Sergej Dowlatow
Zitat von Taxine
Ach... da fällt mir noch ein Kultbuch ein. Ilja Ilf und Jewgeni Petrow "Zwölf Stühle". Am besten in der Übersetzung von Thomas Jeschke. Das ist auch eine Mischung aus Humor und urrussischer Seele.
Super - Danke für den Tipp, Du hast verstanden, was ich zur Zeit brauche

Durch Dowlatow "Die Unsren" habe ich mich nun durchgequält. Irgendwie enttäuschend, bis zum Schluss.
"Mit Kolja schließt dieses Buch. Ich hoffe es ist klar geworden, daß es hier vor allem um ihn ging." (Was für ein Schlusssatz!)
Mir ist das ehrlich gesagt überhaupt nicht klar, wo Kolja auf der letzten Seite kurz und schmerzlos abgefrühstückt wird. Dabei ist Dowlatow unbewusst sein größter Kritiker: "Nach der Abreise meiner Frau und meiner Tochter entwickelten sich die Ereignisse in beschleunigtem Tempo. Wie im Roman eines unerfahrenen Schriftstellers, der die letzten Seiten in Eile herunterschreibt." Nicht anders kommt einem Dowlatow in diesem Werk vor. Die inhaltlichen Sprünge, die kurzen Erwähnungen ohne in die Tiefe zu gehen, die Hast, mit der Ereignisse abgehandelt werden, der durchweg kurze Satzbau ohne Bindewörter, die lieblose Abschlussgeschichte.
Literarisch meiner Meinung nach eine schlechte Leistung, die inhaltlich hin und wieder ihre Glanzpunkte hat und belustigen kann. Am besten fand ich noch die Geschichte, wie er seine Frau kennen gelernt hat. Sie ist literarisch besser erzählt, als andere Geschichten in "Die Unsren". Und auch hier hast Du Recht, Taxine, sie weicht von der Geschichte in "Der Koffer" deutlich ab, was natürlich kein Problem darstellt und für einen Autor legitim ist, den Erzähler jedoch etwas unglaubwürdig macht, da er ja stets bemüht scheint, Authentizität herzustellen („unzuverlässiges Erzählen“ nennt man so etwas).
Na ja. "Der Koffer" sollte man unbedingt, "Die Unsren" muss man nicht gelesen haben.
Ganz so schlimm habe ich es nicht empfunden, allerdings hat "Die Unsren" lange nicht den Charme von "Der Koffer". Letzteres Werk ist ein Geniestreich, alles andere, was ich bisher von Dowlatow gelesen habe, reicht daran nicht heran. Man sucht vielmehr nach dem Dowlatow, der in "Der Koffer" erzählt... und Dowlatow profitiert in seinen anderen Erzählungen von der Begeisterung des Lesers, die in "Der Koffer" aufkam.
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