November/Dezember 2017

05.11.2017 16:21 (zuletzt bearbeitet: 30.12.2017 19:55)
avatar  Jatman1
#1
avatar

Der letzte Mohikaner schrieb also mit schwerer Hand und nur noch schwachem Atem in den Betreff November 2017. . . .

Das Buch über die französiche Revolution ließ sie sehr gut verstehen - aber nicht erleben. Da werde ich mir den Robespierre in Brüchstücken, die ich jetzt dem revolutionären Geschehen zuordnen kann, nun doch noch mal gelegentlich antun.
Ansonsten now:
Guski / Schmidt "Literatur und Kommerz im Russland des 19. Jahrhunderts"
Sind Aufsätze. Freu`ich mich drauf. Kann ja nur hochinteressant werden.


 Antworten

 Beitrag melden
21.11.2017 12:10 (zuletzt bearbeitet: 21.11.2017 12:15)
avatar  LX.C
#2
avatar

Still wirds um den November

Ich lese zur Zeit ein ziemlich starkes Buch über den Boxeraufstand in Nordchina um 1900.
Diana Preston - Rebellion in Peking. Die Geschichte des Boxeraufstands

Bei dem Boxeraufstand handelte es sich um eine Bewegung Nordchinas um 1900, die zum Ziel hatte, alle "kolonialen" Ausländer aus China zu vertreiben. Sie mündete letztlich in den "Boxerkrieg", in dem sich die Europäer allem voran (was die Brutalität betrifft) mal wieder die Deutschen, auf brutalste Weise rächten und China anschließend noch mehr unterdrückten.
Prestons Abhandlung ist unheimlich lebendig, da die Autorin den historischen Kern mit vielen Einzelschicksalen spickt. Sich eigentlich sogar über diese Einzelschicksale an den Kern heranarbeitet und so auch Meinungsbilder, Stimmungen und gar Gefühle aufgreifen kann. Diese gleichsam Protagonisten des Boxeraufstandes, natürlich handelt es sich hier vorwiegend um Personen der Zeitgeschichte höheren Ranges, von denen briefliche und Tagebuchzeugnisse vorliegen, werden zudem weitreichender charakterisiert und aus ihrem Leben berichtet. Nicht überhand, aber so, dass dadurch ein umfassenderes Bild über den Europäer und den Chinesen im ausgehenden 19. Jahrhundert entsteht und auch deren Gegensätze. Zudem kommen viele Kuriositäten zur Sprache, die eine normale historische Abhandlung außen vor lassen würde. Man kann also sagen, Prestons Abhandlung liest sich fast wie ein Roman. Und das geht runter wie Öl.


 Antworten

 Beitrag melden
21.11.2017 23:16
avatar  Taxine
#3
avatar
Admin

Mir war so langweilig, dass ich erst die kompletten Tagebücher von Tolstoi gelesen habe ("Beim Lesen lässt sich vortrefflich denken." (11. Juli 1857, Tagebücher) und dann das gesamte Frühwerk von Dostojewski. (Werde noch mehr dazu sagen.) Das grenzt schon leicht an Wahnsinn, ist aber eine wahre Bereicherung.

Und noch eine Kostprobe aus Tolstois Tagebüchern:
"Habe erst jetzt begriffen, nicht das Leben um uns müssen wir symmetrisch gestalten, wie es uns gefällt - uns selbst müssen wir zerbrechen, zurechtbiegen, damit wir für jedes Leben passen ..."


 Antworten

 Beitrag melden
22.11.2017 10:51
avatar  LX.C
#4
avatar

Wahnsinn; wohl wahr wohl wahr


 Antworten

 Beitrag melden
22.11.2017 18:31 (zuletzt bearbeitet: 22.11.2017 18:32)
avatar  Jatman1
#5
avatar

Gegen Langweile mit dem Frühwerk des Grantigen vorgehen. Das nenne ich Wahnsinn. Den Belzebub mit dem Teufel austreiben
Aber Du, Taxine, wirst selbstredend mit Deinen Antennen im Nanobereich der Sensibiltät, Erbauendes und gar Unterhaltsames daraus gezogen haben - Wahnsinn.


 Antworten

 Beitrag melden
23.11.2017 17:12
avatar  Taxine
#6
avatar
Admin

Hahaha ... es ist fürwahr keine Literatur, die ich unbedingt empfehlen würde und die man keinesfalls mit dem Spätwerk vergleichen sollte. Habe sehr viele Erzählungen, dann "Onkelchens Traum", "Das Gut Stepantschikowo", "Arme Leute" und "Weiße Nächte" gelesen. Es war eigenartig und doch nicht langweilig. Hier wird teilweise bereits vieles erkennbar, was sich später verdichtet. Auch fragt man sich ständig, woher dieser Mann seine Ideen nimmt. (Manchmal arten die ganz schön aus und der Stil ebnet den Weg zum "modernen Roman", auch das ist nachvollziehbar. Jede Figur ist so konzipiert, dass sie anders und ihrem Charakter entsprechend agiert (so dann im Wort). Im "Gut Stepantschikowo" übertreibt D. erheblich und suhlt sich fast in seiner Darstellung des guten angreifbaren Menschen und des charakterschwachen und niedrigen Menschen. Da verdreht man sehr häufig die Augen. In "Arme Leute" wiederum übertreibt er die Verniedlichung derart, dass das Drehen zum entsetzten Rollen wird. Täubchen, Sternchen, Engelchen, Mütterchen ... Hilfe!!!
Dass er einige Zeit mit einem Arzt zusammenlebte, war allerdings eine Bereicherung für seine Einfälle. Die Krankheit als Symptom und in die Figur gepresst, hinter der D. ganz und gar verschwindet. Das mag ich an ihm, während Tolstoi beispielsweise immer in seinen Figuren sichtbar wird. Rezensionen kommen noch, da muss ich das Gedankenchaos noch etwas ordnen.

Jetzt habe ich Michel Tournier aufgeschlagen, "Zwillingssterne". Mal sehen ...


 Antworten

 Beitrag melden
28.11.2017 12:57
avatar  Zypresserich ( gelöscht )
#7
avatar
Zypresserich ( gelöscht )

Zitat von Taxine im Beitrag #3
Und noch eine Kostprobe aus Tolstois Tagebüchern:
"Habe erst jetzt begriffen, nicht das Leben um uns müssen wir symmetrisch gestalten, wie es uns gefällt - uns selbst müssen wir zerbrechen, zurechtbiegen, damit wir für jedes Leben passen ..."


Ist wohl eher was für Sado-Maso-Leute. Zerbrechen ... Zurechtbiegen ... Tststs also nee also nee. Passt für mich nicht. Ich kann nix dafür, dass/wenn die Welt nicht zu mir passt. Das Zitat ist mir zu dual, entweder - oder. Ich bin eher für eigene Ecke einrichten, ohne sich zu verbiegen, und sein Ding machen.


 Antworten

 Beitrag melden
30.11.2017 00:38
avatar  Taxine
#8
avatar
Admin

So ist es. Tolstoi schrieb das Zitat in jungen Jahren und hat es kaum verwirklichen können.
Es ist sowohl eine Illusion, das Leben symmetrisch ordnen zu können, als sich selbst so zurechtbiegen zu können, dass man für alle Gegebenheiten passt.


 Antworten

 Beitrag melden
01.12.2017 20:16
avatar  Jatman1
#9
avatar

Ausgangspunkt eurer Kommentare ist, dass man ein Leben hat. Ich denke eher, dass einen das Leben hat. Und mit viel Mühe hat man gelegentlich was vom Leben - in den Lücken wo das Leben einen mal nicht im Griff hat.

Mehr ist meiner Meinung nicht drin.


 Antworten

 Beitrag melden
30.12.2017 20:02
avatar  Taxine
#10
avatar
Admin

Das dritte Buch, das ich nun von Juan Carlos Onetti lese, ist "Das kurze Leben" als Jahresausklang, davor war es der "Leichensammler" ... und mehr und mehr merke ich, dass er mich anspricht und begeistert, mit einer eigenartigen, sich sehr langsam entwickelnden Sympathie, die sich nun ganz eingependelt hat. Für Onetti braucht man länger (oder vielmehr ich). Er sagt nicht alles und plötzlich rattert der Geist über die Sätze und lichtet sich. Die Figuren sind einmalig und kommen in mehreren seiner Romane vor. Der Künstler und Lebenskünstler begegnet sich als das eigene Abbild, die Spiegelung, kehrt sich ins Negativ. Das prägt sich ein.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Rutsch.
Kommt gut ins neue Jahr!!!


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!