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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#1

Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 17.06.2010 14:46
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von Zypresserich


Für mich erstaunlich als Vater: wie ich plötzlich vor meinen Kids pro aktuelle Gesellschaftsstruktur argumentiere, wo ich selbst als Heranwachsender voll dagegen war (könnt man wieder ein eigenes Thema draus machen).



Mach ich doch gerne ...

Also ich bin ja im Prinzip immer noch oder schon wieder dagegen. Oder was meinst du konkret mit "Gesellschaftsstruktur"? Du erwähnst die Berufsausbildung deines Sohnes - aber einen Beruf abzulehnen ist ja keine vernünftige Gesellschaftskritik, sondern unreife Dummheit: "Ausbildung, Gesellschaft, alles Scheiße, ich häng lieber einfach nur rum", diese Haltung kann man sich ja nur leisten, solange Papa die Rechnungen bezahlt ...
Dahinter steckt die Noch-nicht-Erkenntnis, dass jeglicher Wert (Geld) nur durch Arbeit entsteht, egal in welcher Gesellschaft. Was übrigens nicht gegen das Grundeinkommen spricht, denn Grundeinkommen bedeutet ja nicht, dass keiner mehr arbeiten würde - aber letztlich muss natürlich auch das Geld für das Grundeinkommen irgendwo durch Arbeit erwirtschaftet werden.

Eigentlich sehe ich auch bei den Jugendlichen heute keine Ablehnung der Gesellschaft, im Gegenteil - die fahren doch total ab auf diese ganze Warenwelt.




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#2

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 19.06.2010 19:21
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

Zitat von Roquairol
"Ausbildung, Gesellschaft, alles Scheiße, ich häng lieber einfach nur rum", diese Haltung kann man sich ja nur leisten, solange Papa die Rechnungen bezahlt ...

Genau das ist der Punkt, genau so war es (nicht nur bei mir, natürlich, aber ich kenn es eben nur allzu gut von der eigenen Nerven- und Geldbeutelbelastung her). Zitat: "Ich find das alles Kacke." Ja, ok, ich find es auch stellenweise "Kacke", aber mir ist auch noch nichts Besseres eingefallen als zu arbeiten, um Geld zu bekommen, um zu leben etc.. Frage nach Alternativen an den Rumhängenden. Antworten (wenn es ihm zwischendrin gelingt, vom PC wegzuschauen): Ja, ähm, Hartz IV oder so. Aha. Hinweis, dass es an ihm liegt, evtl. etwas zu ändern, vielleicht ein neues Konzept zu (er)finden (wie es "anders" gehen könne als mit arbeiten und Geld verdienen: Reiche Hotelerbin heiraten? Etwas erfinden? Vielleicht nach Indien in den Ashram?). Hm, ja. Tipp tipp tipp chat chat chat spiel spiel spiel. "Krieg ich mal dein Auto? Muss kurz in die Stadt". Diskussionen, wo die Kohle eigentlich herkommt. Fristsetzung von wegen Arbeit resp. Ausbildungsplatz suchen, Androhung des Rausschmisses (mach das mal als eigentlich liebevoller Vater, oder gerade deswegen).

Gesellschaftsstruktur meinte ich (@ Teilaspekt Arbeit Geld Existenz) so, wie unsere zurzeit ist: @ Existenz vor allem so, dass man sich diese eben a priori nur halbwegs kommod und menschenwürdig (weiterer Punkt) erhält, indem man arbeitet. Kann ja irgendwann mal anders sein. Ich hätte keine Schwierigkeiten damit, dass meine "Leistung" weitere 20, 100, 1000 ernährt, die nicht können oder wollen, wenn mir selbst ein Minimum bleibt. Aber so ist es nun mal zurzeit (noch) nicht strukturiert bei uns im Ländle und wird sich wohl auch nicht von heute auf morgen ändern. Damit meine ich nicht das Almosen ALG II, weil das zu wenig ist für die Betroffenen.

@ persönlicher "Sohn"-Fall: Nach etwa einem Jahr (indem mir wahrscheinlich wegen des Stresses 5 Billionen Zellen abgestorben sind) fand er selbst seine Wunschausbildungsstelle und ist inzwischen voll im Alltagsgeschehen drin und glücklich, glücklicher als allein in der Stube mit virtuellen Genossen rund um die Uhr (trifft sich mit Menschen IN ECHT etc.). Also ich will ja hier nicht den großen Erzieher raushängen lassen, aber ich sach ma einfach @ Eltern: nicht locker lassen, nicht aufgeben, in diese elenden Jahrmillionen alten Diskussionen reingehen: die Kids brauchen das. Macht man nix, machen die auch nix ("in der Regel"). Man muss einfach dagegenhalten. Ansonsten: gute Nacht.

(Jetzt les ich mal, was Du noch geschrieben hast. ;-))


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#3

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 19.06.2010 19:43
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

Zitat von Roquairol
Eigentlich sehe ich auch bei den Jugendlichen heute keine Ablehnung der Gesellschaft ...

Ah, genau, das war's noch: wären sie wenigstens mal so richtig dagegen! Dann wären sie auch dafür, dass sich was ändert (ist natürlich alles arg pauschal, ist mir klar). Allein dieses Drinhocken und "ich tüdel mir einen vor meinem PC" etc., da könntste die Krätze kriegen. Das ist das, was ich meine, wenn ich sage, ich will gar nicht wissen, wie das weitergeht. Vermutlich so, dass 30 % was leisten (der Begriff ist zu hinterfragen, aber ich schreib's mal so hin), und der Rest schwelgt in Fun und Konsum, da nicht einmal mehr muskulär fähig, den Arsch aus dem Sessel zu heben. Wie schon erwähnt, ich kenne die Notenspiegel und den durchschnittigen Wissensstand z. B. einer 9ten Klasse: durchgängig durch alle Fächer, die unsereins so kennt: von nix keine Ahnung (und die Gefahren: durch Nicht-Wissen manipuliert werden zu können und diese ganze Chose). Übernächtigt durch ICQ et al und zu wenig Schlaf, fallen sie während des Unterrichts einschlafend halb vom Hocker oder zumindest die Köpfe auf die Tische. Und die, die nicht vom Hocker fallen, rauchen saufen drogen mit 12 schon, komasaufen oder prügeln sich. Das ist nicht übertrieben, das ist so, und das ist wahrscheinlich sogar noch schlimmer im ganzen Land, als ich es in meinem kleinen Ausschnitt sehe. Also manchmal, da frag ich mich schon selbst, ob ich nicht flüchten soll. Aber das ist ja auch keine Lösung. Wie gesagt: man muss einfach dagegenhalten: Beschränkung von PC-Nutzungszeiten, Diskussionen über Sinn und Werte, verhindern, dass die Kids sich digital auflösen.


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#4

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 19.06.2010 19:53
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

Also bevor ich gleich weiter Fußball gucke: Das "Problem" der Zukunft (für moderne Gesellschaften) ist nicht nur, dass es evtl. nicht mehr genug "Arbeit für alle" gibt (schlimm genug), sondern aus meiner Sicht noch viel mehr dieses PC-Luschen-Dahindümpel-Dasein der Heranwachsenden, die es gar nicht mehr anders kennen. Und dann überspitz ich das mal eben zum Abschluss: die Demokratie geht kaputt, weil sie keiner mehr wählt (Demokratie? Was ist das? Jo, hatten wir letztens in Geschichte. Hatte ich 0 Punkte, bin während der Arbeit eingeschlafen). Man lebt im Netz, und da ist ja alles bunt & in Ordnung. Ich fahre meine Krücke hoch, und da sind ja meine Freunde. Was machst du grad? Mampf ne Pizza und hab n neuen Highscore bei xy, cool was? Ei klasse, gehste morgen in die Schule?, nee hab Migräne, die Alten sind eh nicht da, die Unterschrift unter die Entschuldigung zieh ich selbst. Okay, bis morgen Abend. Schlaf gut. *smilies*


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#5

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 20.06.2010 11:27
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von Zypresserich
Das "Problem" der Zukunft (für moderne Gesellschaften) ist nicht nur, dass es evtl. nicht mehr genug "Arbeit für alle" gibt (schlimm genug), sondern aus meiner Sicht noch viel mehr dieses PC-Luschen-Dahindümpel-Dasein der Heranwachsenden, die es gar nicht mehr anders kennen.



Ich weiß wovon du redest, da ich u.a. Schachlehrer an einem Gymnasium (im Rahmen der Ganztagsbetreuung) bin und da ständig mit diesen 11-15jährigen zu tun habe, die statt Schach am liebsten nur mit ihren Handys rumspielen würden .....

Eine Ursache dieser Probleme liegt allerdings auch in den Schulen begründet. Im "Spiegel" war neulich ein sehr interessanter Artikel über Pubertät, in dem darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es in der Entwicklungsgeschichte des Menschen völlig unnormal ist, 14jährige Jugendliche den ganzen Tag lang in die Schule zu stecken. Pubertierende Jugendliche wollen aktiv sein, was tun, die Welt verändern - deshalb haben sie noch in der Generation unserer Großeltern in diesem Alter angefangen, zu arbeiten, in der Fabrik, auf der Zeche oder vor der Industrialisierung als Knecht bzw. Magd auf einem Bauernhof. Das war im Prinzip so bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Dann kam der Gedanke auf, man dürfe die armen Kleinen nicht so früh arbeiten schicken, die sollten erstmal ganz viel lernen ... Und jetzt merken wir langsam, dass da was nicht richtig funktioniert.
Einige Schulen machen mit den Schülern in diesem Alter Praxis-Projekte, lassen sie ein altes Haus renovieren oder sowas - das sind ganz gute Anfänge, aber es müsste noch viel mehr sein, länger dauern und klar strukturiert sein.




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#6

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 20.06.2010 11:49
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von Zypresserich
Das ist das, was ich meine, wenn ich sage, ich will gar nicht wissen, wie das weitergeht. Vermutlich so, dass 30 % was leisten (der Begriff ist zu hinterfragen, aber ich schreib's mal so hin), und der Rest schwelgt in Fun und Konsum,



Ich habe auch die Schreckensvision, dass bald eine kleine Elite die Welt regiert, während der Rest der Menschheit auf Hartz-IV-Niveau dahinvegetiert und sich mit Computerspielen und TV-Glotzen beschäftigt.
Das ist auch eine Gefahr bei dem Grundeinkommen nach dem FDP-Modell (es gibt da ja verschiedene Konzepte). Die Neoliberalen wollen mit dem Grundeinkommen die überflüssigen Teile der Gesellschaft ruhigstellen, damit die Elite ungestört ihren Geschäften nachgehen kann. Ich bin aber nicht für Ruhigstellen sondern für Anregen - durch Bildungsangebote usw.




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#7

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 20.06.2010 12:22
von Martinus • 3.194 Beiträge

Zitat von Roquairol

Ich habe auch die Schreckensvision, dass bald eine kleine Elite die Welt regiert, während der Rest der Menschheit auf Hartz-IV-Niveau dahinvegetiert und sich mit Computerspielen und TV-Glotzen beschäftigt.



Da ist was dran. Hartz IV'ler bekommen von der ARGE sehr oft Stellenangebote, die über Zeitarbeitsfirmen abgewickelt werden. Da verdient man nicht viel, und muss vielleicht noch aufstocken lassen, damit die Grundsicherung gewährleistet wird. Da habe ich den Eindruck, man will gar nicht, dass die Leute viel verdienen, es zählt nur, mit allen Mitteln, Hartz IV'ler aus der entsprechenden Statistik herauszuprügeln. Außerdem ist es heutzutage schon was besonderes, wenn ein Zeitarbeitler vom Betrieb übernommen wird. Einmal in dieser Maschinerie drin, dann kommt man sehr schlecht wieder hinaus, oder man wandert aus und hütet Schafe an den Hängen des Psiloritis. Die andere Alternative, arm bleiben und sich um Bildung kümmern und nicht verkümmern am TV oder im Computerspiel.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#8

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 20.06.2010 17:57
von LX.C • 2.679 Beiträge

"Die Welt benimmt sich, wie sie ist – verwahrlost."

(Bereska, Henryk: Kolberger Hefte, Frankfurt a. M./Wien/Zürich 2007, S.64.)


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#9

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 22.06.2010 19:53
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

Zitat von Roquairol
Eine Ursache dieser Probleme liegt allerdings auch in den Schulen begründet ... die armen Kleinen nicht so früh arbeiten schicken, die sollten erstmal ganz viel lernen ... Und jetzt merken wir langsam, dass da was nicht richtig funktioniert. Einige Schulen machen mit den Schülern in diesem Alter Praxis-Projekte, lassen sie ein altes Haus renovieren oder sowas - das sind ganz gute Anfänge, aber es müsste noch viel mehr sein, länger dauern und klar strukturiert sein.

Ja, das ist so "schön" multifaktoriell-komplex, das Ganze, dass man bald gar nicht mehr weiß, wo man den Hebel eigentlich überall ansetzen soll und ihn am liebsten aus Selbstschutz wegwerfen würde (den Hebel). Keiner ist schuld, aber alles trägt bei: Gesellschaftsstrukturelles (da ist es wieder ...) z. B. (ich übertreib mal n bisschen): getrennt lebende Eltern, die beide berufstätig sind, und sofern Kind nicht in der Ganztagsschule, sitzt Kind im Wechsel jeweils alleine bei Vater oder Mutter in seinem Zimmer und macht nix, weil ihm niemand auf die Finger schaut. In der Ganztagsschule verweigert es sich, weil es ein Individualist ist und die Gruppenangebote der Schule nicht annimmt. Die Lehrer haben den Spaß am Beruf verloren, weil sie durch Rabaukentum und Schüleraggressivität selbst am liebsten draufhauen würden (machen sie in Form von Klassenbucheinträgen: er/sie kaut Kaugummi im Unterricht, er/sie unternimmt Täuschungsversuche @ nichtgemachte Hausaufgaben). Die Eltern kriegen Hinweis-Briefe von der Schule (blaue, grüne, gelbe) und wissen nicht, ist ihr Kind das Böse oder sind es die Lehrer? Die Eltern machen sich Vorwürfe: wir können uns nicht richtig kümmern, weil wir die Kohle fürs Fressen und Unterhalt beischaffen müssen. Die Lehrer bitten die Eltern in die Sprechstunde, aber nicht, um über das Kind herzuziehen (manchmal allerdings schon), sondern als therapeutischen Akt für sich selbst (habe ich selbst erlebt), und schnaufen schon durch, wenn sie ansatzweise elterliche Zustimmung hören für ihre eigene Verzweiflung. Die Kids grinsen sich eins, wie die alle hopsen (Eltern, Lehrer, Großeltern), und machen dennoch nichts (und lachen sich über ICQ et al vermutlich stumm smilie-tot).

Also leider schreibe ich das alles aus eigener Erfahrung, und gerade gestern rief mich die Klassenlehrerin meines Jüngsten an, dass er nicht versetzt werde. Das wussten wir schon vorher, allerdings wussten wir trotz aller Nachfrage und Kontrolle und Pipapo nicht, wie sich das alles (Ende 9te, das Früchtchen [was isser aber so lieb]) verstärkt abwärts bewegte: 3 6er, 2 5er. Und das vorab per Telefon. Wer weiß, was nächste Woche alles noch so Niedliches im Zeugnis steht ...

Uuuuh, ich sachs Euch. Dabei bin ich selbst doch eigentlich so "cool", und denke: Naja, das Bildungssystem passt nicht zu meinem Kind, es hat Begabungen eben in anderen Bereichen (Kunst, Musik) usw. usf. Das Schlimme für mich ist, dass man aus dieser Denkerei kaum rauskommt und so ziemlich null Freiraum hat für Eigenes. Naja.

Die machen mich alle noch total fertig.

Übrigens: das oben Erwähnte (Lehrer von wegen Beistand) trug sich so zu: Anfang des Jahres bat mich der Mathe-Lehrer meines Jüngsten in die Sprechstunde. Er eröffnete das Gespräch wortwörtlich so (werde ich nie vergessen): "Ich habe um dieses Gespräch gebeten, nicht wegen Ihres Sohnes, sondern wegen mir. Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll." Dann schilderte er die Zustände in der Klasse und Verweigerungshaltungen der Schüler, und diese ganzen Defizite von wegen "nicht mal die Grundrechenarten" etc. Also: ich kam mir vor, als sei ich der ausgewählte Seelenklempner des Lehrers. Gegen Ende des Gespräches gaben wir uns dann kämpferisch und waren eins @ Da-muss-man-doch-gegen-angehen. Ja, das muss man. Fragt sich nur: wie.


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#10

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 22.06.2010 20:08
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

Also (mal wieder) bevor ich gleich Fußball gucke: ich lese ja viel Sach @ Soziales etc., aber ich frage mich einfach immer und immer: wie kommt/kam es (im großen Ganzen) und was macht man? Zu meinem persönlichen Beispiel: ich habe 3 Kids (23, 21, 15), und nur der Jüngste ist der, der groß wurde als Net-Kid (die beiden anderen kannten es noch anders). Aber nur Internet allein? Kann ja nicht der Faktor sein. An dem Punkt bin ich (und mein Jüngster ist ja nur pars pro toto, anderen geht es ja auch so).


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#11

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 22.06.2010 20:15
von LX.C • 2.679 Beiträge

Mit 23 und 21 kannten sie es noch anders? Schwer vorstellbar. Das hatte dann sicher andere Ursachen als das Net selbst. Da könntest du ansetzen.


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#12

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 22.06.2010 20:20
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

Zitat von LX.C
Mit 23 und 21 kannten sie es noch anders? Schwer vorstellbar.

Ja doch, schon. Die permanente Internetterei war in deren Heranwachsen noch nicht so gegeben (auch noch nicht von der Schule aus, von wegen Hausaufgaben und so), das Dauer-Online alles und jedes. Das kam erst etwas später.

Ich frage mich einfach, was alles die Faktoren sind für dieses momentane "Absteigen" der Heranwachsenden.


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#13

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 22.06.2010 21:29
von LX.C • 2.679 Beiträge

Zitat von Zypresserich

Zitat von LX.C
Mit 23 und 21 kannten sie es noch anders? Schwer vorstellbar.

Ja doch, schon. Die permanente Internetterei war in deren Heranwachsen noch nicht so gegeben (auch noch nicht von der Schule aus, von wegen Hausaufgaben und so), das Dauer-Online alles und jedes. Das kam erst etwas später.




Das ist mir zu einfach. Selbst in meiner Jugend spielten Computerspiele und Internet schon eine bedeutende Rolle. Und ich bin mehr als 10 Jahre älter als dein Ältester.


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#14

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 23.06.2010 00:22
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Hallo - komme gerade vom Griechen nach Hause. Ja, schade! (Heute gab es keinen Ouzo für jedes Tor, aber vorher zumindest einen Ouzo für jede Viertelstunde ohne Gegentor, war auch okay ...)

Ursachen? Ich denke da vor allem an die durcheinandergewirbelten Familienstrukturen. Von meinen Schachschülern kommen die "schlimmsten" in der Regel immer aus einem Alleinerziehenden-Haushalt oder aus irgendwelchen chaotischen Patchwork-Verhältnissen. Wobei ich überhaupt nicht kritisieren will, dass dies heute die Normalität darstellt, es ist nur für die Kinder eindeutig eine psychische Belastung, und wir haben noch nicht gelernt, was man dagegen unternehmen kann.
Vielleicht noch schlimmer wirkt sich die verbreitete Unsicherheit in Erziehungsfragen aus. Die Eltern blicken doch alle nicht mehr durch, woran sie sich orientieren sollen. Sie wollen nicht mehr erziehen wie die früheren Generationen, aber wie dann? Antiautoritär? Oder doch lieber eher wieder ein bisschen autoritär? Diese Unsicherheit wirkt sich natürlich wieder auf die Kinder aus.

Ein Riesen-Problem liegt auch darin, dass den Lehrern in der Schule praktisch jegliche Sanktionsmöglichkeiten genommen worden sind. (Das haben ich schon mal an anderer Stelle geschrieben, glaube ich.) Hier wurde in antiautoritärem Elan erheblich über das Ziel hinaus geschossen, und so haben wir heute die absurde Situation, dass der Lehrer einen Schüler praktisch überhaupt nicht bestrafen darf, jedenfalls nicht "zeitnah". Zu meiner Zeit wurde ein Schüler, der Unsinn macht, gerne für den Rest des Unterrichts vor die Tür geschickt. Selbst das ist heute nicht mehr erlaubt - grotesk! Das Resultat sind dann natürlich Schüler, die einfach machen, was sie wollen, weil ihnen niemand mehr Grenzen setzt.

Was du über die hilflosen Lehrer schreibst, da muss ich an den dänischen Pädagogen Jesper Juul denken, dessen Bücher ich empfehlen kann. Juul vertritt die sehr interessante Haltung, dass die Schule eine Beziehung allein zwischen Kind und Lehrern darstelle, in die sich die Eltern möglichst gar nicht einmischen sollten. Sie sollten auch z.B. dem Kind keinesfalls bei den Hausaufgaben helfen, sondern lieber eine Nachhilfe hinzuziehen, weil ansonsten ganz komplexe psychologische Faktoren ins Spiel kommen könnten (Kind ist schlecht in der Schule, weil es auf diese Weise eigentlich seine Eltern ärgern will etc.). Es fällt den Eltern natürlich schwer, dies konsequent durchzuziehen, aber für den Familienfrieden ist es ungemein förderlich ...




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#15

RE: Gesellschaftskritik

in Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so 23.06.2010 01:52
von LX.C • 2.679 Beiträge

Ja, richtig. Da kann ich dir direkt mal zustimmen. (Passiert ja auch nicht oft :P
Ich bin auch für mehr disziplinarische Maßnahmen in den Schulen. Viele kommen ja dann gleich wieder mit dem Totschlagargument der diktatorischen Verhältnisse, die wir in jeder Form schon hatten. Aber solch Argumente sind aus meiner Sicht Schwachsinn. Kein Mensch bricht sich einen ab, beispielsweise auch Verhaltensnoten, ein ganz einfaches Instrument, wieder einzuführen.
Das hatte zudem den positiven Nebeneffekt, dass bei Bewerbungen nicht nur die schulischen Leistungen herangezogen wurden, sondern auch die Einstellung, die oftmals viel aussagekräftiger ist.
Was hab ich schon alles für hochgradige Zivildienst- und Ausbildungsluschen erlebt. Zu fein Handfeger und Müllschippe in die Hand zu nehmen.


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zuletzt bearbeitet 23.06.2010 09:18 | nach oben springen


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