background-repeat

Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#16

RE: Buddhismus gleich Faschismus???

in An der Philosophie orientierte Gedanken 21.04.2010 14:10
von Martinus • 3.194 Beiträge

Hallo ascolto,

die Harvard-Vorlesungen werde ich sehr gerne lesen. Ich habe vor einigen Wochen schon über dieses Buch Informationen eingeholt. Die Lektüre scheint sich wirklich zu lohnen.

Herzlich gedankt für die Erinnerung an das Buch.
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 21.04.2010 14:15 | nach oben springen

#17

RE: Buddhismus gleich Faschismus???

in An der Philosophie orientierte Gedanken 21.04.2010 23:02
von Martinus • 3.194 Beiträge

Es scheint wohl so zu sein, dass Leute wie Trimondi ihre Gegner mit Hass besudeln, in dem sie ihre Gegnerschaft mit Nazivergleichen besudeln, was anderes als Hass kann das nicht sein. Einige amazon-Rezenzenten sind Trimondi nicht auf dem Leim gegangen. Ein anderes Beispiel unserer Tage. Kardinal Meisner verstieg sich in Bezug auf den Atheisten und Evolutionsbiologen Richard Dawkins in einen Nazivergleich. Ich zitiere:

Zitat von Erzbischof Kardinal Joachim Meisner
Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Dawkins, den Menschen als 'Verpackung der allein wichtigen Gene', deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei

zitiert aus Spiegel-Online vom 01.11.2009, siehe hier.

Auch in diesem Beispiel wird einem Gegner ein Nazivergleich übergestülpt. Das ist wohl neue Masche... So'n Quatsch. Damit degradiert sich der Herr Kardinal und der Herr Trimondi im Psydonym in unseriöse Gefilde. Quasi dämlich ausgerutscht auf Glatteis. Wenn jemand auf solche Ebenen heruntersteigt,mit dem sind fruchtbare Gespräche nicht möglich. Eigentlich dumm. Schade.

Eine andere Art von Diskussionsabwürgung ist das Wort vom Papstbruder Georg aus dem "Wochenblatt" zu Regensburg vom 21.April.2010, dieser auf die Frage des Interviewers, ob man dem Papst gegenüber kritisch sein dürfe, antwortete:

Zitat von Georg Ratzinger
Jeder Priester, jeder Bischof und auch jeder Laie muss zu diesen Wahrheiten der Kirche stehen.



(im Interview sagte Georg Ratzinger sinngemäß, Leute, die gegen die Wahrheit der Kirche - "gottgegebende Wahrheiten" - sind, das sind Kirchespalter).

Auf die Frage nach den Missbrauchsfällen bei den Domspatzen antwortete der Papstbruder:

Zitat von Georg Ratzinger
Diese Dinge sind viele Jahre her



Ja, verjährt, pffffffffffffft....und lieber nicht mehr sagen, denn das gibt's nicht im NT.

Na ja, mit dem kann man och net plappern.

Gute Nacht!
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 21.04.2010 23:07 | nach oben springen

#18

RE: Buddhismus gleich Faschismus???

in An der Philosophie orientierte Gedanken 21.04.2010 23:26
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Ich komme gerade vom Zazen und hatte nicht den Eindruck, dass es dort wie auf einem SS-Kameradschaftsabend zugeht ...

Die Argumentation der Trimondi ist wirklich am Rand des Lächerlichen.

Zen-Meister bedroht Schüler mit Pistole!

Ja, wirklich wahr, ist neulich in Mainz passiert. Trimondi würde jetzt schlußfolgern: Buddhisten alle schlecht, gewalttätig, Nazis ...
Wenn man sich die Sache aber genauer ansieht, müsste die Schlagzeile eigentlich lauten: Selbsternannter "Zen-Meister" bedroht Schüler mit Pistole. Dieser Herr war nämlich gar nicht offiziell im Rahmen der Zen-Tradition ordiniert. Tja, das ist das Problem: Den Titel eines buddhistischen Meisters bekommt man nun mal nicht von der Industrie- und Handelskammer verliehen, deshalb muss man schon als Schüler sehr genau prüfen, mit wem man es da eigentlich zu tun hat, ob dieser jemand wirklich "echt" ist, und als distanzierter Kritiker kann man da erst recht den Durchblick verlieren.

Und wenn die Trimondi den DL anpinkeln wollen, sollten sie besonders vorsichtig sein und sich mal klar machen, wieviel Energie und Geld die Chinesen auf diesem Gebiet an Desinformations- und Verleumdungskampagnen investieren. Aber darüber denken sie wohl nicht nach, sondern greifen begierig jede Anschuldigung auf, die von irgendjemandem in die Welt gesetzt wird. Da kann man auch schon mal die Frage stellen, in wessen Interesse diese Leute eigentlich arbeiten.




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
nach oben springen

#19

RE: Buddhismus gleich Faschismus???

in An der Philosophie orientierte Gedanken 21.04.2010 23:32
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Die beiden Trimondis heißen in Wirklichkeit Herbert und Mariana Röttgen.

Herbert Röttgen war in den achtziger Jahren ein glühender Verehrer des Dalai Lama, brachte in seinem eigenen Verlag ein Buch des Dalai Lama heraus und organisierte dessen Auftritte. Doch dann kam es – aus unbekannten Gründen – zum Bruch, Röttgens wandten sich enttäuscht vom Dalai Lama ab und aus der glühenden Verehrung muss offenbar ebenso glühender Hass geworden sein.

... heißt es in einer Besprechung.

Damit wohl eindeutig ein trimondischer Versuch (aus der Enttäuschung heraus???), Geld zu machen mit Empörung und Skandal (der dann doch eher ausblieb oder nicht in dem Maße erfolgte, wie erhofft). Wäre natürlich hilfreicher gewesen, wenn beide Autoren sich etwas mehr in den Buddhismus vertieft hätten. So wirkt es selbst auf den Laien nur flüchtig hingeworfen und unlogisch in seinen Ansichten und herangezogenen Schein-Beispielen.

Auch dieser Hass auf den Erfolg und die Verbreitung des Buddhismus in der westlichen Welt, als ob sich hier nur Hollywood-Größen damit schmücken und Interesse an dieser Philosophie bezeugen, die dann, weil (nach den Trimondis) lediglich gut vermarktet, erst auf den Rest der Bevölkerungsschicht wirkt, ist doch sehr "bemerkenswert". Wirkt fast wie Neid.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 21.04.2010 23:44 | nach oben springen

#20

RE: Buddhismus gleich Faschismus???

in An der Philosophie orientierte Gedanken 21.04.2010 23:44
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Naja, egal ... Ich gedenke ihrer mit Mitgefühl und sende ihnen mit jedem Atemzug Glück und Wohlbefinden ...




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
nach oben springen

#21

RE: Buddhismus gleich Faschismus???

in An der Philosophie orientierte Gedanken 21.04.2010 23:46
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Unbedingt.

(Wäre es nicht ein Thema für's Forum gewesen, hätt' man wohl kaum drüber gesprochen. )

Gut's Nächtle!




Surreale Vorstellungen
nach oben springen

#22

RE: Buddhismus gleich Faschismus???

in An der Philosophie orientierte Gedanken 22.04.2010 16:54
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Kleines Plädoyer:

Nihilieren (ode Negieren) wir das Leben, wenn wir im Buddhismus oder im Anerkennen der hinter allem seienden Leere (der unsichtbaren Räume, die sich erst öffnen, wenn man ihnen Raum zugesteht) erst Skepsis, dann Trost, dann Ruhe, dann Lebensfreude finden? Dem Leben endlich in seiner Einfachheit begegnen? Dass wir, ohne Beweis, für uns erkennen, dass alles miteinander verbunden, der Raum sich immer weiter öffnet, insofern wir dies annehmen, zulassen? Auch das ist die Macht unseres Geistes, der sich (immer nur nach unserem eigenen Ermessen) weiten kann. Dieses Leben also als Kontemplation nutzen, wo wir es auch in jeder Faser an Lebendigkeit, Freude und Verwirrungen, Erlebnis und Erfahrung verbrauchen könnten? Das eine schließt das andere nie völlig aus und gleichzeitig unterscheidet sich das, was allgemein „Nutzen“ genannt wird.
Den Geist höher stellen, als das Körperliche, um aus dem Verstand ins Verstehen zu finden, die weltlichen, materiellen Annehmbarkeiten umgehen, da sie sich als Trugwerk entpuppt haben, um ganz in (zu) sich selbst zu schreiten, aus dem hervor (neu geprägt) wieder in die Welt zu treten, um nicht nur Mitgefühl zu empfinden sondern es zu leben, dem Leben tatsächlich zu begegnen.
Der Buddhismus sagt nicht, das einzelne Leben wäre unwichtig, es bleibt Übung und Notwendigkeit und ist doch Illusion. Er sagt, das Leben muss erkannt und als vereinzeltes in einem Vielen gesehen werden. Es ist nicht ein: Wäre ich doch lieber nicht geboren! Es ist: Ich bin geboren und werde wiedergeboren, bis ich mich selbst geboren habe (und nicht mehr "Ich" bin). Und währenddessen ist man immer nur all das, was man ist. Seine Freude, seine Erkenntnisse, seine Zweifel, sein Schmerz, seine Liebe, sein Mitgefühl. Nichts ist Bedrohung, alles ist Teil der Erleuchtung, der Erkenntnisse, kurz: des Lebens.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 22.04.2010 22:04 | nach oben springen

#23

RE: Buddhismus gleich Faschismus???

in An der Philosophie orientierte Gedanken 22.04.2010 17:47
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Auch von mir noch eine kleine Klarstellung zu diesem Thema "Kindermord ist vollkommen" (kann wohl nicht schaden):

Der besagte Buddhismus-Kritiker versteht diesen Satz im ethischen Sinne, was völlig falsch ist. Die buddhistische Ethik ist im Edlen Achtfachen Pfad formuliert, und dort bedeutet "rechtes Handeln" auch, nicht zu töten (was nicht nur Kindermord, sondern auch das Töten von Tieren verbietet). Dies ist völlig eindeutig. Aber es geht hier eben nicht um Ethik - genau das ist die besagte "Quadrantenverwechlung", oder philosophisch gesprochen ein Kategorienfehler. (Übrigens gehört zu dem Gesamtbild natürlich auch, dass nicht nur der Kindermord vollkommen ist, sondern auch der Richter, der den Mörder verurteilt - dies sieht dann wohl schon ein wenig anders aus ...)

Kindermord als vollkommen zu bezeichnen ist keine ethische Aussage, sondern eine geistige Übung, ein Exerzitium. Ähnlich wie ich in der Tonglen-Meditation mit jedem Atemzug das Leid und das Böse in mich aufnehme (und das Gute ausatme) - da wäre es ebenso absurd zu behaupten, der Tonglen-Praktizierende würde im ethischen Sinne das Böse bejahen. "Alles, was in Erscheinung tritt, als erwachte Energie (= "vollkommen") zu sehen, stellt unsere grundlegenden Gewohnheitsmuster völlig auf den Kopf. Unsere gewöhnliche Haltung, jeden Konflikt zu vermeiden, uns selbst stets besser hinzustellen als wir sind, die Dinge zu glätten und zu schönen, den Schmerz als Fehler beweisen zu wollen, der in unserem Leben nicht vorkommen kann, wenn wir nur alles richtig machen, kehrt sich völlig um; und wir entwickeln den Mut, als Arbeitsgrundlage für das Erlangen der Erleuchtung, einen neugierigen Blick auf den Bestattungsplatz unseres Lebens zu werfen." (Pema Chödrön)




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
nach oben springen

#24

RE: Buddhismus gleich Faschismus???

in An der Philosophie orientierte Gedanken 23.04.2010 15:43
von ascolto • 1.289 Beiträge

Werte Belegschaft,


der Buddhismus allgemein untersucht erstmals für den Herantretenden/Suchenden die uns bekannte (unbekannte) Variable, Welt, also unsere von uns erlebte sobenannte Realität (buddh. Samsara). Dies im Sinne unserer Lebensituation, also unseren sozialen und emotionalen Anschauungen sowie Handlungen, unsere von uns konstruierten Systeme und hinterfragt sie. Dies ist eine kontemplative Hinterfragung/Analyse und wer diese durchlebt analysiert seine eigenen Assozaitionsketten (Verstand) warum und ob er gegebenenfalls eine Korrektur im Sinne der buddhistischen Ethik zuläßt. Diese Schule ist freiwillig und sollte voller Skepsis getragen und wer nicht konform wendet sich bitte wieder ab.
Sollte man an dieser Schule Freude und Sinn entdecken, dann und dies ist das Ziel eines praktizierenden Buddhisten, transformiert der Praktizierende seine Einsichten und Ansichten über sein Realitätsbild und konfiguriert seine Assozationsketten, korregiert seine Aktiva, seine Haltung zu seinem sobenannten Ich! Aus dieser Erkenntnis aktiviert ein Buddhist eine spirituelle Wahrnehmung, also er praktiziert Tantra und dies ist eine andere, im Buddhismus "eingeweihte" Wahrnehmung.
Fälschlicherweise werden häufig im sogenannten "Volksmund" also hier diese Ebenen vertauscht, also aus ihrem Zusammenhang fokussiert und wie das werte R. hier vor mir angeführt, eine Tonglem-Meditation aus ihrer tantrischen Bewegung auf eine sobenannte reale Aktiva reduziert. Dies ist häufig ein Bild dass dann von jenen bedient die eine esotherische Fügung in ihrem Sein und jetzt von mir ganz hart: Die zu bequem sind diese Geistes- Schule zu besuchen und meinen aus ihren sobenannten Intuitionen eine Philosophie und die daheraus praktizierte Handlungen zu maasregeln ohne sich den Sinn der Vergleiche oder die Symbolig, diese Methaphern zu erschließen.

Wenn der Hörer also noch nicht in der Stufe, also auf dem von Buddhisten praktizierten Pfad, dann erschließt sich diesem häufig nicht welche Transformationsidee und Übung hinter der Praxis, es ist also so als wenn der Schüler der keine Erkenntnis über das Wort das lyrisches Ich eines Paul Verlaine beurteilen soll und dieses dann kritisiert (mancheinmal ohne einen Bezug zum frankosprachigen Raum sowie deren historischen Ereignis)?

Es ist also als wenn ein von Geburt aus Blinder (dies ist ein Vergleich) die Frühlingsblüten in seine Farbenbetracht uns beschreibt: Es ist ein erbitterter aufgedrängter Dialog den der weise Sehende nicht annimmt und deshalb von ihm keine Stellung aus der Lehre um die Leere bezieht. Außer freundlichem Mitgefühl für all diese wundervolle kostbare Lebenszeit die damit vorüber zieht.

Insbesondere erlebe ich diese Art der Kommunikation eines Anfängers (wenig Geist) in der beginnenden Judoschule die ich ja nun lebe. Der O-Goshi ist dies oder das! Er ist Hüfte und ...... ich antworte dann im Vergleich....Ein kostbares Menschenleben reicht nicht für diesen Wurf und zitiere mein erstes spirituelle Erlebnis als Knirbs in einer Akademie an den jap. Judonationaltrainer (mit Dolmetscher) in der Frage um mein Harai-Goshi: Wie wird dieser perfekt? Er, dieser Meister im Grinsen: Wie häufig hast du diesen geübt? Ich: bei jedem Training bis zu dreißzig Mal! Worauf er: Ich trainiere diesen Wurf über mein ganzes Judoleben in jedem Training auch dreißig Mal und ich habe ihn bis heute nicht perfekt verstanden, vielleicht versteht man ihn wenn man ihn -zig millionen Mal geworfen, aber perfekt wird er dann auch nicht sein denn es gibt tja immer ein Morgen......


Wer sich die Ethik, also in die Regeln des Buddhismus eines Praktizierenden vertiefen möchte dem empfehle ich ein kleines Büchlein: Die Regeln des Bodhisattva-Gelübdes/ Geshe Thubten Ngawang/dharma edition

om a hum

ach so...wer den Dalai Lama über alles erhebt der muss ihn im Gesetz der Ursache und Wirkung einmal wieder zurückstufen, er ist weltlich ein Mönch und trägt den Titel eines Lehrers über die vier tib. buddh. Geistesschulen, ihn als Reiinkarnation des Buddha des Mitgefühls anzunehmen bedarf dann schon eine mystische Sicht und diese haben wohl nur Wenige?
Somit reicht es ihn als Gelehrten zu verstehen, einem Prof. der buddhistischen Philosophie!


Milarepa am Tag seines Erwachens zum Buddha: Du kannst jetzt auch gehen.....


zuletzt bearbeitet 24.04.2010 06:08 | nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 4 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: pain
Forum Statistiken
Das Forum hat 983 Themen und 22990 Beiträge.

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de