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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Das Leben ist gut...

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 16.08.2007 16:24
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

... sagt der Mensch, der für sich erkannt hat. Und er hat recht. Er weiß um die Fülle seiner Seele.
Doch es ist zu einfach, es reicht nicht aus, sich nur auf sich selbst zu berufen, und die anderen ihrem "Elend" zu überlassen. Es reicht nicht, dass man vergnügt aus sich selbst spaziert, wenn man sieht, wie andere sich quälen.
Zeichen setzen. Doch wie? Immer die Frage:
Rebellion im Augenblick oder für die Zeit?
Steht man zwischendrin und will verändern, bewirkt man nur eine kleine Bewegung, wobei jede Rebellion später als Trend verkauft wird. Man verändert ein bisschen Umgang und Gesellschaft, und dass zwischen all denen, die auf ihren eigenen Jammerhaufen hocken und belächeln oder tot vor sich hinstarren. Doch das Erforschen an Verstehen, was er ist, dieser Mensch, ein weitergegebenes Wissen, bleibt eine Rebellion für größere Zeitentwicklungen. Kein schnelllebiges kurzes Empören, ein langsam aus dem Kern der Dinge Erforschen.
Aber auch hier nun ein Trend. Die Philosophie als Rap-Version, ein Weiterschweifen und Irritieren und Auseinandernehmen der Möglichkeiten und Erklärungsversuche. Und auch ein immer weiter ins Detail Denken, statt mehr Weite zu schaffen. Lieber ein Objekt der Begierde bis ins Kleinste auseinandernehmen, als nach neuen Mustern zu suchen. Überhaupt sind wir umgeben von Mustern. Dazwischen läuft man in seiner Selbsterkenntnis.

Menschen, die sich vom Außen leiten lassen, sind manipulierbar, sind nur noch Struktur eines Gesamten, Größeren. Sie lassen sich ködern, weil sie sich nur an äußere Dinge klammern, weil sie glauben, dass sie Zufriedenheit erreichen, wenn sie etwas in "Besitz nehmen". Die Angst davor, diesen Besitz wieder zu verlieren, treibt sie an. Ein ewiger Kreislauf aus "sein eigener Sklave sein". Menschen, die sich von ihrem Inneren leiten lassen, sind skeptisch. Das Bewusstmachen der eigenen Wirklichkeit in sich selbst birgt die Zufriedenheit. Die Befreiung kann nur hier entstehen und führt zu einer Ahnung von Freiheit. Man steht mit festem Bein in der Wirklichkeit und lässt sie auf sich wirken, ohne sich mit ihr zu bewegen, und wenn, dann nur langsam.

In einer Gesellschaft, in der alles rast, in der Information und Manipulation den Ton angeben, bleibt die Emotion auf der Strecke, ja, fast gilt sie als verpönt.
Aber, wie könnte man peinlich berührt sein, weil man Gefühle hat? Wie könnte man sich seiner Zufriedenheit schämen?
Es ist lächerlich, hier beeinflussbar zu sein.

Wichtig bleibt, immer zu wissen, was man will. Stimmen können Wegweiser sein, dürfen aber nicht so beherzigt werden, dass man sich selbst darin verliert. Was den Schritt erschwert, ist nicht gut, selbst wenn alle anderen mit schweren Steinbrocken am Bein laufen.

Die Lösung:
Es wird wieder Zeit für eine
REBELLION IM WORT UND BILD

Eine Möglichkeit:
REBELLION DER POESIE

Wie wäre es, wenn dazwischen sich eine ganz neue und doch auch sehr alte Sprache erhebt? Wenn das kalte Wort wieder in warmes Empfinden und Bilder getaucht wird? Nicht mehr in Abkürzungen sprechen, sondern wieder überlegt, voller innerem Feuer. Ein harmonisches Sein, mit sich selbst im Reinen? Dieser Gang durch die Welt muss aus seiner Zackigkeit getrieben werden, muss wieder schwingen, leicht und nicht mechanisch erfolgen. Der ganze elastische Geist muss wieder gewandelt und entknotet werden. Schrecklich diese Pole an Wissen und Informationsaufnahme.
Und auch im Bild umgesetzt:
Es geht darum, die Seele darzustellen, nicht das Elend, nicht das moderne Flitzen ins Nichts. Ruhe muss her, wo der Schlaf nur noch zur Aufladung des Körpers taugt. Stille muss her, zwischen den Lärm an ratternden Köpfen. Das langsam einfrierende Bild, in dem nach und nach die Bewegungen immer mäßiger werden. Ein kurzes Verharren, um dann wieder ganz vorsichtig weiterzugehen.

Die Empörung allein reicht nicht aus. Das Deuten auf eigene Zufriedenheit reicht nicht aus. Hier müssen ganz andere Maßnahmen ergriffen werden...

Zweite Möglichkeit:
DIE REBELLION DES SEHENS
Es muss sichtbar gemacht werden, dass das Leben ein einfacher Ablauf ist, kein komplizierter oder gar schwerer.
Das Leben ist gut!
Das Leben ist schlecht.
Man muss überhaupt aufhören, in Unterscheidungen zu denken, denn was für den einen gut ist, muss nicht auch für den anderen gut sein. Verschiedene Ansichten von leichten oder schweren Schritten. So viele bevorzugen diese Selbstmarter.

DAS LEBEN IST.

Einfach gesagt, schwer zu verstehen.

Hier muss ich doch noch etwas dazu sagen, denn, ich arbeite ja selbst in einer Werbeagentur und bin ebenso Teil des Manipulationsapparats. Natürlich entscheide ich mich aber, für welche Produkte ich werbe, hinter denen ich stehen kann, da herrscht Einklang und Vereinbarung mit mir selbst und mit meinem Denken.

Ich klage diese Manipulation auch nicht direkt an, ich sage nur, dass sie Teil der Gesellschaft ist, wobei der Mensch, der sich manipulieren lässt, weitaus wackliger steht, als die, die manipulieren. Es herrscht ein erstaulicher Boom, in welchen Bereichen man den Menschen beeinflussen kann, selbst mit dem Hunger von Kindern und der Tierquälerei wird Geld verdient. Aber, das ist nun einmal die Marktwirtschaft, die Gesellschaft des Spektakels.
Der "Manipulationsoperator", der sich die Gesellschaft zueigen macht, ist weitaus radikaler und gewaltiger, als wir uns das vorstellen können, es fängt zum Beispiel schon da an, wo der Mensch denkt, er müsste sein Leben lang für den Staat schuften, es beginnt in den Zeitungen, die uns ihre Halbwahrheiten entgegenschleudern, es fängt da an, dass die Nachrichten nicht das sind, was wir glauben. Sie alleine dienen nicht der Information, sondern der Manipulation.
Wenn man sich vor Augen führt, dass alle Bereiche wie Medien, Politik, Marktwirtschaft, selbst die Filmindustrie in den Händen eben dieser Wirtschaft liegt, also durch sie bezahlt und so auch automatisch von ihr bestimmt wird, dann wird einem bewusst, wie absurd die Hoffnung auf wirklichkeitsgetreue Informationen und ehrliches Engagement am Menschen selbst (am Wohlergehen des Volks) ist. Hier ist der Mensch ebenso Produkt, wird gelenkt und geleitet. Alleine der Modetrend bestimmt schon, wie man zu laufen hat, und anstatt sich gegen das Lemmingeverhalten zu empören, freuen sich die Menschen, dass sie MIT DER MODE GEHEN.

Ich werde das noch verdeutlichen...

Darum bringt es auch in erster Linie nichts, auf die Straßen zu gehen und zu rebellieren. Man muss aus den Tiefen tauchen, also im "Untergrund" arbeiten, in einem scheinbar (denn wer könnte das schon sicher beweisen) freien Feld agieren, wie in der Poesie (nicht zu verwechseln mit der Literatur).
Hier geht es nicht um gewaltvolles Eingreifen in ein System, das bodenfest und unangreifbar steht. Wer so viel Macht besitzt, andere Menschen in die jeweilige Richtung, die nötig ist, zu lenken, der wird sich nicht von einer kleinen Stimme beeinflussen lassen. Wer eine Politik der Lügen schafft und den Menschen vor die Wahl stellt, zwischen Lügen zu wählen, was dieser auch bereitwillig tut, lacht über die ihm entgegen gerichteten geballten Fäuste.
Wenn niemand mehr wählen gehen würde, dann wäre ein erster Schritt gegangen, denn dann müssten sich die Politiker erklären, weil sie doch sowieso über unsere Köpfe entscheiden, mit wem sie Koalitionen bilden und regieren. Sie müssten erklären, wie sie einen Zusammenschluss bilden können, ohne dass das Volk entschieden hätte. Es wäre auf einmal offensichtlich, dass die Entscheidung IMMER ohne die Meinung des Volkes getroffen wird. Die Wahl ist ein nettes Kopfstreicheln, eine Ablenkung, eine Illusion, die dem Menschen zeigen soll, dass seine Stimme wahrhaftig etwas bewirkt. Es ist ein Kleinhalten, damit die Menschen nicht auf die Barrikaden gehen.
Aber, solange sogar der moderne (hippe, coole,geile, fette) Moderator im Fernsehen (z. B. bei Viva) das Wählen preist, zum Wählengehen aufruft, wird sich hier diese Illusion herrlich aufrecht erhalten lassen. Denn die Jugend lässt sich noch einfacher manipulieren, und wenn's nur der richtige Song zur richtigen Zeit ist. Spaßgesellschaft. Komasuff.
Auch Politik wird zum Trend erhoben und vermarktet.

Das ist schon ein ausgefuchstes System.




Surreale Vorstellungen
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#2

RE: Das Leben ist gut...

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 16.08.2007 16:25
von Moulin
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Liebe Taxine,

Die Manipulation, für gewisse Bereiche auch als Werbung verstanden, ist meiner Meinung nach keine Teuflische oder Menschliche Erfindung, sondern eine Menscheigene Tugend, angeboren, die wir mit allen wahrnehmenden Individuen aus der Natur gemeinsam haben, die mit dem Werben um die eigenen
'Qualitäten' den Fortbestand ihrer Gattung zu sichern versuchen.
So ist wohl der Ursprung, und noch heute röhrt der Hirsch auf der Lichtung des Waldes, der Vogel balzt mit Hilfe seines schönen Federkleides und der Mensch nennt es, inzwischen weitgehend vom eigendlichen Ursprung abgewichen und in neue Dimensionen weit verfächert: Flirten.
Aber ich glaube, alleine der Umgang mit dem eigenen Verhalten des Manipulierens und dem manipuliert werden ist der Schlüssel zu einem gemeinsamen, einvernehmlichen, vertrauensvollen Lebens, in dem niemand diese ureigenen Tugenden zu einem Vorteil nutzt, der dann aller Wahrheit entbehrt.

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#3

RE: Das Leben ist gut...

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 16.08.2007 16:26
von Taxine
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Hallo Moulin,

die Vergleiche der Verführungspraktiken sind sehr amüsant.
Der Mensch manipuliert, wo er kann, das ist wahr, auch völlig unbewusst, zeigt seine goldene Seite und verbirgt geschickt das graue Gesicht, das sich in anderen Momenten ebenso ureigen entfaltet.
Aber, ob das wahrhaftig alles so gut für ihn ist?
Eben las ich, dass ein Mensch, der manipuliert auch damit rechnen muss, selbst manipuliert zu werden.
Irgendwo ist da etwas Wahres dran.
Denn dieses Manipulieren ist die Folge aus dem ersten Schritt: das ständige Verurteilen. Man will verändern, die Dinge, die Menschen, das Leben.
Die größte Last, die ein Mensch trägt, ist sein Urteil über andere. Er urteilt und macht sich damit klein, weil er sich über andere erhebt. Ein Paradox? Nein. Indem er andere Menschen verurteilt, ihnen ihre Leben und ihre Lebensweise vorwirft, zeigt er, dass er sich mehr mit anderen Leben beschäftigt, als mit dem eigenen. Darum will er auch manipulieren, um von sich selbst abzulenken, die eigenen Gedanken, diesen mächtigen Spiegel, lieber bei anderen verwischen, als sich mit sich selbst zu konfrontieren.
Und tatsächlich neigt JEDER dazu, auch ich, indem ich hier schreibe.
Aber, was bleibt denn zurück, wenn alles nur noch Manipulation ist? Das Vertrauen in die Dinge verflüchtigt sich, immer in Vorsicht laufen...
Darum will der Mensch sich auch gegen alles absichern, als gäbe es wahrhaftig eine Sicherheit. Vor was aber? Letztendlich führt alles in seine Ängste zurück und zum letzten Augenblick, wo er nicht weiß, was kommt, wo er in einer hölzernen Kiste landet.
Doch eigentlich findet man nie Antwort auf seine Fragen, nirgendwo, und wenn, dann nur eine eigene kleine Wahrheit.
Aber, warum nur meint der Mensch, er müsse sich vor allem schützen, wo er doch auch ohne Angst laufen könnte?
Wer sich schützen möchte, bleibt auch an seinen Ängsten haften.
Aus dieser Unsicherheit heraus bleibt diesem Menschen nur die Manipulation, die Ablenkung von seinen eigenen Kümmernissen.
Und der Schritt ist unsicher, weil wir uns in erster Linie nur an Illusionen klammern, denn alles, was nicht "wirklich" ist, was ein Gedankenkonstrukt ist, entfacht Unsicherheit. Wenn wir uns riesige Ziele setzen, versuchen in eine Zukunft zu blicken, die doch immer nur Spekulation ist, zum Beispiel. Oder diese Menschen, die sich verrückter Weise an ihre Vergangenheit klammern, die doch unwiderruflich ist.
Der sichere Schritt ohne Manipulation ist der Schritt im Jetzt,

... denn die Gegenwart ist die ganze Vergangenheit, ist die ganze Zukunft...

Das bedeutet, jeden Augenblick zu genießen und nicht zu urteilen. Auch eine Art der Rebellion.
DIE REBELLION DES NICHTURTEILENS

In der Werbung ist das zum Beispiel möglich, wenn der Werbende hinter seinem Produkt stehen kann, wenn er niemandem etwas aufschwatzt, sondern einfach nur die wahrhaften Vorteile bezeichnet. Aber, die meisten bauen auf Lügen auf. Es gibt Firmen, die sagen: Ein Produkt wird erst dann verkauft, wenn der Kunde "Nein!" sagt. Was für ein Irrsinn. Wenn das Produkt gut ist und gut aussieht, verkauft es sich von alleine.
Die meisten arbeiten aber mit billigen Produkten, die sie schön reden müssen. Darum müssen sie sich auch mit billigen Tricks herausreden, überreden, manipulieren. Das Lächeln als Manipulation... Aber, im Endeffekt fährt man mit Ehrlichkeit immer besser, auch wenn man glaubt, hier seine Seele bloß zu legen, denn man zeigt ja immer Gefühl, wenn man ehrlich ist. Das Öffnen der Seele aber ist gar nicht so schlimm, bleibt immer ein Akt der Offenbarung. Denn im Grunde öffnet man sich (Menschen gegenüber), um sich selbst zu erkennen.

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#4

RE: Das Leben ist gut...

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 16.08.2007 16:26
von Moulin
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Hallo Taxine,
jede Werbung hat ihre Zielgruppe, so ist es meiner Meinung nach nicht wichtig, wie man wirbt.
Wer die Lüge möchte kann sie bekommen. Wer Ramsch will soll Qualitätlosigkeit leben. Das Problem ergibt sich erst daraus, dass Menschen glauben in der gewünschten Lüge eine Wahrheit zu finden.

Gesellschaftlich gesehen ist die Unsicherheit der erste Schritt, um ganze Generationen klein zu halten. So bringt man die Massen zum Schweigen, in dem man ihnen eine Gefahr suggeriert, die es nicht wirklich gibt.
Leider beginnt das schon in der häuslichen Erziehung. Dort werden die eigenen Ängste der Eltern an die Nachkommen weiter gegeben.
Das Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" von Jean Liedloff macht deutlich, dass es auch Menschen gibt, weit entfernt unserer Zivilisation, die diese Ängste durch ein freies Aufwachsen nicht kennen und in einer Harmonie und Ausgeglichenheit leben, die uns wiederum fremd ist.
Was die Gesellschaft auch immer zu tun vermag. Dem Ziel des Glücklich seins näher zu kommen finden wir nur in der Möglichkeit, aller Welten Fragen für uns selbst zu beantworten.
Unsere Mitte zu finden und daraus die Kraft zu tanken. In uns selbst, durch uns selbst.
(Vergl: Theo Fischer "Lass Dich vom Tao leben")
Mit dieser gewonnenne Kraft gilt es nun durch die Welt zu gehen um die Menschen zu finden, die das genauso leben, um sich eine Gemeinschaft ohne Lügen aufzubauen, die man leben und genießen kann. Ein Leben in Vertauen, dass keine Verblendung braucht.
Doch auch hier gilt. Unabhängig und 'man selbst' bleiben, denn eine Sicherheit, die sich aus einer Gemeinschaft aufbauen würde ist keine.

Um noch hinzuzufügen:

Egal welches Thema wir hier behanden. Alles scheint seinen Weg zu der einen, zentralen Frage zurück zu finden. Und das spricht schon für sich, denke ich!

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#5

RE: Das Leben ist gut...

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 16.08.2007 16:27
von Taxine
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Lieber Moulin,

mir geht es gar nicht einmal so sehr darum, immer wieder zu verdeutlichen, dass der Weg aus einem hinaus auch immer wieder zu sich selbst zurückführt, (die einzige Wirklichkeit ist die Seele), denn das ist nun einmal Voraussetzung, sondern ich versuche mir anhand dieser Überlegungen mein Unverständnis zu erklären, das mich manchmal überfällt, wenn ich "die Welt" rennen sehe, wenn ich den Menschen in seinen Irrtümern wahrnehme, wie ich beobachte, wie geschickt das "System" sich den kleinen "Nichtsahnenden" zu Nutze macht, mit den suptilsten aber auch ausgeklügeltsten Mitteln. Auch versuche ich herauszufinden, wie ich dazwischen als Künstler nun wirken kann (ohne Urteil).
Manchmal lässt man sich leicht mitreißen und schüttelt den Kopf, versucht sich alles mit seinem Denken zu erklären, wo doch das Innere ganz eigene Ideen schafft, das Thema bereits vorhanden ist und nur noch verwirklicht werden muss. Aber, ich strebe eine Kunst an, die nicht aufdringlich auf mich selbst deutet oder dem Menschen sein Sein vorwirft. Ich strebe ein leichtes Schwingen an Ideeverwirklichung an, die nur zeigt, ohne eine bestimmte Wahrheit für sich zu beanspruchen.
Und auch denke ich: Wenn doch sowieso alles ohne Sinn ist, warum dann nicht sich einen eigenen schaffen? Wenigstens so laufen, dass man die Zeit nicht vergeudet, und schon gar nicht sich von anderen manipulieren lassen...
Sein eigener Gestalter sein, sozusagen.
Doch ohne Urteil zu laufen ist schwer, denn alleine, wenn man bestimmte Konflikte und Ausartungen der Welt betrachtet, kann man nicht ohne Meinung sein. So ist es schwierig, hier den Mittelweg zu finden.

Liebe Grüße
TaxinA

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#6

RE: Das Leben ist gut...

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 16.08.2007 16:27
von Moulin
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Meine liebe Taxine,

mag sein, es scheint egal um was es uns geht, dass wir unsere Mitte finden müssen, doch wir kommen nicht an den realen Dingen im Außer-Realen vorbei. Aber da es die erste Wahrheit ist, so kommen alle weiteren Wahrheiten nur in Folge dieser einen.

Kann man wirklich als Künstler dazwischen ohne Urteil wirken? Kann man?
Es ist mir hier nur möglich über mich selbst zu sprechen, damit habe ich so viel zu tun, dass eine mögliche Wichtigkeit anderer dabei ohnehin verblasst. Von meinem Verstand her sehe ich da gar keine Möglichkeit, Kunst frei schwingen zu lassen, höchstens ein Wenig im musikalischen Bereich, ansonsten glaube ich nicht, Kunst ohne einen gewissen manipulierenden Ausdruck schaffen zu können (oder zu wollen?), was aber niemals heißen soll, dass man nicht versuche diesen anderen Weg zu probieren. In der Vergangenheit wurde vieles nur durch unvorstellbare Wege möglich gemacht, die vorher niemand gegangen war.
Sich allen Manipulationen zu entziehen würde bedeuten ein Leben in völliger Isolation zu führen, so bin ich geneigt, mich gewissen Manipulationen von außen, so lange ich sie als naturgegeben und/oder schön und angenehm betrachte, hinzugeben.

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#7

RE: Das Leben ist gut...

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 16.08.2007 16:27
von Taxine
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Lieber Moulin,

nein, Isolation wäre es nicht unbedingt, viel eher läuft man dann mit einer eigenen kleinen Welt zwischen der Welt, hat allerdings noch Anteil an ihr. Aber, ich gebe dir recht, dass man sich, egal in welcher Art und Weise nicht allen Manipulationen entziehen kann, und dass diese auch nicht immer mit negativen Begleiterscheinungen einhergehen.

Was mich besonders abstößt, sind die religiösen Fantatiker. Und, wie ich festgestellt habe, ist es völlig gleichgültig, um welche Religion es sich handelt, denn selbst im harmonisierenden, herzenserweiternden Buddhismus steht hinter allem "Einssein und Streben nach Leere" immernoch ein Mensch, der andere von seinem Weltbild überzeugen will und keine andere Ansicht zulässt. Immer steht da jemand und schüttelt den Kopf. Doch, ich will gar nicht verallgemeinern und alle in eine Schublade wischen, denn gerade hier sind mir verschiedene Menschen begegnet, in gleicher religiöser Zuwendung, mit völlig unterschiedlicher Art, sich mitzuteilen. Der eine im Einklang mit sich selbst, ein anderer mit aggressivem Unterton, der aus jeder anderen Ansicht einen Angriff gegen sich selbst erahnt. Dieses eigene Gefängnis ist schon mächtig. (Vielleicht liegt gerade hier der Unterschied zwischen wahrem Verständnis und der Scheinwelt eines Verständnisses, denn eigentlich zeichnet sich das "Begreifen" in der Handlung aus, nicht im "Bla bla".) Ich mag Menschen, die in sich hineinlächeln und für sich dafür stehen, was sie empfinden und als "Glaube" in sich vereinen. Ich mag Menschen nicht, die bei fremder Ansicht immer wieder die eigene betonen, als berge diese Wahrheiten. Der Kern an Allem liegt immer in einem Selbst. Alles, wonach der Mensch strebt, ist ein Teil des Ganzen. Der eine verinnerlicht das Wesen Welt, der andere geht einen anderen Weg. All das ist nur eigene Täuschung. Denn jeder läuft, wie er es für sich vereinbaren kann, und daran ist auch nichts auszusetzen, solange man für sich läuft. Man muss immer den besten (leichtesten) Weg erwählen. Ich zum Beispiel halte rein gar nichts vom Leiden, um in andere "Sphären" zu gelangen, wie es die buddhistische Variante vertritt, Selbsterleuchtung durch den steinigen Weg. Hier steht für mich fast in Worten die "Sinnlosigkeit" geschrieben. Trotzdem würde ich mir nie anmaßen, andere Ansichten zu belächeln. Denn ein anderer Mensch wird hier jede Erleuchtung finden. Alles ist irgendwo Suche, und so unterschiedlich der Mensch in seiner Individualität steht, so unterschiedlich gestaltet sich nun einmal auch seine Suche. Die Manipulation von außen, die jeder Religion innewohnt, reicht nicht aus, um mich zu überzeugen, weil der Schritt ins Innen von vorgefertigten Bildern gestaltet wird.
Ich muss keinen Umweg über die Religion gehen, um mich zu finden. Mein Chaos ist mir ganz eigene Erlösung. Darum habe ich gerade für religiöse Manipulationsversuche kein Verständnis.
Alles an Religion und Esoterik ist mir irgendwo ein Graus, solange es aufdringlich wird, denn sich hier zu finden, bedingt das dafür offene Wesen.

Aber, gerade in der Kunst wurde viel "Weltbild" verarbeitet, und das Ikonenbild birgt ja trotz allem seine Schönheit. Hier habe ich gelernt, völlig unvoreingenommen zu betrachten.

Darum sollte man als Künstler eben nach dem "Nicht-Offensichtlichen" streben, denn der Künstler schafft ja nun einmal aus seiner Ansicht von Welt und Sein.

Grüße
Taxine

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#8

RE: Das Leben ist gut...

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 16.08.2007 16:28
von Moulin
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Liebe Taxine,

Religionen stammen aus einer Zeit, in der eine Gesellschaft nur über Glauben geformt werden konnte und Religionen, die sagen, man solle nicht töten, verfolgen zunächst ein positives Ziel, das, wie wir wissen in den letzten 2000 Jahren immer wieder auf unterschiedlichste Weise interpretiert wurde.
Die Hauptursache für den Mißbrauch einer Religion liegt meiner Ansicht nach in der Kombination aus einer kleinen Gruppe gebildeter Menschen, die in der Lage ist eine große Gruppe ungebildeter, eben über deren Unfähigkeit Zusammenhänge richtig zu deuten, zu steuern.
So ist der ungebildete, glaubende Mob sehr gefährlich. Menschen, die im Namen einer Religion töten, die ansich Menschenliebe propagiert kann nur als Widerspruch gewertet werden.
Es kann für einen aufgeklärten Menschen nach meiner Auffassung nicht gut sein, sich einer Ideologie, ohne die Möglichkeit eines inneren Kompromisses, des Hinterfragens hinzugeben. Ich kann aus allem, was ich erlebe und lerne das Positive ziehen, ohne selbst namentlich als etwas, einer Sache zugehörig bezeichnet zu werden.
Daher bin ich zwar nicht ungläubig, doch trotzdem Atheist.
Der Künstler wird in unserer Gesellschaft in der Regel als Maler bezeichnet, als jemand der etwas abbildet.
Sehr flach ihn darauf zu reduzieren.
Das wird besonders beim Lesen von Beiträgen in Themenbezogenen Massenforen sehr deutlich. Dort, wo das Verständnis am deutlichsten sein sollte, präsentiert sich die durch Angst geschürte Inquisition, die immer nur das leichte Urteil kennt, das einzige, was sie zulassen will.
Die Hinrichtung der Philosophie in der Kunst. Was zurück bleibt sind bunte, doch leere Tapeten geistloser Genese.
In Wahrheit ist der Künstler mehr. Es ist der Mensch, der allen Welten offen gegenüber steht, deren Kraft in sich vereint, aus ihr schöpft um nur einen einzigen Augenblick zu erschaffen, der ihm alles bedeutet.

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#9

RE: Das Leben ist gut...

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 16.08.2007 16:28
von Taxine
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Das ist ein schöner Schwung in eine weit gesplitterte Tiefe, lieber Moulin. Und alles so passend zum Titel "Das Leben ist gut...". Nun, du hast es gesehen, was passiert, wenn du fragst: Seid ihr schon einmal in einen Vulkan gesprungen?
Dieses völlige Unverständnis für den inneren Blick, für das Heraufbeschwören ganz eigener Welten war mir unter Künstlern recht schockierend. Gerade, wenn ein Mensch kommt und eine bombastische Frage in den Raum wirft, scheitert die Masse an ihrer Angst sich zu entblößen, sich ein bisschen treiben zu lassen.
Aber, gerade das macht doch den Künstler aus, dass er treibt und keine Scheu hat, dieses Treiben in Kunst zu wandeln.
Das abstrakte Bild, so oft nur noch ein mechanisch Hingeworfenes, Portraits in Fülle und allen Varianten, Akte und Landschaften... All das ist schön zu betrachten, doch mir fehlt ein wenig das wahrhafte Feuer dahinter.
Der Mensch wird also auf seine Ängste hin erzogen, wird vom Staat mit "Sicherheiten" gelockt, die ihn aus sich herausführen und sich an ein Außen klammern lassen. Und auch der Künstler unterwirft sich einem "Markt"!!! Das sollte man mal einem Cezanne sagen.

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#10

RE: Das Leben ist gut...

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 16.08.2007 16:28
von Moulin
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Der Künstler, meine liebe Annelie definiert sich durch sein ganzheitliches Handeln. In dem Moment, in dem sich der Künstler dem Markt unterwirft, verlässt er seine Seele und damit die Kunst.
Aus meiner Sicht ist es nicht möglich beides in angemessener Weise zu verbinden.

Die parallel laufende Auseinandersetzung in einem uns bekannten Massenforum zeigt, dass Menschen, die ihre künstlerische Unfähigkeit zu verbergen versuchen, und die, die um ihre Unfähigkeit nicht wissen, die einzigen sind, die eine Kritik von außen, oder die Meinung eines Kunstkenners anzweifeln und nicht akzepieren. In der Regel sind das Menschen ohne angemessenes Kunstverständnis, deren Handeln ausschließlich durch den Markt geprägt ist.
Und das erstaunlichedabei ist, dass Philosophische Gedanken ihnen erst kommen, wenn sie dadurch meinen, eine Kritik an ihren plakatierten 'Werken', widerlegen zu können.
Ich habe gelernt meine geistige Entwicklung - und al mein Schaffen und Handeln basiert darauf - nicht in die Abhängigkeit 'Anderer' zu stellen. Der Entzug des Anderen in Form eines Menschen oder einer Begebenheit ließe Halt nicht mehr zu. Das gegenseitige Einlassen auf eine Gefühlsebene, die verbindet ist schon ohne Abhängigkeit ein Schritt, der beim Lösen dieser Verbindung viel abverlangen würde.

Ja, 'Das Leben ist gut'. Ein wunderbarer Titel für die Gedanken, die wir hier austauschen.
Ich fürchte, die Masse sucht ein gutes Leben in einer Illusionen, und daher fallen sie tief, weil sie sich auf Dinge stützen, denen sie durch die fehlende Erkenntnis nicht näher kommen, dass sie selbst den Schritt gehen müssen und dass sie in Eigenverantwortung ihr Ziel ansteuern um es zu erreichen.
Sie sehen zum Beispiel eine Werbung als das Signal etwas zu erwerben und setzen das Gleich mit einer Gesellschaftlichen Verpflichtung ihnen dieses zu ermöglichen, und wenn sie ihr Ziel nicht erreichen, finden sie eine Unzahl an Schuldigen für ihr eigenes Scheitern.

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