"Windows of the world" - Frédéric Beigbeder
Ein Schriftsteller, nach dessen Bücher ich immer ohne Überlegung gegriffen habe.
Hat eine recht lustige Trilogie geschrieben, "Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause" - "Ferien im Koma" - "Die Liebe währt nur drei Jahre", oder sein Erfolgsroman "39,90", in der französsischen Variante "99 Francs" war ebenso gern gelesen. All das waren bissige Einblicke in die Werbebranche voller Humor und schöner Menschenträgheit, voller Zynismus und Konsumhass.
Und dann schmeißt dieser Autor ganz hastig und schnell einen Schinken auf den Markt, der sich "Windows of the world" nennt, der... was auch sonst... vom 11.09. handelt. Schrecklich oberflächliches, nicht recherchiertes Gesabbel, um so schnell wie möglich reagiert zu haben.
Er wollte ein Buch schreiben, das so aktuell wie möglich ist, der Erste sein, sich damit einen Meilenstein an schnellem Reagieren verschaffen. Ganz toll.

Dass der Inhalt leer und schnell hingewischt ist, dass er auf die Tränendrüse drücken soll, dass man das ganze Buch danach angewidert in die Ecke schmeißt, sei mal dahin gestellt. Hier wird nicht in Spott berichtet oder in Frage gestellt, hier wird fast gar nicht auf das Thema selbst eingegangen, außer, dass sich der Protagonist gerade in einem der Türme befindet, der zusammenbricht.
Das Drama beginnt um 8.30 Uhr mit einer harmlosen Entscheidung: Auf Drängen seiner beiden Söhne Jerry und David beschließt der Immobilienmakler Carthew Yorston, gemeinsam im Luxusrestaurant „Windows on the World“ im Nordturm des World Trade Centers zu frühstücken. Um 8.46 Uhr müssen die drei beobachten, wie die erste entführte Boeing in den Nordturm rast. Während Carthew verzweifelt versucht, im flammenden Inferno im Inneren des Turmes seine Familie zu retten und letztendlich an einer versperrten Tür zum Dach des Turmes scheitert, auf der in großen Lettern „Emergency Exit“ prangt, lässt er sein zerrüttetes Leben in Gedanken Revue passieren. Kurz bevor um 10.28 Uhr der Nordturm als zweiter der Twin Towers einstürzt, springt Carthew mit seinen Söhnen durch ein zerborstenes Fenster „in die letzte Freiheit“, die ihm geblieben ist.
Hier trieft der Kitsch aus allen Seiten!
Noch unangenehmer ist die Kritik, die hier Beigbeder als Tabu-Brecher hinstellt, als einen Menschen, der sich als Erster an so ein brisantes Thema wagt.
Ahhhh... ich war angewidert, vielleicht gerade deshalb, weil ich Beigbeder in seinen Werken mag. Dieses aber ist für die Katz.
Sein neues Buch "Der romantische Egoist" hat mich noch nicht zum Kauf gereizt, und nur aufgrund dieser Enttäuschung, diesem Trug an Aktualität. :cry:
Hat eine recht lustige Trilogie geschrieben, "Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause" - "Ferien im Koma" - "Die Liebe währt nur drei Jahre", oder sein Erfolgsroman "39,90", in der französsischen Variante "99 Francs" war ebenso gern gelesen. All das waren bissige Einblicke in die Werbebranche voller Humor und schöner Menschenträgheit, voller Zynismus und Konsumhass.
Und dann schmeißt dieser Autor ganz hastig und schnell einen Schinken auf den Markt, der sich "Windows of the world" nennt, der... was auch sonst... vom 11.09. handelt. Schrecklich oberflächliches, nicht recherchiertes Gesabbel, um so schnell wie möglich reagiert zu haben.
Er wollte ein Buch schreiben, das so aktuell wie möglich ist, der Erste sein, sich damit einen Meilenstein an schnellem Reagieren verschaffen. Ganz toll.

Dass der Inhalt leer und schnell hingewischt ist, dass er auf die Tränendrüse drücken soll, dass man das ganze Buch danach angewidert in die Ecke schmeißt, sei mal dahin gestellt. Hier wird nicht in Spott berichtet oder in Frage gestellt, hier wird fast gar nicht auf das Thema selbst eingegangen, außer, dass sich der Protagonist gerade in einem der Türme befindet, der zusammenbricht.
Das Drama beginnt um 8.30 Uhr mit einer harmlosen Entscheidung: Auf Drängen seiner beiden Söhne Jerry und David beschließt der Immobilienmakler Carthew Yorston, gemeinsam im Luxusrestaurant „Windows on the World“ im Nordturm des World Trade Centers zu frühstücken. Um 8.46 Uhr müssen die drei beobachten, wie die erste entführte Boeing in den Nordturm rast. Während Carthew verzweifelt versucht, im flammenden Inferno im Inneren des Turmes seine Familie zu retten und letztendlich an einer versperrten Tür zum Dach des Turmes scheitert, auf der in großen Lettern „Emergency Exit“ prangt, lässt er sein zerrüttetes Leben in Gedanken Revue passieren. Kurz bevor um 10.28 Uhr der Nordturm als zweiter der Twin Towers einstürzt, springt Carthew mit seinen Söhnen durch ein zerborstenes Fenster „in die letzte Freiheit“, die ihm geblieben ist.
Hier trieft der Kitsch aus allen Seiten!
Noch unangenehmer ist die Kritik, die hier Beigbeder als Tabu-Brecher hinstellt, als einen Menschen, der sich als Erster an so ein brisantes Thema wagt.
In Antwort auf:erklärt der Schriftsteller, und erfindet es dann so lapidar, dass sich die ganze Situation des Buches auch beliebig in eine andere kleinkarierte Katastrophe versetzen lässt.
„Es gibt nur eine Möglichkeit zu erfahren, was sich am 11. September 2001 zwischen 8.30 Uhr und 10.29 Uhr im Restaurant des Nordturms des World Trade Centers zugetragen hat: Man muss es erfinden!“,
Ahhhh... ich war angewidert, vielleicht gerade deshalb, weil ich Beigbeder in seinen Werken mag. Dieses aber ist für die Katz.
Sein neues Buch "Der romantische Egoist" hat mich noch nicht zum Kauf gereizt, und nur aufgrund dieser Enttäuschung, diesem Trug an Aktualität. :cry:
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