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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst

#1

billiges Plagiat

in Lyrik 08.10.2011 22:21
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

In Anlehnung an “Der Trichter” von Christian Morgenstern:


Ein Sozialarbeiter will Brücken zwischen verschiedenen Welten bauen

-------------------bewegen wird er nahezu nichts

-----------------------außer er sich selbst

---------------------------nach unten

-----------------------------tief


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#2

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 08.10.2011 22:34
von Taxine • Admin | 5.953 Beiträge

Das ist ein lyrisch mutloser Ausblick. Aber durchaus nachvollziehbar. Wie will man auch in eine Welt eindringen, eine andere Welt vermitteln, wenn letztere doch dafür verantwortlich ist, dass die Leute in ihrer jetzigen Welt gelandet sind. Da ist nicht nur Mutlosigkeit und Perpektivlosigkeit das Grundproblem, sondern einfach auch ein Verständnis für den wütenden Mittelfinger.

Sozialarbeiter bewegen sich ständig in diesem Millieu. Stelle ich mir mehr als hart vor. Was will man den Leuten auch erzählen? Komm, meld dich arbeitslos, schaff dir ne Wohnung an, werd' clean. Der lacht dich aus, und dieses Lachen ist bitter und aus tiefer Verzweiflung geboren. Und lösen tut es erst einmal gar nix.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 08.10.2011 22:36 | nach oben springen

#3

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 08.10.2011 22:48
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Vieles beruht auf der überheblichen Annahme, man könne sich in eine persönliche Situation hineinversetzen. Ich halte das für unmöglich. Könnte es jemand, wäre er dem, in den er sich hineinversetzen kann, mehr als ähnlich.

Wie kann ein Hirsch ein Eichhörnchen verstehen nur weil er wie das Eichhörnchen als Tier im Wald lebt?!


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#4

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 08.10.2011 23:09
von Martinus • 3.194 Beiträge

Hallo Jatman 1,

in der klientenzentrierten Gesprächstherapie gibt es den Begriff der Empathie. Natürlich kann man sich nicht 100% Prozent einfühlen, aber man kann seinen Mitmenschen trotzdem mitfühlend ziemlich nahe kommen. An diesem Gedicht gefällt mir die Verknappung.

Liebe Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#5

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 08.10.2011 23:36
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Da haben wir doch wieder einen, der drauf reingefallen ist: Empathie. Einer der unendlichen verbalen Hohlkörper, wie eben auch die klientenzentrierte Gesprächstherapie. Man kann den Menschen heutzutage scheinbar nicht nur Walkingstöcke als etwas Sinnvolles verkaufen.

Nimms bloß nicht persönlich


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zuletzt bearbeitet 08.10.2011 23:42 | nach oben springen

#6

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 08.10.2011 23:48
von Taxine • Admin | 5.953 Beiträge

Hohlkörper - kein Glaube an Mitgefühl, aber dennoch behaupten, die Menschheit würde sich positiv weiter entwickeln. Hier ist also Hopfen und Malz verloren, allgemein nicht?




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 09.10.2011 00:01 | nach oben springen

#7

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 08.10.2011 23:48
von Martinus • 3.194 Beiträge

Zitat von Jatman1
Empathie. Einer der unendlichen verbalen Hohlkörper, wie eben auch die klientenzentrierte Gesprächstherapie. Man kann den Menschen heutzutage scheinbar nicht nur Walkingstöcke als etwas Sinnvolles verkaufen.



Das sehe ich anders, werter Jatman 1. Aber es liegt natürlich an den Lebenserfahrungen selbst, die man macht, ob man zu dem Schluss kommt, Empathie sei ein Hohlkörper oder doch mehr.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#8

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 09.10.2011 11:48
von Krümel • 499 Beiträge

Von der pessimistischen Aussage her ähnelt es meinen Dingern sehr, eine kleine positive Wendung täte aber gut, wenn ich jetzt so im Spiegel lese

Vorletzte Zeile - Erkenntnis, statt nach unten? Lässt zumindest beide Richtungen offen.

Ansonsten mag ich es natürlich, liegt ja auf meiner Linie.

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#9

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 09.10.2011 12:23
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Zitat von Taxine
Hohlkörper - kein Glaube an Mitgefühl, aber dennoch behaupten, die Menschheit würde sich positiv weiter entwickeln. Hier ist also Hopfen und Malz verloren, allgemein nicht?


Die Lebensumstände und Zustände haben sich kontinuierlich verbessert, jedoch begleitet vom selben bedauernswerten moralischen Niveau. Die Menschen hauen sich also die Köppe ein - machen sie immer und werden es wohl auch nicht lassen. Wenn und wo sie das jedoch gerade nicht tun, sind sie moralischer Niedertracht immer weniger direkt ausgeliefert. Um die allgemeinplätze zu verlassen, bin ich sehr neugierig auf ein Beispiel, das belegt, dass es den Menschen in vergangenen Generationen besser ging. Nur ein solcher Hinweis kann den Vorwurf der Allgemeinheit bestätigen. Ich bin weiterhin neugierig.

Mitgefühl ist meines Erachtens nicht Empathie. Ich glaube an Mitgefühl. Empathie hingegen soll wohl bedeueten, sich mental in eine Lage von jemandem zu versetzen, um so ähnlich wie der andere zu fühlen. Also Fühlen auf dem Wege des Begreifens. Ich kan mit jemandem Mitgefühl haben, das begründet sich jedoch in meinen Erfahrungen, die ich sozusagen für die Person des Mitgefühls transferiere.

Nach ein paar Sätze zum Mitgeühl
Sopäs sind sehr bemüht um ihre Mitmenschen. Wieso eigentlich?
Recht simpel.
Eine orthographische Schwäche zeichnet sich hierfür verantwortlich. Sie schreiben es immer falsch. Sie meinen Mietmenschen. Es geht um Menschen, die sie sich als Mittel zum Zweck mieten.
Sie nutzen ihre Überlegenheit gegenüber den Mietmenschen aus. Unterstützt werden sie bei dieser Usurpierung von ihren eigenen lobbyistischen Institutionen. Uneinigkeiten entstehen da lediglich, wie überall, in Sachen Geld: Einig ist man sich aber darin, Menschen durch, zum Großteil abstruse Wertmaßstäbe und Ansprüche, an sich zu binden. Mietmenschen trifft es aber nicht so recht, denn das Geld bekommen ja die Sopäs. Ein gelungener Schlag gegen das Wuchertum geldgieriger Vermieter: Hier bekommt der Mieter den Mietzins.
Vielleicht könnte man Sopäs aber auch als Leiharbeiter titulieren. Sie leihen sich Menschen für ihre Arbeit, solange sie für ihren Zweck dienlich. Was soll man mit aussichtslosen Kreaturen auf ewig. Ist doch mehr als lästig. Geliehen werden diese Menschen bei der Hoffnungslosigkeit. Der werden sie auch wieder überlassen, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Zur Verabschiedung gibt der (Sozial)arbeiter dem Geliehenen noch eine kleines Geschenk mit auf den Weg.
Ein Beispiel mit wenigen Worten gefällig?
Jugendliche, die stationäre Hilfe zur Erziehung (Heim) bekommen, sind belastet mit Problemkonstellationen, gepaart mit
Defiziten, ohne Ende. Das hindert das Jugendamt in der Regel überhaupt nicht, diese jungen Menschen mit Erreichen der Volljährigkeit in eine eigene Wohnung zu setzen (Geschenk ist ein halbes Jahr „Nachbetreuung“) und sich selbst zu überlassen. Und die kommen ja eben nicht mal mit sich selbst klar. Das nenne ich zum Eigenzweck geliehen.
Faktisch ja in Ordnung – nur sollen doch dann nicht immer alle die große Besorgnis raushängen lassen. Sozialarbeit scheint die professionellste Form der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme darzustellen.


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#10

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 09.10.2011 13:04
von Martinus • 3.194 Beiträge

Hallo Jatman 1

Zitat von Jatman
Mitgefühl ist meines Erachtens nicht Empathie. Ich glaube an Mitgefühl. Empathie hingegen soll wohl bedeueten, sich mental in eine Lage von jemandem zu versetzen, um so ähnlich wie der andere zu fühlen. Also Fühlen auf dem Wege des Begreifens.



Ja, du sagst es schon, Empathie ist Einfühlung in eine andere Person, allerdings ist nicht das (intellektuelle) Begreifen im Vordergrund. Empathie ensteht aus genauer Beobachtung (Kinesik), Sprache, und ich meine auch aus Mitgefühl. Desweiteren ist die bedingungslose Werlschätzung gegenüber dem anderen genauso entscheidend, und die Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit (Kongruenz) gegenüber dem anderen. Damit hätten wir die drei Grundpfeiler Klientenzentrierter Gesprächsführung od.- therapie zusammen.

Zitat von Jatman1
Die Menschen hauen sich also die Köppe ein - machen sie immer und werden es wohl auch nicht lassen.



Natürlich weiß ich, wieviel Achtlosigkeit in der Welt ist, aber ich schaue nur auf mich. Wie verhalte ich mich selbst gegenüber meinen Mitmenschen?


mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 09.10.2011 13:06 | nach oben springen

#11

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 09.10.2011 13:57
von Krümel • 499 Beiträge

Zitat von Martinus

Zitat von Jatman1
Die Menschen hauen sich also die Köppe ein - machen sie immer und werden es wohl auch nicht lassen.



Natürlich weiß ich, wieviel Achtlosigkeit in der Welt ist, aber ich schaue nur auf mich. Wie verhalte ich mich selbst gegenüber meinen Mitmenschen?




Nebenbei lese ich ja auch den Schwab, vom ersten Mensch, zum zweiten, der eherne Mensch usw. - sie sind alle schlecht. Gier - Leidenschaft und Lust machen uns zu etwas ganz Besonderem

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#12

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 09.10.2011 14:20
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Gier - Leidenschaft und Lust machen uns zu etwas ganz Besonderem

gefällt mir sehr gut


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#13

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 09.10.2011 14:32
von Martinus • 3.194 Beiträge

Krümel, schreibt Schwab über die diversen Weltzeitalter wie Hesiod?. Dann käme doch auch ein Goldenes noch.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#14

RE: billiges Plagiat

in Lyrik 09.10.2011 16:32
von Krümel • 499 Beiträge

Zitat von Martinus
Krümel, schreibt Schwab über die diversen Weltzeitalter wie Hesiod?. Dann käme doch auch ein Goldenes noch.



Aber bis dahin sind wir schon längst alle tot - das dauerd noch, ist ganz weit wech, da muss es noch ganz viele Übermenschen geben ... Jetzt, ja jetzt

zuletzt bearbeitet 09.10.2011 16:32 | nach oben springen


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