November 2012

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18.11.2012 20:19
avatar  fedja
#16
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Eine Empfehlung, wobei es schon eine Weile her ist, seit ichs gelesen habe. Geht um einen Literaturwissenschaftler, der eine Laudatio auf einen Bekannten halten soll. Zugleich auch eine Ehe- und Beziehungsgeschichte.

LG, F.


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18.11.2012 23:24
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#17
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Zitat von Taxine im Beitrag #13
Hi LX.C,
ja, genau darum interessiere ich mich auch für seine anderen Sachen. Er schrieb dazu auch ein Buch über seine Erfahrungen mit der Stasi. Die will ich mir auch noch besorgen. Habe mir den "Riß" und "Der Zorn des Schafes. Aus meinem Tagwerk" bestellt. Nach und nach werden wohl noch mehr Bücher von ihm zu mir finden. Er ist dann doch einer jener Autoren, die mich mit einer wunderschönen Alltagsgeschichte samt DDR-Stimmung gepackt haben. Daher muss ich wohl doch revidieren. Es sind auch die Geschichten der Menschen von nebenan, die aufgeschrieben gehören. Besonders, wenn sie so gut geschrieben wurden, wie Loest es bei seinem "Es geht seinen Gang" geschafft hat.
Hast du für mich noch mehr DDR-Eindrücke verschiedener Autoren, die sich lohnen würden? Ruge hat mich ja auch gerade darum begeistert. Jetzt haben wir den Salat, jetzt will ich mehr ...

Die sich lohnen, hm, das heißt wohl so wenig programmatisch wie möglich Wie schon gesagt, Uwe Johnsons "Mutmaßungen über Jakob" beschreibt auf sehr interessante Weise Lebenswelt DDR der 50er und speziell auch das Thema Stasi auf sehr offene Weise. Ich will auf jeden Fall noch Christoph Heins "Horns Ende" (1985) lesen, ebenfalls das Thema Stasi und wie ein Kader fertig gemacht wird. Diesen Büchern fehlt sicher der Alltagshumor, wie ihn Loest in "Es geht seinen Gang" praktiziert. "Hinze-Kunze-Roman" von Volker Braun hattest Du schon gelesen? Damals nach dem Machwerk wahrscheinlich. Der versteht es ja wie kein anderer, DDR-Alltag zu ironisieren und Parteiphrasen zu verdrehen und aufs Korn zu nehmen. "Flugasche" von Maron wirst Du auch schon gelesen haben? Henryk Bereska "Kolberger Hefte" fand ich damals auch ganz toll, Tagebücher 1967-1990. Cibulka mag ich auch. Doch ausgerechnet dessen "Swantow", das in der Ökoszene gefeiert wurde und ihn ins Fadenkreuz der Stasi geraten ließ, habe ich auch noch nicht gelesen. Günter de Bruyn, ja, "Buridans Esel", da gehts dann noch mal richtig kritisch um DDR-Gesellschaft und das Individuum in ihr. Stilistisch wäre sicher auch Bobrowski für Dich interessant. Ach, viele gibt es zu entdecken.


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20.11.2012 23:55 (zuletzt bearbeitet: 21.11.2012 00:15)
avatar  Taxine
#18
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Zitat von fedja im Beitrag #16
Eine Empfehlung, wobei es schon eine Weile her ist, seit ichs gelesen habe. Geht um einen Literaturwissenschaftler, der eine Laudatio auf einen Bekannten halten soll. Zugleich auch eine Ehe- und Beziehungsgeschichte.

LG, F.


Alles klar. Habe ich mir bestellt. Vielen Dank.

Zitat von LX.C
Die sich lohnen, hm, das heißt wohl so wenig programmatisch wie möglich Wie schon gesagt, Uwe Johnsons "Mutmaßungen über Jakob" beschreibt auf sehr interessante Weise Lebenswelt DDR der 50er und speziell auch das Thema Stasi auf sehr offene Weise. Ich will auf jeden Fall noch Christoph Heins "Horns Ende" (1985) lesen, ebenfalls das Thema Stasi und wie ein Kader fertig gemacht wird. Diesen Büchern fehlt sicher der Alltagshumor, wie ihn Loest in "Es geht seinen Gang" praktiziert. "Hinze-Kunze-Roman" von Volker Braun hattest Du schon gelesen? Damals nach dem Machwerk wahrscheinlich. Der versteht es ja wie kein anderer, DDR-Alltag zu ironisieren und Parteiphrasen zu verdrehen und aufs Korn zu nehmen. "Flugasche" von Maron wirst Du auch schon gelesen haben? Henryk Bereska "Kolberger Hefte" fand ich damals auch ganz toll, Tagebücher 1967-1990. Cibulka mag ich auch. Doch ausgerechnet dessen "Swantow", das in der Ökoszene gefeiert wurde und ihn ins Fadenkreuz der Stasi geraten ließ, habe ich auch noch nicht gelesen. Günter de Bruyn, ja, "Buridans Esel", da gehts dann noch mal richtig kritisch um DDR-Gesellschaft und das Individuum in ihr. Stilistisch wäre sicher auch Bobrowski für Dich interessant. Ach, viele gibt es zu entdecken.



Kritische Blicke auf die DDR sind für mich natürlich auch interessant. Johnson, Bereska und Hein sind vorgemerkt. Die anderen Werke kenne ich. Nicht programmatisch, sondern Alltag, gut geschrieben, das ist, wonach ich suche. Diese ganz bestimmte Atmosphäre. Familien, die mit dem Mauerfall konfrontiert werden, z. B. oder mit der Mauer selbst. Reinster Alltag. Gefühl. Unternehmen. Abende. Gesellschaft. In dieser Hinsicht hat mich auch Klonovskys "Land der Wunder" beeindruckt.


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22.11.2012 11:20
avatar  Krümel
#19
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Stewart O´Nan "Engel im Schnee"


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26.11.2012 19:18 (zuletzt bearbeitet: 26.11.2012 19:23)
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#20
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Eine Empfehlung: Gerbrand Bakker "Oben ist es still".
Ein Mann verfrachtet auf einem Bauernhof seinen alten Vater in die obere Etage, damit dieser sterben kann.
Er selbst richtet sich unten ganz neu ein. Er ist also dabei, sich von all dem zu lösen und doch nicht zu lösen.
Er hatte einen Zwillingsbruder, der bei einem Unfall ums Leben kam.
Zeit seines Lebens schaffte er es nicht, sich als einzelner Mensch anzuerkennen.
Das ist in etwa die Grundstory. Eine einfache Geschichte, die aber unglaublich gut umgesetzt ist.
Ein wahnsinnig schöner, ruhiger und menschlicher Roman.


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27.11.2012 11:17
avatar  Krümel
#21
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Mich hat "Oben ist es still" auch berührt, solche Romane mag ich.

Ich werde heute mit "Vom Winde verweht" beginnen


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27.11.2012 16:53
avatar  Taxine
#22
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Admin

Mal wieder ein "MÄRZ"-Druck:

Ernst Herhaus/Jörg Schröder "Siegfried"


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09.12.2012 16:17 (zuletzt bearbeitet: 12.12.2012 07:19)
avatar  LX.C
#23
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Zitat von Taxine im Beitrag #13
Hi LX.C,
ja, genau darum interessiere ich mich auch für seine anderen Sachen. Er schrieb dazu auch ein Buch über seine Erfahrungen mit der Stasi. Die will ich mir auch noch besorgen. Habe mir den "Riß" und "Der Zorn des Schafes. Aus meinem Tagwerk" bestellt.


Noch mal zu Loest und seine Inhaftierung. Über die allgemeinen politischen Hintergründe der Zeit habe ich gerade zufällig in Emmerichs "Kleine Literaturgeschichte der DDR" etwas gefunden (die mit 640 Seiten gar nicht so klein ist und heute eigentlich schon als Standartwerk gilt).
Im Winter 1956-1957 wurden regelrechte Schauprozesse abgehalten. Hintergrund sind die Aufstände in Ungarn und Polen Oktober 1956. Man wollte der literarischen Intelligenz ihre Grenzen aufzeigen und gewissermaßen zu einem stalinistisch härteren Kurs in der DDR-Regierung zurückkehren, nach einer Phase der Liberalisierung 1953-1956. Autoren, die eine Reformierung des stalinistischen Sozialismus in der DDR forderten, bzw. nur laut darüber nachzudenken wagten, wurden wegen „konspirativer Tätigkeit“ und „Boykotthetze“ angeklagt. Verlagsleiter Walter Janke (Aufbau) wurde zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er den Philosophen Lukács, der der "konterrevolutionären" Regierung in Ungarn beiwohnte, ins Exil in die DDR bringen wollte. Der Philosoph Wolfgang Harich wurde zu zehn Jahren verurteilt, ganze acht davon saß er, weil er es wagte zu denken! und Erich Loest saß ganze sieben Jahre. Da kann man sehen, wie schwierig es war, seinen Mund aufzutun, selbst wenn es nur um eine bessere Form des Sozialismus ging. Von Aufführungsverboten, wie sie Volker Braun sie hinnehmen musste, bis Knast war das Spektrum in der Ulbricht Ära breit gefächert.


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10.12.2012 17:09
avatar  Taxine
#24
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Gute und wichtige Hintergrundinformationen, LX.C. Vielen Dank. "Durch die Erde ein Riss" werde ich von Loest als Erstes lesen.


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25.09.2013 10:42 (zuletzt bearbeitet: 25.09.2013 10:48)
avatar  LX.C
#25
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Zitat von Taxine im Beitrag #18
Nicht programmatisch, sondern Alltag, gut geschrieben, das ist, wonach ich suche. Diese ganz bestimmte Atmosphäre. Familien, die mit dem Mauerfall konfrontiert werden, z. B. oder mit der Mauer selbst. Reinster Alltag. Gefühl. Unternehmen. Abende. Gesellschaft.

In Loests "Der Zorn des Schafes" wird "Es geht seinen Gang..." stilistisch/inhaltlich mit Schlesingers "Alte Filme" in Verbindung gebracht. In der Tat, an diese Alltagserzählung, ebenfalls in den 70er Jahren geschrieben, hatte ich gar nicht mehr gedacht. Handlungszeit 70er Jahre, Handlungsort Ost-Berlin. Habe damals eine Neuauflage von 1999, im Aufbau Verlag erschienen, gelesen. Qualitativ schönes Taschenbuch. Vielleicht wäre das noch ein Tipp, falls das überhaupt noch von Interesse ist.


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10.10.2013 15:11 (zuletzt bearbeitet: 10.10.2013 15:12)
avatar  LX.C
#26
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"Zu seinem eigentlichen Thema fand er nicht zuletzt durch die Hilfe des Lektors Kurt Batt, der den Rostocker Hinstorff Verlag leitete und dort neben Schlesinger und Franz Fühmann noch viele andere kritische DDR-Schriftsteller versammelte. In den folgenden Büchern, dem Roman "Alte Filme" (1975), dem Prosaband "Berliner Traum" (1977) und der Erzählung "Leben im Winter" (1980), entwickelte Schlesinger einen ungeheuer präzisen Blick auf die Alltagsrealität der DDR, auf die kleinen Sehnsüchte und Enttäuschungen sozialistischer Durchschnittsbürger, wie sie sonst wohl nur Erich Loest zu beschreiben verstand."

Aus einem Nachruf von Uwe Wittstock, Die Welt, 12.05.2001: http://www.welt.de/print-welt/article450...er-ist-tot.html


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11.10.2013 10:37
avatar  Krümel
#27
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Ich lese gerade ein ganz großartiges Buch, ein Schmöker, ein Buch zum Verlieben, solche gibt es ja nur sehr selten: Wenn die Mondblumen Blühen von Jetta Carleton


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