Literatur im Jetzt als Unterhaltung
Kennt man ja, die Abende, an denen man sich nicht so konzentrieren kann.
Eigentlich bedarf es dazu auch keinen Grund, explizit darauf hinzuweisen, dass hin und wieder auch Literatur ganz gut tut, die einfach dahinplätschert, etwas erzählt, vielleicht den Leser gut unterhält oder ihn gar zum lachen bringt.
So ein Buch wäre z. B. Steinunn Sigurdardóttir mit "Gletschertheater". Auf die Autorin bin ich nur gekommen, weil mir ihr Name gefallen hat. Sie gehört zu den bekanntesten isländischen Autoren und besticht durch ihre Sicht auf die Gletscher.
Wir trafen auf polnische Outdoorfreaks, Mann und Frau, die in sechs Tagen den Gletscher überquert hatten, die ganze Zeit in dieser Hitze. (…) Sie sahen aus, als seien sie kontinuierlicher religiöser Erleuchtung ausgesetzt gewesen.
Wenn man also eine Vorstellung davon gewinnen will, was passiert, wenn leicht beknackte Isländer auf die Idee kommen, Tschechows "Kirschgarten" als Theaterstück aufführen zu wollen und die Rollen, auch die weiblichen, mit männlichen Darstellern zu besetzen, wer auf - aus dieser Idee resultierende - völlig verrückte Projekte stoßen möchte, wie den überteuerten Neubau eines eigens zum Gedenken Tschechows errichteten Theaters auf einem Gletscher, einer Neuübersetzung durch einen alkoholkranken Russen, der sich eigentlich umbringen wollte (wo die Vorbedingungen allgemeiner Übersetzungen sowieso nicht gerade rosig waren, ein anderes Stück dem Dilemma unterlag:
... dass die isländische Übersetzung des Werks über weite Strecken besser sei als das Original. So etwas duldeten die höchsten Mächte nicht.
... wer also schmunzeln und den Geist nicht allzu sehr belasten möchte, der lese ruhig einmal dieses Buch.
Im Grunde dient das Theaterprojekt natürlich der Menschenfreundlichkeit und Nächstenliebe, und zwischen aller Verrücktheit zeigen sich die Menschen, wie sie eben sind. Isländer, Russen, ein schief angesehener Schwarzer, kampflustige Gesellen, Namen, die in etwa genauso leicht über die Zunge gehen, wie der der Autorin, Menschen also, die alle miteinander auf einmal ausgerechnet durch Tschechow verbunden sind.
Kunst kommt von Können. Ob Kunst hier gelingt, wird das Buch zeigen. An den Figuren soll es nicht scheitern, zumal zuvor mit "Hamlet" große Erfolge gefeiert wurden.
Zitat von Sigurdardóttir
Was soll man dazu sagen? Der „Sein oder nicht sein“-Monolog von Marteinn Jökull vor seinem Beinbruch war einfach phänomenal. Wie der Mann es schaffte, diese zentrale Frage in unser aller Leben, die wir es wohl in der Mehrzahl vorgezogen hätten, nicht zu sein, auf den Punkt zu bringen.
Leider ist jener Könner bereits gestorben und zurück bleiben all die, die eher dem "nicht" zugeneigt sind.
Ich nehme an, danach wird man sofort Gefallen daran finden, Tschechows "Kirschgarten" noch einmal zu lesen. So verbindet sich die Moderne mit der Vergangenheit.
Ja, war etwas aus dem Zusammenhang gerissen, das Zitat. Habe es gerade verdeutlicht. Zuerst war es "Hamlet" und danach Tschechow.![]()
Ich korrigere sowieso immer erst hinterher und wohl etliche Male, weil ich den Beitrag als "gespeichert" einfach besser überfliegen kann. Da kann es dann schnell passieren, dass aus dem Verknoteten irgendwann auch ein richtiger Text wird. Die Frage ist nur, wie lange es dauert. 
Bei meinen darf man ruhig zwei Stunden draus machen. 
Zitat von Taxine
Sie gehört zu den bekanntesten isländischen Autoren und besticht durch ihre Sicht auf die Gletscher.
Wir trafen auf polnische Outdoorfreaks, Mann und Frau, die in sechs Tagen den Gletscher überquert hatten, die ganze Zeit in dieser Hitze. (…) Sie sahen aus, als seien sie kontinuierlicher religiöser Erleuchtung ausgesetzt gewesen.

Ist "DAS" in dem Buch dann durchgehende und sich fortsetzende Weisheit?
Nur fast, aber der Satz ist so schön... 
Es geht auch um das Auflösen der Grenze zwischen Weiblich und Männlich, eine Entsexualisierung, um die Rollen an die Menschen und die Menschen an die Rollen des Tschechow'schen Stückes anzupassen. Und um den Suff - vielleicht ein Klischee, dass alle Russen dem Vodka verfallen sind? 
Und es geht um schwule Regisseure...
Und um die Liebe.
Und um die Über-Liebe.
Und um die verrückten Isländer, dieser Clan an Für-sich-Sein. 
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