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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

sitzen

in Lyrik 26.10.2010 10:53
von Krümel • 499 Beiträge

sitzen tränen
auf einer karierten couch
ausharren
nie geflossen
und so vertrocknen sie
ins weich des inneren
zwischen kot
aus längst vergessenen zeiten
und der stoff
vergilbt, verklebt
zudem mit flächen wo nur noch
einzelne fäden leicht verspinnt
sichtbar sind
oder löcher
gleich in den kern zeigen,
zwischen flocken wo die federn
der sitzunterlage bloßliegen
kein rot, kein gelb
und auch kein blau
übrig bleibt
ein verschmutztes grau
ohne feuchtigkeit
kein leben
ohne wasser
keine träne

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#2

RE: sitzen

in Lyrik 26.10.2010 14:33
von Taxine • Admin | 5.896 Beiträge

Wow, Krümel, das gefällt mir. Wunderbare Zeilen.

Nur an einer Stelle würde ich kürzen:

Zitat von Krümel
zudem mit flächen wo nur noch
einzelne fäden leicht verspinnt
sichtbar sind
oder löcher
gleich in den kern zeigen,


Ich würde das "gleich" weglassen, denn es ist überflüssig.

Liebe Grüße
Taxine




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 26.10.2010 14:35 | nach oben springen

#3

RE: sitzen

in Lyrik 26.10.2010 14:34
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Krümelchen,

das Wort - Kot ist hier, irgendwie, fehl am Platze, oder im Text. Denn das Wörtchen zerstört das feine (wohl innere) Stimmungsbild, das du hier so schön gezeichnet hast.
(Meine Meinung.)

zuletzt bearbeitet 26.10.2010 14:55 | nach oben springen

#4

RE: sitzen

in Lyrik 26.10.2010 14:56
von Krümel • 499 Beiträge

Hoppla , damit hätte ich nun nicht gerechnet

Dankeschön sagt Krümelchen

Wäre Mist besser? Ich könnte aber auch einfach einen Artikel verwenden "dem".
Und das gleich könnte ich mit: oder löcher, die ersetzen, aber eine Silbe sollte auch dort schon vorhanden sein, sonst kommt mein Rhythmus aus dem Takt

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#5

RE: sitzen

in Lyrik 26.10.2010 15:01
von Taxine • Admin | 5.896 Beiträge

"oder löcher
tief in den kern zeigen"


Vielleicht. Wenn's aber für den Rhythmus gedacht ist, dann passt es ja wieder.

Ich finde übrigens gerade das Wort "Kot" gut angelegt. Gibt dem Gedicht eine eigenartige Bildhaftigkeit, gerade durch das "aus längst vergessenen zeiten", haut dem Leser gegen die Stirn und sagt: Wach auf. Ich will dich nicht einlullen, sondern dich zum nachdenken zwingen.

Sehr schön geschrieben.
Liebe Grüße noch einmal,
Taxine




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 26.10.2010 15:02 | nach oben springen


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