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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Philosophie der eigenen Kunst

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 15:21
von Taxine • Admin | 5.886 Beiträge

Sollte man nun darüber reden oder einfach wirken lassen, das Bild, das Werk für sich sprechen lassen?
So schwierig dieses Zerrissene, wo die Aussage dem Bild doch immer innewohnt, wo doch der Betrachter nur in seinen eigenen Weiten erfassen kann?
Ich finde es zu einfach, nicht über seine Kunst zu reden. Das Bild spricht doch sowieso für sich, doch der Hintergrund, das Wesen der Kunst und auch der Künstler selbst muss ebenso ins Wort gefasst werden können, ein Hinweis darauf, aus welcher Intention heraus man schafft.
Alles mit dem Verstand erklären darf nicht sein, alles nur mit dem Gefühl zu bestimmen, weckt schwammige Blicke. Im steten Ausgleich Verstand und Gefühl kombinieren.
Einfach darauf hoffen, dass der Betrachter schon interpretiert, ist eine Sache, doch auch die Möglichkeit, das Dahinter angeben zu können, bleibt mir ein Muss.
Das Denken in meiner Kunst: eine Leinwand, ein Betrachten. Danach Taumel und ein Sprung in die Farben, hineingetaucht. darin zerflossen. Die Idee, zunächst abstrakt, nur in Umrissen. Durch die Welt gelaufen, ein Hin- und Herrollen, Wälzen von Gedanken.
Und ohne Vorahnung auf einmal überwältigt. Sturz an die Leinwand, Entfaltung und Verarbeitung. Völlig unabhängig von Zeit und Raum. Das Außen völlig ausgeschlossen.

Erst nach dem ersten Rausch ein Durchatmen. Danach die Verfeinerung.

Über Welten gewandert, auf Regenbögen balanciert, über Städte geflogen, in Abgründe geblickt, in Musik aufgegangen, in Empfindung aufgelöst, über Horizonte geschwebt.
Kunst geatmet, erblickt die Weiten... Erblickt das Unmögliche. Das Nicht-Fassbare.


Und nun zur "Philosophie" meiner Kunst, nicht nur der Schritt an die Leinwand, das Umsetzen, ein bisschen "Kunst" - Vorgang, vielleicht die Inspiration, auch etwas von dem Wesen, das sich bereits abzeichnet, bevor man zum Pinsel gegriffen hat.

Die Entstehung der Idee. Was muss es fassen, dieses Bild, aus dem heraus man sich die Welt erklärt?
Sphäre - Atmosphäre, Tiefe, Vielschichtigkeit.
Das Bild muss Welten bergen, ohne Schwere. Kein komplizierter Gedanke und keine poetische Weltsicht in dieser überdeutlichen Offenkundigkeit. Nur ein Schwingen in der Betrachtung. Nur Andeutungen.
Und auch nicht einfach ein Motiv, für sich stehend, eingefangen und so zum Stillstand gebracht, ohne Fluss an Emotion. Immer Bewegung, Intensität nur in der Betrachtung. Kein Aneinanderreihen von Mustern.

Der Maler, der mit Meerwasser das Meer malt.
Empfundene Kunst?

Was zurück bleibt muss in die Phantasie führen, den Menschen wenigstens für Augenblicke im Vorbeigehen bremsen.

Ein Anfang meiner Philosophie...




Surreale Vorstellungen
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#2

RE: Philosophie der eigenen Kunst

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 15:27
von Ferro
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Liebet Taxinchen,

(manchmal könnte ich dich einfach nur in die Arme schließen)
Diese Gedanken, der Kampf des Künstlers, na... immer hinterfragen, kann ja nicht so verkehrt sein.
Für mich immer ein schöner Nebeneffekt, wenn ich ein Bild betrachte, davon begeistert bin und den Künstler herantreten kann, um ihn zu fragen, aus welchen Gründen heraus er gemalt hat.
Wer hier ausweicht oder von vorne herein ablehnt, mir eine "winzige Antwort" aus dem großen Kosmos der Denkweise eines Künstlers zu geben, der weckt den leisen Verdacht, den Sinn seiner Bilder nicht zu kennen.
Wenn ich natürlich die Bilder des Künstlers mag, bleibt die Philosophie dahinter letztendlich nur ein Teilbereich, der, wenn der Künstler eben nicht darauf eingehen kann, trotzdem seinen Wert aus der Betrachtung zieht.


Aus dem Bild ziehe ich mein Eigenes... Der Künstler dahinter kann Enttäuschung, wie auch völlige "Offenbarung" sein.

Dein Anfang gefällt mir...
Lieben Gruß
Ferro

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#3

RE: Philosophie der eigenen Kunst

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 15:28
von Taxine
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Hallo Ferro,

ich hatte gerade eine Diskussion mit einer Künstlerin, deren Bilder ich sehr mag. Sie sprach davon, dass, desto älter sie wird, das Wort immer unwichtiger für sie wird. Das gab mir zu denken. Hier steht das Bild und spricht für sich selbst, der Künstler dahinter kann lächeln.
Nur, mir reicht es eben nicht.
Ich liebe das Wort und die Kunst, und wenn jemand eine Frage zu meinem Bild hat, soll ich dann antworten? Oder soll ich stehen und in mich hineinlächeln?
Das Bild spricht doch immer für sich, nur ist es schade, wenn der Künstler sich nicht erklären will, weil auch darin etwas menschlich Schönes liegt. Ein Bild nicht zu erläutern, wenn man darauf gestoßen wird, zeigt nicht Überlegenheit, sondern Überheblichkeit, und statt ein Geheimnis zu beinhalten, wirkt es, als ob der Künstler nicht fähig ist, seine eigene Kunst ins Wort zu fassen. Ja, so sehe ich das auch. Was an Tiefsinn auch immer hinter so mancher Stirn schlummern mag, so kann man doch nicht in die Köpfe hineinsehen. Und auch ein Bild ist nur soweit zu deuten, wie es der Betrachter mit der eigenen Erfahrung und Sichtweise vermag. Also nie völlig, nie in ganzem Ausmaß.
Das Gefühl vor einem Bild ist eine Sache, doch trotzdem muss es sich mit dem Verstand immer die Waage halten.
Was hätte wohl Beuys ohne Philosophie dahinter gemacht oder Kandinsky???
Die Leute hätten nie begriffen...

Sei gegrüßt
Taxine

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#4

RE: Philosophie der eigenen Kunst

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 15:28
von Ferro
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Ach... liebes Wesen,

wenn ich in deine "Nähe" komm, ich werd' dir allen Zweifel austreiben!

Das Kunstwerk, das spricht, ohne dass es manchmal der Künstler selbst steuern kann. Da schlummert ein Talent, dass bestimmte Sachen zum leuchten bringt, ohne Mutmaßung, einfach in der Wahl der Farben.
In dir steckt diese ganze wundervoll poetische Welt, die sich in deinen Bildern offenbart, wie auch in deinen Texten.
Darum, Taxinchen, nie in Frage stellen, und wenn schon, dann nicht irritiert daraus hervorgehen.
Gefühl und Verstand, in der Kombination übrigens immer eine Macht.

In diesem Sinne
sei gedrückt
(in deiner Skala an Smilies fehlt der, der zu einem Herz heranwächst)
Ferro

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#5

RE: Philosophie der eigenen Kunst

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 15:28
von Taxine
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LieBester Ferro,

nein, es sind immer nur Überlegungen, nicht Unsicherheiten, obwohl vielleicht so manche Überlegung eine kurze Unsicherheit birgt.
Man weiß ja irgendwo immer, was man will. Ab einem bestimmten Alter wird es da einfacher.
So manch einer redet davon, dass man Kunst und Philosophie nicht trennen kann.
Und doch kann man es trennen, denn das eine beschäftigt sich mit dem "Ins-Wort-Fassen" und das andere mit dem Drang, einfach zu malen.
Man kann hier durchaus unterscheiden, wie ich finde.

Aber, was ist es, dass den Menschen an die Leinwand/in die Kunst treibt? Dass er auf weißem Grund, in Material und Stoffen die Seele entdeckt, ein Muster, eine Zusammenfassung seiner Gefühle, seiner Gedanken?
Gelesen in Büchern, geformt aus Ideen, hervorgehoben aus Träumen, zusammengefasst in Alltäglichem. Immer wieder treibt es einen, aus tiefstem Drang zum Schaffen.
Ist gerade das etwas, was Mensch und Künstler unterscheidet?
Der, der sitzt und nachsinnt, über sein Schaffen, wird vielleicht weniger schaffen, doch wesentlich mehr schöpfen...

Es ist immer dieses Hin-und Her, das einen lebendig hält.

Liebe Grüße
Taxine

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#6

RE: Philosophie der eigenen Kunst

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 15:29
von Taxine
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Man kann diese Momente durchaus in Welten teilen. Einmal malt man nur, dann kommt die Phase des "aus dem Geist und der Welt schöpfen", dann kommt die Frage der Umsetzung. Dazwischen kracht Alltag und Lärm. Dann kommt das tiefe "In-sich-Gehen", danach direkt das Denken. Schließlich bleibt, wie Kaffeesatz, nur noch die Idee zurück.
Niemand rennt einfach an eine Leinwand, ohne vorher von einem Drang dagegen gestoßen zu werden, und wenn, dann sollte man diesen Zustand vielleicht hinterfragen.
Einfach Farben klatschen und sehen, was passiert, wäre zu einfach. Doch für einen anderen Menschen ist das vielleicht schon die Erfüllung. So unendlich steht hier die Weite...


Der Künstler neigt in alle Weite, ja...

Manchmal läuft er, versunken in einer Art Nebel, wo die Welt außen vor bleibt, wo das Blindgewordene wenigstens noch sich selbst zu erkennen vermag, und mit einem gewaltigen Schlag erwacht er aus diesem Trott, aus diesem selbst erschaffenen Abgrund.
Steckt man in diesen schlammigen Spuren, bedarf es wohl hin und wieder einer bitteren Lektion, um solches Blendwerk zu verscheuchen. Denn, gerade der Künstler, der umgeben von sich selbst steht, neigt zur Verbitterung und Verachtung.

Man könnte ein Zitat von Hemingway schön umwandeln:

Zitat von
Die wahre Kunst ist so verdammt selten,
und der Künstler macht damit hin und wieder so schlechte Zeiten durch,
daß er verbittert wird oder überheblich,
und dann nutzt sie nicht viel.


Und trotzdem gibt sie mehr, die Kunst:
Was schafft sie an Wärme
bis weit in die Ferne,
wenn Lärm so bedrängt
auf Atmung sich senkt.
Die Kunst auch Watte,
wenn sie umschatte
dies zarte Wesen,
das da mal gewesen,
das immer noch ist,
der Künstler mit List
sich selbst überwindet
den Geist so schindet
sein Herz hier bindet,
und Neues erfindet.

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#7

RE: Philosophie der eigenen Kunst

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 15:30
von Moulin
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Bis vor einiger Zeit glaubte ich, die Ausübung der Kunst liege im Schaffen eines Kunstwerkes.
Inzwischen ist mir klar, dass ich die Kunst ausübe, indem ich sie lebe.
Daher bedarf es keiner Erklärung zwischen Künstler und Liebhaber. Wichtiger wäre das gemeinsame Teilen eines Augenblicks in dieser Kunst.

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#8

RE: Philosophie der eigenen Kunst

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 15:30
von Taxine
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Kunst leben. Leben schätzen. Schätze sammeln. Sammlung lieben. Liebe verbreiten. Breite erweitern. Erweiterung ohne Grenzen. Atmung aus voller Brust.

Auch eine Art Kunst, nicht wahr?

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#9

RE: Philosophie der eigenen Kunst

in An der Kunst orientierte Gedanken 16.08.2007 15:30
von Moulin
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Nach acht Stunden in der Kunstlosen Welt ist mir das noch klarer..!

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