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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

Vladimir Sorokin

in Literatur im Verriß 16.08.2007 17:24
von Taxine • Admin | 5.886 Beiträge

Ja, der moderne Russe, der neue Trendsetter, für mich dagegen ein langweiliges Gewirr ums Nichts. Alles bereits gewesen, kein neuer Gedanke, absurd viel Drogenkonsum und Gewalt in seinen Büchern, oder das totale Chaos, welches jeden Lesegenuss zerstört.

Sorokin hat in mir, als ich noch wenig von ihm kannte, zunächst zwiespältige Ansichten ausgelöst. Ich habe seine zwei Theaterstücke gelesen, die mich beeindruckt haben, mit folgenden Titel:
"Dostojewski Trip"
und "Krautsuppe, tiefgefroren".

Alles andere von Sorokin ist ziemlicher Mist. "Der himmelblaue Speck " ist ein Ausrutscher ins absolute Chaos, und "Ljod" hat für mich absolut keinen neuen Gedanken beinhaltet, außer dass die Situation, dass man Menschen bekehrt, in dem man ihnen mit einem Eishammer die Brust zertrümmert, wirklich außergewöhnlich eklig ist.
Sorokin hat zudem noch einen unheimlich miesen Ausdruck, dieses ständig Abgehackte... Kein Lesefluss, kein Gefühl für die Sprache.
Aber für den Überblick hier der Klapptext:

Zitat von
Ein Roman über die menschliche Suche nach dem verlorenen Paradies. Im zeitgenössischen Moskau ist eine geheimnisvolle Sekte auf der Jagd nach Menschen, die ein "lebendiges Herz" besitzen. Nur diejenigen ihrer gekidnappten Opfer überleben, deren Herz zu sprechen beginnt, nachdem es mit einem Eishammer getroffen wurde. Schnell stellen diese fest, nach der ekstatischen Erfahrung des Herzkontakts kein normales Leben mehr führen zu können - im Vergleich sind alle anderen Empfindungen schal. Sie gehören nun zu einer geheimen Bruderschaft, die ihre spirituelle Kraft aus dem urzeitlichen Eis des sibirischen Tunguska-Meteoriten schöpft.


Gerade weil die Idee so interessant ist, ist es schade, dass daraus so wenig gemacht wurde.
Für mich ist Sorokin wahrscheinlich einer der ersten Autoren, dessen Buch ich nach dem "K(r)ampf" des Durchlesens tatsächlich in die Ecke gepfeffert habe, was heißt, nicht nur in Gedanken.

Für mich beinhaltet besonders "Ljod" keinen neuen Gedanken. Er hat in seinen Büchern immer ein paar ganz nette Ideen, die er unheimlich schlecht umsetzt oder zu Ende führt. (Alles dabei so vorhersehbar!) Die Geschichte mit dem Herzen, das zum Sprechen bewegt werden muss und eine bestimmte Art von Menschen (mit typisch arischen Merkmalen), die zu einem besseren Zweck erweckt werden, hinterlässt in mir nur ein Gähnen.
Zudem nervt mich sein Schreibstil. Da ist kein Fluß drin, und die ausführlichen Personenbeschreibungen, die so zahlreich wie fast nie wieder auftreten, wirkten ziemlich überflüssig, alleine um aufzuzeigen, dass diese Menschen auf jeden Fall "blond und blauäugig" sein müssen. Das versteht man doch eigentlich ziemlich schnell...

Ich ärgere mich immer, wenn ich ein Buch zuschlage und keinen Nutzen daraus gezogen habe (vollkommen egal, in welcher Art und Weise.) Ich habe zuvor und danach kein Buch in der Hand gehalten, bei dem ich das Lesen als "Zeitverschwendung" abtun musste.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 12.01.2013 17:42 | nach oben springen

#2

RE: Vladimir Sorokin

in Literatur im Verriß 16.08.2007 18:42
von larifant • 270 Beiträge

Zustimmung.

"Himmelblauen Speck" begann verheißungsvoll mit dem Zukunftsidiom und den Dichter-Klonen, um so enttäuschender der Fortgang, der die Fäden keinesfalls aufnimmt. Hitler, Stalin und Sadomaso, fertig.

Dennoch ist das immer noch interessanter, als das öde Stakkato, das "Ljod" zu sein scheint.
(kenne davon nur ein paar Auszüge, die Sorokin auf einer Lesung vortragen hat.)

Gruß,
L.


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#3

RE: Vladimir Sorokin

in Literatur im Verriß 16.08.2007 18:54
von Taxine • Admin | 5.886 Beiträge
Am Anfang von "Himmelblauer Speck" habe ich mir wirklich die Mühe gemacht, um alle neuen Wortschöpfungen hinten nachzuschlagen, aber es wurde und wurde nicht besser.

Die Theaterstücke sind interessanter. Haben mich ein bisschen an Sartre`s "Tote ohne Begräbnis" erinnert, von der Art der Unterhaltung her.

Für den Überblick:
Zitat von
Literarische Tradition und gesellschaftliche Dekadenz, Wirklichkeitsflucht und Sinnsuche - Vladimir Sorokin nimmt in seinem Dostojewskij Trip die Rede von der "Literatur als Droge" ganz wörtlich: Eine Gruppe von Junkies wird von ihrem Dealer mit erstklassigem Stoff versorgt, mit Dostojevskij. Die Droge verwandelt sie in Figuren aus Dostojewskis Klassiker "Der Idiot". Der Gruppentrip wird zu einem ekstatischen, tödlichen Rausch. Dostojevskij Trip ist ein vielgestaltiger Text, ein Spiel mit Zeichen und mit Gattungen, an dessen Ende eine Gesellschaft in der Totenstarre steht.


und

Zitat von
Krautsuppe, tiefgefroren spielt im Jahr 2040. Es herrscht eine Ökodiktatur, erlaubt ist nur noch Vegetarisches. Wer zuwider handelt, landet im Gulag. Doch die Meister alter russischer Kochkunst sind längst im Untergrund organisiert, rivalisierende Banden kämpfen nach Mafia-Art um verbotene Rezepte und rare Zutaten. So kann eine Banalität zum höchsten Gut werden, das tiefgefroren heiß gehandelt wird: mit viel Fleisch gewürzte Krautsuppe. Ein groteskes Drama über die Absurdität der Ideologien.


Grüße
Taxine

P.S. Schöner Avatar!



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 16.08.2007 19:30 | nach oben springen


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