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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#1

Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 12.02.2009 21:59
von Zypresserich • 2.864 Beiträge

Paul Léautaud – erstes Rantasten in der Begeisterung des Fürmichentdeckthabens

Gelebt hat er 18.1.1872 – 22.2.1956; entdeckt habe ich ihn in der Zeitschrift Sinn und Form, Ausgabe Mai/Juni 1999, in drei Artikeln, und zwar a) in einem von Adam Zagajewski (über den Genannten), b) im Gespräch mit Robert Mallet, und c) in einem Auszug aus seinen literarischen Tagebüchern, in diesem Fall datiert auf 1942.

Schön, wenn man zwischen all den Sartres und Vians und Racines und Valérys plötzlich dieses Unikum entdeckt; schön, weil (Zitat Adam Zagajewski): „Immer wenn ich mich als Leser von Paul Léautaud zu erkennen gab, musterten mich meine französischen Bekannten erstaunt. Er galt als Sonderling, als zweitklassiger Autor; zudem hatte er nie einen Roman geschrieben. Er besaß keine Einbildungskraft, das gab er selbst zu. Statt dessen notierte er jahrzehntelang in seinem ‚literarischen Tagebuch’ (‚Journal littéraire’) Tausende von Begebenheiten und Debatten.“ Und genau das fasziniert mich an diesem Menschen und seinen Schilderungen: Man geht mit ihm in Paris umher, z. B. Katzenfutter kaufen, als ginge mal selbst in diesem Moment durch die Stadt der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts; jede Straße, jedes Geschäft wird genannt; ich denke, man könnte heute, hätte man die Zeit zur Verfügung, mit einem Plan von Paris in der Hand, seine Wege noch immer nachgehen, ähnlich denen Balzacs. Léautaud hat (vor allem literarische) Geschichte festgehalten durch seine u. a. journalistische Tätigkeit z. B. für den Mercure de France.

In Antwort auf:
Léautaud war klein und hässlich, seine Nase ragte spitz auf wie ein Blitzableiter. Er war Individualist, aber weil es ihm ewig an Geld mangelte, hielt man ihn für einen Sonderling. Er achtete nicht auf sein Aussehen und trug im Winter manchmal zwei Röcke übereinander. (Einen Mantel besaß er nicht.) Ständig schleppte er große Taschen mit Futter für Hunde, Katzen und eine Meerkatze mit sich herum. Zeitweise versorgte er 45 Katzen.


Ach, wer kennt das nicht: man liest eine Zeitschrift, noch einen Artikel, und noch einen, und noch einen ... Moment, da war doch was; halt!, nochmal lesen, und dann ...

... ist Léautaud wieder im Gespräch: man baut sein chaotisches Arbeitszimmer nach im Museum Carnavalet, seine Bücher werden neu aufgelegt, man dreht einen Film über seine langjährige Beziehung zu einer Frau, die er in seinen Aufzeichnungen zärtlich „Le Fléau“ („Die Geißel“) nennt; man erfährt, dass sein Vater, dessen ungewöhnlicher Beruf den Sohn faszinierte, Souffleur an der Comédie Française war und außerdem sein Leben lang erotischen Abenteuern hingegeben; Zagajewski über Léautaud: „Er wurde zum Souffleur der französischen Literatur, der nicht so sehr einflüsterte, was gesagt werden sollte, als vielmehr das Gesagte verlachte.“ Man liest über
In Antwort auf:
... seine Schwächen ..., blicken in Abgründe. Es gibt kaum ein Tabu, das Léautaud nicht gebrochen hätte. Er spricht vom Masturbieren und von seiner Hässlichkeit. Er bringt es fertig zuzugeben, dass ein unverhoffter Gast seinen vollen Nachttopf auf dem Fußboden stehen sah.

In Antwort auf:
Da sein inneres Leben nicht allzu heftig sprudelte, blieb ihm lediglich das Amt des Chronisten, der die Begebenheiten beflissen notiert. ... Sein Beobachtungsfeld war hauptsächlich das literarische Paris, vom Schreibtisch des Mercure de France aus betrachtet. ... Das literarische Paris! Jahrmarkt der Eitelkeiten! ... Léautaud verfolgte die Taktiken der Pariser Literaten ... (und ihn zitiert) „Lächerlichkeit macht mir nichts aus. Ich werde auch die bedenklichen Seiten meines Lebens nicht auslassen. Also Nachttopf und Masturbation“, das Schwanken, ob er das von einem Kunstmäzen angebotene Geld nehmen soll oder nicht.


Trifft Verlaine.
In Antwort auf:
Der junge Léautaud erblickte eines Tages im Café den von Krankheit gezeichneten Dichter. Er kaufte einen Veilchenstrauß und ließ ihn Verlaine durch einen Jungen überreichen. Heimlich beobachtete er die Übergabe. Diese kleine Begebenheit steht sozusagen als Motto über den dickleibigen Tagebüchern. Ein Veilchenstrauß für einen Dichter von einem schüchternen Verehrer.

Adam Zagajewski fragt sich, was ihn denn an diesen seltsamen Tagebüchern des Léautaud fasziniere, in denen man
In Antwort auf:
auf so viele langweilige, triviale, obskure Bruchstücke stößt?
; denkt, die Antwort müsste lauten:
In Antwort auf:
Es ist das Triviale, Bescheidene, Alltägliche und Sich-ständig-Wiederholende, das in ihm einen verlässlichen und unromantischen Seher findet. Léautaud scheint sagen zu wollen, schaut, da gibt es doch auch die kleinen Dinge, die von erstrangigen Autoren verachtet werden. Ich greife zu Léautaud, um mich vom Schauer des Gewöhnlichen durchrieseln zu lassen. Die Unordnung der Welt offenbart sich nämlich an beiden Enden der Skala, in der Tragödie wie in der Trivialität, im Hässlichen. Bei Racine wie bei Léautaud.


(Erster Eindruck; wird fortgesetzt, vielleicht; Léautauds Tagebücher sind bestellt.)




Angefügte Bilder:
Paul Léautaud.jpg

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#2

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 12.02.2009 22:27
von Lennie • 829 Beiträge

Danke für diesen ersten Eindruck, Zyp! Klingt sehr interessant. Das Photo kannte ich schon, den Namen auch - aber das war's auch schon. Jetzt hab ich Lust, da weiter nachzuforschen.... und mehr zu lesen!
Bises, Lennie

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#3

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 12.02.2009 22:35
von Zypresserich • 2.864 Beiträge

Ja, ich auch. Bin schon ganz gespannt auf die Schilderungen dieses Menschen. (Ich könnte die ganzen Artikel abschreiben, so interessant ist das ...)


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#4

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 14.02.2009 15:01
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Na, da bin ich aber auch gespannt. Ich hoffe, er berichtet auch (von mir aus ... ohne kunstvolle Betrachtungen) von der Literatenwelt. Dieser Antiliteraaaat.

Danke Zypresserich, für den Einblick.
Ich stelle mich gerne unter das Astwerk,
wenn der erste Regenschauer an Worten prasselt.

Liebe Grüße
tAxine




Surreale Vorstellungen
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#5

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 06.03.2009 20:25
von Zypresserich • 2.864 Beiträge
Ach, ich werde nichts über das Tagebuch schreiben; interessante Stellen aussuchen geht gar nicht: es hieße, das ganze, uns in Deutsch leider lediglich in einem Ausschnitt zur Verfügung stehende Buch abschreiben. Da aber meine kleinen Wurstfingerchen etwas Bewegung gut vertragen können, vielleicht das (ohne quote und ohne html und ohne Anspruch auf Fehlerlosigkeit): "Dienstag, 23. Januar 1906: Ich habe einen Spaziergang auf dem rechten Seine-Ufer gemacht und die passage Vivienne, die passage des Panoramas usw. aufgesucht. Der faubourg Montmartre. Traurigkeit überkommt mich, wenn ich daran denke, dass ich eines Tages nicht mehr durch Paris, an dem ich so hänge, spazierengehen kann, und auch, dass ich eines Tages diese Welt und diese Dinge verlassen, ja zu leben aufhören muss."

Das ist ja eine relativ schöne Stelle. Nicht ganz so schön (ich will es so naiv formulieren), sind andere, menschenverachtende Stellen, insbesondere, wo er seine Einstellungen gegenüber Frauen darlegt. Da kann man nur den Kopf schütteln. Oder aber über die Schilderung aus dem Alltag eines anderen Schriftstellers, der angeblich seine Katze mit einem spitzen Bleistift masturbiert haben soll. Bin ja hartgesotten, aber so manches in dem Buch ist schlichtweg degoutant (zwei Jünglinge, auf die er scharf ist, machen es ihm lediglich mit Mund und Hand etc.).

Wären da nicht die informativen Passagen über die Begegnungen mit der Haute-Volée der Literatur des damaligen Paris. Es kommen einfach ALLE Namen vor (über deren Bücher, aber auch Lebensgewohnheiten, Angesichtigwerden in Cafés oder beim Arzt oder oder).

Aber ich habe ja erst angefangen mit dem Lesen des Buches.

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zuletzt bearbeitet 06.03.2009 20:27 | nach oben springen

#6

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 08.03.2009 19:17
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Zitat von Zypresserich
Nicht ganz so schön (ich will es so naiv formulieren), sind andere, menschenverachtende Stellen, insbesondere, wo er seine Einstellungen gegenüber Frauen darlegt. Da kann man nur den Kopf schütteln.


Das scheint mir an seiner Unbeholfenheit zu liegen, überhaupt Liebe zu empfinden. An der "Geißel" hängt er ja lange, nicht, ohne ordentlich über sie herzuziehen.
Am besten gefällt mir dieser Satz über die Frauen:
(225)
In Antwort auf:
Die meisten Frauen sind frei umherlaufende Irre...



Überhaupt ist Léautaud ein Lästermaul, was das Tagebuch dann spannend macht. Seine Ansicht zu den Literaten, seine Verehrung von Stendhal, seine Sympathie für Gide, die Ablehnung all derer, die nicht "einfach" schreiben usw. hat er gut ins Wort gefasst. Er besitzt einen scharfen Blick auf Mensch und Welt, der allerdings manchmal schon zynisch scharf über alles streift und dabei so manchen Schädel und manche Einstellung zerschneiden könnte, wäre so etwas möglich.

Der gute Mann bricht bei mir nur etwas ein, weil er irgendwie immer verbissener und verbitterter wird. Dazu kommt eben die Ansicht über die Frau, was ihn trotz seiner anderen Lichtblicke wirklich ein Stück kleiner macht. Ich gehe oft genug über solche "männlichen Äußerungen" hinweg, wobei mich diese seltsame Überheblichkeit der schreibenden Männer grundsätzlich verwundert, da sie durch nichts gerechtfertigt ist und wie eine Modeerscheinung wirkt - als ob es für den schreibenden Mann notwendig war, die Ansicht zu vertreten, die Frau könne nicht denken. Das macht wohl sein eigenes Werk nicht besser. Aber bei Léautaud artet die Einstellung zur Frau aus, er greift die Frau als Menschen an, weil er unfähig ist, Gefühle zu entwickeln, weil ihm der sexuelle Kontakt völlig ausreicht. Ist ja auch alles schön und gut, nur gerät seine Unfähigkeit zur Liebe eben zur "verschobenen Betrachtung", die sich aus einem inneren Hass gegen das Weibliche entfaltet, und genau das ist dann ungerecht und unangenehm. Und dann wieder die völlige Irritation, weil er, wenn er ein Kind adoptieren will, sich möglicherweise für ein Mädchen entscheiden würde. Wozu? Wenn er die Frau doch so verachtet?
Trotzdem verschlingt man dieses literarische Tagebuch. Seine Ansichten zum Schreiben beinhalten ein paar wertvolle Tipps:
In Antwort auf:
Literatur ist für mich ein geistiger Erregungszustand, in dem die Dinge mühelos geraten, und so, wie sie sein müssen. An solchen Stücken braucht man nicht mehr zu arbeiten oder doch sehr wenig. Es sind bei jedem Schriftsteller immer die besten. Wenn man suchen, wenn man Satz für SAtz konstruieren muss, ist alles schlecht.


Und man sieht, dass z. B. Maupassant auch ganz schön deftige Briefe verfasst hat, für die Léautaud, wie könnte es auch anders sein, sich natürlich begeistert.

Léautaud zum Tagebuchschreiben selbst:
Eben dachte ich, dass dieses Bedürfnis, die eigenen Gedanken, Handlungen oder Gesten bis ins kleinste zu verzeichnen, eigentlich die reinste Versklavung ist.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 08.03.2009 20:09 | nach oben springen

#7

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 30.03.2009 21:08
von Zypresserich • 2.864 Beiträge

Zitat von aus ebenda
Freitag, 25. November [1910] Auch Apollinaire liebt die Tiere. Bei seiner Mutter hat er drei Hunde und einen Affen.

Ja, ich lese langsam, buchstabig, buchstäblich; aber bin immerhin auf Seite 57, dem Alltag abgetrotzt wie die Landgewinnung dem stürmischen Meer (und dann macht's psch psch und alles ist wieder versunken). Warum ich diese Stelle zitierenswert finde? Vielleicht wegen des "Auch"s, bezogen auf Léautaud; oder wegen des Affen; oder wegen mir; oder wegen Apollinaire, was mich immer an Sprudel erinnert.


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#8

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 30.03.2009 21:53
von Zypresserich • 2.864 Beiträge

Zitat von aus ebenda
Heute Abend bei Apollinaire zum Essen gewesen. ... Meinen Katzen im Luxembourg zusammen Futter gebracht, dann an der place Médicis eine Erdbeertorte gekauft. Danach zusammen zu Apollinaire, boulevard Saint-Germain 202 ...
Dieser Säckel, der hat Boulevard Saint-Germain gewohnt. Kennt einer die Straße? Ich will auch!

(Dis is was mir an dem Buch so gefällt: man geht spazieren in Paris Anfang 20stes Jahrhundert, einfach so, mit den ganzen Literati.)


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#9

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 30.03.2009 22:07
von Zypresserich • 2.864 Beiträge

Zitat von ebenda
Oft komme ich mir vor wie ein Clown, der kein Abendessen gehabt hat, dessen Kinder hungern und der dennoch seine Possen reißen muss.


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#10

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 30.03.2009 22:15
von Zypresserich • 2.864 Beiträge

Zitat von ebenda
Es sind Tage, wo der Gedanke an den Tod alles kindisch, sinnlos und lächerlich macht, wo man für sich selber Mitleid und Abscheu zugleich empfindet, in einer großen, allgemeinen Verzagtheit befangen ist und nichts mehr sehen, wissen, hören, sich an nichts mehr erinnern und nichts mehr hoffen möchte, wo man sich im Dunkeln einschließt, als könne man damit für einen Augenblick zu existieren aufhören. Wie viele solcher Tage habe ich in meinem Leben gekannt. So zahlreich sogar sind sie gewesen, dass ich mich frage, wie ich das wenige habe leisten können, das ich getan habe.


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#11

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 30.03.2009 22:28
von Zypresserich • 2.864 Beiträge

Zitat von ebenda
Literatur ist für mich ein geistiger Erregungszustand, in dem die Dinge mühelos geraten, und so, wie sie sein müssen. An solchen Stücken braucht man nicht mehr zu arbeiten oder doch sehr wenig. Es sind bei jedem Schriftsteller immer die besten. Wenn man suchen, wenn man Satz für Satz konstruieren muss, ist alles schlecht.
Veto. Merkt hinterher kein Mensch, wie viele Wochen man über einem Satz gebrütet hat, im Lesefluss. Frag Handke, frag Pynchon, frag Balzac, frag ... alle Forumsbeitragslyrikprosaergießer, die sich nach Spontanergüssen in die Finger beißen könnten, entdecken sie erstmal ihre Fehler (oja, wie ich das kenne; würde man die Texte doch immer erstmal eine Weile brutzeln lassen; frag Whitman, fällt mir eben noch ein).


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#12

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 30.03.2009 22:48
von Zypresserich • 2.864 Beiträge

Zitat von ebenda
Cocteau hat sie* in einem Brief an Rachilde mit folgenden Worten geschildert: "Diese Dame hat das Profil einer Medaille, die ein Tagelöhner in einem Vaselinefeld gefunden hat."
*= Die Schauspielerin Aurel (geborene Aurélie de Faucamberge); Léautaud hatte seine Hausgans nach ihr benannt.

Um Himmels willen ...


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#13

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 30.03.2009 22:58
von Zypresserich • 2.864 Beiträge

Zitat von ebenda
Donnerstag, 6. Dezember 1917 Das Eau de Cologne ist in Eau de Louvain umgetauft worden, die deutschen Schäferhunde in elsässische, die rue de Berlin in rue de Liège, und die Hausbesitzer in der rue Richard-Wagner haben ihre Straße in die rue Albéric-Magnard verwandelt. Wenn wieder Friede ist, wird man hoffentlich die rue de la Victoire umtaufen.


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#14

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 02.04.2009 17:49
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Zitat von Zypresserich
Dis is was mir an dem Buch so gefällt: man geht spazieren in Paris Anfang 20stes Jahrhundert, einfach so, mit den ganzen Literati.

Ja, es ist, als sitzt man mit Léautaud in seiner chaotischen Wohnung, von Katz und Tier umgeben und lauscht, was er so vom Tage zu berichten hat.
Zum Beispiel über Proust:
In Antwort auf:
Eine Zeitlang hatte Proust vor seiner Tür Tag und Nacht ein Taxi in BEreitschaft stehen, für den Fall, dass er Lust bekäme, auszufahren. Oft verließ er das Haus nachts und ließ sich vor ein Bordell fahren. DAnn bat er den Fahrer, die Besitzerin zu holen. Wenn sie gekommen war, ließ er sich von ihr zwei oder drei Frauen herausschicken. Er bat sie ins Taxi herein, trank Milch, bot auch ihnen davon an und verbrachte einige Stunden, indem er mit ihnen über die Liebe, den Tod oder ähnliche Themen sprach.
Gerüchte sind ihm ein Greuel. Besucht ihn ein Freund, der auch nur das geringste bisschen Parfüm an sich hat, ruft er seine Haushälterin "Nehmen Sie dem Herrn das Taschentuch aus der Tasche und tragen Sie es weg."


Oder über sich selbst:
Haben all diese Leute denn nie etwas gelesen, dass sie mich so talentiert finden?

Oder eben über seine Zeit der Zeiten:
In Antwort auf:
Eine solche Epoche der Brotliteratur hat man noch nicht erlebt. Es gibt keine Werke mehr. Sicherlich auch, weil es die Zeit dafür nicht mehr ist. Vor allem deshalb, weil die Schriftsteller von dem, was sie schreiben, leben wollen.


Das wird auch nicht besser...!
Da gilt:
In Antwort auf:
In erster Linie muss man schreiben, was man gerne schreibt, das ist Punkt eins. Alles übrige - Ansehen oder Geld - kommt später, oder es kommt nicht, einerlei...


Der hier ist auch gut:
Was ist Sparsamkeit? - Die Kunst, nicht zu leben.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 02.04.2009 17:50 | nach oben springen

#15

RE: Paul Léautaud

in Die schöne Welt der Bücher 10.05.2009 09:15
von Zypresserich • 2.864 Beiträge

Für Sammler: Eine Originalausgabe für 330,- Euro. Sagenhaft. Angeblich ungeöffnet.
http://www.zvab.com/displayBookDetails.d...7992127&ref=fmb
Ist mir aber 50 Cents zu teuer. Suche gerade nach einer französischen Komplettausgabe, weil's in Deutsch ja nur Auszüge gibt.


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