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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Ruf aus dem Inneren

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 01:59
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Was bewegt zum Schaffen? Ist es ein innerer Drang, der sich von innen nach außen offenbaren muss?
Ist es das Übersetzen der inneren Stimme?
Hier Form geben, ein Abbild schaffen?

So sagt man sich: Das Leben beinhaltet kein "Muss", man sollte einfach leben, sich frei entfalten, sich selbst finden. Doch der Künstler, er keucht, er möchte umwandeln, was an Idee sich über seinem Geist formt. Phantasie, heutzutage immer seltener. Denn die Medien töten ab, was in uns an Farbenpracht schlummert. Erleichtern im banalen Geplärre, ein Abschalten... auch vom Denken?

Der Künstler, wohin treibt es ihn?
Was sind seine Ansprüche an sich selbst?



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 08.12.2007 00:51 | nach oben springen

#2

RE: Ruf aus dem Inneren

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 02:00
von Ferro
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Hallo TaxinA,

Was bewegt zum Denken? Auch eine gute Frage. Aber, wenn man in sich hineinhorcht, vernimmt man den Ruf oder nicht. Wenn man ihn vernimmt, will man ihm Ausdruck verleihen. Verleiht man ihm Ausdruck, äußerst sich das in den verschiedensten Möglichkeiten.
Wer Vertrauen in sich selbst hat, weiß auch, wie er das Innere umwandelt.
Der Künstler hat es dabei, wie ich finde, noch am leichtesten.
Was ist aber mit den Menschen, die nicht verstehen, sich auszudrücken?
Ich habe mich letztens mit einer Dame unterhalten, die meinte, sie hätte zwei Möglichkeiten (völlig unkreativ):
Einmal laut schreien. Einfach so (da möchte man nicht dabei stehen) und zum Zweiten: Achterbahn fahren (was wiederum auf den Schrei zurück führt).
So drückt sich eben jeder unterschiedlich aus. Aber Hauptsache, man findet einen Weg.

Sei herzlich gegrüßt
ein Un-Künstler

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#3

RE: Ruf aus dem Inneren

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 02:00
von Taxine
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Lieber Ferro,

interessant auch eine andere Seite zu hören. Für mich der Ruf immer ein Genuss, ein Selbstfinden. Dieses freudig Kreieren an Gedanken.
Wo früher Schreie klangen, weil das Selbst noch nicht gefunden war, ist nun dieses Kribbeln, dieser Stoß an Energie ein schöner Drang, sich zu entfalten, auch andere Rollen anzunehmen. Der Mensch hier in all seinem Wert behaftet. Er ist mir Reaktion. Teilweise.
Wo ich meinem Großvater eine Erzählung schickte, die rein gar nichts mit mir selbst zu tun hatte, die er als schrecklich Getöse eines verzweifelten Menschen verstand, als ob jeder Schriftsteller nur fähig ist, sein eigenes Leben ins Wort zu fassen. Wäre es so, würden all diese wahrscheinlich nur ein einziges Buch schreiben.

Nein... ein Phantasiegebilde wurde zerrissen, aufgrund von Angst und Unverständnis.
Doch ein Ruf aus dem Inneren zwang mich zum Erfassen dieser Möglichkeit, und fast mag man meinen, dies war mir ein Fluss, ein Dringen aus der Seele, eine Überlegung, die auf das Papier gehörte.
So scheint dieser Drang sich manigfaltig zu äußern, bei einigen im Schrei, bei anderen in schriftlichen Ergüssen. Bei mir steht noch die Möglichkeit der Leinwand, und auch dort nicht das Innere nach Außen gekehrt, sondern lediglich in der Überlegung, das Thema betreffend, mit dem ich mich gerade beschäftige.

Lieben Gruß
Taxine

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#4

RE: Ruf aus dem Inneren

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 02:00
von Ferro
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Liebenswertes Taxinchen,

diese Art anderer Menschen, in den eigenen Zeilen ein bisschen über den Schreiber zu erfahren, kenne ich auch gut. Herauslesen, was an Kümmernissen und Perversionen wohl in ihm schlummern, eine Art phsychologisches Abbild zu deuten, weil der Mensch im normalen Gespräch nicht zu erkennen ist. Was haben Freund(e)/innen schon versucht, mir aus meinen Geschichten heraus zu erklären, wer ich wäre.
Ich denke, für einen nicht ausschließlich an der Kunst und Literatur orientierten Menschen ist die Phantasie eher ein Mythos. Diese Menschen akzeptieren wohl das Klassische, das Drama eines Ibsen oder Shakespeare, können sich aber nicht vorstellen, dass eine moderne Geschichte nicht auch zum Teil autobiografisch ist. Das ist für den Schriftsteller selbst, der eine Figur erfindet und ihr Leben einhaucht, sicherlich belastend.
Also, dem Alter Verständnis entgegen bringen und weitermachen. Sollen sie doch interpretieren, was immer sie wollen.

Ich umarme dich
Ferro

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#5

RE: Ruf aus dem Inneren

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 02:01
von Moulin
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Zitat von Ferro
Was haben Freund(e)/innen schon versucht, mir aus meinen Geschichten heraus zu erklären, wer ich wäre...

...Diese Menschen akzeptieren wohl das Klassische, das Drama eines Ibsen oder Shakespeare, können sich aber nicht vorstellen, dass eine moderne Geschichte nicht auch zum Teil autobiographisch ist...


Hallo Ferro,
der erste Teil Deiner Aussage hat mich geradezu amüsiert, denn ich kann diese Eigenschaften Anderer, die immer besser über mich Bescheid wissen wollen als ich selbst sehr gut nachvollziehen.
Menschen, die um sich selbst nicht wissen, aber glauben über Andere in dieser Form urteilen zu können. :wink:

Was die Leute aber von der modernen, aktuellen Kunst abhält ist vermutlich in erster Linie der Drang, sich beim Mögen unantastbarer, alter Meisterwerke in Sicherheit zu wiegen, zum Anderen neigt der Mensch dazu, in Erinnerungen zu schwelgen, bei denen das Negative abgesondert ist und das Gute bleibt. So wälzt er sich in den Betrachtungen der alten Meister der Künste, da er sich dort keiner Konfrontation mit möglichen, aktuellen Geschehnissen und Emotionen auseinenderzusetzen hat.
Die alten zu ehren ist edel, doch die Neuen sind die unserer Zeit, und zur Notwendigkeit im Jetzt zu leben, sich mit seinem Ego in der Spiegelung der aktuellen Epoche zu beschäftigen macht es notwendig, sich mit der gegenwärtigen Kunst zu befassen.
In dem Sinne:
Auf Neues


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#6

RE: Ruf aus dem Inneren

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 02:01
von Ferro
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Hallo Moulin,

ja, das Thema gehört noch einmal aufgegriffen, und ich lache selber.
Ich finde es manchmal echt vermessen, dass manche Menschen glauben, sie könnten andere Leben in irgendeiner Weise bestimmen.
Da sagt mir zum Beispiel ein weibliches Wesen, sie würde mich besser kennen, als ich mich selbst.
Wie sollte man da nicht lachen?


Die neuen Kunstwerke sind von mir begrüßt und werden auch gerne betrachtet.
Das Alte bleibt ja dabei trotzdem gut.

Ich meinte ja auch eher mein eigenes Umfeld.
Die Menschen lesen ein Buch und gehen von Phantasie aus.
Die Menschen lesen eine Kurzgeschichte eines Unbekannten, den sie womöglich noch kennen, und setzen sofort voraus, dass in den Zeilen nur die eigene Persönlichkeit verarbeitet wurde.
Das finde ich hin und wieder merkwürdig.

Im Gruß
Ferro

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#7

RE: Ruf aus dem Inneren

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 02:01
von Moulin
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Zitat von Ferro

...Die Menschen lesen eine Kurzgeschichte eines Unbekannten, den sie womöglich noch kennen, und setzen sofort voraus, dass in den Zeilen nur die eigene Persönlichkeit verarbeitet wurde...


Ich finde, dass es sich dabei um ein sehr kurzsichtiges Denken der Lesenden handelt, wobei man aber gleichzeitig eine natürliche Auslese feststellen kann, wer in der Lage ist dem eigenen Ruf aus dem Inneren, hier in Form eines Literarischen Stückes entsprechend zu folgen und wer nicht. Hat ja auch was für sich.
:D

Ich bin überzeugt, dass man ein Kunstwerk zwar mit Hilfe der gewohnten Kriterien als Werk äußerlich begreifen kann, doch einem Ruf aus dem Inneren folgen zu können, verlangt es zur Beurteilung mehr ab, als sich auf das Wissen um einen Menschen zu stützen, um dann Entsprechendes hinein zu interpretieren. Es ist mehr als das schimmernde Bild, dessen Erwartung von außen erfüllt werden will.

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#8

RE: Ruf aus dem Inneren

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 02:02
von Kyra
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Es ist aber schwer, wenn man den Menschen dahinter kennt. Immer hinterfragt man irgendwie.

Ich, zum Beispiel, lese sehr langsam, weil ich mich viel mit dem Inhalt auseinandersetze.
Wenn ich aber jemanden kenne, dann fällt es mir schwer, unvoreingenommen zu sein, weil das ja gar nicht möglich ist. Der Mensch ist nun einmal bekannt. Und wenn ich dann Zeilen von ihm lese, muss der Stil mich so packen, dass ich den Menschen dahinter nicht mehr sehe. Dann ist auch die Geschichte gelungen.

LG
Kyra

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