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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#1

Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 12.04.2008 21:57
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Wann wird der Mensch zu einem Ding?

Wenn bald (oder längst?) die Möglichkeit auf uns zukommt, das in jeder Injektion, die wir erhalten, ein Mikrochip übertragen wird, der durch unser Blut rauscht, um uns zu einem kenntlichen Punkt auf der Karte der Welt zu machen, um unsere Vorlieben und Handlungen zu überwachen, (natürlich auch unsere Krankheiten, um uns durch unsere Ängste die Entscheidung zu diesen Dingen zu erleichtern), um uns dann gar zu leiten und zu lenken, ohne, dass wir mit unserem Willen darauf Einfluss haben und somit zum Ding werden, so gibt es durchaus auch schon kleinere Vorkommnisse, in denen diese Verdinglichung bereits einsetzt.
Es erscheint mir manchmal selbst in der philosophischen Auseinandersetzung wie ein Hinlenken auf das, was kommen wird. Da wird der „Wille“ hinterfragt, das Sein, der Mensch. Alles zielt darauf ab, sichtbar zu machen, wie schwierig es ist, überhaupt selbst denken, handeln und fühlen zu können.

Die äußeren Bedingungen machen dabei immer einen Teil unserer inneren Bedingungen aus, weil sie nicht getrennt voneinander existieren, sondern in dieser ständigen Wechselwirkung, wodurch Inneres und Äußeres jeweilig aufeinander reagieren und sich danach verändern. Es ist wie ein Spiegel, der ständig das Abbild wechselt, mal verschwommen, mal klar ist, dann verschiedene Gesichter und Ausdrücke zeigt, während er gleichzeitig den Hintergrund tauscht. Doch gerade dadurch, dass wir in einem System aufwachsen, sind wir nicht in der Lage, nach eigenen Maßstäben zu handeln. Der äußere Einfluss hat einen so mächtigen Anteil an unseren Handlungen, dass dahinter der innere Einfluss langsam verblaßt. Wir werden an allerlei Bedingungen gekettet, denen wir dadurch, dass wir sie nicht anders gewohnt sind, nicht entkommen können.
Nehmen wir zum Beispiel das Extrem Krieg, das sichtbar macht, wie sehr der Mensch Spielball über ihn hinauswachsender Umstände bleibt.
Gerade in solchen Zeiten wird er von äußeren Umständen gelenkt und beherrscht, ohne großen Einfluss darauf haben zu können, was auch den Einfluss auf sich selbst reduziert. Wenn da einer einberufen wird, dann wird er von einem eigenständigen Menschen zu einem Kollektiv, das im Gleichschritt Befehlen gehorcht. Er wird eine Maschine, die handelt, wann sie handeln soll. Er stumpft ab, weil das, was er tut, nur noch warten ist, bis etwas passiert, oder weil das, was er tut, keinen Zweck erfüllt, sondern einzig und am Ende der Zerstörung dient. Gleichzeitig wird er ein Ding, Rohmaterial, das auf Befehl und in Gefahr "verpulvert" werden kann. Der Mensch gegen den Menschen als Ding gegen die Dinge und Umstände. (Der reinste Wahnsinn also...) Ein anderer zum Beispiel verfolgt den Krieg aus der Perspektive des Ertragenden, der zwischen Bombenangriffen, Warnungen und Hunger hin und her irrt. Er verliert, wie der Soldat, seine Besitztümer, ohne, etwas dagegen machen zu können. Auch er ist Ding, das nicht mehr auf sich selbst bedacht ist, sondern darauf, nicht zu sterben oder irgendwie zu überleben. Der eine wird zum Kollektiv des Angriffs, der andere zum Kollektiv des Angegriffen-Werdenden.
Das sind natürlich drastische Umstände, und für uns, denen es gut geht, kaum nachzuvollziehen. Darum vielleicht ein paar naheliegende Beispiele.
Der Mensch gerät auch dann zum Ding, wenn er zum Beispiel krank wird und sich nicht mehr selbst helfen kann. Er ist seiner Möglichkeiten beraubt und hängt vom Willen und Tun anderer ab.
Und noch naheliegender:
Wenn der Mensch ohne zu Hinterfragen im Strom der Gesellschaft schwimmt, wird er ein Ding. Wenn er plappert, ohne sich zu wundern, was er in seinen Nachrichten hört, wird er zum Ding. Wenn er sich über lange Jahre hinweg mit einer Arbeit abplagt, die ihn belastet, nicht erfüllt, einzig, um ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen zu haben, wird er nicht zum Tier, sondern zu einem Ding. Denn auch das sind die Bedingungen der Gesellschaft. Füge dich in das, was vorgegeben ist, und du wirst ein erfülltes Leben haben. Aber, was heißt in diesem Sinne erfüllt…?
Manchmal fährt mir ein Schreck durch die Glieder, wenn ich Menschen mit leeren Augen durch die Strassen laufen sehe, wie sie in ihren täglichen Ritualen ihre Einkäufe erledigen, ihr übliches Glas Wein oder Kölsch an ihren Lieblingsplätzen kippen (um mal abzuschalten und kurzzeitig von aller Hektik zu entspannen), ihre Kinder anschreien, durch die Strassen hetzen, um ihre Zeitpläne einzuhalten. Auch hier verdinglicht sich der Mensch bereits, weil er glaubt, er handelt im eigenen Gewissen und freien Willen. Die Gesellschaft aber ist nicht möglich, wenn der Mensch kein Ding ist. Sie benötigt diese sich anpassenden und nach ihren Gewohnheiten strebenden Bausteine. Und dieser Bausteine werden immer kompakter, weil wir als Menschen in diese vorgefertigten Formen hineingeboren werden.
Wenn bereits in so kleinen Vorgängen der Mensch zu einem Ding wird, wann genau ist er dann eigentlich noch menschlich?



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 12.04.2008 23:31 | nach oben springen

#2

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 13.04.2008 12:07
von Martinus • 3.194 Beiträge

Hallo Taxine,

ich habe mir schon gedacht, dass du dieses Thema vertiefen möchtest. Der Mensch ein Ding, oder ist er mehr. Diese Frage beschäftigt uns spätestens seit Huxleys „Schöne neue Welt“. In Huxleys Utopie ging es u.a. um dioe Substanz „Soma“(Huxley fand diese Substanz in der Literatur der Veden). Das verhängnisvolle an Utopien und Science Fiction Literatur ist, dass vieles, was in solchen Romanen fantasiert wird, Wirklichkeit werden kann (sie Jules Vernes Mondlandung oder Cyrano de Bergerac 's „Reise zum Mond“, Lukian's erfundene Geschichte über den Mond, der dort bewohnbar ist). 30 Jahre nach „Schöne neue Welt“ schrieb Huxley „Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt“ und lotete darin aus, welche seiner Utopien sich inzwischen verwirklicht hat, welche Entwicklungen in dieser Richtung sich bewahrheitet haben.

An dieser Stelle möchte ich auf die chemische Substanz Soma eingehen, weil, so denke ich die chemische Substanz ein Vorläufer der Weiterentwicklung des Gehirn-Bio- Chips ist.

Huxley schreibt:

In Antwort auf:

In den Hymnen des Veda wird uns gesagt, daß die Somatrinker auf viele Weise gesegnet waren; ihr Körper wurde gestärkt, ihr Herz mit Mut, Freude und Begeisterung erfüllt, ihr Geist erleuchtet, und in einer unmittelbaren Erfahrung des ewigen Lebens empfanden sie die Versicherung ihrer Unsterblichkeit.


Die Substanz „Soma“ konnte aber auch negative Auswirkungen haben, sogar der Himmelsgott Indra erkrankte mal daran, schreibt Huxley. Sterbliche konnten sogar an einer Überdosis sterben. In Huxleys Utopie ist das Somatrinken „eine politische Einrichtung“:

In Antwort auf:
Die tägliche Somadosis war eine Versicherung gegen persönliche schlechte Anpassung, soziale Unruhe und die Verbreitung umstürzlerischer Ideen.


Fast dreißig Jahre nach seiner Utopie stellt der Autor fest, das Interesse an der Erforschung biochemischer und pharmakologischer Substanzen hat sich enorm gesteigert. Die Herstellung synthetischer Drogen hat seinen Anfang genommen. Anhand einiger Beruhigunsmittel (Meprobamat, auch Miltown genannt und Chlorpromazin) zeigt Huxley auf, dass sie zwar nicht identisch wie das Soma wirken, aber annähernd, z.B. „Befreiung nervöser Spannung“. Dagegen wirkt LSD-25 genauso wie Soma, nämlich visionenerzeugend. Hixley erzählt von dem zu seiner Zeit noch im Versuchsstadium befindlichen Präparat namens „Deaner“, welches die Tätigkeit des Nervensytems steigert:

In Antwort auf:
Wer die neue Pille schluckt, braucht weniger Schlaf, fühlt sich frischer und zuversichtlicher, denkt schneller und besser – und das alles, zumindest auf kurze Dauer, fast ohne organische Risiken. Es klingt fast zu schön um wahr zu sein.


Unter einer Diktatur könnte also wirklich ein Medikament zur Einnahme befohlen werden, dass die Leistungen steigert, oder wenn es beliebt, den Menschen zu einem dumpfen Ding verkommen lässt. Mit einem „Gehirn-Bio-Chip“ sind wir schrecklichen Utopien näher gekommen. So sagte Dr. José Delgado, Neuropsychiater an der Yale University:

In Antwort auf:
Wir brauchen ein psychochirurgisches Programm, mit dem man unsere Gesellschaft politisch kontrollieren kann. Der Zweck ist die physikalische Kontrolle des Bewußtseins. Jeder, der von der vorgegebenen Norm abweicht, kann chirurgisch verändert werden.


Das entspäche dann dem Soma aus Huxleys Utopie.

Natürlich werden Gehirn-Bio-Chips auch zu positiven Forschungen verwendet, z.B: im Bereich der Heilung von Parkinsonerkrankungen. Die Gefahr eines Missbrauchs ist aber leider hoch. Es bracht nur mal ein fieser Kerl an die Macht kommen.

Der Mensch ist abhängig von seinem Gehirn. Wenn im Gehirn irgendwas nicht mehr so funktioniert wie es funktionieren sollte, haben wir das Nachsehen und erleiden neurologische Ausfälle. Wenn durch neurochirurgische Experimente die Persönlichkeit eines Menschen verändern ist es aber ein äußerer Eingriff, der den Menschen zum Experimentalwesen degradiert. Man lese Science Ficton: Cyberroboter. Das könnte alles kommen(wie die Mondlandung). In solch einer Welt möchte ich aber nicht leben.

Liebe Grüße
Martinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#3

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 13.04.2008 14:38
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Hallo Martinus,

mir ging es in obig Gesagtem hauptsächlich darum, aufzuzeigen, dass der Mensch auch ohne diese Utopien bereits ein gesteuertes Wesen ist.
Die Mondlandung ist in meinen Augen bis heute eine Utopie, es gibt so viele Beweise dafür, dass sie nicht stattgefunden haben kann.
Wenn du Literatur mit der wissenschaftlich-menschlichen Entwicklung der Welt vergleichst, daraus ableitest, dass aus den Zeilen vieles aufgegriffen wird, dann gibt es aber auch Bedingungen, die gar nicht so utopisch sind, die einen Kern Wirklichkeit enthalten, der zu dieser Zeit bereits existiert hat. Natürlich nicht diese Seifenblase „Mondlandung“, aber zum Beispiel Huxley, der sich ja später auch selbst in LSD erprobt hat (es heißt, er habe in der Nacht seines Todes mit seiner Frau zusammen LSD genommen und sie gab darauf an, es wäre ein gelassener Tod gewesen!). Er schrieb über diese Auswirkungen, weil er sicher davor auch mit anderen Drogen experimentierte (auf jeden Fall Meskalin, Cannabis u.a.). Es ist bekannt (... und dieses bekannt ist immer fraglich, sicher hat er schon früher mit seinen Forschungen angefangen), dass Hofmann bereits 1938 mit Lysergsäure, einem Alkaloid des Mutterkorns, experimentierte. (Genau kann ich es nicht sagen, aber ich glaube mich zu erinnern, dass Hofmann und Huxley sich auch schon vorher kannten... Lustig ist, dass Albert Hofmann und Aldous Huxley die gleichen Initialen haben. ) Zumindest lernte er auf diese Art eine neue Form des "Rausches" kennen. Rasch ist diese "Säure" in aller Munde, und besonders Amerika und die CIA sind an dieser Droge interessiert, weil sie nach einer wirkungsvollen Verhördroge suchten. Dort werden dann Experimente an Soldaten und Studenten erprobt (die Testpersonen wurden dabei nicht über die Wirkung informiert). (Selbst bei Beauvoir haben wir gelesen, dass Sartre an einem Experiment mit Meskalin teilgenommen hat und dann Jahre lang von Visionen von Krabbeltieren geplagt wurde.) Huxley hat keine neue Idee entworfen, was möglich wäre, sondern hat festgehalten (natürlich ausgebaut und phantastisch), was im Sinne der damaligen Regierungen lag (wissen wir, was alles für Versuche mit verschiedenen Drogen unternommen wurden?). Wäre das Experiment nicht gescheitert, wer weiß, was heute mit uns wäre. Und, vielleicht ist es gar nicht so sehr gescheitert, denn die Droge wurde ja auch in die Kultur getragen. (Da frage ich mich doch: Wie ist das möglich, wenn es nicht in einer Art und Weise erlaubt wurde? Und dabei ist völlig unwichtig, dass die Droge damals noch nicht verboten war. Wie gelangt sie aus der Forschung in die Gesellschaft?) Das klingt alles absurd und abstrakt, was?
Oder Orwell und seine Vision. Wer sagt uns denn, dass wir Faschismus immer nur daran erkennen, dass alles organisiert und in Uniformen kommandiert? Das alle auf das „Gleichdenken“ getrimmt werden? Was uns als Demokratie erscheint, ist nichts anderes als eine Form der Diktatur. Wir sind immernoch abhängig davon, was unsere Politiker für uns entscheiden. Dass sie nichts entscheiden, steht wohl außer Frage, und wenn, dann bestimmt nicht zu unserem Vorteil, sondern im Sinne der Regierung. All das erscheint mir immer wie ein riesiges Weltenspiel, ein Theater und eine Zurschaustellung, mehr nicht. Der Mensch muss zwischen Lügen wählen, und das Schlimme ist: Er tut es, weil er nicht anders kann. Vieles aus den utopischen Romanen wird also aufgegriffen, um es zu erproben, das stimmt, aber anderes wird uns durch das Kennen bestimmter Romane auch als „stattgefunden“ verkauft.
Andere Dinge werden wir als normale Menschen nie erfahren, oder immer nur in den Möglichkeiten, wie es den Anschein an Ehrlichkeit der Welt gegenüber erwecken soll. Dadurch denken wir, dass alles aufdeckbar wäre, alles irgendwann ans Licht kommt. Fakt ist, es kommt irgendwann ans Licht, allerdings so spät, dass die Menschen sich mit dieser – dann Vergangenheit nicht mehr auseinandersetzen, weil es sie nichts mehr angeht. Sie zucken die Schultern und erkennen nicht, dass eine Lüge der Vergangenheit auf die Zukunft immernoch eine Wirkung hat, nämlich das vieles, was uns als Wahrheit verkauft wird, eigentlich nur Schein ist.
Was früher die Literatur war, ist heute der Bildschirm, und zwar eine Lenkung der Sinne auf bestimmte Ereignisse. Wir werden mit Bildern konfrontiert, die uns eine Form der Wahrheit vermitteln sollen. Dokumentationen stellen sogar bestimmte Ereignisse in Frage, um dann aufzuzeigen, dass die Dinge trotzdem in ähnlicher Art stattgefunden haben oder lenken bewusst in eine andere Richtung, um die tatsächlichen Geschehnisse immernoch zu verschleiern, nur, damit der Mensch eine Art Beruhigung erfährt, dass seine Zweifel an bestimmten Ereignissen unnötig waren. Tatsache aber ist, dass wir, wenn wir etwas „Wirkliches“ erfahren wollen, weit und lange selbst recherchieren müssten. Das Internet ist eine gute Möglichkeit dafür, weil es zwar einerseits erlaubt, dass jeder seinen Senf dazugeben kann, aber andererseits auch ermöglicht, dass jemand etwas zeigen kann, das wir in den Medien nie erfahren würden. Und, wir als Mensch davor lassen uns nun einmal nur von Fakten und Beweisen überzeugen. Aber, davon gibt es erstaunlich viele…

Ein Zitat von der Seite, wo auch dein Bericht über Mikrochips stand, fand ich besonders gut. Da heißt es:
In Antwort auf:
Es ist leichter eine Lüge zu glauben,
die man schon hundert mal gehört hat,
als die Wahrheit, die man noch nie gehört hat.

(Robert Lynd)

Liebe Grüße
Taxine



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 13.04.2008 15:45 | nach oben springen

#4

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 13.04.2008 15:15
von Martinus • 3.194 Beiträge

Aufgrund heutiger Softwares und deren Anwendung, wäre es leicht, ein Foto zu fälschen, dass uns den Dalaih Lama mit Machhabern in China zeigt. Darin liegt die Gefahr. Hollywood macht es vor, wie ein riesiger Godzilla durch New York stapft. Es ist wichtig, zur Info verschiedene Medien zu benutzen. (z.B. div. Zeitungen, natürlich auch Internet), um sich ein einigermaßenes Bild von der Welt zu machen.

Der Mensch kann schon zu einem Ding abstumpfen, wenn er mit seiner Arbeit unzufrieden ist. Vielleicht liegt es an der Mentalität der Deutschen, dass die Mehrzahl mit ihrem Job unzufrieden ist. In Deutschland gibt es zwar Armut, aber mit der Armut in Afrika kann man das doch nicht vergleichen. Mehr Zufriedenheit kann sich der Mensch selber schaffen, wenn er sich Bereiche schafft, in denen er sich glücklich fühlt (Hobbies, Familie), dann brauch er auch nicht mehr entseelt durch die Fußgängerzone laufen.

Eine Gesellschaft, die auf ein miteinander aufgebaut ist, würde den Menschen besser gut tun, als eine Gesellschaft, in der die einen auf Geldbergen hocken, viele andere leer ausgehen. Natürlich kommt es nicht auf den Geldberg an, sondern wie sich Zufriedenheit im inneren des Menschen entwickeln kann, andererseits führt große Armut zu anderen Problemen (Bildung, Gewalt) Das Phänomen, das wohlbegüterte Leute unglücklich sind, da liegt der Wurm drin. Dauerfernsehen verblödelt regelrecht, wie sollte da jemand auch glücklich werden....

Liebe Grüße
Martinus






„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#5

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 13.04.2008 15:55
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Der Mensch ist bereits ein Ding, wenn er in diese Struktur der Welt hineingeboren wird. Alleine, wenn er sich an die moralischen Bedingungen anpasst, ist er bereits nicht mehr aus sich selbst geleitet. In anderen Kulturen ist z. B. Nacktheit nichts Verwerfliches, sondern etwas Natürliches. Wir lernen uns zu schämen, und ein durch die Strassen tanzender Nackter ist auf jeden Fall eine "Erregung öffentlichen Ärgernisses" und gilt als unbeherrscht, damit verrückt. Verrückt von der Gesellschaft stehend... Eigentlich, würde man es aus einem anderen Blickwinkel betrachten, ist er nur unangepasst. Wir aber empfinden Empörung, weil wir in die Struktur des bekleideten Menschen hineinwachsen.
Ich glaube nicht, dass es ausreicht, um sich vom Ding zum Menschen zu entwickeln, ein Hobby oder eine Familie zu haben, denn auch diese Dinge sind vorgefertigte Muster, auch wenn sie eine Art der Beruhigung verschaffen.
Es ist aber nur eine Beruhigung, um sich aus der Verdinglichung als Mensch zu fühlen.

Sich fortpflanzen ist z. B. natürlich, der "Aufbau" der Familie ist aber nicht mehr natürlich...
Verzwickt.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 13.04.2008 16:12 | nach oben springen

#6

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 13.04.2008 16:25
von Martinus • 3.194 Beiträge
Zitat von Taxine
Der Mensch ist bereits ein Ding, wenn er in diese Struktur der Welt hineingeboren wird. Alleine, wenn er sich an die moralischen Bedingungen anpasst


Ja richtig. Festgefahrene Moralvorszellungen ist oft Thema in der Literatur (siehe z.B. Gide, der sich dagegen aufbäumte). Die Kirche hatte die letzten 2000 Jahre so einen immensen Einfluss auf Gesellschaft und Moral, das es nicht leicht ist, dieses alles wegzubrechen.

Natürvölker leben in dieser Hinsicht freier (sie haben keine Moralvorstellungen, leben befreit davon). Die würden warscheinlich uns für verrückt halten.. Unter verrückt sein versteht jede Kultur etwas anderes.

Eine andere Überlegung ist diese: Sokrates hat den Gesetzen des Staates gehorcht, und den Schierlingsbecher getrunken. War er deswegen unfrei? Anarchie wäre ja auch nichts. Inzwischen sind manche Gesetze auch bei uns liberaler geworden. Homo-Ehe gestattet.

Verzwickt ist diese Sache allemal. So ganz ohne Gesetze werden wir nicht auskommen, von der Moral geknebelt sein ist aber nicht in Ordnung. Da stimme ich dir gerne zu.

Martinus



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 13.04.2008 16:26 | nach oben springen

#7

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 13.04.2008 21:38
von Patmos • 17 Beiträge

Interessante Beiträge.

Aber warum Entdinglichen wir uns nicht einfach, der Preis wäre hoch, aber immerhin ist doch der Preis dafür, das wir ein Ding bleiben, doch ungleich höher.
Wir reden gern über das Ding an sich, noch viel lieber über den Anderen, als das Ding das noch viel dinglicher ist als wir selbst, voller Schadenfreude darüber, das uns der Schöpfer nicht zu so einem Ding gestaltete, denn wir selbst sind ja schon fast jenseits all dieser perfiden Dinglichkeiten.
So verstehe ich einige Beiträge, die hier geschrieben wurden.

Wir bleiben doch im Netz unseres Dingseinwollens gefangen, ob wir das nun Wahrhaben wollen oder nicht, die ehrlich gemeinten Seelenschauen unseres ewig gehätschelten Egos sind und bleiben da auch nur ein gut gemeinter Selbstbetrug.
Wir Töten jeden Tag mit der seelenvollen Unschuld des ewig sich selbst freisprechenden - Dings.

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#8

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 13.04.2008 22:20
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Ja, in erster Linie bleibt uns nichts anderes übrig, als zu akzeptieren, dass wir Ding sind. Das dahinter das "Ding an sich" liegt, und unser Tun sich auf Dinge beschränkt. Von der menschlichen Erhabenheit sind wir ja mittlerweile abgekommen, auch wenn es davon immernoch seltsam höhere Vertreter gibt, die ihr Haupt neigen und den gut gemeinten Selbstbetrug in großer Form verkünden, der den Menschen dann Trost spendet. Worin findet ein Ding Tröstlichkeiten? Ein Leben ertragen? Es mit Annehmlichkeiten ausstatten? Es mit Worten darüber verkleiden, ausschmücken, verherrlichen? Gar... auf ein Danach zu hoffen?

Und wenn wir diese Verdinglichung dann wieder in Menschlichkeit umwandeln (weil die weitere Entwicklung der Welt und des Menschen es nun einmal nicht anders zulässt), wird der Mensch in seiner "dinglichen" Form trotzdem Mensch sein, eben mit anderen Werten und Lebensqualitäten, eben einfach das eine Wort gegen das andere getauscht. Das Menschsein wandelt sich ja auch mit der Zeit.

Der Wunsch nach Freiheit wird irgendwann vielleicht völlig absterben, weil Freiheit eine völlig andere Bedeutung bekommt. Freisein heißt jetzt, von Grenzen umgeben seine eigene Freiheit leben, die wahrhafte Form von Freiheit ist nicht mehr existent, unmöglich, inmitten unserer Umgebungen. Irgendwann wird Freiheit vielleicht heißen, dass die Verdinglichung angenehm gestaltet ist, dass wir inmitten unseres Gefangenendaseins den winzigen Platz nutzen, der uns zur Verfügung steht, um einmal kurz und frei durchzuatmen, dass wir uns auf diesen winzigen Augenblick freuen und genau dafür leben.
Und genau das ist es, was ich mit einem leichten Bedauern betrachte, dass ich meinen Arm hebe und die Fesseln in Goldüberzug allmählich schön finden werde, oder dass ich die Schellen einfach mit weichem Stoff umwickle, damit sie keine Last mehr sind, sondern nur noch Schmuck. Und so ein Schmuck kann sich leicht mit dem Fleisch verwachsen, ohne, dass man es mitbekommt, und dann werde ich eben vergessen, wie es war, den Arm frei und leicht zu bewegen.
Ach, auch das ist nur ein Selbstbetrug: Ich hab's doch noch nie gewusst, wie es sein könnte.

Darum bleibt einem ja auch nur, als Ding sein Ding zu machen...



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 13.04.2008 23:33 | nach oben springen

#9

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 13.04.2008 23:17
von larifant • 270 Beiträge
Zitat von Taxine

Und wenn wir diese Verdinglichung dann wieder in Menschlichkeit umwandeln (weil die weitere Entwicklung der Welt und des Menschen es nun einmal nicht anders zulässt), wird der Mensch in seiner "dinglichen" Form trotzdem Mensch sein, eben mit anderen Werten und Lebensqualitäten, eben einfach das eine Wort gegen das andere getauscht. Das Menschsein wandelt sich ja auch mit der Zeit.


Wann war denn der Mensch weniger "dinglich" als heute?
Im Garten Eden?

Es ist noch nicht so lange her (vielerorts noch nicht einmal "her"), dass die Lebensgestaltung der überwältigenden Mehrheit durch die Sorge um die unterste Stufe der Maslow-Pyramide geprägt wurde.
Individualität für breitere Schichten existiert als Idee allenfalls seit den 60ern.

Es muss was Schönes sein um die Freiheit. Aber ich bin ein armer Kerl.

Gruß,
L.

zuletzt bearbeitet 13.04.2008 23:18 | nach oben springen

#10

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 13.04.2008 23:25
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Oh ja, bei der maslow’schen Pyramide kriege ich immer so ein trockenes Kratzen in der Kehle, alleine, weil Selbstverwirklichung erst nach der sozialen Anerkennung kommt.

Wann war der Mensch kein Ding? Als es noch keine Gesellschaftsstruktur gab. Da war er dann aber auch eher Tier. Wann war der Mensch eigentlich Mensch?




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#11

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 13.04.2008 23:42
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von Taxine
Wann war der Mensch eigentlich Mensch?

Im Garten Eden, im Goldenen Zeitalter oder als Thetan.

Gruß,
L.


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#12

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 13.04.2008 23:49
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Hehe... letzterer nutzt den "Mensch" ja sowieso nur als Hülle!




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#13

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 14.04.2008 00:12
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von Taxine
Hehe... letzterer nutzt den "Mensch" ja sowieso nur als Hülle!

Der Mensch ist ein traumatisierter und im Fleische gefangener Thetan, der all der schrankenlosen Freiheit entäußert wurde, die er ursprünglich besaß.

Gruß,
L.


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#14

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 14.04.2008 09:54
von Patmos • 17 Beiträge

Vielleicht hindert uns ja auch nur unser perfekt ausgebildeter Egoismus daran, ein Unding zu werden.
Je weniger Dinge ich von der Welt fordere, um so leichter wird es mir, mich frei und unabhängig zu fühlen, das sind zwar uralte Menschheitsweisheiten, funktionieren aber deshalb um so besser.
Nur ist dieses "Lassen" und "Loslassen" mit großen inneren Kämpfen und teilweise auch Krämpfen verbunden, aber es ist immerhin besser als sich sein Leben lang zu Bejammern und seinem Ego immer wieder Zucker zu geben, um am Ende im Materialismus zu ersaufen und geistig rettungslos zu Verkümmern.
Die Fesseln sind so stark nicht unbedingt, wie wir es - gerne hätten und uns jeden Tag aufs neue Einreden (wollen).

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#15

RE: Wann wird der Mensch zu einem Ding?

in Gedanken vom Tag 14.04.2008 16:56
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Auf gleicher Ebene mit dem Egoismus stehen die menschliche Blindheit und das "Augen-Verschließen-Wollen", um oftmals eine sehr eigenartige Form der "inneren Ruhe" zu bewahren (die dabei aber immer wieder als Unruhe durchschimmert, weil das Un einfach weggedacht, aber nicht weggelebt wird. Das ist auch schwierig, wenn man immer wieder mit der äußeren Welt konfrontiert wird und sich darin als Teil davon zurechtfinden muss.)
Wenn das Loslassen zum Kampf (Krampf) wird, dann ist es kein Loslassen, sondern ein Überwinden von Dingen. Überwinden bleibt Sich-hindurch-Winden, damit etwas, was man sich aufzwingt und wider seiner Natur festlegt. Loslassen müsste (!) eigentlich schnell und schmerzlos gehen.
Im Nicht-Wollen sein Leben zu leben, bringt Zufriedenheit, aber wer das nicht lebt, der strebt damit nicht automatisch nur nach materiellen Werten...



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 26.04.2008 19:00 | nach oben springen


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