September 2012
Es gibt Bücher, die gefallen einem gleich auf den ersten Seiten: Reimann - Ankunft im Alltag
Der Fühmann ist sehr programmatisch und linientreu verfasst, aber toll im Aufbau und mit Herz und Seele geschrieben, das zog ebenfalls in den Bann. Bei so viel Enthusiasmus blutet einem schon ein bisschen das Herz, wenn man bedenkt, dass inzwischen alles Makulatur und nur noch Werkshistorie ist. Was in solchen Werken vollbracht wurde erfährt man nur noch auf Wikipedia und eben in solcher Literatur. Ein schönes Denkmal, das allerdings selbst zu vergessen droht, wenn es nicht mal wieder aufgelegt wird. Seinen festen Platz in der Literaturgeschichte hat es sich zumindest gesichert.
http://de.wikipedia.org/wiki/Warnowwerft_Warnem%C3%BCnde
Unverhofft kommt oft. Nachdem ich mir vor Jahren die schöne Barlach-Stadt Güstrow angeschaut hatte, wollte ich schon lange mal ein Drama von Barlach lesen. Nun bin ich für 50 Cent an ein ungelesenes Exemplar
Barlach - Der arme Vetter
geraten, mit wunderbaren doppelseitigen Steinzeichnungen von Barlach. Nicht nur ein toller bildender Künstler, auch ein großartiger Dramendichter. Hier sein Atelier bei Güstrow, heute Barlach-Museum. 
In einer in Güstrow als Barlach-Galerie umfunktionierten Kapelle findet man u.a. Barlachs Statue "Lesender Klosterschüler", um die es in Alfred Anderschs "Sansibar oder der letzte Grund" geht. 
O schöne Fotos. Vielen Dank für den Eindruck, LX.C. ![]()
Lektüüüüre: William A. Gerhardie "Vergeblichkeit". Ein englischer Russe oder russischer Engländer? Er wusste es wohl auch nicht so genau (er wurde in Russland geboren, studierte später in Oxford), das Buch jedenfalls ist voller wuselnder russischer Menschen, eine Mischung aus Tschechow'scher Situation und etwas Turgenjew, kurz: hinreißend. Ich habe dazu auch noch ein wunderschönes Exemplar der "Anderen Bibliothek" ergattert, vom Eichborn Verlag. Da macht das Lesen doppelten Spaß. ![]()
(Von Gerhardie gibt es auf Deutsch auch noch "Sinfonie der Liebe", allerdings soll dieses Werk grottenschlecht übersetzt sein. Mal sehen, was da noch auf mich zukommt, wenn ich es mir denn besorge.)
Michael Roes, Leeres Viertel. Rub' Al-Khali
Habe mich mitten auf dem Schlachtfeld des Bhagavad-gita verirrt und finde nicht mehr hinaus... Hiiilfe... 
Roman-Lektüre: John Cowper Powys "Glastonbury Romance"
Und das ist der Beginn:
"Schlag zwölf an einem gewissen fünften März kam es im Einzugsbereich der Bahnstation Bradon und zugleich weit über die tiefsten Tiefen des leeren Raums zwischen den entlegensten Sternensystemen hinaus in der schöpferischen Stille des Urgrunds zu einem jener unendlich kleinen Wirbel, die immer dann entstehen, wenn ein lebender Organismus in diesem astronomischen Universum einen ungewöhnlichen Schub der Bewusstseinserweiterung erfährt. In diesem Augenblick übertrug sich etwas, eine Welle, ein Zucken, eine Schwingung - zu fein, um magnetisch, zu unterschwellig, um geistig genannt zu werden - zwischen der Seele eines bestimmten menschlichen Wesens, das einem Waggon dritter Klasse des Zwölf-Uhr-neunzehn-Zugs aus London entstieg, und der göttlich-teuflischen Seele im Urgrund allen Lebens.)
(John C. Powys "Glastonbury Romance", Roman Zweitausendeins)
Zitat von Roquairol im Beitrag #11
Michael Roes, Leeres Viertel. Rub' Al-Khali
Was heißt das Arabische Sprichwort, das als Vorzitat verwendet wird? Oder wo steht es übersetzt? Das muss man doch übersetzen ... Das kann man doch nicht einfach so wunderbar arabisch da hinknallen und erwarten, dass der Leser die Sprache beherrscht. Das geht doch nicht ... Vielleicht versteht man es erst, wenn man das Buch gelesen hat???

Danke für den Lesetipp, Roq. Beginnt schon sehr sprachgewaltig und spannend, in beiden Reiseberichten.
Oder die Szene hier:
"Während unseres überstürzten Aufbruchs von Triest fragt Schotenbauer mich nach meinem Gebäck. Ich erwidere, es stünde vollständig vor ihm. Ungläubig starrt er auf meinen Mantelsack und Dachsranzen: Für eine Expedition wohl über ein Jahr wird dir dieser Sack und Zehrbeutel genügen? - Soll ich denn mit einem Dutzend Kammerläden und Fichtenkästen durch die Wüste ziehen? - Alleyn die Reiselectüre fülle zwey Truhen, entgegnet er. Ich wage nun meine zwey Bücher nicht mehr zu nennen, die, so bin ich dennoch überzeugt, mehr als zwey Truhen aufzuwiegen im Stande sind. Sie werden mir auch über ein Jahr hinaus Anregung und Trost seyn."
(Michael Roes "Leeres Viertel Rub' Al-Khali", btb, S. 21)
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und gefiel mir besser als Stern in der Ferne.