Tony Hillerman

28.02.2026 20:05
#1
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Ich habe Tony Hillermans Reihe Navajo-Police mit Joe Leaphorn und Jim Chee mit dem 2. Band Tanzplatz der Toten (EA: 1973). Dt. Helmut Eilers. Unionsverlag Taschenbuch, Zürich 2023 begonnen, weil der erste Band Wolf ohne Fährte (The Blessing Way) in der Neuherausgabe vom Unionsverlag fehlt. Hier in Teil 2 geht es um Mord und einen Vermisstenfall, aber die Ermittlung steht wie bei wahrscheinlich allen Bänden eher im Hintergrund. Hauptsächlich lernt der Leser die unterschiedlichen Völker der halbnomadischen Navajos und der eher sesshaften Zuñi kennen. Ich selbst habe mich viele Jahrzehnte eher mit den Stämmen der Algonkin-Sprachen beschäftigt und weniger mit denen der Pueblo-Kultur, zu denen die Zuñi gehören. Auch die Navajo, die sich im Roman selbst Diné nennen, leben eher in den wüstenartigen Gebieten New Mexicos, Arizonas und Utahs, die bislang nicht in meinem Blick lagen.

Der Protagonist Joe Leaphorn von der Navajo Tribal Police (Polizei der Navajo Nation Reservation) darf (auf Seite 93f. der Ebookausgabe) natürlich seine Urteile über die Weißen vom FBI kundtun, wenn auch nur in Gedanken:

"Leaphorns Gedanken drifteten schon wieder davon. Warum, grübelte er, waren FBI-Männer so oft wie dieser O'Malley? Leaphorn sah, dass der weiße Mann, der hinter O'Malley saß, das Augenbrauen-Signal bemerkt hatte und genau verstand, was dahintersteckte. Er bedachte Leaphorn mit einem freundlichen, mitfühlenden Schmunzeln. Der Mann war etwa fünfzig und hatte einen semmelblonden Haarschopf und ein rosiges, sommersprossiges, etwas schlaffes Gesicht, das an einen Jagdhund erinnerte. O'Malley hatte ihn schlicht als »Agent Baker« vorgestellt. Offenbar wollte O'Malley den Eindruck erwecken, auch Baker sei ein Agent des FBI. Aber Leaphorn war schon zuvor zu dem Schluss gekommen, dass Baker kein Mitglied des Federal Bureau of Investigation sein konnte. Er sah einfach nicht aus wie einer dieser Agenten. Er hatte schiefe, verfärbte Zähne und machte überhaupt einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck. Außerdem hatte er etwas an sich, das auf eine überaus wache, ungeduldige und wissbegierige Intelligenz schließen ließ. Leaphorns umfangreiche Erfahrungen mit dem FBI deuteten indessen darauf hin, dass diese Eigenschaften einer Aufnahme in das FBI geradezu im Wege standen. FBI-Männer schienen immer O'Malleys zu sein: zackiger Haarschnitt, sauber gewaschen, geschniegelt und unbelastet von übermäßiger Intelligenz.
O'Malley redete immer noch. Leaphorn sah ihn an und fragte sich, wie das Konzept des FBI aussehen mochte. Wo kriegten die nur so viele O'Malleys her? Er hatte plötzlich eine Vision von einem Büro im Gebäude des Justizministeriums in Washington, wo ein Beamter Einberufungsbescheide an alle männlichen Cheerleader und Tambourmajore namhafter Baseballmannschaften losschickte mit dem Befehl, zuerst zum Friseur zu gehen und sich dann zum Dienst zu melden. Er unterdrückte ein Grinsen.
"

Das ist natürlich köstlich und ganz sicher noch untertrieben.


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