Kunst und Zitat
"Aber das Künstlervolk mag seinen Mutwillen auch zuweilen bis zur Ungezogenheit treiben; und es soll vor kurzem ein namhafter Maler unseres deutschen Vaterlandes seine Pinsel auf einem der schönsten Originale abgewischt haben, um die Farben zu versuchen. Da würde mir Laien unwillkürlich der Knotenstock sich in der Faust geregt haben."
(Johann Gottfried Seume "Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802")
„Innesein“ ist „Einsicht“ im wahrsten Sinne des Wortes. Einsicht ist eine Askese; sie führt zur Meisterung der Gedankenwelt, also zur richtigen Denkweise, die jeder Handlung ihren Sinn verleiht. Um richtig zu denken, ist es notwendig, seine Rechte, seine Pflichten, seine Verdienste, seine Wünsche, wie auch seine Absichten vorerst zu vergessen, um urteilslos zu verstehen. Kunst kann ein solches Verständnis vermitteln.
(Frédéric Lionel (1908 – 1999) in: "Abendland. Hüter der Flamme")
Im von Taxine einst empfohlenen Zauberlehrer von Boris Chasanow las ich damals:
"Irgendwo habe ich gelesen, dass in Leningrad ein Bild von Rembrandt gerettet wurde, das völlig verrottet war – wissen Sie, was man gemacht hat? Man hat die Malerei auf eine andere Leinwand übertragen." (179f)
Nun erfuhr ich, dass die "Übertragung" der Malschicht auf eine neue Leinwand in der Tat bis ins 20. Jahrhundert in Europa praktiziert wurde. Andererseits: Bilder wurden auch durch Säureattacken größtenteils zerstört und gelten nach der "Restaurierung" dennoch weiterhin als Original. In der Architektur würde man stattdessen von Wiederaufbau sprechen.
Ach, das wusste ich auch nicht. Leider ist Kunst mittlerweile - vor allem, was die Originale betrifft - nur noch reine Börse und Wertanlage. Es wird gesammelt, was am Markt zu Höchtpreisen verschachert wird, ob nun vom Künstler gemalt oder auf Leinwand reproduziert und restauriert, während das Original im Safe liegt und die Kopie an der Wand hängt. Wäre man böse, würde man das Ganze als Geldwäsche der Reichen bezeichnen. In diesem Sinne hatte Beltracchi dem Kunstmarkt wunderbar den Spiegel vorgehalten und ihm seine eigene Gier als echt verkauft.
„Ich sehe mir die Ausstellung mit Zeichnungen von Delacroix an. Sämtliche kleine Studien, sämtliche abgeschabten Mappen, die Wischlappen, die kleinsten Fetzen, die mikroskopisch kleinen Embryos, die Fehlgeburten des Malers sind da feierlich, andächtig ausgestellt. Im Augenblick gibt es wirklich eine Eingenommenheit für die Toten, die bis zur Anbetung ihres Kehrichts geht. Die Reklame, die Katalographie, die Stiefelputzer der aufgeweichten Glorien und der Skulpturen aus Brotkrumen, die idiotische Hammelherde der bestürzten Liebhaber werden es eines Tages soweit bringen, den Abdruck der Zehen eines Mannes auf seiner letzten Socke den Auktionskommissaren zu verkaufen.“
(Die Brüder Goncourt, Journal 1864 – 1868, Band 4, S.30)
"De Chiciro steht also im Herbst 1910 auf der Piazza Santa Croce in Florenz. Er betrachtete seine Umgebung (ein weiter Platz, eine gotische Kirche, ein Denkmal aus dem 19. Jahrhundert), aber seine Seelenstimmung lässt ihn etwas ganz anderes malen und sehen: einen engen Platz, einen griechischen Tempel, eine antike Statue."
(Maurizio Fagiolo dell' Arco in Georgio de Chirico der Metaphysiker, herausgegeben von Rubin, Schmied und Clair)
Gemeint ist sein Ölbild L'enigma di un pomeriggio d'autunno (Das Geheimnis eines Herbstnachmittags) von 1910.
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