Marina Zwetajewa

09.03.2022 11:34
avatar  Sokolow
#1
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du weckst diesen vergrabenen satz
den entbehrlichsten von allen
du trickst sie aus
die geister die dir zurufen
du musst verblassen

du bist das gedicht
jenes dass noch keiner geschrieben hat
weil alles vergessen in uns lauert und nicht
im takt einer zeile der dichterin die
uns verschlingen sollte und es einfach
vergaß

diese stille, wie hältst du die aus
obwohl dort wo die stille ist
du irgendwo begraben
aber nicht verschwunden bist

das zittern von tränen
das ermorden von menschen
im namen eines verschwundenen
alle mörder verschwinden nach ihrer tat
nur der dichter bleibt und versucht
es noch einmal

die tränen die man schreien will
ausschwitz
srebrenica
hiroshima
und nun lassen wir neue orte hinein
in unseren schrei
der uns nichts verzeiht marina
nicht irgendetwas


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09.03.2022 15:41
avatar  Taxine
#2
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Admin

Zitat von Sokolow im Beitrag #1


das zittern von tränen
das ermorden von menschen
im namen eines verschwundenen
alle mörder verschwinden nach ihrer tat
nur der dichter bleibt und versucht
es noch einmal




Für mich die schönsten Zeilen in diesem Gedicht.
Und um mit Marina zu sprechen:
"Aber wissen Sie, manchmal ist es so: Über dem Kopf - ein ganzer Schwarm, und wenn man hinschaut: ein leeres Blatt."
Es ist schön, wenn sich das Chaos auf Papier ordnet, und nicht nur ordnet, sondern sich einbrennt.


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