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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Vandalismus – Gewalt gegen Kultur; Alexander Demandt

in Sachen gibt's - Sachbuch 07.11.2010 13:51
von Jatman1 • 1.115 Beiträge

Genau, das habe ich immer wieder gedacht: Sachen gibt`s.

Es wird auch mit einem passenden Lessingzitat eröffnet.
„Wer über gewisse Dinge nicht den Verstand verliert, der hat keinen zu verlieren.“

Der Begriff allein wird als erstes unter 26 Aspekten (a-z) betrachtet.
Es folgt die Beschäftigung mit Grenzfällen des Vandalismus, wieder in den Punkten A bis Z
Es darf gemutmaßt werden, in wievielen Facetten der Kunstfrevel in der Antike abgehnadelt wird; richtig in den Punkten A – Z
Wer meint, dass es im Mittelalter geringer abginge als mit einer Differenzierung der 26 Punkte A-Z liegt natürlich falsch.
Da will das Kapitel der Kulturopfer in der Neuzeit natürlich nicht zurückstecken: A- Z

Formen und Gründe für Vandalismus müssen sich somit mit allem Selbstverständnis auf die Kriterien A –Z aufteilen.
Der Frage „Sinngebung des Sinnlosen“ ist 26 Merkzeichen wert A - Z
Sieht man sich die Gliederung zum Thema Gewalt in der Kultur an, überrascht einen die Zahl 26 nicht mehr wirklich.
Und auf Seite 271 dann die Enttäuschung: Er stellt nur 9 Thesen auf.

Um die Orientierung nicht zu verlieren, findet man dann einen 15 seitigen Kalender mit Zuordnung von "Höhepunkten" des menschlichen Vandalismus`.
Abschließend sichert ein profundes 20 seitiges Register die Kontrolle über die Vielfalt des Vandalismus.

Ein Sachbuch wie es zu sein hat. Es widmet sich mit unvorstellbarer Tiefe einer Sache, hier dem Vandalismus.

Ich habe ca. die Hälfte gelesen. Über lange Zeit musste ich mich nicht mühen. Wirklich sehr! aufschlussreich und anregend. Für das ganze Buch hat es nicht gereicht. Das Erleben jedoch, wie man sich einem Thema klar begrenzend , zugleich systematisch ausufernd und zugleich verständlich für Laien nähern kann, möchte ich nicht missen. Schmunzeln muss ich jetzt trotzdem. Sachen gibt`s.

Das Buch ist 1997 im Siedler Verlag erschienen.
AlexanderDemandt ist Professor für alte Geschichte an der FU Berlin


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 07.11.2010 13:51 | nach oben springen

#2

RE: Vandalismus – Gewalt gegen Kultur; Alexander Demandt

in Sachen gibt's - Sachbuch 07.11.2010 16:50
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Zitat von Jatman1
Es widmet sich mit unvorstellbarer Tiefe einer Sache, hier dem Vandalismus.


Hallo Jatman, mich würden dazu ein paar Einzelheiten interessieren. Was ist genau gemeint mit: Kunstfrevel als Barbarei? Kulturopfer für den Fortschritt?




Surreale Vorstellungen
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#3

RE: Vandalismus – Gewalt gegen Kultur; Alexander Demandt

in Sachen gibt's - Sachbuch 07.11.2010 17:29
von Jatman1 • 1.115 Beiträge

Zitat von Taxine

Zitat von Jatman1
Es widmet sich mit unvorstellbarer Tiefe einer Sache, hier dem Vandalismus.


Hallo Jatman, mich würden dazu ein paar Einzelheiten interessieren. Was ist genau gemeint mit: Kunstfrevel als Barbarei? Kulturopfer für den Fortschritt?




Er setzt sich mit dem Vandalismus in der Neuzeit auseinander und der Untertitel des Kapitels lautet eben Kulturopfer für den Fortschritt.
Das gleiche gilt für für die Antike: hier der Untertitel Kunstfrevel der Barberei.
Den Inhalt und die Intention habe ich sponatan nicht auf Tasche. Ich habe mal die Gliederungen drangehangen. Vielleicht hilft das schon etwas. Ich hänge nicht an Besitz, auch nicht an Büchern, wenn Du "einsteigen" willst, schick ich`s Dir einfach. Oder mach mich die Woche schlau und lese es einfach nochmal.


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 07.11.2010 17:31 | nach oben springen

#4

RE: Vandalismus – Gewalt gegen Kultur; Alexander Demandt

in Sachen gibt's - Sachbuch 07.11.2010 18:10
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Ah... vielen Dank. Ich hab's mir mal bestellt, da ich das Thema allgemein spannend finde. Menschen, die im Wahn, Ekel, aus Vernunfts- oder Moralgründen oder für den Fortschritt auf die Kunst losgehen, die ihre Zeit ausdrückt, um durch Zerstörung für eine nächste Generation nicht mehr erhalten zu sein, was die Geschichte auch in dieser Form verfälscht, weil wichtige Zwischendetails, vielleicht Bild-Skandale fehlen oder doch verändert zurückbleiben.
Allein die Zerstörung wichtiger Kulturstätten, von Gebäuden, Skulpturen, Bildern u.ä. in irgendeinem wahnsinnigen Krieg nötigt mich häufig in den Ausruf: "Diese Kunst- und Kulturbanausen!" Dabei sind's dann einfach Menschenleben-Banausen, denn sicherlich ist die Zerstörung an Kunst nicht ganz so bedeutend tragisch wir der Tod etlicher Menschen, die Zerstörung etlicher Häuser... usw. Aber man schüttelt eben trotzdem den Kopf, dass nicht Halt gemacht wird (obwohl es vielleicht noch perverser wäre, wenn Menschen sterben und ausgerechnet die Kunst verschont wird).
Jedoch ist es durchaus ein Irrsinn, dass für bestimmte Gesellschaftsumstrukturierungen dann eben auch Werke vernichtet und zerstört werden, weil sie einfach nicht mehr in die Zeit passen oder in die Pläne der Mächtigen, die der Zukunft ein anderes Bild überliefern wollen.

Rembrandts Nachtwache musste auch dran glauben, wurde an einigen Stellen mit dem Messer zerschnitten und für die perfekte Hängung dann an der linken Seite ganz und gar beschnitten, so dass die zentrierte Mitte aus den Fugen geriet.
Das erscheint schlimmer als die heute so allseits beliebte, dekorative Kunst, die farblich so schön zum Sofa passt, und doch in der Zeit nichts anderes gewesen ist. Passt nicht an die Wand? Na, dann schneid' halt die linke Ecke einfach ab. (Leicht übertriebene Darstellung!)




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 07.11.2010 18:17 | nach oben springen

#5

RE: Vandalismus – Gewalt gegen Kultur; Alexander Demandt

in Sachen gibt's - Sachbuch 07.11.2010 18:53
von Jatman1 • 1.115 Beiträge

Kunst ist ja immer ein Stück Aushängeschild (und wenn noch klein)der Zeit, in der sie entsteht; verkörpert sie also. Und neue Zeiten verkörpern etwas anderes und meist nichts Gleichberechtigtes sondern etwas Besseres. Somit besteht das vermeintliche Recht, das Bessere noch nachdrücklicher zum Ausdruck zu bringen in dem man das "Schlechtere" oder "Falschere" schleift.
Was mir hängengeblieben ist, dass man ein Blick dafür bekommt, wieso Vandalismus auch eine Art Kultur sein kann. Diese Gedankengänge fand ich interessant. Hatte ich so noch nicht gelesehen bzw. gesehen. Ebenso wird Vandalsimus auch "verständlicher". Es sind eben nicht immer Banausen und Ignoranten, die zerstören. Motivation und Ausübung befinden sich in einer komplexen Mengenlage. Die zu beleuchten schafft das Buch. Es gibt jedenfalls Anregungen dahingehnd, dass auch beim Vandalismus wie es IMMER gilt: Es ist vieles anders als es scheint und NIE! so einfach. Gut und Böse gibt es nicht.
Na, da habe ich ja den Bogen wieder schön zu Dostojewski hinbekommen


www.dostojewski.eu
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#6

RE: Vandalismus – Gewalt gegen Kultur; Alexander Demandt

in Sachen gibt's - Sachbuch 07.11.2010 19:07
von Jatman1 • 1.115 Beiträge

Den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Die Rückseite des Buches bringt es freilich auf den Punkt:

"Gewalt gegenKultur findet sich überall, wo es Kultur gibt. Die Täter stammen aus allen sozialen Schichten: Könige und gemeines Volk. Feldherren und Städteplaner. Kleinbürger und revolutionäre Weltverbesserer. Es gibt den Vandalismus von unten und den von oben, den aus Ignoranz und den aus Berechnung, die Einzeltat und den Massenrausch."


www.dostojewski.eu
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