Nocturne
Für Y.
Nocturne
Spielst du mir ein Nocturne
von Frédéric Chopin?
Deine Hände zart
die Tasten streicheln.
Du liebst den Flügel.
Du breitest deine Arme aus,
sie umfassen mich
wie schützende Flügel.
Du streichelst mich wie das Elfenbein,
in meinem Herzen eine Melodie summt.
Du sagst, ich bin dein,
und meine Lippen hängen an deinen Knospen.
Die Lust schwillt, wir wiegen uns im Takte.
Du liebst den Flügel, der für uns spielt.
Deine Zauberhände zart,
uns in die Träume wiegen.
mArtinus
Ausbauen könnte ich das schon, Zyp, bloß, in diesem Fall, in diesem Vers wollte ich dann doch lieber der Fantasie des Lesers einen Spielraum lassen. Ein noch wichtigerer Grund ist, ich hatte ein bestimmtes Nocturne von Chopin und eine zarte anmutige Pianistin im Hinterkopf, deswegen ich hier nicht dick aufgetragen konnte, weil es nicht zur Musik passt. Ich meine, natürlich kann ich auch anders schreiben, wenn es passt. Wenn ich Berlioz' Symphonie Fantastique oder Wagners Walkürenritt als Motiv für ein Gedicht hernehmen würde, dann sähe die Lyrik natürlich ganz anders aus, und es würde dein Geschmack besser treffen. Vielleicht ein andermal. Danke für die Anregung.
Ja, schon klar, ist ja auch gut so, wie es ist. Ansonsten schwebt mir da grad Variante B vor: Fußnote am Ende der zitierten Zeile, und dann zum Schock des Lesers eine deftige Szene, oder noch besser, eine ganze Geschichte. Naja, meine Fantasie geht grad wieder mit mir durch. 
Berlioz wäre auf jedenfall interessant, weil seine "Symphonie Fantastique" Programmusik ist, und er in eine Dame unglücklich verliebt gewesen war. Das wäre als Motiv wirklich spannend. Da mach ich was draus, muss aber erst noch recherchieren. Good idea.
Jo hau rein. Überlege gerade, weil mir die Schlichtheit und dennoch Deutlichkeit des Textes so gefällt, wie man das z. B. mit Damasio verquicken könnte. So à la Wahrnehmung lyrisch zuerst und dann ne Fußnote und dann noch eine dazu @ Wissenschaftlichkeit LOL und schon ist die Lyrik kaputt. Aber dann wäre man ja wieder bei David Foster Wallace' Unendlicher Spaß, dessen Lektüre ich unbedingt jedem empfehle (nach wie vor). Also Wahrnehmung lyrisch und dann zerpflücken bis in die Synapsen rein, meine ich. Bild knallt in Hirn und dann etc.
Ja. gute Idee. Man schreibe harmlose Verse á la Eichendorff in romantischer Schlichtheit, aber da Neuronen Assoziationen feuern, kann so ein Gedicht durchaus allmählich in eine Fantasmoorgie ausufern, indem der Autor Assoziationsketten aufschreibt. Die anmutige Lyrik dahin, aber dafür moderner, eine Art Bewusstseinsstrom o.ä.
Symphonie Fantastique
Ja, ich stimme für Assoziationsketten. Man kann ja einen Text so stehen lassen, wie er ist, natürlich. Aber die Aufsprengung mittels Fußnoten - Weiterführung - Zerhackung hat auch was. Wahrscheinlich bin ich inzwischen verseucht nach Wallace-Lektüre, keine Ahnung. Oder man schreibt gleich den ganzen Text so, dass ihn niemand versteht, also komplett assoziativ, wie z. B. Rimbaud. Versteht ja keine Sau, kann man auch nicht verstehen, muss man auch nicht. Also beim Lesen von Das trunkene Schiff von Rimbaud frage ich mich z. B. immer wieder a) musste das geschrieben werden b) warum lese ich das eigentlich? c) wieso wurde das gedruckt und ging in die Annalen ein? Aber lesen tue ich es trotzdem. Es leben der Assoziationsfluss und das Nicht-Wissen.
Zitat von Zypresserich
Es leben der Assoziationsfluss und das Nicht-Wissen.
Es gibt da irgendeinen schrägen Text von Beckett, der allein von den Assoziationen des Lesers lebt. Ein Freund hat mir den mal zum Lesen gegeben und gefragt, wie ich den interpretieren würde - ich meinte, es sei eine recht trockene Beschreibung antiker Statuen. Mein Freund dagegen hielt den Text für die deftige Schilderung eines Sexualaktes ... Jeder nach seinem Geschmack halt. Leider weiß ich den Titel nicht mehr. 
Ich habe mal die erste Seite von Becketts "Molloy" gelesen und dann das Buch wieder zugeklappt. Der Text ist auch wie eine Assoziationskette. Ich hatte nichts verstanden, darum nicht weitergelesen.
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