns ein verborgener Sinn, der auch dem Künstler selbst verschlossen war. Im Kunstwerk lebt ein Glaube, der jedes Dogma überwährt.




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zuletzt bearbeitet 20.07.2009 14:20 | nach oben springen

#9

RE: Gedanken zu Buddha bis ins Mandala

in An der Philosophie orientierte Gedanken 20.07.2009 15:39
von ascolto • 1.289 Beiträge

Oder anders gezeylt, vom AmO.......

Wenn die Vielfalt der Formen, deren Kult wir erliegen, deren Geisteschöpfungen und Spiegelneuronen uns uin den Bann, uns immer weiter entäußert und von uns entfernt, braucht es einen Wegweiser, eine Form die uns aus dem Gewirr der Stimmen und Bilder wieder uns zu sich sammeln läßt. Ein solches Symbol erschaft die Energie der konzentrierten geistigen Verdichtung, im Kunstwerk liegt diese Erkenntnis, Zerstreuung wird gesammelt und bestenfalls die anhaftenen Dogmen zerstörrt?


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#10

RE: Gedanken zu Buddha bis ins Mandala

in An der Philosophie orientierte Gedanken 24.08.2009 18:10
von LX.C • 2.673 Beiträge

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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
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