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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#1

Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 30.10.2012 11:36
von Martinus • 3.195 Beiträge

Kennt ihr das auch. Keine Lust zum Lesen? Ha, was für eine Frage, und das in einem Literaturforum.

Meine Phase des Weniglesens dauert schon über ein Jahr an. Das liegt vielleicht auch daran, weil manchmal meine Konzentrationsfähigkeit den Bach hinuntergeht, Andererseits, wenn ich gerade beim Schreiben bin, schreibe ich auch lieber und mag nichts lesen. Es gibt kaum was schöneres, als selbst kreativ zu sein. Das fällt mir immer wieder auf. Beim Schreiben fließt die Energie leichter als beim Lesen. Wenn ich vormittags ein Gedicht geschrieben habe, lese ich nachmittags kaum noch was.Wenn ich pro Monat einen 500 Seiten-Roman gelesen habe, scheinen monatliche Lesebatterien verbraucht zu sein.

Natürlich macht hier jeder seine eigenen Erfahrungen. Manche, so scheint mir, haben 100000 Volt Geistesbatterien. Es ist ja schön, wenn manche Leute so durchpowern können. Ich muss mit meinen Energien konzentrierter umgehen.

Liebe Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)
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#2

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 02.11.2012 17:08
von Taxine • Admin | 5.953 Beiträge

Ich glaube gar nicht einmal, dass das alles mit zu viel oder zu wenig Power zu tun hat.
Kreative Phasen sind häufig ziemlich gefräßig und einnehmend.
Wenn ich male, kann ich auch nicht mehr lesen.
Wenn ich schreibe, schon.

Da ich das alles aber schon seit Ewigkeiten so gewohnt bin, hat sich die Konzentrationsfähigkeit bei mir ganz gut darauf abgestimmt, so dass ich dann schnell wieder umschalten kann. Wenn ich möchte. Man muss ja auch nicht ...




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 02.11.2012 17:09 | nach oben springen

#3

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 03.11.2012 11:47
von Krümel • 499 Beiträge

Zitat von Taxine im Beitrag #2
Wenn ich male, kann ich auch nicht mehr lesen.


Aha! Ich habe ja ein wenig mit dem Malen und Zeichnen begonnen, und finde gar keine Zeit mehr zum Lesen, nein stimmt nicht. Zeit hätte ich wohl auch noch, aber meine Aufnahmefähigkeit ist hin. So wie du das beschreibst, scheint es dann wohl eher normal zu sein. Manchmal liege ich im Bett und sinne über Farben nach, oder es kommen mir Bilder, die ich gerne mal gemalt hätte, wenn ich es denn könnte - gar Themen zu Bildreihen kommen mir ... also kreativ bin ich, aber an der Umsetzung muss ich noch arbeiten

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#4

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 03.11.2012 15:37
von Taxine • Admin | 5.953 Beiträge

Zitat von Krümel im Beitrag #3
Zitat von Taxine im Beitrag #2
Wenn ich male, kann ich auch nicht mehr lesen.


Aha! Ich habe ja ein wenig mit dem Malen und Zeichnen begonnen, und finde gar keine Zeit mehr zum Lesen, nein stimmt nicht. Zeit hätte ich wohl auch noch, aber meine Aufnahmefähigkeit ist hin. So wie du das beschreibst, scheint es dann wohl eher normal zu sein.


Ja. Völlig normal. Das liegt eben auch daran, dass der Geist da immer noch weiter arbeitet, wenn das Bild längst auf der Leinwand Form angenommen hat. Dann kommen erst die Verbesserungen und Verfeinerungen. Dazu sind Bild-Welt und Buchstaben-Welt möglicherweise auch so verschieden voneinander, dass die eine die andere völlig überlappt. Farben sind demnach stärker in ihrer Wirkung auf den Schädel als Worte. Har har ...




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 03.11.2012 15:41 | nach oben springen

#5

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 03.11.2012 23:29
von LX.C • 2.722 Beiträge

Leider muss man mit seiner Energie ja haushalten, und mir fällt es oft auch schwer umzuschalten. Phasen des Nichtlesens von literarischen Werken hatte ich in letzter Zeit auch gehabt, vielleicht eineinhalb Jahre schon, weil ich mich mit historischen Themen auseinandersetzen musste. Ich habe dann natürlich trotzdem gelesen, aber schwerpunktmäßig eben keine literarischen Werke, was mich schon zu der Frage führte, ob ich Literatur wirklich so sehr benötige, wie ich immer dachte. Auch die Buchstaben-Welt kann einen also vom Lesen von literarischen Werken abhalten.
Wie ihr schon festgestellt habt, ist das eine Frage der Schwerpunktverlagerung. Allerdings habe ich immer wieder über das Thema Bezüge zu literarischen Werken gesucht und gefunden. Und umgekehrt machst Du das, Taxine, ja auch. An Deiner Kunst sieht man, dass sie oftmals von Literatur beeinflusst ist oder in Wechselbeziehungen mit ihr steht.
Ich verstehe jetzt aber auch Leute besser, die aufgrund anderer Tätigkeiten in Wissenschaft, Wirtschaft, was auch immer, keine Muse für literarische Werke haben. Sie nehmen eben doch viel Zeit und Konzentration in Anspruch und wer primär anderen Bereichen im Leben nachspürt, dem kann man die Ansicht nicht verdenken, dass Literatur von diesen abhalten und die Konzentration ablenken würde. Zeit für sie muss man eben finden oder sich nehmen. Oder es eben lassen, so wie Leute, die viel Literatur lesen, andere Dinge vernachlässigen müssen. Aber wem Literatur etwas bedeutet, der wird immer wieder zu ihr zurückfinden.


--------------
Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 03.11.2012 23:47 | nach oben springen

#6

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 04.11.2012 16:49
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von LX.C im Beitrag #5

Ich verstehe jetzt aber auch Leute besser, die aufgrund anderer Tätigkeiten in Wissenschaft, Wirtschaft, was auch immer, keine Muse für literarische Werke haben.

Ganz genau, wer sich nicht durch Studium und Beruf darauf spezialisiert hat, dem bleibt die "höhere Literatur" verschlossen und er möge sich auf "Krimis" und "Ratgeber" beschränken.
Bei solcher Arroganz geht wieder einmal mein Blutdruck durch die Decke.
Übrigens hat man ggf. "Muße", Herr Bildungsbürger, eine "Muse" küsst den Künstler, Dichter oder (Klio) mitunter sogar den Historiker.

@Martin:
1) Wie Du selbst schreibst: Es gibt kaum etwas Schöneres, als selbst kreativ zu sein.

2) Dass es unsinnig ist, die Freude am Lesen zu quantifizieren (mindestens x Bücher pro Monat), muss man Dir hoffentlich nicht sagen.
Mir kommt bei solchen Gelegenheiten immer Borges "Utopie eines müden Mannes" in den Sinn, wo sich der Mensch der Zukunft darüber amüsiert, dass der Erzähler 2000 Bücher besitzt: Kein Mensch könne soviele Bücher lesen, in vier Jahrhundert habe er gerade ein halbes Dutzend bewältigt. "Auf das Wiederlesen kommt es an."

Gruß,
L.


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#7

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 04.11.2012 17:39
von Taxine • Admin | 5.953 Beiträge

Zitat von LX.C im Beitrag #5
Leider muss man mit seiner Energie ja haushalten, und mir fällt es oft auch schwer umzuschalten. Phasen des Nichtlesens von literarischen Werken hatte ich in letzter Zeit auch gehabt, vielleicht eineinhalb Jahre schon, weil ich mich mit historischen Themen auseinandersetzen musste. Ich habe dann natürlich trotzdem gelesen, aber schwerpunktmäßig eben keine literarischen Werke, was mich schon zu der Frage führte, ob ich Literatur wirklich so sehr benötige, wie ich immer dachte. (...)
Ich verstehe jetzt aber auch Leute besser, die aufgrund anderer Tätigkeiten in Wissenschaft, Wirtschaft, was auch immer, keine Muse für literarische Werke haben. Sie nehmen eben doch viel Zeit und Konzentration in Anspruch und wer primär anderen Bereichen im Leben nachspürt, dem kann man die Ansicht nicht verdenken, dass Literatur von diesen abhalten und die Konzentration ablenken würde. Zeit für sie muss man eben finden oder sich nehmen. Oder es eben lassen, so wie Leute, die viel Literatur lesen, andere Dinge vernachlässigen müssen. Aber wem Literatur etwas bedeutet, der wird immer wieder zu ihr zurückfinden.


Ich denke auch, dass man sich für das Lesen Zeit nehmen muss. Ich kenne viele Menschen, die durchaus gerne in einem literarischen Werk versinken wollen, jedoch einfach nicht mehr die Kraft und Konzentration aufbringen können. Dann muss man eben zwischen den Dingen entscheiden. Ein Kopf, der permanent mit Streß, Arbeit, Auslastung und Leistungsdruck gefüllt ist, wird der literarischen Welt, insbesondere der der Romane, weniger abgewinnen können.

Zitat von larifant
Ganz genau, wer sich nicht durch Studium und Beruf darauf spezialisiert hat, dem bleibt die "höhere Literatur" verschlossen und er möge sich auf "Krimis" und "Ratgeber" beschränken.
Bei solcher Arroganz geht wieder einmal mein Blutdruck durch die Decke.


Ich glaube nicht, dass LX.C das in diesem Sinne gemeint hat. Ich höre daraus keine Arroganz, sondern die einfache Erkenntnis heraus, dass sobald die Zeit knapper wird, das Lesen sich nicht mehr so häufig ergibt, weshalb man dann wiederum auch andere Menschen eher verstehen kann, die dieser Lust nicht frönen.

Auch bei mir stelle ich immer häufiger fest, dass das Lesen als Akt der geistigen Leistung völlig überschätzt ist. Natürlich bedeuten mir Bücher genauso viel wie z. B. die Kunst. Dennoch verstehe ich Menschen nicht, die das Lesen als Qualität betrachten und sich darüber definieren, ... nicht WAS sie lesen, sondern DAS sie lesen.
Ein Mensch, der viele Romane verschlingt, hat sicherlich nicht mehr verstanden als einer, der kaum liest und sich über andere Medien informiert. Dennoch gilt Literatur als intellektuell.

Für mich ist Literatur durchaus ein "Luxusgut". Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, mich tief und oft in sie zu versenken. Aber ich sehe all das nicht als selbstverständlich oder schätze Menschen weniger, nur weil sie nicht so viel lesen, wie ich. Ganz im Gegenteil weiß ich, dass in einer Alltagswelt das Lesen zweitrangig bleiben muss, da andere Sorgen, Belastungen, selbst Beschäftigungen Vorrang haben. Nichts ist schlimmer als Menschen, die die Literatur über alles erheben und dann im Alltag den Menschen ablehnen, der bestimmte Werke nicht kennt. Solche können häufig auch kaum auf normale Sorgen ihrer Mitmenschen eingehen, geschweige sich um sie kümmern oder sich mit ihnen auf andere Art und Weise austauschen. (Das führe ich als Beispiel übrigens nur an, weil ich solche Menschen kenne und erlebt habe. Das hat mich eher traurig gemacht, als dass ich Bewunderung für ihr großes Wissen verspürt habe.)

Liebe Grüße
Taxine




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 04.11.2012 18:18 | nach oben springen

#8

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 04.11.2012 22:24
von LX.C • 2.722 Beiträge

Zitat von larifant im Beitrag #6
Zitat von LX.C im Beitrag #5

Ich verstehe jetzt aber auch Leute besser, die aufgrund anderer Tätigkeiten in Wissenschaft, Wirtschaft, was auch immer, keine Muse für literarische Werke haben.

Ganz genau, wer sich nicht durch Studium und Beruf darauf spezialisiert hat, dem bleibt die "höhere Literatur" verschlossen und er möge sich auf "Krimis" und "Ratgeber" beschränken.
Bei solcher Arroganz geht wieder einmal mein Blutdruck durch die Decke.
Übrigens hat man ggf. "Muße", Herr Bildungsbürger, eine "Muse" küsst den Künstler, Dichter oder (Klio) mitunter sogar den Historiker.

Manchmal versteht man Dinge gerne, wie man sie verstehen möchte, und nicht wie sie gemeint waren. Vielleicht äußerst Du einfach Deine Meinung, ohne persönlich zu werden. Gibts keinen Gründ für.

Zitat von Taxine
Ich höre daraus keine Arroganz, sondern die einfache Erkenntnis heraus, dass sobald die Zeit knapper wird, das Lesen sich nicht mehr so häufig ergibt, weshalb man dann wiederum auch andere Menschen eher verstehen kann, die dieser Lust nicht frönen.


Ganz genau so war es gemeint. Bei denen aufgrund anderer Schwerpunkte im Leben kein oder weniger Interesse besteht. Ganz wertfrei.


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zuletzt bearbeitet 04.11.2012 23:20 | nach oben springen

#9

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 06.11.2012 15:19
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Zitat Taxine
„Ein Kopf, der permanent mit Stress, Arbeit, Auslastung und Leistungsdruck gefüllt ist, wird der literarischen Welt, insbesondere der der Romane, weniger abgewinnen können.“
Sicherlich ist dies eine mögliche Begründung für Nicht-Lesen. Es kann aber ebenso in unverminderter Form eine mögliche Begründung FÜR das Lesen sein. Ich glaube, das ist ausgesprochen individuell. Karl Marx hat zum Beispiel in mathematischen Übungen Entspannung gefunden. Es wurde in diesem Fall z. B. also geistige Arbeit als Pendant zu geistiger Arbeit genutzt.
Ich z. B. hasse körperliche Arbeit in allen Varianten. So dient mir das körperliche Arbeiten also in keinem Fall als Ausgleich zur Kopfarbeit.

Zitat Taxine
„Dennoch verstehe ich Menschen nicht, die das Lesen als Qualität betrachten und sich darüber definieren, ... nicht WAS sie lesen, sondern DAS sie lesen.“
So steht der Satz leicht wackelnd da. Ich möchte ihn klugscheißernd präzisieren (man sehe es mir nach):
Dennoch verstehe ich Menschen nicht, die das Lesen als Qualität betrachten und sich darüber definieren, ... nicht WAS sie lesen, sondern dass sie VIEL lesen.
Den ersten Teil der Einschätzung kann ich nur bedingt teilen. Lesen als ein qualitatives Merkmal der Persönlichkeit zu betrachten, halte ich durchaus für möglich. Nur ist es unter mindestens zwei Umständen nicht an dem: a) Man posaunt es zur Selbstprofilierung heraus und / oder b) man meint sich aufzuwerten, da man VIEL liest. Diese zwei Punkte sind schlichtweg, der Umstand, dass man sich eben, wie Du bereits anführst, versucht DARÜBER zu definieren. Das sind für mich Spinner, die mindestens ein Defizit zu kompensieren haben. Das sind überhebliche Fatzken, bei denen alles was sie bisher gelesen haben, leider für die Katz war.

Wenn man meine Besserwisserei so ansieht, hat man die 3. Variante vergeblichen Lesens.

Klugscheiß Teil II:
Ein Mensch, der viele Romane verschlingt, hat sicherlich nicht ZWANGSLÄUFIG mehr verstanden als einer, der kaum liest und sich über andere Medien informiert.



„Nichts ist schlimmer als Menschen, die die Literatur über alles erheben und dann im Alltag den Menschen ablehnen, der bestimmte Werke nicht kennt.“
Absolut meine Meinung. Ich möchte jedoch unbedingt! noch weitergehen:
„Nichts ist schlimmer als Menschen, die die Literatur über alles erheben und dann im Alltag den Menschen ablehnen, der NICHT liest oder KEIN Interesse am Lesen besitzt.“


www.dostojewski.eu
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#10

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 07.11.2012 11:58
von Krümel • 499 Beiträge

Das mit dem viel oder weniger lesen, hängt auch davon ab, wie schnell man liest. Bei mir muss ich immer wieder feststellen, dass ich eine Schneckenleserin bin, andere lesen in der gleichen Zeit wie ich, beispielsweise in einer Stunde (ich 20-40 Seiten) lesen andere knappe 100 Seiten. Das soll daran liegen, wie geübt man in der Kindheit ist, ob man das Schriftbild schnell visualisieren kann, oder ob man wie ich, jeden Satz wirklich lesen muss. Ich hatte als Kind eine "Lese-Schreibschwäche", die Außenwelt machte dann daraus "du kannst nicht lesen", einen Komplex, den ich erst als junge Frau realisieren konnte und dran gearbeitet habe. Meiner Meinung war es einfach die Tatsache, dass ich als Kind lieber gerechnet habe, und mich Dinge wie Natur, Tiere usw. mehr interessiert haben, und ich in der Schulwelt eine totale math.-nat. Begabung war. Gelesen habe ich weniger, da ich "ja nicht lesen konnte"

Manchmal denke ich, so blöd das auch in meiner Kindheit gelaufen ist, lese ich Bücher so langsam, dass ich einfach gezwungen bin, sie zu genießen. Ob ich dabei "besser" oder "genauer" lese, kann ich schon bei einigen Mitlesern feststellen, wenn ich beispielsweise eine Leserunde im Büchertreff mitmache, aber bei anderen wiederum nicht. Taxine liest sehr viel schneller, aber ihr entgeht nix! Das ist alles individuell ...

zuletzt bearbeitet 07.11.2012 12:00 | nach oben springen

#11

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 07.11.2012 16:39
von LX.C • 2.722 Beiträge

Zitat von Jatman1
„Nichts ist schlimmer als Menschen, die die Literatur über alles erheben und dann im Alltag den Menschen ablehnen, der NICHT liest oder KEIN Interesse am Lesen besitzt.“


Das ist wohl wahr. Nur ehrlich gesagt bin ich einem solchen Charakter noch nie begegnet, auch nicht in der von Taxine beschriebenen Form. Hast Du Erfahrungen in Deinem Umfeld damit? Zu überlegen allerdings, warum manche Menschen der Literatur nachhängen (alle Genres eingeschlossen) und andere diese Leidenschaft nicht teilen können, hat mit Ablehnung oder Abgrenzung nichts zu tun. Wer an etwas Freude hat, möchte diese Freude meistens mit anderen teilen, so z.B. die Beschäftigung mit dem Leben Dostojewskis. Wird eine solche Freude im Umfeld nicht oder wenig geteilt, dann ist es normal, dass man sich seine Gedanken macht. Aufsehen kann man als Extremsportler erlangen, als Leser eher kaum, was den Schluss zulässt, dass die meisten Leser gar kein Interesse daran haben, der Außenwelt damit zu gefallen oder sich hervor zu tun. Das geschieht meist nur aus Bildungsdünkel, da stimme ich ein.


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 07.11.2012 17:02 | nach oben springen

#12

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 07.11.2012 18:07
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

@krümel
„Ich hatte als Kind eine "Lese-Schreibschwäche"
Ist ja echt außerordentlich interessant. Ich musste gleich an John Irving denken, der war / ist auch Legastheniker – oder eben auch nicht. Glückwunsch dazu, dass Du Dich nicht hast auf das „Nicht-Lesen-Können“ eingelassen hast!

„Das mit dem viel oder weniger lesen, hängt auch davon ab, wie schnell man liest.“
Ein weiteres Kriterium beim Lesen ist sicherlich auch, zu w e l c h e m Z w e c k man liest.

„dass ich einfach gezwungen bin, sie zu genießen.“
Du könntest auch gezwungen sein, zu leiden. Dann aber würdest Du ja nicht lesen. Im Extrem, vielleicht aber auch im Normalfall(?) könnte es aber auch dazu führen, dass Du beim identischen Buch nahezu ein anderes Buch als der 100 Seiten-Leser gelesen hast. Und wenn es dies nicht der Fall ist, sicher dürfte sein, dass Du Dich beim Lesen anders fühlst.

„Taxine liest sehr viel schneller“
Nun gut. Taxine ist bestimmt ein Unternehmen mit 5 Angestellten. Und sie als Chefin lässt malen, lesen, rezensieren. Anders kann es nicht sein.

@LXC
Kann ich nachvollziehen: Gibt es sowas? Ja gibt es. Hätte ich ein paar, z.B. ein recht guter Freund, Abteilung Manager. Ich versteh mich mit ihm 1a. Nur mit Lesen, kannste knicken. Macht der nicht. Und zwar wirklich nicht. Kaum zu glauben aber wahr. Gibt noch ein paar e c h t e Nichtleser. Aber zu privat. Ich empfinde es angenehm eine Mischung an Bekanntschaften zu haben. So bleibt man in Übung im "Aufeinander eingehen". Hatte auch mal son intellektuellen schnösligen Bücherfreak zum Kumpel. Seit Jahren kein Kontakt mehr. Kann ich nicht gebrauchen. Ich will Menschen, die leben . . .
Nunja, Du hast Recht. Mit meinem Dostojewski stehe ich da schon ziehmlich allein da. Ist aber okay. Viele von den Kontakten die ich über die Seite habe / hatte sind mir echt zu abgehoben. Gelegentlich ist das auch hier der Fall. Unterm Strich sehe ich mich jedoch gut aufgehoben.


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 07.11.2012 18:49 | nach oben springen

#13

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 07.11.2012 18:42
von larifant • 270 Beiträge

Man kann aber auch gleichzeitig als Leser und Nicht-Leser glänzend dastehen.

Wie?

Einfach einen Haufen Bücher kaufen und dann laut klagen, man habe doch gar keine Zeit, die alle zu lesen.

Der Bücherstapel ist "Bildungseifer zum Anfassen".
Um so schwerer, um so gebildeter.

Keine Zeit zu haben, zeugt von besseren Zielen und somit vom besseren Menschen.
(Den Umkehrschluss lässt man unausgesprochen: wer wirklich liest, vernachlässigt zwangsläufig anderes und wichtigeres)

Und das Schönste: im Extremfall muss man dabei gar nichts lesen.

Gruß,
L.


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#14

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 07.11.2012 18:46
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Grrhhh. So´ne Typen: Und Tschüss!
Meistens haben die aber ihre Bücher schön ordentlich im Regal oder noch besser im Bücherschrank mit Glastüren.
Hunde die bellen, die beißen nicht und wer rumposaunt so wichtig zu sein, dass er seine selbstredend auch wichtigen Bücher gerad mal nicht lesen kann, der liest auch nicht. Da lege ich mich mal fest.

"Bildungseifer zum Anfassen" schönes Bild


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 07.11.2012 18:47 | nach oben springen

#15

RE: Phasen des Nichtslesens

in An der Literatur orientierte Gedanken 07.11.2012 20:00
von Taxine • Admin | 5.953 Beiträge

Zitat von LX.C im Beitrag #11
Zu überlegen allerdings, warum manche Menschen der Literatur nachhängen (alle Genres eingeschlossen) und andere diese Leidenschaft nicht teilen können, hat mit Ablehnung oder Abgrenzung nichts zu tun. Wer an etwas Freude hat, möchte diese Freude meistens mit anderen teilen, so z.B. die Beschäftigung mit dem Leben Dostojewskis. Wird eine solche Freude im Umfeld nicht oder wenig geteilt, dann ist es normal, dass man sich seine Gedanken macht. Aufsehen kann man als Extremsportler erlangen, als Leser eher kaum, was den Schluss zulässt, dass die meisten Leser gar kein Interesse daran haben, der Außenwelt damit zu gefallen oder sich hervor zu tun. Das geschieht meist nur aus Bildungsdünkel, da stimme ich ein.


Lesen und Nicht-Lesen: Ich kenne auch beide Richtungen. Menschen, die absolut keinen Zugang zu einem Buch finden und Menschen, die nicht nur stolz darauf sind, dass sie viel lesen, sondern tatsächlich, dass sie lesen. Das Viel-Lesen sagt dann ja im Grunde auch nichts darüber aus, ob ein Mensch tatsächlich gebildeter in die Welt hinausschreitet oder eben nicht, da geht es dann doch tatsächlich darum, WAS man liest. Aber beide Typen "Mensch" (also der Leser und Nicht-Leser) sind auch manchmal von gleicher Arroganz der anderen Kategorie gegenüber. Nicht-Leser halten ein Buch (und hier vor allen Dingen die Klassiker) für totlangweiligen Blödsinn, wie der übertriebene Anspruch-Leser das Nichtlesen als Dummheit auslegt.

Und hier möchte ich dann auch doch noch einmal ganz klar unterscheiden zwischen Ablehnung aus intellektuell überheblicher Arroganz und dem reinen Interesse an der Literatur, die nach Austausch sucht.

Arrogant sind für mich die Leser-Typen, die sich über andere Menschen stellen, aufgrund ihrer Literaturkenntnis, und glauben, das Lesen von Bücher erhöhe sie intellektuell, während sie den Nicht-Leser für dumm erklären. Menschen, die nicht ihre Interessen teilen, werden von ihnen als uninteressant eingestuft. Diese Arroganz bewegt sich dann auch in dem Rahmen, dass Menschen abgelehnt werden, weil sie es wagen, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.


Die geistigen Interessen an der Literatur allerdings zu teilen und auch nach Menschen zu suchen, die ähnlich gesinnt sind, also im normalen Rahmen an der Literatur ihre Freude haben und sich austauschen möchten, ist ein Wunsch, den ich teile. Ich kann sicherlich ein intensiveres Gespräch mit einem Menschen führen, der auch liest, als mit jemandem, der nicht liest. Aber ich werde den letzteren darüber nicht als Mensch definieren und ihn für geistig regloser erklären. Es ist schon schön, sich über Bücher auszutauschen und ich möchte solche Gespräche auch nicht missen. Aber ich fühle weder mich selbst (geistig) wertvoller, nur weil ich lese, noch lehne ich Menschen ab, wenn sie kein Interesse am Lesen haben.


Zitat von larifant
Man kann aber auch gleichzeitig als Leser und Nicht-Leser glänzend dastehen.

Wie?

Einfach einen Haufen Bücher kaufen und dann laut klagen, man habe doch gar keine Zeit, die alle zu lesen.


"Keine Zeit zu lesen" - davon sind allerdings auch Menschen betroffen, die von morgens bis abends schuften müssen, dann nach Hause kommen und keine Energie mehr aufbringen, ein Buch zu lesen oder etwas darin erfassen zu können. Diese möchten, schaffen es aber aufgrund ihrer Lebensumstände nicht.
Jeder kennt das selbst, wenn er viel um die Ohren hat, dass die Literatur erst einmal zurückgestellt wird, nicht nur, weil viel zu tun ist, sondern auch, weil die Kraft dann einfach fehlt, das Hirn abschalten möchte und muss. Natürlich kann man dann noch auf leichte Kost zurückgreifen. Ich persönlich lese dann lieber gar nicht, wenn ich merke, dass ich anfange, einen Satz immer und immer wieder zu lesen, ohne etwas zu erfassen.
Andere haben solche Umstände aber jeden Tag. Und dann ist das "keine Zeit haben" keine Ausrede mehr, sondern eine Bedingung, die vorerst nicht zu ändern ist.

Zitat von larifant
Keine Zeit zu haben, zeugt von besseren Zielen und somit vom besseren Menschen.
(Den Umkehrschluss lässt man unausgesprochen: wer wirklich liest, vernachlässigt zwangsläufig anderes und wichtigeres)


Ja, das wiederum geht mir auch auf den Keks. Ansichten mancher Menschen (denn umgekehrt (also aus Sicht des Nicht-Lesers) ist es mit der Arroganz ja nicht anders), dass der Lesende automatisch fauler und nutzloser ist, sich in die Literatur flüchtet, sich dem Leben verweigert.




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zuletzt bearbeitet 08.11.2012 00:50 | nach oben springen


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