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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Nick Hornby

in Die schöne Welt der Bücher 29.01.2010 00:33
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Der Roman "Juliet, Naked" von Nick Hornby gefällt mir ausgesprochen gut.

Kurzer Einstieg in die Handlung: Tucker Crowe ist ein amerikanischer Rockmusiker, der sich nach einem Auftritt 1986 urplötzlich aus dem Business zurückgezogen hat und seitdem spurlos verschwunden ist. Eine kleine Schar von Fans hält ihm jedoch die Treue und verehrt ihn im Internet wie einen Heiligen. Einer dieser glühenden Fans ist der Engländer Duncan, der eine eigene Crowe-Website betreibt, auf der seine Songs bis ins Kleinste interpretiert und auf versteckte geheime Botschaften untersucht werden ... Duncans Freundin Annie findet die Musik ganz gut, ist von der Besessenheit ihres Freundes allerdings eher genervt. - Da erscheint nach 20 Jahren plötzlich wieder eine CD von Tucker Crowe, bzw. eigentlich handelt es sich nicht um eine neue CD, sondern um Demo-Aufnahmen, eine Art unplugged version des letzten Albums von 1986. Es kommt zu einer ernsten Krise zwischen Duncan und Annie, weil Annie die Bemerkung fallen lässt, sie finde die CD schlecht, während Duncan sie auf seiner Website zur großartigsten Musik seit Menschengedenken hochjubelt. Annie beginnt sich zu fragen, ob ihr Freund jemals etwas von Musik verstanden hat ... Sie schreibt ihre Gedanken auf und stellt schließlich ihre eigene Kritik der CD ins Internet.
Nun kommt auf der anderen Seite des Atlantik Tucker Crowe selbst ins Spiel, der eigentlich gar nicht so ganz spurlos verschwunden war, sondern einfach nach dem Verlust seiner Kreativität in einer amerikanischen Kleinstadt von Sozialhilfe lebt. Auch seine Beziehung zu seiner momentanen Lebensgefährtin steht kurz vor dem Aus. Das Treiben seiner Fans im Internet beobachtet er nur mit distanzierter Fassungslosigkeit, aber als er Annies Kritik liest, fühlt er sich zum ersten Mal verstanden - und schickt ihr eine E-Mail. Es entwickelt sich zwischen ihnen eine rege Korrespondenz, die Annie auf Tuckers Bitte hin geheim hält.

Ich bin jetzt so ziemlich in der Mitte des Buches, wo Duncan mit einer Arbeitskollegin ins Bett geht und daraufhin von Annie endgültig rausgeschmissen wird. Auch Annie beschließt jetzt, sich einen neuen Freund zu suchen ...

Der Reiz des Buches liegt auch in der Aktualität der Themen: Virtuelle Beziehungen zwischen den Menschen, per E-Mail oder in Foren (so wie hier ...) , Internet-Verschwörungstheorien, oder witzig ist auch der Hinweis, der Wikipedia-Artikel über Tucker Crowe enthalte, von den Lebensdaten und CD-Veröffentlichungen abgesehen, nichts als blühenden Unsinn ...

Sonst bin ich ja literarisch eher in früheren Jahrhunderten unterwegs, da ist es zur Abwechslung mal ganz schön, einen Roman zu lesen, in dem die Leute iPods besitzen, Wikipedia-Artikel schreiben und ihre Kinder mit einem Nintendo-DS spielen ...




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
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#2

RE: Nick Hornby

in Die schöne Welt der Bücher 01.02.2010 12:18
von LX.C • 2.679 Beiträge

Kriselnde Beziehungskisten und Musikfanatismus sind wohl Hornbys Grundgerüst, auf dem er seine Romane immer wieder aufzubauen scheint. Ich hab vor Jahren "High Fidelity" gelesen. Das reicht mir dann auch. Den Wunsch nach Auflockerung kann ich aber gut nachvollziehen.


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
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#3

RE: Nick Hornby

in Die schöne Welt der Bücher 20.07.2010 21:50
von Lennie • 829 Beiträge

Den kannte ich bisher auch noch nicht. Den Herrn Hornby. Was ja wie üblich nix zu sagen hat, da ich kaum jemanden kenne.
Aber das macht nichts. Damit kann ich leben.
Vor ein paar Tagen habe ich "Vous descendez?" (auf "deutsch": A long way down) gelesen. Wurde in manchen deutschen Kritiken ja nicht übermäßig bejubelt, die Franzosen fanden es insgesamt bisschen besser. 4 Sterne statt 3. Da kam er besser bei weg.
Ich fand's auch gut. Wieder mal ein Schreibstil, der mir zusagt. Und ein Text, der einem verblüffend lange im Kopf rumgeht. Doch, das passte mir momentan ganz gut, die Lektüre habe ich genossen.

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