Der Kritiker als Medienstar - war einmal
Neulich kam es zu der Feststellung, dass Profi-Rezensenten/Kritiker zunehmend ihren Platz behaupten müssen (immer kleinere Leserschaft, zurückgehende Auflagen der Printmedien, Bewertungen auf Online-Handelsplattformen und vor allem die Ausbreitung von Internetmedien und ihrer offenen Kommunikationsmöglichkeiten), zu der Frage, ob die Rezension des Laien dem des Profis den Rang abläuft. Wie sich der Profi von dem Hobbyrezensent abzugrenzen glaubt und seine Stellung zu behaupten sucht – Stichwort fundiertes Hintergrundwissen fiel. Und ob die Hobbyrezension überhaupt ihre „seriöse“ Berechtigung hat.
Andererseits fiel auch der Blick auf den Kritiker als Medienfigur mit eigenem Unterhaltungswert und dessen Seriosität, wenn das kritisierte Werk zum Zweckmittel wird.
Dabei ist mir aufgefallen, dass der Profi-Kritiker sich eigentlich überwiegend um das aktuelle Werk kümmert, der Hobbyrezensent vielfach aber gerade das ältere Werk betrachtet, das man im Feuilleton vergebens suchen würde. - Bestenfalls noch in den fetten blauen Jahrbüchern der FAZ finden würde. - Man lässt sich durch den professionellen Kritiker diffus über Neuerscheinungen informieren. Informiert sich über ältere Werke aber gezielt online, über verschiedene Kanäle. So geht es mir jedenfalls. Und hier leistet der Laie doch wichtige Arbeit, finde ich.
Sehe, ich absolut so wie Du. ![]()
Ich finde den Eindruck vieler Menschen für das Buch per se sowieso interessanter als die Meinung eines einzelnen, angesehenen Kritikers. Der Geschmack ist nun einmal unterschiedlich und die Neuerscheinung in der Besprechung hängt teilweise noch von vielen anderen Faktoren ab. Man darf da gerne mal in die Welt der Journalisten hineinlesen. Raddatz z. B. berichtet in seinen Tagebüchern sehr schön, was eine Buchbesprechung alles erfordert und in welche Richtung sich die angebliche "eigene Meinung" des Kritikers lenkt bzw. lenken lässt. Da sind mir die Laien auch wichtiger. Ein angesehener Herr Kritiker winkt auch gerade bei den Klassikern ab, als stehe die Meinung fest und als wäre es nicht notwendig, die Sockel zu stürzen oder überhaupt eine eigene Ansicht zum Buch zu haben.
Ich glaube, beim professionellen Kritiker, geht es erst in zweiter Linie um das rezensierte Werk.
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