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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 20.10.2012 17:56
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Was mir einmal wieder bei Krausser, aber noch mehr bei sehr vielen anderen modernen Schriftstellern (darunter vor allen Dingen: Murakami) stark und unangenehm auffällt, ist der Umstand, den Roman mit angesagten Markennamen zu füllen, um das Jetzt (also ihre Zeit und Generation) zu verdeutlichen und einzufangen, allerdings mit (in meinen Augen) so vergänglicher Produktwerbung, dass es dem Roman auch viel nimmt. Wirkt auf mich immer, als müssten entweder Sponsoren gefunden werden oder ein Publikum gelockt, das nur noch in diesen Begrenzungen agiert und sich darüber definiert (dieses Treiben in Trends und Mode-Gekreisch).
Sicherlich muss man hier auch die Realität im Auge behalten. Die Gesellschaft und ihre Menschenbausteine definiert sich über Reputation, Erfolg und über das, was sie besitzt (gerade in Japan, Deutschland, Amerika usw.). Doch in der Literatur muss ich nicht unbedingt auch noch auf diese Konsum-Schnappfallen treffen, um mir ja auch einprägen zu müssen, welches Produkt meine "Sehnsüchte" am besten erfüllt.
So gibt es bei Murakami keinen Schuh, der nicht Markenprodukt, keinen Whiskey, der einfach Whiskey ist, keine Sonnenbrille, die nicht mindestens R a y B a n ist, und bei Krausser ist Google, Wikipedia und co ein Muss, um seine Figuren im Strom der Zeit lebendig wirken zu lassen.
Auch entsteht dabei das Gefühl, dieses Jetzt besonders durch Kommerz fassen zu müssen, als ob das schon aller Ausdruck einer Zeit wäre, als ob daneben nichts anderes mehr existiert, als das man zu wissen hat, welcher A r m a n i nun durch welchen besseren Anzug eines anderen Designers ersetzt werden muss. Wozu?
Bei Krausser in seinem Roman "die letzten schönen tage" trifft der Leser dann auch noch auf eine Einleitung eines Gesprächs von Jugendlichen, die die Ätz-Generation der Cyberwelt, Piercings und Ey-Sprache demonstrieren sollen. Stellt er das dem Roman voran, um unbedingt "up to date" zu sein? Auch Umgangssprache wie "Er ging über die Straße, und Ende." oder "... sie rauchten, aber nur normale Selbstgedrehte, ohne Scheiß." wirken im allgemeinen Sprachfluss, der ihm ja eigentlich gut liegt, eher gewollt und darum eben wirklich... "ohne Scheiß... Scheiße, ne."

Auffallend weiterhin ist dann wiederum, einhergehend mit diesen Richtlinien neuester Literatur, das Nutzen bekannter und berühmter Namen und Persönlichkeiten, wobei z. B. Schauspieler sehr beliebt sind. (Na gut, zugestanden, das wiederum war nie anders.)
Houellebecq freilich hat es von allen auf die Spitze getrieben, so dass er in seinem eher trägen Roman "Karte und Gebiet" sogar so weit ging, einen seiner Schriftstellerkollegen und Konkurrenten, nämlich den ollen Beigbeder, auferstehen zu lassen, und dem nicht genug, auch sich selbst als angesehene Persönlichkeit in der dritten Person ins eigene Werk zu drängen und dann auch zu töten. An diesen Extrembeispielen zeigt sich dann, wie weit die Eitelkeit moderner Schriftsteller reicht, die ja durchaus wie Helden, Stars und Sternchen gefeiert werden. Vielleicht steht alleine die Hoffnung dahinter, das Werk einem großen und breiten (auch geistig eher reglosen) Publikum zu präsentieren, denn wie wenig schmeichelt es der Autoreneitelkeit, sobald ein Werk zwar einen literarischen Wert besitzt, jedoch verkannt bleibt.

Mir persönlich ist es egal, ob der Whiskey in Murakamis Romanen nun Jonny Walker oder Jack Daniels ist. Auch muss mir Houellebecq seinen Selbsthumor nicht durch Auferstehung seiner selbst präsentieren, der auf mich dann eher eitel wirkt. Wie unwichtig ist doch die Gestaltung der Nebenszenen und wen stört es, ob das Produkt, insofern es nicht Allgemeingültigkeit erreicht hat, wie (was dann vielleicht eher annehmbar ist) Mc Donald oder Coca Cola, nun ein Markenprodukt oder eben keins ist, solange es alleine eine Beschreibung ist, die keinerlei weitere Bedeutung hat. Murakami aber präsentiert sämtliche Produktnamen, sobald er sich an die Beschreibung seiner Figuren macht, um damit zu zeigen, auf was für ein Charakter der Leser trifft. Der Charakter aber bildet sich auch durch Reden und Handeln, weshalb mir diese Marketing-Taktiken vielleicht auch auf den Keks gehen.
Ja, er trägt Adidas-Schuhe, ein Marco-Polo-Hemd und Levi's-Jeans. Und? Ansprechen aber tut diese Erwähnung, wenn schon in der Gesellschaft so perfekt integriert, doch nur jene Marken- & Konsum-Junkies, die ohne diese verteuerte Verdummungs-Qualität und "Ersatzreligion" nicht mehr wissen, wer sie sind und sich alleine über das, was sie tragen, definieren. Was hat das in der Literatur zu suchen?
Ist das alles, was vom modernen Menschen übrig bleibt?

No identity without A r m a n i !*

... als der einsame Konsument, dessen Bedürfnisse erst wachgerufen werden müssen, damit er sie auch ja befriedigt.



Liebe Grüße
Taxine


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* ggf. auszutauschen gegen jedweden anderen Markennamen




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#2

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 20.10.2012 19:11
von Jatman1 • 1.119 Beiträge

Möchte man Geschichten schreiben, kann man darauf verzichten. Das wäre aber extra Arbeit. Und wenn man, diesen ganzen Konsumdreck ignoriert, indem man ihn gedankenlos nutzt, also nicht überbewertet, könnte man Deine Wahrnehmung als eben recht sensibel bezeichnen.

"Da kommt es einfach in seinen Levis-Jeans daher, das dreckige miese hinterhältige Schwein." Weshalb da zum Beispiel sich um die Levis kümmern! Marken sind Teile unserer Welt und wer auf bodenständigem Niveau Geschichten schreiben will, der kümmert sich nicht drum. Und ich finde zurecht. Außerdem sollte man dem Leser nicht ein solches generelles Armutszeugnis ausstellen, als dass solche Nennungen auf ihn wirken würden. Sicherlich kann es übertrieben werden. Wie ALLES.
Ob das in den von Dir angeführten Büchern zutrifft, kann ich selbstredend nicht einschätzen.


www.dostojewski.eu
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#3

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 20.10.2012 19:23
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #2
Außerdem sollte man dem Leser nicht ein solches generelles Armutszeugnis ausstellen, als dass solche Nennungen auf ihn wirken würden.

Nicht unbedingt Armutszeugnis, sondern eben genau das: als gegeben hinnehmen, weil es einfach so zu sein hat und man schon mittendrin ist, dass es gar nicht mehr auffällt.
Vergleiche Generationen, die nach uns kommen (und auch in meiner war bereits das Tragen von Markennamen ein wichtiger Bestandteil der eigenen Darstellung und des eigenen Rufes) und immer mehr sein müssen, durch das, was sie tragen, als durch das, was sie sind. Wer nicht mithält, geht unter und wird aus dem Kreis gedrängt, nur weil die einen Eltern mehr Taschengeld geben als die anderen. Hast du nichts, bist du nichts - das ist die Aussage einer solchen Entwicklung. Und die ist uralt. Aber: trägst du nicht M a r c o P o l o und A d i d a s , bist du nichts - das ist das Heute.

Und ja, das ist der reine Konsum, der eben bis in die Literatur vorstößt, nur weil Autoren meinen, sie müssten ihre Zeit ins Bild setzen, bis es dem Leser an A r m a n i, A d i d a s , N i k e , R a y B a n dann zu viel wird.
Und klar, es bleibt sicher ein sensibler Blick auf die Dinge. Mich stört es allgemein, wenn das, was ich bereits in der gesellschaftlichen Entwicklung ablehne, mich auch noch dort packen will, wo ich nach anderen Dingen Ausschau halte.




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#4

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 20.10.2012 19:51
von Martinus • 3.194 Beiträge

Hallo,

Das Geschäft eines Verlergers ist (leider) auch nur ein knallhartes Konsumgeschäft, es sei denn, ein Autor angelt sich in einen kleinen süßen Verlag, wo noch Idealismus ist. Alle zumindest größeren Verlage, ziehen ihre Autoren hoch. Ein anderer, der vielleicht genauso gut schreibt, aber ein Thema bearbeitet hat, was nicht publikumswirksam ist, das Manuskript eine solchen landet im Papierkorb eines Lektors. Ungefähr so ist das.

Markennamen werden in Filmen bewusst eingesetzt. Manche Filmemacher finanzieren ihre Filmproduktion damit. Ob ein Autor mehr verdient, nur weil sein Protagonist Cola säuft, das weiß ich nicht, finde es aber sehr sehr traurig, wenn ein Autor kein anderes Mittel mehr findet als Schleichwerbung, um den Zeitbezug seiner Geschichte herzustellen. Ich meine, es ginge auch anders. Dostojewskij nennt glaube ich keine Wodkafirma.

Heutzutage schreibt vielleicht jemand die schönsten Gedichte und nagt am Hungertuch. Mich würde interessieren, ob es auch Lektoren sind, die dem Protagonisten Adidas-Schuhe verpassen. Firmennamen o.ä. könnte ich nur akzeptieren, wenn sie wirklich eine Generation ausdrücken oder zur Charakterisierung eines Charakters unbedingt notwendig sind.

Liebe Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 20.10.2012 19:51 | nach oben springen

#5

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 20.10.2012 20:49
von Jatman1 • 1.119 Beiträge

"Und klar, es bleibt sicher ein sensibler Blick auf die Dinge. Mich stört es allgemein, wenn das, was ich bereits in der gesellschaftlichen Entwicklung ablehne, mich auch noch dort packen will, wo ich nach anderen Dingen Ausschau halte."

Würde man das Lesen ohne etwas von Dir zu wissen, könnte man meinen, da wäre jemand auf dem dem Weg in seinen Elfenbeinturm.
Aber das gilt für Dich ja beileibe nicht.


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 20.10.2012 20:49 | nach oben springen

#6

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 20.10.2012 20:49
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Zitat von Martinus
Markennamen werden in Filmen bewusst eingesetzt. Manche Filmemacher finanzieren ihre Filmproduktion damit.



Nicht nur manche. Firmen bezahlen viel Geld dafür, dass ihre Produkte in Filmen auftauchen und benannt werden. So werden viele der großen Blockbuster finanziert und auch bestimmt, was darin zu sagen bleibt oder vorkommen darf. Dafür werden ganze Drehbücher umgeschrieben, bis alle Produkte untergekommen sind und an richtiger Stelle platziert. Alleine, dass am Ende der Produzent schon mehr zu sagen hat als der Regisseur spricht Bände, denn Geld ist das A und O dieser Traumfabrik, nicht die Idee, einen Film zu machen. (Filmemacher wie Tarkowski konnten davon ein Lied singen. Er machte alleine nur fünf Filme, weil er keine weiteren finanzieren konnte.)
Und in all den anderen sieht man dann eben Bruce Willis ganz unnötigerweise nach einer Pepsi statt nach einer Coca Cola greifen, obwohl er eigentlich überhaupt nichts trinken müsste, oder James Bond eben BMW fahren, statt eines anderen Autos. Das wiederum aber ist vielleicht auch darum für mich nicht gleichbedeutend wie die Produktbewerbung in der Literatur, weil Filme sowieso in Bildern sprechen und man Werbung durch Bilder gewohnt ist, weil viele Filme sogar Meinungsmache und reine Werbeaktion sind. (Und auch da gibt es ja zum Glück noch Unterschiede, vgl. Hollywood und Filme, die abseits des Mainstreams stehen.)
Wenn ich allerdings lese, dann möchte ich dieser Konsumwelt auch ein bisschen entkommen, vielleicht gerade durch Literatur, deren Tiefe andere Dinge hinterfragt. Ich habe auch nichts gegen Romane, die mich unterhalten, und doch merke ich, dass ich in diesen, gerade wenn sie moderne Zeiten versinnbildlichen wollen, von der Ey-Sprache bis zum Markenprodukt als wichtiger "Zeitzeuge", trotzdem weniger finde. Es befriedigt mich, kurz gesagt, überhaupt nicht, und ich empfinde solche Romane, die sich ausschließlich mit einem Jetzt beschäftigen, das man jederzeit im Alltag, in jedem dritten Smalltalk um die Ecke oder in der nächsten BILD-Schlagzeile wiederfindet, als Zeitverschwendung, sie gelesen zu haben.
Bei solchen Autoren wie Murakami wiederum stört mich alleine diese Produktvermarktung, während ich sein Buch dann eben doch genieße, weil er seine "Sucht" nach dieser Benennung großer Namen mit anderen Dingen ausgleicht, der störende Faktor hinter der Geschichte zurücksteht und dennoch den Gedanken hervorruft, wieviel besser es ohne diesen Mist gewesen wäre. Andere sind da nicht so geübt und führen mich durch eine träge Welt, die mir wie die Geschichte des unangenehmen Nachbarn von gegenüber oder die neuesten RTL-Kurzmeldungen über den nächsten Z-Promi erscheint.
Sicher, dass ist alles Geschmackssache und eine Hinterfragung, was Literatur einem geben sollte, zumal sie sich gegen so viele Medien durchsetzen muss. Vielleicht bin ich auch darum der Meinung, dass sie nicht mit diesen verschmelzen oder sich ihnen anpassen sollte. (Der Film hat andere Möglichkeiten als das Buch. Musik hat andere Ausdrucksmöglichkeiten als der Film... usw. Sie müssen nicht zu einem modernen Brei geraten, wo sie austauschbar werden, nur damit das Übersatte noch satter gemacht wird.)

Vielleicht ist auch gerade der Vergleich gut, wenn man ältere Werke betrachtet, in denen der Autor eben meinte, er müsse ein bestimmtes Kaufhaus nennen, das in seiner Zeit bekannt war, oder Menschen, die in seiner Zeit eine mäßige (heißt, angesagte) Rolle spielten, aber nun überhaupt keine Bedeutung mehr haben bzw. vergessen sind. Liest man dann Namen von Firmen, Menschen, die man nicht kennt, verwirrt es nur, wenn sie genannt sind und der Leser z. B. die Kritik oder das Lob, welche der Autor an diesen üben möchte, gar nicht mehr alleine aufgrund des (damals so angesagten) Namens nachvollziehen kann. Ähnliches denke ich über die Werbung und Auflistung an Produktnamen in Romanen. Sie ergeben keinen Sinn und verursachen, bei mir zumindest, nur eine Nuance, die sich von dem Genuss des Lesens zu einem Bedauern verschiebt, Unnötiges und Oberflächliches vorzufinden.




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zuletzt bearbeitet 20.10.2012 21:20 | nach oben springen

#7

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 20.10.2012 20:50
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #5
"Und klar, es bleibt sicher ein sensibler Blick auf die Dinge. Mich stört es allgemein, wenn das, was ich bereits in der gesellschaftlichen Entwicklung ablehne, mich auch noch dort packen will, wo ich nach anderen Dingen Ausschau halte."

Würde man das Lesen ohne etwas von Dir zu wissen, könnte man meinen, da wäre jemand auf dem dem Weg in seinen Elfenbeinturm.
Aber das gilt für Dich ja beileibe nicht.


Beim Lesen gilt das sogar unbedingt. Das ist eben dann alleine meine Welt und mein Geschmack.




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zuletzt bearbeitet 20.10.2012 21:00 | nach oben springen

#8

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 20.10.2012 23:52
von LX.C • 2.691 Beiträge

Von wann ist denn Kraussers Roman? Ich dachte, dieser ganze Popliteratur Quatsch der 90er Jahre wäre längst überholt. Wie schnell sich das abnutzt sieht man an genau dieser Strömung. Bei Bret Easton Ellis "American Psycho" hat das ja noch einen ganz bestimmten Sinn und Zweck gehabt und war konzeptioneller Bestandteil der Handlung und dessen, was der Autor mit dem Romaninhalt erzielen und aussagen wollte. Product-Placement in diesem Fall unverzichtbar. Aber generell glaube ich nicht, dass das Platzieren von Marken in Romanen nur aus Imagegründen oder zur Verortung der Zeit oder eines Zeitgeistes Zukunft hat. Du hast Recht Taxine, dazu gehört mehr. Die gewollte Langlebigkeit von Literatur und die stets dem Image hinterher hechtende Produktwelt stehen sich zu diametral gegenüber. Romane der Popliteratur beispielsweise wirken dadurch einfach nur noch albern.

Zitat von Martinus
Das Geschäft eines Verlergers ist (leider) auch nur ein knallhartes Konsumgeschäft...



Mit dem Geschäft des Verlegers hat das auch nur zweitrangig was zu tun. Der wird einen guten Roman ohne Product-Placement immer dem schlechten Roman voller Markennamen vorziehen. Trends sind natürlich wichtig für einen Verleger - auch der Idealist trifft seine Auswahl! Und verkauft muss wohl werden, sonst hat auch der idealistischste Verlag keine Zukunft und ohne diese auch der Nachwuchsautor nicht. Dass nicht jeder Schreiberling tatsächlich den Kriterien eines Verlegers standhalten kann, ist wohl auch ganz klar. Und ich bin fest davon überzeugt. Wer gut ist, findet seinen Verlag früher oder später und seis bei einem Idealisten. Nur aufgeben darf man eben nicht.

Zitat von Jatman1
"Da kommt es einfach in seinen Levis-Jeans daher, das dreckige miese hinterhältige Schwein." Weshalb da zum Beispiel sich um die Levis kümmern! Marken sind Teile unserer Welt und wer auf bodenständigem Niveau Geschichten schreiben will, der kümmert sich nicht drum.



Du übersiehst dabei, dass darin auch eine unheimliche Verflachung der Sprache steckt. Deine Levis-Jeans mag bodenständig, aber eben nicht mehr literarisch sein. Das mag dann eine gut umschriebene abgewetzte, vielleicht zerlöcherte, farbbenannte oder eben eine schön umschrieben feine Jeans neusten Modells sein. Schon allein die Jeans ist eine Verortung auf eine bestimmte Zeitspanne und bedarf der Markenbenennung Levis nicht, die in etwa eine gleiche Zeitspanne der Existenz umschreiben könnte. Nur, wenn in 50 Jahren Levis nicht mehr existiert, aber die Jeans eben doch, dann weiß kein Mensch mehr, was der Autor gemeint hat, zudem kann selbst eine Levis Jeans ganz unterschiedlich aussehen und selbst der Schnitt auf Eigenschaften der Zeit und des Trägers hinweisen. Dem Autor müsst man also so oder so literarische Armut bescheinigen.


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 21.10.2012 00:28 | nach oben springen

#9

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 21.10.2012 10:44
von larifant • 270 Beiträge

1) Murakami benutzt Markennamen genau so wie kulturelle Referenzen (Namen von "Pop Music"-Kombos, Büchern, Opern,...) um das mitunter phantastische Geschehen zu "erden". Der tanzende Zwerg tanzt nicht zu irgendeiner Musik, sondern zu Sinatras Night and Day und begibt sich so in unsere Wirklichkeit. So etwas funktioniert auch, wenn man das Stück oder die Oper oder den Geschmack von Suntori Whisky nicht kennt. Das Name-Dropping stellt konkrete Realitätsbezüge her. Noch so gekonnte Beschreibungen könnten das nur im geringeren Maße leisten.
2) Ich habe aber auch das Gefühl, dass Murakami es zuweilen damit etwas übertreibt.
3) Wozu erfahren wir, dass Raskolnikoff in der S.-Straße wohnt? Die nichtssagende Abkürzung erfüllt eine ähnliche Funktion wie Night and Day.
4) Neulich habe ich Die Elenden gelesen. Darin gibt es einige Passagen, in denen Hugo das Zeitgeschehen schildert. Dazu verweist er ohne weitere Erklärungen auf gedrängtem Raum auf allerlei Adlige, Politiker, Feldherren und Revolutionäre. Dem Franzosen XIX-ten Jhdts. waren die offenbar ein Begriff; ich kann nur mit einem kleinen Teil der Namen etwas anfangen, bekomme aber - wenn auch nur als Sekundäreffekt - etwas Zeitkolorit vermittelt, das ich nicht missen möchte. Vielleicht geht das dem zukünftigen Leser so mit der Levis-"Jeans" (früher hieß es noch "Nietenhose")
5) Gesprochene Sprache ist schon schwierig darzustellen (1:1-Kopie ist i.d.R. unlesbar), Umgangssprache noch schwieriger und "Jugendsprache" fast unmöglich. Aber wünschenswert ist es trotzdem.
6) "Literarisch" heißt "den derzeitigen Konventionen des Bildungsbürgertums entsprechend". Bisher hat sich die Jeans-Marke Levis als dauerhafter erwiesen.

Gruß,
L.


zuletzt bearbeitet 21.10.2012 10:51 | nach oben springen

#10

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 21.10.2012 11:16
von LX.C • 2.691 Beiträge

Zitat von larifant
Neulich habe ich Die Elenden gelesen. Darin gibt es einige Passagen, in denen Hugo das Zeitgeschehen schildert. Dazu verweist er ohne weitere Erklärungen auf gedrängtem Raum auf allerlei Adlige, Politiker, Feldherren und Revolutionäre. Dem Franzosen XIX-ten Jhdts. waren die offenbar ein Begriff; ich kann nur mit einem kleinen Teil der Namen etwas anfangen, bekomme aber - wenn auch nur als Sekundäreffekt - etwas Zeitkolorit vermittelt, das ich nicht missen möchte. Vielleicht geht das dem zukünftigen Leser so mit der Levis-"Jeans" (früher hieß es noch "Nietenhose")


Ja, da hast Du recht, sekundäre Verdunklung ist in den meisten überdauernden Werken zu finden. Häufig gibt es dafür einen Anhang zur Erläuterung. Aber wie Du auch feststellst, besteht schon ein zeitlicher Unterschied zwischen Nietenhose und Jeans und gab es auch eine Zeit bevor jeder eine Jeans trug, eine Zeit in der man zerrissene Jeans trug, weiße, schwarze oder blaue, auch stonewash war mal sehr im Trend, Jeans mit Schlag oder auch Karottenhosen, wie sie die Rocker gerne trugen, somit auch der Verweis auf Gruppierungen, heute schon wieder alle Mädels gerne tragen. Alle könnten von Levis sein. Eine Jeans kann also ganz unterschiedliche Attribute haben, die zu umschreiben treffender sein könnte als die reine Benennung der Marke. Mit Bildungsbürgertum hat das nichts zu tun, sondern mit Phantasie, mit Bildern und Assoziationen, die Literatur in einem hervorrufen soll. Inwiefern das wichtig ist hängt natürlich auch vom Textkontext ab.


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 21.10.2012 11:27 | nach oben springen

#11

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 21.10.2012 18:15
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Hallo.

Zitat von larifant im Beitrag #9
4) Neulich habe ich Die Elenden gelesen. Darin gibt es einige Passagen, in denen Hugo das Zeitgeschehen schildert. Dazu verweist er ohne weitere Erklärungen auf gedrängtem Raum auf allerlei Adlige, Politiker, Feldherren und Revolutionäre. Dem Franzosen XIX-ten Jhdts. waren die offenbar ein Begriff; ich kann nur mit einem kleinen Teil der Namen etwas anfangen, bekomme aber - wenn auch nur als Sekundäreffekt - etwas Zeitkolorit vermittelt, das ich nicht missen möchte.




Dennoch finde ich, dass der Vergleich mit damals angesagten Bedingungen oder Menschen in älteren oder klassischen Werken, die uns heute nichts mehr sagen, in Bezug auf das, was mich an vielen modernen Werken tatsächlich stört, doch irgendwo hinkt (ich habe ihn gleichfalls angebracht, muss ihn aber doch etwas revidieren).
Denn es ist etwas anderes, wenn man über gewisse Zeit-Geschehen und Namen redet, die in Verbindung mit der Zeit und den Figuren im Roman stehen und zeigen sollen, wer oder was den Zeitgenossen bekannt war, als das immer mehr gefeierte und reine Product-Placement, das mit dem Roman selbst kaum etwas zu tun hat und in unserer Gesellschaft nun einmal weit gestreut und wechselhaft ist, von heute auf morgen vergessen, das dann nicht nur in Werbetaktiken und Slogans in immer mehr Verblödungen variiert (vgl. „Geiz ist geil.“ oder „Ich bin doch nicht blöd.“ - man möchte hinzufügen: Und wie!!!), sondern sich eben auch in unterschiedlichen Romanen als ein angesagter Sprachstil wie ein Übernehmen der Verdummung ausdrückt.

Für mich stellt sich dann eben die Frage, inwieweit der Roman sich von künstlerisch literarischen Aspekt löst, nur um einer Zeit bzw. Generation zu entsprechen und sich dafür im Grunde nur Momentan-Trends bedient, die schnell vergänglich sind und absichtlich gepusht werden, wenn Unternehmen den Konsumenten locken wollen, um ihm etwas anzudrehen, das er gar nicht benötigt, um dann wiederum den Markt zu lenken und Trends zu setzen, bis die Herde zombiehaft hinterher rennt, um ja keinen Trend zu verpassen, bis all das sich dann in irgendeinem neuen Roman sammelt, der genau den gleichen Zweck als Trendsetter erfüllt.
Tagtäglich werden Produkte künstlich gepusht, dann entwertet und durch bessere Varianten ersetzt. Das ist ja letztendlich das, was wir Konsum nennen. Und so wirkt auch die Literatur der Pop-Gesellschaft und der moderne Reigentanz an neuen Romanen (dieser von mir genannten Kategorie) auf mich. Eben schnelllebig und nichtssagend. Gemacht, vermarktet und immer in der Hoffnung, den neuesten und aktuellen Schrei ins Bild gesetzt zu haben.

Zitat von LX.C
Von wann ist den Kraussers Roman?


Kraussers Roman ist von 2011 und enthält zum Glück weniger Product-Placement (obwohl auch in seinem Roman verschiedene Katzenfuttermarkennamen oder Handyanbieter genannt werden), er holt sich für die Darstellung der Jetzt-Zeit extrem vordergründig das weltweite Netz heran, so benutzt er Skype, Google, Wikipedia, spricht von Nerds und Online-Poker usw., schreibt ellenlange E-Mails, was im Grunde nicht so tragisch ist, dennoch gewollt und aufdringlich auf mich wirkt, zumal auch seine Sprache und sein Stil gewaltig darunter leiden (so z. B. dann das erwähnte Gespräch der Ätz-Generation, das kaum einen Zusammenhang zur eigentlichen Geschichte bildet. Hier zeigt sich mir doch, dass Krausser versucht, Zeitgeschehen mit Klischee zu koppeln, dabei allerdings in diesem kurzen Vorspiel (drei Seiten Einleitung) viel zu oberflächlich Kritik übt, so dass alles eben ins Banale abrutscht.)
Er hat mich also nicht so sehr durch auffallendes Product-Placement gestört, sondern mich erst durch dieses auf banal machende Jetzt-Zeit-Geschehen und Geplapper auf den Gedanken gebracht, weshalb sich überhaupt solche - das Jetzt ausdrückende – Romane, die sich gut verkaufen und einem großen Publikum zugeführt werden, immer häufiger mit Markennamen, Produktbewerbung oder schnelllebigen Umgangsbedingungen schmücken, um mit diesen eine Zeit einzufangen, die nur ein Teilaspekt der Gesellschaft ist und durchaus nicht dazu auffordert, ihn auch noch durch den Roman zu beweihräuchern und hervorzukehren. Dann frage ich mich weiter, inwieweit solche Romane, wo wir doch tagtäglich im Alltag sowieso schon genügend mit diesen Bedingungen bombardiert werden, für mich noch literarischen Wert besitzen.

Zitat von larifant
Murakami benutzt Markennamen genau so wie kulturelle Referenzen (Namen von "Pop Music"-Kombos, Büchern, Opern,...) um das mitunter phantastische Geschehen zu "erden". Der tanzende Zwerg tanzt nicht zu irgendeiner Musik, sondern zu Sinatras Night and Day und begibt sich so in unsere Wirklichkeit. So etwas funktioniert auch, wenn man das Stück oder die Oper oder den Geschmack von Suntori Whisky nicht kennt. Das Name-Dropping stellt konkrete Realitätsbezüge her. Noch so gekonnte Beschreibungen könnten das nur im geringeren Maße leisten.



Ja, er benutzt beides - Markennamen und kulturelle Referenzen, wie z. B. Musik. Allerdings ist die Kenntnis einer Oper, eines Songs oder klassischer Musikstücke trotzdem keine Produktvermarktung wie das Anführen angesehener Designernamen, denn hier ist viel eher der kulturelle Bezug einer Zeit herausgekehrt. Wieviel besser kann man die Achtziger Jahre einfangen, wenn man bestimmte Musiktitel nennt, wieviel mehr dient es dem Roman, wenn Murakami von einem tschechischen Komponisten wie Janacek redet, dessen erster Satz gespielt wird, weil hier eben ein Zusammenhang hergestellt wird, der eine Verbindung zwischen Aomame und Tengo schafft, … also Sinn macht.
Murakami zeigt in vielen seiner Romane eine große Kenntnis verschiedenster Musikstücke, und wie könnte das störend wirken, ganz im Gegenteil. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob er klassische Stücke anführt oder Popsongs, und trotzdem nutzt er sie aus genau den gleichen Gründen, will durch sie einen ähnlichen Effekt erzielen, wie er ihn sich durch Marken- und Designernamen erhofft. Auch das gibt ja irgendwo zu denken.

Zitat von larifant
Vielleicht geht das dem zukünftigen Leser so mit der Levis-"Jeans" (früher hieß es noch "Nietenhose")


Die Levis-Jeans war natürlich nur ein Beispiel von mir, weil sie mir gerade eingefallen ist und ich mich in der Welt wachsender, koksender und überdrehter Jung-Designer nicht gut auskenne. Sicher hat Levis bereits einen ähnlichen Status eingenommen wie Coca Cola. Murakami nutzt allerdings weitaus abgehobenere Marken, die bewusst gewählt sind und durchaus nicht dem Zeitgeist angepasst, sondern einen bestimmten Designer, eine bestimmte Marke hervorheben sollen. Ich weiß allerdings nicht, wo dann die Assoziationen und konkreten Realitätsbezüge entstehen sollen, wenn man Suntori Whiskey trinkt, statt einfach nur Whiskey. Und was erdet, wenn Tengo sich eine Designerbrille von XY aufsetzt? Was geht es mich an, ob Aomame nun Schuhe von Charles Jourdan trägt und ein Kostüm von Junko Shimada?
Natürlich soll hier der Leser alleine darauf aufmerksam gemacht werden, dass da ein teures Kleidungsstück seinen Wert erfüllt und es ist unwichtig, ob der Leser den Designer nun kennt oder nicht. Trotzdem würde es eben, gerade in dieser Hinsicht, dann völlig genügen, darauf zu verweisen, dass es wirklich teurer Kram ist. Wozu diese Beweihräucherung der Marken, die mir durch ihre Aufdringlichkeit dann das Vergnügen am Lesen nehmen?

Für mich drückt das Nennen von Markennamen nicht den Zeitgeist aus und macht noch keinen angesagten „fetzigen“ Roman. Unsere Zeit ist, im Gegenteil, von wesentlich komplizierteren Ereignissen durchwachsen, als dass das Tragen von
A d i d a s - Schuhen und das Aufsetzen einer R a y B a n -Brille als Sinnbild dafür stehen könnte, was unsere Generation ist, selbst wenn wir am laufenden Band damit konfrontiert sind und sicherlich auch nicht immer freiwillig. Mag sein, dass sich viele von diesen Gesellschafts-Markt-Bedingungen dermaßen umgeben fühlen, dass sie darin schon einen Zeitgeist deuten, für mich wirkt diese Bewerbung der Produkte und Marken in der Literatur und auch in der Realität verdummend.

Und hier muss ich andererseits auch wieder etwas einlenken, denn tatsächlich stört es mich nicht in allen Romanen. Vielleicht ist Originalität ausschlaggebend und das richtige Platzieren, ohne aufdringlich bzw. übergrell beleuchtet zu sein. Und das ist es auch, um wieder auf Krausser zurückzukommen, was mich nicht fesseln konnte, dieses gewollte Setzen der Jetzt-Zeit, banal und oberflächlich, also ein Klischee. Klar sind Google, Wiki und Skype Bestandteile unseres jetzigen Lebens, aber im Buch wirkt das eben auf mich nur schnell verfasst und ungünstig an vielen Stellen eingestreut, so, als müsse der Autor nun unbedingt den Markt und die Zeit „erfüllen“. (Muss er ja auch auf eine gewisse Art und Weise, zumal er sich vorgenommen hat, jedes Jahr einen neuen Roman herauszubringen, alleine, um zu zeigen, was er so drauf hat. Nur leider leidet dann eben, wie üblich, wenn Schriftsteller sich selbst feiern wollen und schnell schnell machen müssen, der Gehalt des Ganzen. Und das wiederum ist schade, gerade weil Krausser, so denke ich, doch viel mehr drauf hat.)
Und weiter erweckt dann eben das Lesen solcher Romane in mir die Befürchtung, dass viele Autoren sich lieber mit vielen zeitaktuellen Situationen und Geschichtchen befassen wollen und auch tun, als sich intensiv Gedanken über ihre Zeit zu machen, weil diese Bücher nun einmal besser verkäuflich sind, so dass sie in dieser Form dann höchstens bessere Zeitungsartikel oder Blog-Einträge sind, oder noch kürzer: Markt-Erfüllung, nicht mehr Literatur.
Anders ist es dagegen, wenn z. B. ein Autor wie Hubert Selby seinen Tyrone C. Love die Stufen zur U-Bahn hinunter beboppen lässt, sich also einer Neuschöpfung an Worten bedient, die seine Zeit und die Generation viel besser einfängt, weil es eben kreativ ist und nicht ein Herunterrattern gegebener Situationen, oder in „American Psycho“ der Anzug bewusst von A r m a n i ist und ein angesagtes Restaurant genannt wird, in dem man nur einen Platz bekommt, weil man wer ist, um zu zeigen, wie der Mensch unter all diesen künstlich gesetzten Wertmaßstäben verschwindet und sogar austauschbar wird, weil er als eigentliches Wesen im Trend der Persönlichkeitsspaltungen und –erschaffungen untergeht. Das zeugt von einem ganz anderen Gehalt einer Verwendung bewusster "Symptome".
Dagegen gibt es mir eben einfach nichts, mich im Roman mit einer Echtheit konfrontiert zu sehen, die genauso einfallslos und gähnend langweilig ist wie die kommerzielle Verdummungswelt.


Liebe Grüße
Taxine



(Übrigens: ich bin natürlich jederzeit belehrbar, falls jemand einen Lesetipp in dieser Richtung hat, der mir samt der Jetzt-Beweihräucherung verschiedenster Dinge dennoch gefallen könnte. )




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zuletzt bearbeitet 28.10.2012 18:55 | nach oben springen

#12

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 21.10.2012 19:20
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von Taxine im Beitrag #11
Ich weiß allerdings nicht, wo dann die Assoziationen und konkreten Realitätsbezüge entstehen sollen, wenn man Suntori Whiskey trinkt, statt einfach nur Whiskey. Und was erdet, wenn Tengo sich eine Designerbrille von XY aufsetzt? Was geht es mich an, ob Aomame nun Schuhe von Charles Jourdan trägt und ein Kostüm von Junko Shimada?


Das war 1984 (oder 1Q84?), also vor mehr als einem Vierteljahrhundert.
Angesichts der sprichwörtlichen Schnellebigkeit der Moden dürfte das den Vorwurf des Product Placements in diesem Fall entkräften.

Ich habe diese Erwähnungen weder als Werbung noch als "Beweihräucherung" gelesen.
Vielleicht bin ich da auch weniger sensitiv, weil ich aus Alters- und Milieu-Gründen eher wenig mit "Lifestyle" und "Zeitgeist" konfrontiert werde.

Ich habe den Eindruck, Du hängst Dich sehr daran auf, dass die Marken teuer und toll sein sollen.
Für ihre Funktion als Realitätsanker spielt das aber keine Rolle.

Ist zwar offtopic, aber dennoch möchte ich eine nicht besonders spezifische aber gelungene Beschreibung teurer Kleidung zitieren, die ich heute gelesen habe (bei dem jüngst verstorbenen Herbert Rosendorfer):
"Felix Hierold trug einen seitlich geknöpften Anzug und ein Hemd aus blauer Seide, für dessen Gegenwert man fast einen Tizian hätte kaufen können."

Gruß,
L.


zuletzt bearbeitet 21.10.2012 19:25 | nach oben springen

#13

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 21.10.2012 20:37
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Zitat von larifant im Beitrag #12

Ist zwar offtopic, aber dennoch möchte ich eine nicht besonders spezifische aber gelungene Beschreibung teurer Kleidung zitieren, die ich heute gelesen habe (bei dem jüngst verstorbenen Herbert Rosendorfer):
"Felix Hierold trug einen seitlich geknöpften Anzug und ein Hemd aus blauer Seide, für dessen Gegenwert man fast einen Tizian hätte kaufen können."



Ja, tolles Zitat. Und es drückt exakt aus, was LX.C oder ich bereits meinten. Wieviel schöner hat Rosendorfer hier einen Zusammenhang der Werte geknüpft, statt einfach zu sagen: "Er trug A r m a n i."




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 28.10.2012 18:50 | nach oben springen

#14

RE: Das Buch als Produktvermarktung

in An der Literatur orientierte Gedanken 25.10.2012 12:36
von LX.C • 2.691 Beiträge

Hähä "Product-Placement" im DDR-Drama:

"Freu dich doch, wir sind an dem Ort, wo wir sein wolln. Lache! Trink! – Alles ist schön. – Tanzt allein. Da seht ihr meinen Freund Joe, der hat hier seinen kleinen Frieden gemacht mit der Welt. Er will als Heiliger leben, Sahna fressen und sozialistisch heiraten, fürs Brigadetagebuch. Ohne besondere Erwartungen" (Braun, Volker: Die Kipper, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1972, S. 17).

Warum Sahna (heute Sana) und nicht Margarine? Letztlich läuft es doch darauf hinaus: Margarine statt Butter "fressen".


--------------
Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 25.10.2012 13:00 | nach oben springen


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