Was wird künftig gelesen?

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06.02.2026 15:14
avatar  Taxine
#16
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Admin

"Der Begriff künstliche Intelligenz ist eigentlich schon ein bisschen irreführend. Weil er so tut, als sei Intelligenz etwas, das man einfach nachbauen kann. Was wir in Wahrheit machen, ist eher ein kluges Simulieren bestimmter Muster."

(Antwort der KI auf ihre Funktionsweise)


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07.02.2026 08:27
avatar  Salin
#17
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"Was wir in Wahrheit machen, ist eher ein kluges Simulieren bestimmter Muster."
Ist dies nicht beim Menschen ähnlich? Nur machen manche etwas "falsch", daher dann das Neue.

Dass Menschen beim Denken, Sprechen und Schreiben Muster simulieren, wird durch kognitive Ökonomie erklärt. Muster ‒ beim Schreiben wie bei Lesen ‒ helfen Chaos zu vermeiden und Komplexität zu reduzieren. Sie geben Halt und erleichtern das Leben. Wenn dies eine Stärke sogenannter KIs ist, würde dies auf eine "Begabung" für Beseller hindeuten und eine Literatur unterstützen, die auf Bekanntes und Vertrautes setzt. Bücher, die auf ästhetisch reizvolle Weise stark von bekannten Mustern abweichen, könnten seltener werden.


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08.02.2026 12:42
avatar  Taxine
#18
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Admin

Der Mensch mag in Mustern denken und schreiben, aber es gibt über das Messbare hinaus noch mehr, das keine KI simulieren kann. Hinzu kommen Emotionen, Erfahrungen, Ideen, das Verarbeiten von Erlebnissen, usw., das den individuellen Ton angibt. Das Zusammenfassen von Inhalten, selbst das Komprimieren, genügt kaum, um Kreativität zu erzeugen. Zwar agiert auch das menschliche Gehirn nach einem vorgefertigten inneren Modell und greift immer zunächst auf Bekanntes zurück, aber es kann eben auch anders und die KI nicht. Das wird freilich nicht die Zusammenarbeit verhindern, bei der sich Mensch und KI ergänzen. Die KI reagiert immer auf denjenigen, der sie benutzt. Entsprechend ist das Niveau niedrig oder hoch. Denkbar wären dann auch andere Bücher, in denen Abweichungen bewusst zum Einsatz kommen.

Der Prozess des Lesens wird sich jedoch mit dieser Entwicklung gleichzeitig verändern. Bücher werden anders und neu gelesen. Am Markt überwiegen schon jetzt Ebooks, die täglich produziert und vermarktet werden. Jenes "Unlimited Lesen" führt eben auch dazu, dass weniger Wert auf Genuss und Tiefe gelegt wird und mehr auf das, was günstig ist und unterhält. Das ist noch einmal etwas anderes als das Lesen von Trivialliteratur, weil einfach die bewusst auf diese Zielgruppen ausgerichtete Literatur (die man eigentlich nicht so nennen dürfte) Überhand nimmt und anderes verdrängt. Hinzu kommt, dass neu erscheinende Bücher mit höherem Anspruch immer teurer werden. Entsprechend leisten sie sich nur noch Menschen, die wirklich am Inhalt interessiert sind, während die Masse etwas anderes bevorzugt.

Sich auf ein Buch zu freuen, es aufzuschlagen und sich auf den Inhalt einzulassen, erfordert zudem Zeit, die sich viele gar nicht mehr nehmen wollen. Sie lesen weg, absorbieren Inhalte, und statt sich danach damit auseinanderzusetzen, wird auch schon das nächste Buch geöffnet, um dann stolz irgendwelche Listen gelesener Bücher präsentieren zu können. In jenen Massenforen, wo es ständig nur darum geht: was lest ihr, welche Bücher/Ebooks kauft ihr, was liegt auf eurem SUB... möchte man gerne einmal die Frage stellen: Liest hier auch irgendjemand Bücher? Denn das, was da weggelesen wird, ist dermaßen banal und unnötig, dass man sich fragt, warum diese Menschen überhaupt lesen. Um ihrer Langeweile zu entkommen? Tote Zeit zu füllen?

Und ich denke, diese Entwicklung wird sich in Zukunft stärker bemerkbar machen, auch in dem, was an Literatur überhaupt noch erscheint, zum Nachteil derer, die die anspruchsvolle Literatur bevorzugen oder beim Lesen denken wollen. Das Medium Buch wird sich verändern, vielleicht irgendwann ganz verschwinden, zumindest so, wie wir es kennen (da durch andere Medien ersetzt). Wenn die Nachfrage sinkt, müssen Verlage umdenken. Und so, wie immer mehr Menschen innerhalb der Social Media ihre Zeit verlieren, indem sie Stunden in dieser Welt verbringen, liken und oberflächlich kommunizieren, wann soll da noch das Buch aufgeschlagen werden? Diese Welten sind laut und lärmend, dazu gemacht, kontrolliert den Menschen bei Laune zu halten und immer wieder ins Virtuelle zu locken, während Bücher ein eigenes Engagement und die Auseinandersetzung mit sich selbst erfordern. Das können die meisten gar nicht mehr. Ihnen ist Stille unheimlich. Und andere Generationen wachsen mit diesem Jederzeit-im-Netz-Verkehren auf. Es ist für sie ganz normal und vertraut. Was soll ihnen dann ein Buch geben, das leise zu ihnen spricht? Und was passiert mit der Fantasie, wenn diese nicht mehr angeregt, sondern jederzeit bedient wird?


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09.02.2026 13:12
avatar  Taxine
#19
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Zu beobachten ist die Entwicklung, dass das Lesen/Buch allmählich von anderen Medien abgelöst wird, auch durch die Medien selbst, z. B. durch den Wechsel der Printmedien in den Onlinebereich. Zuvor kamen hier Gelder durch den Kauf der Zeitungen und vor allem durch Abos herein. Die Zeitung lieferte dabei, wie gewohnt, Bild und Text. Nun sieht das anders aus. Die Verlagerung ins Internet zog nicht nur den Verlust solcher Einnahmen nach sich, die durch bezahlte Artikel nur schwer wieder hereinkommen, es muss sich auch gegen die starke Konkurrenz durchgesetzt werden, die nicht nur durch die Nebenbuhler-Verlage besteht, sondern auch durch Blogs, Social Media, YouTube und anderes. Entsprechend müssen die Verlage nun mehr bieten und zeigen statt dem reinen Text zusätzlich Videos und Podcasts. Es wird mehr und mehr auf audiovisuelle Inhalte gesetzt, ähnlich wie bei Büchern in Form von Hörbüchern, um das Angebot zu verbreitern und das Interesse zu steigern. Solche Entwicklungen fördern einerseits das Interesse der Wissensaneignung, andererseits findet diese auf anderen Ebenen statt.

Natürlich beruht das auch auf der vermehrten Nutzung mobiler Geräte. Das Lesen erfolgt nun auf neuen Wegen, oft schnell und hastig und unterwegs, in der Begegnung mit dem mächtigen Informationsfluss des Netzes. Der Zugang ist stark vereinfacht und findet weltweit statt. Das bringt mit sich, dass das Buch in der Hand kaum noch im öffentlichen Raum zu sehen ist, stattdessen reicht das Handy, um Wartezeit zu überbrücken, das per App sogar das Lesen erlaubt. Selbst am Strand, wenn die Menschen Zeit haben, sieht man das übrigens sehr schön, welche Touristen lesen und welche nicht. Deutsche (Roman/Krimi), Russen (Roman/Krimi), Engländer (Roman/Krimi)... sehr häufig, Franzosen (Krimi/Thriller), Amerikaner (Thriller) ... manchmal. Griechen, Bulgaren, Rumänen, Italiener und andere ... fast nie. Aber das sind eigene Beobachtungen.

Sichtbar wird ein verändertes Leseverhalten auch dadurch, dass das Interesse sich eher an Lesetrends als an Lesevorlieben orientiert. Auch wird jeder Schund von Verlagen als einzigartig angepriesen, ist "Page-Turner", fesselnd, bewegend oder gar mit jenen Großen vergleichbar, die noch wirklich Literatur boten. Nicht selten hört man "wie Joyce", "wie Kafka" usw., wobei der Inhalt dann kaum das Niveau eines Konsaliks übersteigt oder so flach ist, dass man sich fragt, wie die Bezüge zu anderen Autoren entstanden sind, in der Ahnung, dass es rein kommerziellen Zwecken diente. Kürzlich wurde in anderen Quellen (u. a. Literaturcafé) auch darauf hingewiesen, dass Spiegel-Bestseller-Aufkleber käuflich wären, die das Kaufverhalten der Leserschaft ebenfalls beeinflussen. So kann man durchaus von einer Krise des Lesens reden. Innerhalb dieser sinkt das Bildungsniveau in erschreckender Form, sinkt die Aufnahmefähigkeit der folgenden Generationen im Besonderen, die nicht mehr in der Lage sind, Inhalte tiefgreifender zu erfassen. Und das wiederum zieht nach sich, das eben diese Inhalte angepasst werden müssen.


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10.02.2026 09:21
avatar  Sokolow
#20
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Echt, man kann den Spiegelaufkleber kaufen? Ich hab mal den Literaturnobelpreisaufkleber auf einen von meinen Büchern geklebt, sah irgendwie seltsam aus.


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10.02.2026 10:19
avatar  Taxine
#21
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Hättest du noch etwa tausend positive Fake-Rezensionen dazu bezahlt (und, sagen wir, eine oder zwei negative, die dann natürlich etwas mehr kosten), hätte man es dir vielleicht geglaubt.


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10.02.2026 10:30
avatar  Sokolow
#22
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Ich schreib einfach die falschen Bücher


"Der Dirigent stellte seinen Stuhl zwischen meine Beine und sagte: 'So wird die Haltung korrigiert.'" – Elkes neues Werk beginnt mit einer Szene, die klassische Konzertetikette gründlich dekonstruiert.

Die Kritik fällt zweigeteilt aus: Während die Prosa stellenweise an eine schlecht gestimmte Violine erinnert (holprige Metaphern, überstrichene Saiten der Logik), entwickelt das Buch eine unbestreitbare rhythmische Sogwirkung. Besonders die Passagen mit dem Geigenbauer, der seine Instrumente "mit den Lippen prüft", hinterlassen nachhaltige Resonanz.

Fazit: Ein Werk, das gezielt Saiten zum Schwingen bringt – sowohl im Orchester als auch unter der Robe.


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10.02.2026 10:43
avatar  Taxine
#23
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Admin

Du schreibst nicht die falschen Bücher. Man braucht keine Masse an Lesern, nur ausgewählte, die ins Staunen geraten. Früher war es unter Schriftstellern und Dichtern verpönt, wenn ihre Bücher von allen gekauft wurden. Das sprach gegen die Qualität. Unter Kennern hat sich das nicht geändert.


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10.02.2026 10:47
avatar  Sokolow
#24
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Man schreibt immer die falschen Bücher :-)


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