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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#1

In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 16:55
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Ja, diese ewige Suche nach dem Dahinter. Wer schreibt, hält fest, sein Ich hier in allen Ängsten und in aller Wut, in Überlegung und Gedankentiefe.
Das Thema schon diskutiert, doch es lässt nicht los, denn dieses ist so dehnbar, auf alle Gebiete.
Im Bild lesen, wer dahinter hantiert?
Im Buch erfahren, was ein Schreiberling wohl fühlt?

Nein, nein und nochmals nein. Hier in Zeilen etwas entdecken zu wollen, was den Autor ausmacht, wäre fatal.

Wenn jeder Schriftsteller nur sein eigenes Wesen im Text festhalten würde, würde er wohl nur ein einziges Buch schreiben.
Nun, er wird es schreiben, das Buch des Lebens, aber kommt es wohl nie an die Oberfläche oder höchstens nach seinem Tod. Solange aber ist die Phantasie gefragt, die Überlegung, die Idee, ein Auseinandersetzen. Das Geschriebene ist nur das Übersteigerte der Phantasie, all das sind nur Möglichkeiten.
Das, was darüber hinaus geht, macht den wahren Schriftsteller aus.
All dieses Finden-Wollen ist so schade, weil man sich beim Schreiben so viel Mühe macht.
Bei Texten ist alles bis ins Tiefste durchdacht, alles so oft gewälzt und verfeinert. Wer hier nun auf die Suche nach Erkenntnissen über das Ich geht, muss lange suchen.

Bei den Bildern ist das ähnlich. Da fließt wenig Künstler-Person hinein. Man wälzt einen Gedanken, erblickt endlich die Idee und versucht diese dann umzusetzen. Man will etwas aussagen. All diese Bilder, die nur etwas darstellen, sind totes Abbild. Nichts, was weiterführt. Das langweilt zutiefst, egal, wie gut es gemalt ist. Davon gibt es einfach zu viel!

Es muss so viele neue Ideen geben. Neue alte Ideen, von mir aus. Aber Ideen.
Alles andere ist unwichtig.
Spielerei.
Unwesentlich!




Surreale Vorstellungen
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#2

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 16:56
von Moulin
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So, da muß ich noch einmal etwas zu schreiben, das ging mir schon lange durch den Kopf.

Grundsätzlich denke ich, dass eine gute Recherche für ein Buch sehr wichtig ist. Es sollte gut ausgearbeitet sein, und das Thema, der Gedanke der als Leitfaden im Buch getragen wird, - das gilt auch für andere Künste -, sollte spannend, interessant und fesselnd gehalten werden.

Doch wenn man sich darauf festlegt, ich zitiere ...Bei Texten ist alles bis in´s Tiefste durchdacht, alles so oft gewälzt und verfeinert..., dann läuft man Gefahr, ein gutes Werk zu schaffen, dem die wichtige, persönliche Note fehlt, und das ist gerade bei Dir, liebe Taxine ein ganz wichtiger Faktor, denn gerade Deine Beiträge in einem bekannten Kunstforum haben Dich auf Grund dieser persönlichen Note beim Schreiben so weit aus der großen Masse hervorgehoben, dass ich Dich niemals hätte übersehen können. Diese Wärme, dieses Gefühl in den Texten, das darf nicht verloren gehen. Man könnte es schon als einen Verlust der Literaturwelt betrachten.
Sicher muß man in einem Romen nicht die privaten Gegebenheiten des eigenen Lebens durch Umschreibungen verarbeiten (kann man aber), doch ein Schreibstil darf meiner Ansicht nach auch keiner Norm weichen.

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#3

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 16:56
von Taxine
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Hallo Moulin,

ich glaube, ein Text hat immer die persönliche Note des Autors, diese durch ständige Überarbeitung vertreiben zu wollen, wäre wirklich furchtbar.

Das Wälzen von Texten ist bei mir nicht das immer wieder Verbessern und an etwas anpassen, sondern lediglich einen Punkt eigener Zufriedenheit zu erreichen. Meine Texte sind ganz ich, ich meinte aber, es ist nicht immer eigenes Erlebtes, was aus den Texten schimmert.

Das was du meinst, ist wohl eher, wenn ich es mal in die Kunst und die Malerei hinüberschwenke, wenn ich ein Bild male und immer wieder übermale, bis ich den Punkt überschritten habe, als es bereits fertig und gut war, es also verderbe.
Das meinte ich nicht. Einen Text zu durchdenken oder ein Bild zu malen treibt mich immer nur bis an meine eigenen Grenzen, nicht, um etwas zu "erfüllen".
Liebe Grüße
Taxine

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#4

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 16:57
von Moulin
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Jetzt kann ich Deine Worte besser nachvollziehen. Es wäre ja auch schade gewesen, herausragende, persönliche Eigenschaften beim Schreiben außen vor zu lassen.

Lieben Gruß

Der Moulin

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#5

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 16:57
von Taxine
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Doch was wären gute Romane, wenn der Autor Personen und Protagonisten erschaffen hätte, die nur er selbst sind? Das bliebe ein doch eher einseitiges Gespräch, wenn nicht das Zerteilte, gar Schizophrene im Schriftsteller ausgeprägt vorhanden ist.
Persönliche Eigenschaften im Schreiben bleiben dabei erhalten.
In erster Linie will man festhalten. Für wen und was muss und sollte im Moment des Schreibens egal sein.
Man muss das Denken immer ein bisschen in Bewegung halten. Man macht das mit Worten, mit sportlicher Betätigung, mit Kunst schaffen und betrachten, mit Musik hören oder dem Lesen guter Bücher. All diese Möglichkeiten sind dehnbar. Bei mir ist es der tägliche Drang zu schreiben. Es gibt auch Tage, wo er nur Magma ist, noch lange nicht zum Ausbruch bereit. Doch, man weiß es nicht, wundert sich.
Die Phasen von Findung und Sammlung. Gedanken ordnen, Gedanken schöpfen... Diese Dinge meine ich ebenso.
Man schreibt keine Geschichte, um sich selbst zu erzählen, und doch erzählt man sie selbst. Es ist ein Ereignis, das man mitteilen möchte, das sich aus dem Kopf, dem Herz, dem Inneren ergießt, und auch nicht in gleicher Art und Weise. Manchmal betrügt man sich ein bisschen selbst, schreibt, obwohl man genau weiß, dass im Moment die Poesie mit der Muse entflogen ist, dass sie weit von einem entfernt andere Denker und Künstler beglückt, und doch reicht es, dass man sie zusammenstückelt, die Sätze, ein bisschen Selbst und Ansicht auf Papier (auch virtuelles) gegossen. Was die Phasen unterscheidet, ist die Dauer, das Quälende der Wortschöpfung, die in guten, kreativen Tagen aus allen Richtungen zu strömen scheint.
Einen Text wälzen - nein, hier sehe ich nicht den Verlust des Autors. So viele schreiben, so viele reden, und haben nichts zu sagen.
Und selbst die, die etwas zu sagen haben, ergeben sich ihrem Gejammer, manchmal einer schönen Phantasie, manchmal einem tragischen Bericht oder dem Autobiografischen, das überall wie zweites Leben aus dem Beton wächst. Alle wollen sich selbst zum Buch machen, sich selbst neu erfinden. Bunte Einbände, aneinander gereiht, lächelnde Gesichter von Menschen, von denen man noch nie gehört hat, die auch nichts Interessantes vollbracht haben, die einfach da sind und sich leisten können, das eigene Leben noch einmal ganz neu zu gestalten, und wenn schon nicht im echten Leben, dann in Zeilen, auf das die Lesenden nur glauben, was zurückbleibt. Und, seien wir ehrlich, meistens ist es so.
Das menschliche Gedächtnis ist eine Prägung an Ereignissen, solange sie aktuell sind. Ein Thema ist interessant, solange darüber geredet wird, völlig egal, ob es nun wahr oder falsch ist, Tatsachen oder Abweichungen enthält. Mit viel Getöse senken sich Schlagzeilen und die richtige Vermarktung EGAL WELCHER DINGE in den Kopf, und sollte auch Jahre später oder einen Tag danach erkannt worden sein, dass die Ereignisse ein bisschen anders verliefen, so bleibt trotzdem das große Thema im Kopf, das aus riesigen Buchstaben klaffende und aus geheuchelter Empörung entfachte, das, bei dem alle mitreden konnten.
Mit Biografien erscheint es mir fast genauso. Besonders die von denen, die noch leben.
Darum ist mir das Schreiben nicht eigenes Analysieren oder Festhalten eigener Erfahrungen, vielleicht ein paar eigene Bedenken. Realismus pur staubt aus dem Mund, nur Phantasie gemischt mit der Wirklichkeit gereicht zum Triumph eigener Ansprüche, zu einem Ansatz an Zufriedenheit. Ein bisschen Streben nach Tiefe, um die Schnelligkeit zu verdrängen.

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#6

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 16:58
von Cora
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Hi, Taxine!

Zitat von Taxine
"Ein bisschen Streben nach Tiefe, um die Schnelligkeit zu verdrängen."


- Das ist es, was das Schreiben ausmacht!

Obwohl ich manchmal denke: Genug der Worte,
es langt.
Aber die Gedanken lassen sich nicht abstellen, sie strömen, sprudeln aus übervollen Quellen hervor und bauen beständig an einem Damm.

So mag es wohl auch jedem ergehen, der sich einmal - vermutlich ahnungslos - dem Schreiben angenähert hat.

LG
Cora

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#7

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 16:58
von Moulin
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Liebe Taxine.

Möglicherweise reden wir nach wie vor aneinander vorbei.
Gerade Dein letzter, zu diesem Thema geschriebéner Beitrag entspricht ja gerade dem, was ich mir unter einem guten, persönlichen Werk vorstelle. Das hätte jeder Andere auch schreiben können, hat aber nicht, und wenn, dann aber eben nicht so! Eine Schreibweise, die authentisch ist, beim Lesen eine Harmonie der Buchstaben bildet, die den Betrachter fesselt wie bei einem Meisterwerk der bildenden Kunst und gleichzeitig Weisheiten enthält, die die Autorin für sich erkannt hat und in literarischer Form wiedergibt.
Man sagt, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in China das Wetter in Europa beeinflusst, und so denke ich fließt alles, was um uns herum passiert in die Persönlichkeit eines Menschen ein, und wird auch in irgendeiner Form in geschriebenen Sätzen wieder hervortreten. Ob man das will oder nicht.

Lieben Gruß

Le Moulin

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#8

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 16:58
von Taxine
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Hallo Cora,

ja, die Worte sprudeln. Aber, wenn ich mir das ganze Geschafel auf dem Markt so ansehe, dann wundere ich mich, dann erscheint es, als ob Tiefe und Überlegung, Philosophie und dichter Text nicht mehr so gefragt sind. Da wird aller Mist als Buch herausgebracht, irgendeine Viva-Moderatorin meint auf einmal, ein Buch schreiben zu müssen, und Filme werden gedreht, die aus den kleingeistigsten Vorlagen geschaffen werden.
Ist euch schon mal aufgefallen, dass der Film sich immer und immer wieder wiederholt? Beispiel Hollywood. Statt sich neuen Drehbüchern anzunehmnen, greifen sie lieber auf Altbewährtes zurück. So hat jede Generation eine andere, jeweils moderne Version des gleichen Films.
So erscheint mir manchmal der Buchmarkt auch. Immer wieder das Gleiche längst und oft Durchgekaute.

Hallo Moulin,

der Text war nicht auf deine Beiträge bezogen, sondern ein Gedankengang, den ich fortgeführt habe.
Ich habe schon verstanden, was du gemeint hast.

Liebe Grüße
Taxine

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#9

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 16:59
von Moulin
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Wie konnte ich daran zweifeln...

Wiederholungen begründen sich darin, dass immer wieder eine neue Generation nachwächst, der man mit der gleichen Geschichte Geld aus der Tasche ziehen kann.
Sprachlich scheint es notwendig, für alles ein Remake zu schaffen, damit es von den neuen Generationen verstanden und angenommen werden kann. So heißt es dann heute eher: Ich geh´ heute Capulets auf Patty, Julia-Bitch anbaggern.

Überwiegend fällt mit jeder neuen Wiederholung auch das Niveau, weil auch das Grundthema, der Grundgedanke verblasst, und das Absinken unserer Gesellschaft in ein neues Zeitalter der Gleichgültigkeit wird dadurch gefördert.

Rein sprachlich sehe ich, gerade bei Jugendlichen schon eine starke Verrohung.
Ich halte mich zwar für sehr liberal und tolerant, bin gewiss nicht altmodisch, aber die Wandlung der Begriffe bei Jugendlichen in nur kürzester Zeit finde ich erschreckend.
So wurde aus: 'Der labert mich voll' ein ' der textet mich zu'. Daraus wurde inzwischen bei Jugendlichen: 'Der fickt mir Texte in den Kopf'.

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#10

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:01
von Kyra
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Da hat doch auch mal ein Komiker einen Witz drüber gemacht. Die Jugendlichen im Gespräch, Kontakt über Handy:

Person A: Ey... willste ficken?
Person B: (bei Einwilligung): ! (bei Nicht-Einwilligung) ?

Oder so ähnlich.

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#11

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:02
von Martinus
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Hallo Moulin,

ein Remake wäre ja nur interessant, wenn ein Remake neue Phantasien, neue Ideen in Gang bringt. Tut es aber nicht. Oft ist es so, dass Remakes schlechter sind, als der Prototyp. In der neuen "Superman"- Verfilmung konnte ich das deutlich feststellen ( ). Insofern, wenn wir es in Bezug setzen zur Verrohung der Jugend, sind Filmremakes Verrohungen des Filmgenres.

In der Literatur kommen Dreiecksgeschichten zur genüge vor. Heute kann so ein Motiv nur interessant sein, wenn der/die Autor/in neben dem schriftstellerischen Handwerk auch noch genügend Phantasie hat.

Liebe Grüße
Martinus

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#12

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:02
von Moulin
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Das Ganze unterliegt ja sicher auch einer Art Wellenbewegung. Jede Epoche wechselt zwischen Prunk / Fülle und Reduktion. Sieht man ganz gut in der Kunst und erlebt es vielleicht selbst bei der Einrichtung von Wohnungen. Die werden in aller Regel über die Jahre vollgestopft, bis es den Wohnenden so weit annervt, dass er beginnt das Ganze zu reduzieren.
Und so vermute ich, verhält es sich auch mit der momentanen Übersättigung in Kunst, Literatur, Musik und Film. - Hoffentlich.

Lieben Gruß

Le Moulin

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#13

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:02
von Taxine
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Ich glaube nicht, dass es besser wird. Jeder neu "aufgekochte" Film enthält einfach nur mehr Action, Stumpfsinn, Gewalt... etc.
Scheinbar fährt die Filmindustrie (heißt ja nicht umsonst so) ganz gut damit. Immer weniger Inhalt, immer öfter schnelle Bilder.
Mancher Film ist nichts anderes, als ein riesiger Werbespot (siehe James Bond u. a.)

Das fällt mir ganz gewaltig auf. Nicht nur alte Filme, die immer wieder neu aufgesetzt werden, sondern auch alte Serien, die auf einmal als Film gestaltet werden. Und besser ist es nie, nur anders, an die Zeit angepasst.
Als ob sich nur das lohnt, was schon einmal Erfolg hatte. (Mit der Musik verhält es sich nicht anders, in der Kunst vielleicht ein bisschen.)
Aber, das ist ja auch das Tragische an langweiligen Hollywood-Filmen. Dass sie keinen Mut zu neuen Ideen haben, diese Aufbereiter alten, grauen Breis.

Und meistens ist es doch so:
Bevor man einen Film gesehen hat, ist das Interesse vorhanden, entfacht durch Vermarktung, Ausschnitte, gelesenen Inhalt, aber, wenn man ihn dann gesehen hat, erfüllt er meist nicht die Ansprüche und man vergisst ihn ganz schnell wieder, kann nicht einmal sagen, was darin passiert ist.
Es ist kein Kult mehr (Erinnerung an so manchen Undergroundfilm oder so manche Low-Budget-Produktion), sondern wie scheinbar alles: ein Massenprodukt!

Dabei sind Bilder, visuelle Eindrücke so aussagekräftig, wenn schon alles immer schneller huscht, ohne sich zu festigen. Da sickert alles mögliche in unsere Köpfe, und das meiste davon bekommen wir nicht einmal mit.
Das Wort ist eine Sache (wenn auch so manches zu leerem Geschwätz ausartet, also ähnlich wie ein schlechter Film), das Bild eine andere, und die Aneinanderreihung mehrerer Bilder in der Bewegung ist eine neue Möglichkeit. Aber, sie wird kaum genutzt.
Wir ersticken an Informationen und überhören dadurch die "Botschaft". So etwas, das wir aus guten Büchern zum Glück immernoch ziehen können, und solange sich Papier noch am längsten hält, wird uns der altegwohnte Wälzer auch noch erhalten bleiben!
Die meisten Filmemacher haben leider auch nicht mehr den Wunsch, eine Botschaft zu übermitteln, sondern einfach ordentlich Geld zu kassieren. Das ist der Sinn des Filmemachens. Da wird solange vereinfacht, bis der Zuschauer gar nicht mehr denken muss, alles offensichtlich bleibt. Er muss sich nur noch leiten lassen, nichts mehr hinterfragen. Und das ist wirklich schade.

Liebe Grüße
Taxine

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#14

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:03
von Martinus
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Zitat von Taxine
Und meistens ist es doch so:
Bevor man einen Film gesehen hat, ist das Interesse vorhanden, entfacht durch Vermarktung, Ausschnitte, gelesenen Inhalt, aber, wenn man ihn dann gesehen hat, erfüllt er meist nicht die Ansprüche und man vergisst ihn ganz schnell wieder, kann nicht einmal sagen, was darin passiert ist.



So geht es doch auch mit Büchern, wenn wir uns von Werbefritzen fangen lassen. Ich habe die Bücher der ersten Preisträger des "Deutschen Buchpreises" gelesen. Auf Katharina Hacker hatte ich dann keinen Bock mehr. Und dann diese irrige Vorstellung, man müsse als Pendant zum Booker Preis einen Preis für deutschsprachige Bücher haben. Der Vergleich lumpt, weil im englischsprachigen Raum höher karätige Autoren zu finden sind (insbesondere natürlich in den USA).

Das andere ist dies: Manch deutscher Leser braucht ein Werbezugpferd wie Frau Heidenreich oder Harpe Kerkeling. Kerkeling ist ein guter Komiker, ob er aber ein guter Schriftsteller ist?? Aber die Leute kaufen seinen Spaziergang nach Compostela, weil sie ihn vom Fernsehen her kennen. Ob der gut schreibt, interessiert dabei niemanden.

So wird geistlos dahingelesen. Lesen bildet ja.

Martinus

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#15

RE: In Texten finden ...

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:03
von Taxine
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Darum lasse ich mir nur von der Literatur mein nächstes Buch empfehlen, oder von Leuten, die ich mag, schätze und mit denen ich einen gleichen, hohen Anspruch teile, nich... Martinus!!!

Aber, genau das ist es, was du sagst. Der Trend "Lesen". Da schüttelt es mich.
Frau Heidenreich empfiehlt. Oder Harald Schmidt oder Hinz und Kunz.
Lesungen in renomierten Buchhandlungen hauptsächlich:
- Kochbücher von bekannten Fernsehköchen
- sogenannte Frauenliteratur
- solche Bücher wie "Vollidiot"
- Komiker, die Bücher schreiben (Mario Bart mit seinem Mann/Frau Gelaber)

Und so weiter...
Die Leute lassen sich auch gerne durch ihre Zeitschriften inspirieren. Jede neue große Buchhandlung, die eröffnet wird, enthält auf einmal unterteilte Regale, wie
- Spiegel empfiehlt
- Süddeutsche empfieht
- Bestseller
- Focus befiehlt (Pardon: empfiehlt!)

Bei den Klassikern bin ich oft alleine, bei Lyrik sowieso. Auch ist das Regal so klein und unscheinbar.
Letztens eine schöne Situation:
Ein Mann im Anzug, um die Vierzig, kommt zur Verkäuferin und fragt, ob er ein bestimmtes Buch zum ermäßigten Preis bekommt, weil dieses scheinbar etwas ramponiert aussieht. Die Verkäuferin willigt ein, der Mann entfernt sich. Und als ich mich gerade über Hamsun beuge, kommt er schon zurück, bedauert und sagt: Nein, das Buch ist mir doch ein bisschen zu zerfleddert. Dabei war es nur ein bisschen an den Kanten angestoßen.
So kaufen Menschen eben auch für das Auge, damit ihre Bücher schön im Regal aussehen.
So sind sie, manchmal... diese Menschen.

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